Eine wundervolle, stärkende Begleitung durch die Pubertät
Redet nicht. Räumt nicht auf. Lieb ich trotzdem.Schon das Cover hat mich sofort angesprochen, vor allem aber der Titel: „Redet nicht. Räumt nicht auf. Lieb ich trotzdem.“ bringt mit einem Augenzwinkern ziemlich treffend auf den Punkt, was Pubertät bedeuten ...
Schon das Cover hat mich sofort angesprochen, vor allem aber der Titel: „Redet nicht. Räumt nicht auf. Lieb ich trotzdem.“ bringt mit einem Augenzwinkern ziemlich treffend auf den Punkt, was Pubertät bedeuten kann. Er macht neugierig, wirkt ehrlich und liebevoll. Genau so fühlt sich auch das Buch an.
Inke Hummel schafft es, ein Thema das viele Eltern mit Sorge, Unsicherheit oder sogar Angst betrachten, auf eine unglaublich ermutigende Weise zugänglich zu machen. Schon im Einstieg wird klar: Pubertierende Jungs sind keine „Problemfälle“, sondern junge Menschen in einer intensiven Entwicklungsphase. Besonders hilfreich fand ich die verständlichen Erklärungen dazu, was in ihren Köpfen und Körpern passiert und warum sie sich manchmal so verhalten, wie sie es eben tun. Das nimmt Druck heraus und öffnet den Blick für mehr Verständnis.
Ein großes Plus sind für mich die praktischen „Mach das“- und „Lass das“-Abschnitte. Sie geben konkrete Orientierung, ohne belehrend zu wirken. Immer wieder vermittelt das Buch: Es geht nicht um Strafen, Machtkämpfe oder ständiges Durchsetzen, sondern um echte Kommunikation, klare Konsequenzen, Beziehung und darum gemeinsam Lösungen zu finden. Gerade dieser einfühlsame, aber trotzdem realistische Blick hat mir sehr gefallen.
Auch die Themenauswahl ist großartig. Schule, Psyche, Medien, Hormone, Körper, Liebe, Sexualität und Freundschaften werden aus verschiedenen Perspektiven betrachtet. Besonders gelungen fand ich, dass Gaming nicht grundsätzlich verteufelt, sondern differenziert betrachtet wird: Entscheidend sind Maß, Ausgleich, Beziehung und andere Interessen. Auch der Vergleich mit kleinen Kindern, die bei Hygiene erst lange begleitet werden müssen, bis es irgendwann selbstständig klappt, ist wunderbar einleuchtend.
Immer wieder gab es für mich echte Aha-Momente, zum Beispiel den cleveren Nachhilfetipp, bei dem Jugendliche jüngeren Kindern in einem ungeliebten Fach helfen und dadurch selbst Grundlagen festigen sowie ihre Haltung zum Fach verbessern können. Auf solche Ideen wäre ich allein eher nicht gekommen.
Der Schreibstil ist durchweg aufmunternd, warm und klar. Nichts wird beschönigt, aber auch nichts dramatisiert. Man spürt auf jeder Seite: Pubertät ist herausfordernd für alle Beteiligten, aber sie kann mit Verständnis, Flexibilität, Liebe, Konsequenz und Gelassenheit gemeinsam gemeistert werden.
Für mich ist dieser Ratgeber eine echte Ode an das Verständnis. Er zeigt, wo Eltern ihre Energie sinnvoll einsetzen können, wann Durchsetzen wichtig ist und wann Loslassen die bessere Wahl sein kann. Vor allem erinnert er daran, dass die Beziehung zum Kind der wichtigste Anker bleibt.
Ein wundervolles, kluges und ermutigendes Buch für Eltern, die ihre Söhne durch die Pubertät begleiten möchten, ohne dabei den Humor, die Liebe und das Vertrauen zu verlieren.