Loslassen
All die Farben zwischen uns„All die Farben zwischen uns“ von Saskia Louis ist ein emotionaler und gleichzeitig humorvoller Roman über Trauer, Loslassen und Neuanfänge.
Es ist bereits knapp über ein Jahr her, seit die junge Künstlerin ...
„All die Farben zwischen uns“ von Saskia Louis ist ein emotionaler und gleichzeitig humorvoller Roman über Trauer, Loslassen und Neuanfänge.
Es ist bereits knapp über ein Jahr her, seit die junge Künstlerin Ellie ihren Ehemann Phil an eine schwere Krankheit verloren hat. Doch seitdem steht für Ellie ihr Leben still und auch ihre Malerei bildet nur noch Stille in verschiedenen Farben ab. Aus ihrer Lethargie reißt Ellie jedoch das plötzlich aufgetauchte Testament von Phil, in dem er ihr ein Cottage in ihrer eigentlichen Heimat Wales vermacht. Offenbar hat er dieses kurz vor seinem Tod gekauft und Ellie kann sich nicht erklären, warum er so etwas verheimlicht hat. Um das Häuschen so schnell wie möglich zu verkaufen, reist Ellie nach Swan Haven, Wales. Leider entpuppt sich die Immobilie als äußerst baufällig und der einzige verfügbare Handwerker ist der unhöfliche Liam, dem gleichzeitig der örtliche Pub gehört. Aber vielleicht braucht Ellie gerade jemanden, der sie nicht wie die zerbrechliche Witwe behandelt, um sich endlich wieder normal zu fühlen.
Trauer hat viele Farben und als Malerin kennt Ellie alle davon. Ihr permanenter Schmerz ist so roh und greifbar, dass man ihn selbst beim Lesen fühlen kann. Das Buch ist nicht unbedingt die übliche witzige RomCom, die man von Saskia Louis kennt. Es gibt sehr viel mehr ernste, traurige und berührende Momente. Aber es blitzt auch immer wieder der typische wundervolle Humor hervor, der ihre Charaktere ausmacht.
Ellie ist so tief in ihrer Trauer gefangen, dass sie nicht mehr allein den Weg heraus findet. Auf der einen Seite kann man ihren Wunsch, festzuhalten, absolut verstehen. Und auf der anderen Seite möchte man ihr gern einen Schubs geben, damit sie zurück ins Leben findet. Dieser Schubs kommt in Form eines malerischen Häuschens und in Gestalt des sehr direkten und ungefilterten Liam.
Liam hat seinen eigenen Ballast, den er mit sich herumschleppt. Er und seine mürrische Art sind genau das, was Ellie im Moment braucht. Und das liegt nicht nur an seinen unwiderstehlichen Muskeln.
Die Schlagabtausche sind gelungen und ich liebe die Dynamik der beiden. Ganz langsam bauen sich Vertrauen und ein immer stärker werdendes Knistern auf, wodurch die Grundstimmung leichter und hoffnungsvoller wird. Probleme werden jedoch nicht weggelächelt, sondern es erfolgt eine auch manchmal schmerzhafte Auseinandersetzung damit.
Die Entwicklung der Charaktere hat mich sehr berührt. Dieses Buch wird noch eine Weile nachwirken, denn die Emotionen bleiben niemals oberflächlich. Für die Wohlfühlatmosphäre sorgen im Ausgleich die sympathischen Nebenfiguren, die einmal mehr zeigen, dass ein Zuhause nicht an einen Ort gebunden sein muss, sondern eher an die Menschen, die man liebt.
Mein Fazit:
Unbedingte Leseempfehlung!