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Veröffentlicht am 01.06.2026

Geschickt konstruiert

Tokyo
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"Tokyo" von Tokuro Nukui ist ein sehr geschickt konstruierter Thriller. Einmal drin im Geschehen, wollte ich ihn nicht mehr weglegen.

Der Thriller spielt im Jahr 1991. In Tokyo sind innerhalb kurzer ...

"Tokyo" von Tokuro Nukui ist ein sehr geschickt konstruierter Thriller. Einmal drin im Geschehen, wollte ich ihn nicht mehr weglegen.

Der Thriller spielt im Jahr 1991. In Tokyo sind innerhalb kurzer Zeit zwei Kindergartenkinder spurlos verschwunden. Eines der Mädchen wird tot aufgefunden. Kommissar Saeki und sein Dezernat stehen vor einem Rätsel. Während die Polizei noch rätselt, ob die Fälle der beiden Mädchen zusammenhängen, , verschwindet ein weiteres Kind. Ein Vater ,der sein Kind verloren hat und Trost in einer religiösen Glaubensgemeinschaft sucht, scheint mit den Fällen zu tun zu haben.

Wir lernen aus zwei Perspektiven die Hauptprotagonisten kennen. Da ist Matsumoto, der verzweifelte Vater, den wir in seiner Verzweiflung über den Verlust seiner Tochter begleiten. In einer merkwürdigen Religionsgemeinschaft mit Sektencharakter findet er Hoffnung. Die zweite Perspektive handelt von den Ermittlungen, insbesondere wird hier Kommissar Saeki beschrieben, der zu den sogenannten Karrierebeamten gehört. Das Dezernat ist geprägt von Feindseligkeiten zwischen Karrierebeamten und Nicht-Karrierebeamten, Beleidigungen sind an der Tagesordnung. Ob es diese Hierarchien in Japan wirklich gab oder gibt, kann ich nicht beurteilen und habe dazu auch nichts im Internet gefunden. Deutlich wird in diesem Thriller die Kultur Japans, das niemals Gefühle zeigen und nicht aus der Haut fahren. Mir tat Saeiki wirklich leid, ich hätte mich nicht zurückhalten können und hätte Contra gegeben. Beide Handlungsstränge sind jeder für sich spannend und ergänzen sich bestens.

Nukui beschreibt glaubwürdig, bildhaft, atmosphärisch und trotzdem ruhig. Sein Schreibstil ist lebendig, die einzelnen Kapitel nicht zu lang. Die Gefühlswelt der Charaktere wird nachvollziehbar geschildert, dabei steigt die Spannung kontinuierlich. Die Auflösung kam für mich unerwartet und hat mich total überrascht. Ich hatte mit viel gerechnet, damit nicht! Meine Vermutungen gingen in eine völlig andere Richtung. Perfekt!

Ein Problem hatte ich mit den vielen für mich manchmal ähnlich klingenden japanischen Namen. Nachdem ich mir dann aber eine Liste der Namen und den Funktionen der Personen angelegt hatte, war auch das kein Problem mehr.

Trotz der "Zusatzarbeit" bekommt der Thriller von mir verdiente 5 Sterne. Ich kann ihn auf jeden Fall weiterempfehlen, nicht nur an Freunde asiatischer Literatur!

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Veröffentlicht am 31.05.2026

Hochspannend und beängstigend

Code Null. Dieses Spiel kennt keine Regeln
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"Code Null" von Florian Schwiecker ist ein Tech-Thriller, der beängstigend realistisch ist und so tatsächlich passieren könnte. Es ist der erste Teil einer Reihe.

Bereits der Prolog zieht die ...

"Code Null" von Florian Schwiecker ist ein Tech-Thriller, der beängstigend realistisch ist und so tatsächlich passieren könnte. Es ist der erste Teil einer Reihe.

Bereits der Prolog zieht die Lesenden in den Bann: Charlie wird von einem Mann namens Hora mit der Waffe bedroht und fürchtet um ihr Leben.
10 Tage zuvor in Berlin: für sehr kurze Zeit setzen alle Navigationsgeräte aus. Als Charlie recherchiert, stellt sie fest, dass zeitgleich auch andere bedrohliche Vorfälle stattgefunden haben und sie wittert Zusammenhänge. Sie setzt die von ihr in ihrer Zeit an der Uni Amsterdam entwickelte KI KIM auf die Ereignisse an. KIM ist hocheffektiv.
Zur gleichen Zeit in Brüssel; Die EU wird erpresst. Der Erpresser, der sich Timeout nennt, fordert Milliarden. Ansonsten wird es weitere Vorfälle geben. Spezialisten aus den verschiedensten Bereichen werden darauf angesetzt, Timeout zu entlarven.

Der Thriller hat mich sofort eingefangen und nicht mehr losgelassen, auch wenn ich anfangs nicht alle IT-Begriffe verstanden habe. Es war mir irgendwann egal, weil die Handlung extrem spannend aufgebaut ist und dazu beängstigend realistisch herausgearbeitet wird. Genau das was ich liebe: Sympathische Protagonist*innen, unsympathische Gegenspieler, Realitätsbezug, schnelle Perspektivwechsel und kurze Kapitel, gewürzt mit Politik! Schwiecker versteht es, die Lesenden mitten ins Geschehen zu ziehen, durch die bildhafte Sprache hatte ich permanentes Kopfkino. Charlie ist ein toller Charakter, hochspezialisiert und trotzdem menschlich. Selbst KIM wurde mir sympathisch, obwohl ich dem Thema KI insgesamt zwiegespalten gegenüber stehe. Auch das zeigt der Thriller, es gibt immer zwei Seiten!

Richtig unheimlich wurde es allerdings für mich, als passend zum Ende des Thrillers in meiner Stadt in einigen Stadtteilen über drei Stunden der Strom ausgefallen ist... Timeout? Blackout? Nicht Schwieker's Verdienst, aber durchaus passend...

Ich hoffe sehr, dass Band 2 dieser Reihe nicht allzu lange auf sich warten lässt und ich Charlie und KIM weiter begleiten kann. Für Lesende, die Blackout von Marc Elsberg und ähnliches verschlungen haben, eine Leseempfehlung. Von mir gibt es die volle Punktzahl!

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Veröffentlicht am 29.05.2026

Essen in den 60er Jahren zwischen Kohle und Modernisierung

Weiße Westen, schwarze Nächte
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"Weiße Westen, schwarze Nächte" ist ein Kriminalroman von Sabine Hofmann, den ich als Hörbuch gehört habe, gesprochen von Henrike Tönnes.

Hedy Voss, die Hauptprotagonistin des Krimis, lebt in den 60er ...

"Weiße Westen, schwarze Nächte" ist ein Kriminalroman von Sabine Hofmann, den ich als Hörbuch gehört habe, gesprochen von Henrike Tönnes.

Hedy Voss, die Hauptprotagonistin des Krimis, lebt in den 60er Jahren im Ruhrgebiet. Sie ist von "Beruf" Einbrecherin und macht das richtig gut. Die Erlöse aus den Einbrüchen benötigt sie dringend, um die kostspieligen Aufenthalte ihrer Schwester Elsa in privaten psychiatrischen Einrichtungen zu finanzieren. Eines Tages fällt ihr bei einem Einbruch neben Schmuck auch eine Kladde mit brisanten Aufzeichnungen in die Hände. Sie nimmt sie mit und bringt sich damit in höchste Gefahr. Ihre Schwester Elsa trägt durch ihr leichtfertiges Verhalten ihren Teil dazu bei, dass die Angelegenheit eskaliert.

Der Krimi war spannend zu hören. Die Einblicke in die Gefühle und Denkweise der Menschen in den 60ern wurde gut herausgearbeitet. Auch die lokalen Bezüge im Ruhrgebiet zwischen Kohle und Modernisierung hat die Autorin eindrücklich geschildert. Nach und nach erfahren wir auch mehr über Hedys persönliche Geschichte und wie es dazu kam, dass sie Einbrecherin geworden ist. Kann ein Einbrecher sympathisch sein? Inn diesem Fall kann ich das mit einem klaren Ja beantworten. Ich habe mit Hedy mitgefiebert und ihr die Daumen gedrückt. Ich war während des Hörens auf einer vollständig falschen Spur, das Ende kam überraschend für mich, Die Handlung wird aus mehreren Perspektiven erzählt, aus der von Hedy, von Elsa und aus der Sicht der Ermittler. Die Verknüpfung mit Machenschaften in Politik und Ministerien fand ich ausgesprochen gelungen. Der Krimi entfaltet seine Spannung nach und nach, das mag ich gerne. Das Ende macht Lust auf mehr! Als Einführung in Hedys Welt hat der vorliegende Band einiges zu bieten. Wie in ersten Bänden einer Reihe meistens der Fall, lernen die Lesenden alle Personen besser kennen, daher erhoffe ich mir vom nächsten Band noch mehr. Hier gibt es gute 4 Sterne!

Besonders gut hat mir die Hörbuchsprecherin gefallen. Sie hat die Protagonist*innen toll interpretiert. Dabei kommt ihr eindeutig die (angeborene) Kenntnis des Ruhrpotts-Slangs zugute. Kompliment, es hat Spaß gemacht, ihr zu lauschen. Sie hat mit ihrer Stimme dazu beigetragen, der Handlung noch mehr Tiefe zu verleihen. Die Sprecherin bekommt von mir die volle Punktzahl!

Eine Hörempfehlung nicht nur Menschen aus dem Westen von Nordrhein-Westfalen. Ich kann mir vorstellen, dass hier Hören besser ist als Lesen!

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Veröffentlicht am 27.05.2026

Der schmale Grat zwischen Lüge und Wahrheit

Feine Risse
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Ich habe "Feine Risse" von Elisa Hoven als Hörbuch gehört, gelesen von Nina Kunzendorf.

Eva Herbergen und ihr Ehemann Peter wollen sich so langsam in den Ruhestand verabschieden. Er muss, was ihm äußerst ...

Ich habe "Feine Risse" von Elisa Hoven als Hörbuch gehört, gelesen von Nina Kunzendorf.

Eva Herbergen und ihr Ehemann Peter wollen sich so langsam in den Ruhestand verabschieden. Er muss, was ihm äußerst schwer fällt, sie will. Eva ist erfolgreiche Strafverteidigerin. Sie kennt den schmalen Grat zwischen Wahrheit und Lüge ihrer Klienten, sucht selbst nach der Wahrheit. Umso überraschender ist es für Eva und Peter, als ein Fall auch ihr Familienleben überschattet.

Da ich selbst beruflich und privat von Juristen und Juristinnen "umzingelt" bin, konnte ich die Gedankengänge von Eva gut nachvollziehen. Hier merkt man genau, dass die Autorin vom Fach ist. Sie schildert den Zwiespalt zwischen Anwalt und Mandant: Erzählt der Mandant die Wahrheit? Oder erzählt er trotz Schweigepflicht nur die halbe Wahrheit oder lügt er? Die Autorin schildert am Beispiel von verschiedenen Fällen, wie nah die Grenzen zwischen Wahrheit und der subjektiven Wahrnehmung der Beteiligten ist. Hoven macht aber auch deutlich, dass die persönliche Biografie eines Straffälligen kein Grund für eine Straftat ist und sein darf. Bei aller fachlichen Kompetenz lässt die Autorin aber auch die Spannung nicht zu kurz kommen, was den Roman nicht in den Bereich Fachliteratur abdriften lässt.

In einer Zeit, in der viele Menschen Urteile als nicht gerecht empfinden, ist dieser Roman umso wichtiger. Er zeigt Hintergründe auf und erläutert gleichermaßen, dass ein Mensch als unschuldig gilt, solange seine Schuld nicht erwiesen ist. Der Roman bietet in vielfältiger Weise Denkanstöße.

Nina Kunzendorf liest gut und interpretiert die Denkweise von Eva Herbergen deutlich und klar. Ich habe ihr gerne gelauscht.

Mich hat das (Hör)Buch fasziniert, ich empfehle es sehr gerne weiter. Es ist unterhaltsam und fachlich fundiert! 5Sterne und die Hoffnung auf ein weiteres Buch der Autorin!

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Veröffentlicht am 04.05.2026

Beängstigend realistisch und superspannend!

Blendfeuer
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Mit "Blendfeuer" knüpft Ingar Johnsrud an den Vorgängerband "Echokammer" an und das sehr gelungen! Ich habe diesen Teil als Hörbuch gehört, hervorragend gelesen von Tim Gössler. Es ist der zweite Teil ...

Mit "Blendfeuer" knüpft Ingar Johnsrud an den Vorgängerband "Echokammer" an und das sehr gelungen! Ich habe diesen Teil als Hörbuch gehört, hervorragend gelesen von Tim Gössler. Es ist der zweite Teil einer Trilogie.

Nationalfeiertag in Norwegen: In einer Tiefgarage wird ein Mann brutal hingerichtet. Ein Militärflugzeug über der Ostsee explodiert, von den an Bord befindlichen acht ukrainischen Mitgliedern einer Spezialeinheit und den Piloten fehlt jede Spur. Um die Aufklärung des Mordes in der Tiefgarage will sich der Geheimdienst kümmern...Martin Tong und Liselott Benjamin sollen sich um die Aufklärung eines Hubschrauberabsturzes kümmern. Nach Ansicht von Tong und Benjamin scheint es aber Zusammenhänge zu geben. Zur gleichen Zeit finden streng geheime Friedenverhandlungen zwischen Russland und der Ukraine in Norwegen statt, von denen niemand etwas erfahren darf. Ministerpräsident Greger von der Arbeiterpartei leitet die Verhandlungen. Sein neu ernannter Justizminister Jens Meidell , dessen Aufstieg in der Politik wir bereits im Vorgängerband verfolgen konnten, sieht sich wieder mit Herausforderungen konfrontiert.

Dieser Politthriller hat mich sofort in seinen Bann gezogen. Er zeigt beängstigend realistisch die Machtspiele in der Politik und die Bemühungen um Frieden zwischen Russland und der Ukraine. Alles könnte genau so passieren! Die Charakterzeichnung aller Beteiligten ist Johnsrud auch in diesem Band gut und vor allem glaubwürdig gelungen. Das Ermittlerduo Tong und Benjamin steht vor Herausforderungen, sollen sie doch "nur" im Fall der Explosion ermitteln. Bereits im Prolog bin ich in die Handlung eingetaucht, mit jedem Kapitel steigt die Spannung. Die Zeit, in dem der Thriller spielt, wird durch die Kapitelüberschriften mit Zeitangaben verdeutlicht. Johnsrud schreibt sehr atmosphärisch und bildhaft, die Schauplätze hatte ich vor Augen und habe mich mittendrin im Geschehen gefühlt.

Tim Gössler, der nicht ohne Grund zu meinen Lieblingssprechern gehört, liest auch diesen Thriller großartig! Durch verschiedene Stimmlagen verleiht er dem Thriller noch mehr Leben.

Wer "Echokammer" gelesen oder gehört hat, wird auch "Blendfeuer" lieben. Eine absolute Empfehlung an Fans von Politthrillern und verdiente 5 Sterne! Ich hoffe, dass der dritte Teil der Trilogie nicht wieder ein Jahr auf sich warten lässt...

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