Poetisch und bildhaft und zugleich ein leises Drama
The ArtistZu Beginn der 1920er Jahre reist Joseph in die Provence um Edouard Tartuffe, „Tata“ zu interviewen. Er lernt dessen Nichte Ettie kennen, die ihn mit ihrer Art fasziniert und deren erwähnte Geheimnis zu ...
Zu Beginn der 1920er Jahre reist Joseph in die Provence um Edouard Tartuffe, „Tata“ zu interviewen. Er lernt dessen Nichte Ettie kennen, die ihn mit ihrer Art fasziniert und deren erwähnte Geheimnis zu ergründen ist.
Das Cover, wie ein Gemälde gehalten, macht sofort Lust auf Südfrankreich und passt perfekt zu dem Romanthema. Ich war sogleich neugierig.
Ich habe schon eine Weile kein so anregendes Buch mehr gelesen, ein Buch, welches mich durch Sprache, Ideenreichtum, Charaktere und der Geschichte selbst gefesselt hat.
Ich kam auch gleich gut in das Buch rein, fühlte mich mit der Erzählweise wohl. Die schon malerisch zu nennenden Beschreibungen sind gelungen und die Charaktere empfand ich als vielschichtig. Egal, ob es sich um die Schilderung der Persönlichkeiten oder um die Lebenserfahrungen der Einzelnen handelt, alles wird sehr glaubwürdig und fein moduliert dargeboten.
Da ist Edouard, der zunächst im Mittelpunkt steht und alles kontrollieren möchte, auch seine Nichte Ettie. Er lässt ihr wenig Freiraum. In diese Zweisamkeit stößt Joseph, der sich darauf einlässt, dem Maler Modell zu sitzen, um über ihn schreiben zu dürfen. Nach und nach entwickle sich dann die Beziehungen untereinander. Interessant wird es auch, als Besuch aus Amerika eintrifft. Ich würde zu viel vom Inhalt vorwegnehmen, wenn ich hier mehr über Ettie und ihren Weg zur Selbstverwirklichung mitteilte. Mich hat das Buch überrascht, berührt und auch fasziniert. Das Ende hat mir insgesamt gefallen, auch wenn es dann doch sehr rasch kam. Insgesamt ein empfehlenswerter Roman, der nachhallt, die Sinne anspricht und eine Weile präsent bleibt.