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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.07.2020

Ein psychologisch düsteres Familiendrama

Ich will dein Leben
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Ich war sofort begeistert von dem flüssigen, atmosphärischen Schreibstil, den eindringlichen, feinfühligen Schilderungen der Gefühlswelt der Figuren sowie von der sich langsam, aber dramatisch entfaltenden ...

Ich war sofort begeistert von dem flüssigen, atmosphärischen Schreibstil, den eindringlichen, feinfühligen Schilderungen der Gefühlswelt der Figuren sowie von der sich langsam, aber dramatisch entfaltenden Handlung.

Auch die Tatsache, dass die Geschehnisse in den 1980er Jahren stattfinden ist für mich ein Highlight: es ist interessant zu erleben, wie die Charaktere sich Briefe schreiben, Walkmans und Telefonzellen nuzten!

Die begrenzten Kommunikationsmöglichkeiten bzw. die Isolation weil man nicht ständig über alles informiert ist und nicht überall mit anderen in Kontakt treten kann, tragen für mich sehr zu der beklemmenden Stimmung - der Einsamkeit sowie der Verzweiflung bei.

Die Autorin führt geschickt duch das Leben der Charaktere der zwei Familien und lässt die Leserschaft nach und nach erkennen wie sie wirklich sind; ihre Widersprüchliche, ihre Kränkungen, ihre guten Absichten, ihr Egoismus, ihre Trauer und ihre Enttäuschungen - hinter all dem steckt viel mehr, als es auf den ersten Blick erscheint...

Zum Ende hin eskaliert die Unglücksseeligkeit der beiden unterschiedlichen Familien; alle scheinen genug zu haben! Sie halten es nicht mehr aus - in ihrem Leben immer wieder an die selben Grenzen zu stoßen...

Zwei Figuren wagen dann, verzweifelt oder mutig?, einen Neustart und lösen einen verheerenden Dominoeffekt aus...

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Veröffentlicht am 04.06.2026

Verblüffend!

Geliebte Schwester
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Die Schwestern Tasha und Alice sehen sich sehr ähnlich, sie könnten jedoch kaum unterschiedlicher sein: Die praktische, häusliche Tasha arbeitet als Rezeptionistin in einer Arztpraxis, ist mit einem Mechaniker ...

Die Schwestern Tasha und Alice sehen sich sehr ähnlich, sie könnten jedoch kaum unterschiedlicher sein: Die praktische, häusliche Tasha arbeitet als Rezeptionistin in einer Arztpraxis, ist mit einem Mechaniker verheiratet und lebt in ihrem Heimatdorf in Südengland. Die glamouröse Alice lebt in London, hat eine Karriere als Biochemikerin und ist mit einem superreichen Medizintechnikunternehmer verheiratet.

Als Alice mitbekommt, dass Tasha Geldprobleme hat und im grauen, tristen Alltag versinkt, beschert sie ihrer Schwester sowie ihrem Schwager eine Auszeit in Venedig, in der Ferienwohnung ihres Ehemannes – Alice und er passen so lange auf die Kinder auf.

Ein entsetzlicher Vorfall verändert allerdings alles: Die „Pflegeeltern“ werden folgenschwer angegriffen, weshalb Tasha und ihr Ehemann nach Hause eilen. Doch das Grauen scheint kein Ende zu nehmen – Tasha erhält die verstörende Nachricht, dass eigentlich sie hätte getroffen werden sollen.

Ab jetzt beginnt eine angsterfüllte, beklemmende Zeit für die Familie, wodurch ein altes Trauma getriggert wird, denn das ist nicht die erste Tragödie für die Familie.

Während der ersten paar Kapitel dreht es sich viel um den Frust von Tasha: Sie fühlt sich im Vergleich zu ihrer schillernden Schwester unscheinbar, ihre kleinen Zwillingstöchter und ihr Job vereinnahmen sie völlig. Zweisamkeit, Romantik sowie Leidenschaft finden erst während der Auszeit in Venedig seit Langem wieder statt.

Es gibt von Anfang an rätselhafte, bedeutungsschwere Andeutungen, und nach dem Angriff kommt richtig Bewegung in die Handlung, aber die ausführlichen Schilderungen drosseln das Tempo meiner Ansicht nach etwas. Ich mag detaillierte Beschreibungen, wenn sie zur Atmosphäre beitragen, doch hier fließt für meinen Geschmack zu viel Alltägliches ein.

So richtig spannend wurde es für mich ab der zweiten Hälfte, nach einer entsetzlichen Enthüllung, die alles auf den Kopf stellt. Danach folgen jede Menge erschütternde Wendungen und rätselhafte Entwicklungen. Geheimnisse, Täuschungen, Vertuschungen sowie Lügen kommen allmählich ans Licht, und die überraschenden Erkenntnisse sind herrlich nervenaufreibend, faszinierend verstörend, außerdem wirklich raffiniert!

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Veröffentlicht am 01.06.2026

Ein packendes Katz-und-Maus-Spiel

Die Psychopathin - Wer manipuliert dich wirklich?
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Karolin steht kurz davor, die Leitung des Unternehmens zu übernehmen, für das sie seit zwanzig Jahren arbeitet. Doch plötzlich häufen sich verstörende Vorfälle und Bedrohungen, sodass ihr Leben Stück für ...

Karolin steht kurz davor, die Leitung des Unternehmens zu übernehmen, für das sie seit zwanzig Jahren arbeitet. Doch plötzlich häufen sich verstörende Vorfälle und Bedrohungen, sodass ihr Leben Stück für Stück aus den Fugen gerät.

Schnell fragt man sich, wer hinter all dem steckt: die eifersüchtige Noch-Ehefrau ihres heimlichen Geliebten, ein neidischer Kollege oder jemand aus ihrer komplizierten Vergangenheit. Die beklemmende Stimmung überzeugt von Anfang an. Man ist sofort mitten im Geschehen und will herausfinden, wer für die Vorfälle verantwortlich ist.

Karolins zunehmendes Misstrauen gegenüber allen und allem ist greifbar. Der daraus entstehende Stress sowie die Angst sind wirklich packend dargestellt. Der flüssige Schreibstil und die kurzen Kapitel machen diesen Thriller zusätzlich mitreißend.

Viele Figuren und Zusammenhänge bleiben lange undurchsichtig, was den Sog des Buches verstärkt – man möchte es gar nicht aus der Hand legen.

„Die Psychopathin“ hat mich richtig gut unterhalten: Die Hauptfigur ist großartig gezeichnet und die düstere Stimmung sowie die Spannung kommen hautnah an. Lediglich das Ende traf meinen Geschmack nicht ganz, doch der Weg dorthin war absolut fesselnd.

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Veröffentlicht am 28.05.2026

Kein Ruhestand für die Serienmörderin

Zu alt für sowas
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Lottie ist 75 Jahre alt und führt ein ruhiges Leben, aber vor Jahrzehnten hat sie einige Leute ermordet, weil es sich irgendwie ergeben hat. Sie war als einzige Verdächtige in den Schlagzeilen, die Polizei ...

Lottie ist 75 Jahre alt und führt ein ruhiges Leben, aber vor Jahrzehnten hat sie einige Leute ermordet, weil es sich irgendwie ergeben hat. Sie war als einzige Verdächtige in den Schlagzeilen, die Polizei konnte ihr nichts nachweisen, ihr Ruf war jedoch ruiniert. Daher lebt sie schon lange mit unter neuem Namen an einem anderen Ort. Als eine Journalistin auftaucht, die für eine Doku-Reihe Fragen über Lotties Verbindung zu alten, ungelösten Morden stellt, muss sie wieder töten, um sich zu schützen. Mit schwindender Kraft, Arthritis-bedingten Schmerzen sowie Bluthochdruck ist Spuren verwischen, Leichen beseitigen und Unfälle inszenieren aber extrem mühsam. Zudem war früher wirklich alles besser, einfacher - zumindest was das Morden betrifft; keine DNA-Beweise, keine Überwachungskameras überall und auch keine Smartphones, die registrieren, wer wann wo war. Als verschiedene Leute bei ihr auftauchen, die nach der vermissten Journalistin suchen, darunter die Polizei, wird leider klar, das stressige Töten, Vertuschen sowie Lügen muss weitergehen …

“Too old for this” ist ungemein unterhaltsam, voller interessanter Betrachtungen sowie überraschender Wendungen, zudem ist Lottie großartig gezeichnet und zum Ende hin wird die Handlung nervenaufreibend spannend!

Lottie überschätzt sich nicht, sie weiß, dass sie technisch nicht auf dem neuesten Stand ist, dass sie vieles nicht kontrollieren kann und legt sich daher meistens plausible Erklärungen für die Fehler, die ihr im Nachhinein auffallen, zurecht. Sie hat es zur Kunstform erhoben nebenbei erfundene Hinweise zu streuen, die von ihr ablenken und auf jemand anderen deuten. Sie findet schnell heraus, wie andere ticken, wie man sie manipulieren kann. Man kann schließlich nur so und so viele Menschen, zu denen man Kontakt hatte, innerhalb kurzer Zeit ermorden, ohne verdächtig zu wirken: manche “Bedrohungen” muss man auf falsche Fährten führen, hoffen, dass sie sich verlaufen und nicht wiederkommen. Doch ihre Lügen verselbstständigen sich, weshalb sie immer weiter lügen muss, was immer anstrengender sowie riskanter wird …

Außerdem muss sie sich mit ihrer emotional bedürftigen Schwiegertochter in spe und ihren “Kirchenfreundinnen” herumschlagen. Und ist sie nicht die Einzige, die gewieft ist …

Der amüsante, düster-komische Erzählstil und die skurrilen Herausforderungen, denen die 75-jährige sich stellen muss, sind facettenreich sowie faszinierend verstörend gestaltet. Ich empfand die Handlung als sehr interessant, manchmal zog sie sich für meinen Geschmack ein bisschen, aber zum Ende hin überschlagen sich die Ereignisse!

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Veröffentlicht am 20.05.2026

Ein toller Jugendthriller!

Dead Girls Don't Dance
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Die 18‑jährige Addie bereut jene Nacht letzten Sommer zutiefst: Nachdem sie ihrer Schwester Fiona verletzende Worte an den Kopf geworfen hatte, lief diese davon und wurde kurz darauf tot am Grund einer ...

Die 18‑jährige Addie bereut jene Nacht letzten Sommer zutiefst: Nachdem sie ihrer Schwester Fiona verletzende Worte an den Kopf geworfen hatte, lief diese davon und wurde kurz darauf tot am Grund einer Schlucht gefunden. Und es gab noch diese Sache mit Seth, ihrem Sommerfreund seit Kindertagen, die weitreichende Folgen hatte.

Die Polizei stuft Fionas Tod als Unfall ein, doch Addie ist überzeugt, dass Thatcher, Seths Cousin, etwas damit zu tun hatte. Er war unglücklich in Fiona verliebt, und kurz vor ihrem Tod kam es zu einem heftigen Streit. Ein Jahr später wird Thatcher tot aufgefunden – von Addie und Seth, am Grund derselben Schlucht. Die beiden geraten unter Verdacht und beschließen, selbst zu ermitteln. Dabei kommen sie sich näher, ihre problembelastete Vergangenheit, der Klassenunterschied sowie das ständige Schwanken zwischen Vertrauen und Misstrauen kommen ihnen allerdings ständig in die Quere. Addies Ex und ihre ehemalige beste Freundin sorgen für zusätzliches Gefühlschaos.

Die greifbare Cruel‑Summer-Kleinstadtatmosphäre und die düstere, vertrackte Dynamik zwischen den Jugendlichen, die bis vor einem Jahr noch befreundet waren, haben mich sofort gepackt. Die Ereignisse des letzten Sommers lasten spürbar auf allen, und Addies schwierige Familiensituation verstärkt die emotionale Intensität – ich habe durchgehend mitgefiebert.

Addie ist fürsorglich und meint es insgesamt gut mit allen, aber sie hat echte Fehler und Schwächen, die in ihrem geringen Selbstwertgefühl wurzeln. Die Beziehung zwischen ihr und Seth ist fesselnd gestaltet, zudem kommen die beiden zahlreichen Geheimnissen sowie Lügen auf die Spur.

Die Nachforschungen sind wirklich interessant: ereignisreich, voller Erkenntnisse und neuer Verdächtiger, doch diese Hinweise werfen zunächst mehr Fragen auf. Addie und Seth wissen aber, dass sie der Wahrheit näherkommen, denn jemand behindert und bedroht sie immer wieder.

“Dead Girls Don’t Dance” hat mir insgesamt richtig gut gefallen: die bedrückende Sommerstimmung, die Ermittlungen und die Dynamik zwischen den beiden Hauptfiguren empfand ich als sehr gelungen. Mit der Protagonistin selbst bin ich allerdings nicht ganz warm geworden, und die Auflösung konnte mich persönlich nicht vollständig überzeugen.

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