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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.06.2026

Ein Highlight in meinem Lesejahr 2026

Weil sie lügt
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Zunächst reagierte die Polizei gar nicht auf die Sorge der Angehörigen. Eine junge Frau ist verschwunden, na und? Sie wird sich eine gute Zeit machen. Die Freiheit genießen und keinen Gedanken an ihre ...

Zunächst reagierte die Polizei gar nicht auf die Sorge der Angehörigen. Eine junge Frau ist verschwunden, na und? Sie wird sich eine gute Zeit machen. Die Freiheit genießen und keinen Gedanken an ihre Eltern und Geschwister verschwenden. Als Juliane jedoch auch nach fünf Tagen keine Lebenszeichen von sich gab, wurden sie endlich aktiv. Leider war für die Ermittler sehr schnell klar, dass der Vater seine Tochter ermordete. Dabei wurde ihre Leiche noch nicht gefunden und es gab keine Beweise für die Täterschaft des Vaters.

Anna ist die jüngere Schwester von Juliane. Krampfhaft versucht sie, dass ihr kleiner Bruder nicht unter der Situation leidet. Das ist nicht einfach. Der Vater ist im Gefängnis und die Mutter psychisch krank. Kann sich also nicht um den Jungen kümmern. Die Ermittlerin Katharina Engels ist von der Schuld des Vaters nicht überzeugt. Als dann aber immer mehr Beweise auftauchen, die gegen ihn sprechen, wird sie nachdenklich. Zumal ihr Kollege Faber sich auf ihn als Täter eingeschossen hat. Und nicht nur das. Auch Anna schließt er als Schuldige nicht aus.

Es ist der zweite Roman dieser Autorin und für mich eine brillante „Entdeckung“. Das Buch ließ sich flüssig lesen und mir gefielen die unvorhersehbaren Wendungen ganz besonders. Und das Finale? Es kam völlig überraschend. Jeder, der spannende Thriller mag, sollte sich den Namen Caroline Seibt merken. Ich werde mit Sicherheit auf weitere Veröffentlichungen von ihr achten.

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Veröffentlicht am 30.05.2026

Das Grauen der Betroffenen ist kaum zu ertragen

Wir überlebten die Nacht
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Was den Kindern der indigenen Bevölkerung Kanadas durch die katholische Kirche über Jahrzehnte angetan wurde, wirkt bis heute nach. Sie wurden den Familien entrissen. Es interessierte nicht, ob die Eltern ...

Was den Kindern der indigenen Bevölkerung Kanadas durch die katholische Kirche über Jahrzehnte angetan wurde, wirkt bis heute nach. Sie wurden den Familien entrissen. Es interessierte nicht, ob die Eltern damit einverstanden waren oder sich dagegen wehrten. Wichtig war nur, dass den Kleinen das Christentum schmackhaft gemacht wurde. Was mit den Kindern dort geschah, ist erst seit wenigen Jahren bekannt. Sie wurden körperlich und seelisch misshandelt. Die Entschuldigung der Verantwortlichen kam viel zu spät. Auch der Vater des Autors Julian Brave Noisecat verbrachte Jahre in dieser Einrichtung. Fünf Jahre recherchierte Julian für „Wir überlebten die Nacht“. Heraus kam ein berührendes Buch, das die Welt der Indianer lebendig macht.

Geschrieben wurde das sehr persönliche Buch in der Ich-Form. Die Erzählung wechselt von den Ereignissen rund um die indigene Bevölkerung Kanadas heute und jenen, die sich in ferner Vergangenheit abspielten. Bis heute ist das Leben im Einklang mit der Natur für die Ureinwohner und deren Nachkommen selbstverständlich. Dass sie leider immer noch oft als Menschen zweiter Klasse angesehen werden, ist erschreckend. Obwohl sie nicht weniger intelligent und fleißig sind als der „weiße Mann/Frau“. Etliche zieht es nach Europa, wo sie per Stipendium studieren.

Das Urteil über Menschen in den Reservaten ist kaum zu ertragen. Die leiden bis heute unter ihren Erlebnissen in den Kanadischen Indianer-Internatsschulsystem. Oft sind es Alkoholiker, die ihren Schmerz nur mit dieser Sucht verdrängen können. Dass dadurch Arbeit und Familie vernachlässigt werden, sollte jedem klar sein. Und diese halbherzigen Entschuldigungen durch Staat und Kirche helfen nicht wirklich. Gut, dass es zumindest minimale Aufarbeitungen der Verbrechen gibt und mittlerweile auch psychologische Hilfe angeboten wird. Zumindest die Nachkommen profitieren davon. Das Buch hat mir das Leben der Indianer näher gebracht und meine Empfehlung gilt uneingeschränkt.

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Veröffentlicht am 18.05.2026

Sehr gutes Buch, aufwendig recherchiert

Die Tränen des Sonnengottes 1
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Sie ist weit über dreitausend Jahre alt und stammt aus der mittleren Bronzezeit Europas. Die Himmelsscheibe von Nebra. Es wurde viel über sie berichtet, aber ein Buch über ihre Entstehung fand ich bisher ...

Sie ist weit über dreitausend Jahre alt und stammt aus der mittleren Bronzezeit Europas. Die Himmelsscheibe von Nebra. Es wurde viel über sie berichtet, aber ein Buch über ihre Entstehung fand ich bisher noch nicht. Daher war es für mich perfekt, das Buch „Die Tränen des Sonnengottes“ zu lesen. Nein, hier geht es nicht ausschließlich um die Scheibe. Der Autor entführt den Leser in eine Welt weit vor unserer Zeit. Und das so unterhaltsam, dass ich gedanklich an die Orte des Geschehens reisen konnte.

Wie lebten die Menschen damals? Welche Nahrung nahmen sie zu sich und wie kam diese Zeit zu ihrem Namen? Das sind nur drei Fragen, die nachvollziehbar beantwortet werden. Aber auch die Herstellung der Bronze sowie den Abbau der dazu benötigten Materialien erläutert der Autor. Interessant ist auch, dass es sehr viele Parallelen zur heutigen Zeit gibt. Eine Erkenntnis dazu: Wenn ein Volk sich nicht nur um sich selbst kümmert, wächst der Wohlstand in der Gemeinschaft. Wie wichtig der Handel ist, erkannten die Menschen bald, auch wenn das Wort „Globalisierung“ noch nicht zum Sprachgebrauch gehörte.

Ein wertvolles Buch, das mir sehr gut gefiel. Gelernt habe ich etliches und freue mich auf den nächsten Band der Reihe um die Tränen. Das sind übrigens Bernsteine, die oft an der Ostsee zu finden sind.

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Veröffentlicht am 11.05.2026

Dieses Buch gehört zur deutschen Erinnerungskultur

Hitlers Gefolgsmann
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Robert Ley war ein glühender Verehrer Hitlers. Nach der Kapitulation und dem Sieg der Alliierten wurde er verhaftet und als Kriegsverbrecher angeklagt. Dem Prozess in Nürnberg entging er mit seinem Suizid. ...

Robert Ley war ein glühender Verehrer Hitlers. Nach der Kapitulation und dem Sieg der Alliierten wurde er verhaftet und als Kriegsverbrecher angeklagt. Dem Prozess in Nürnberg entging er mit seinem Suizid. Sein Enkel hat mit "Hitlers Gefolgsmann" ein Buch geschrieben, das nicht nur den Werdegang des Herrn Ley thematisiert. Es zeigt auch das Schweigen in der Familie, die es nicht wahrhaben möchte, dass der Vater ein Nationalsozialist und glühender Anhänger Hitlers war.

Bis zu seinem Selbstmord hatte Herr Ley so gar kein Unrechtsbewusstsein. Zwischendurch behauptete er gar, dass er den Juden half und ihnen niemals etwas Böses antun wollte. Der Autor des Buches, Axel Spilcker belegt, dass das Gegenteil der Fall ist. Ley galt etliche Jahre als Hitlers Vertrauter und war häufig auf dem Obersalzberg zu Gast. Der Bau der Ordensburg Vogelsang in der Eifel war seine Idee und der Enkel besuchte den Prachtbau vor einigen Jahren. Bei der Führung kam auch die Sprache auf seinen Großvater. Was Herr Spilcker dazu schrieb, werde ich hier nicht wiederholen. Es zeigt aber, dass noch sehr viel Aufklärungsarbeit notwendig ist. Zumal dort viele Schüler zu Gast sind und die sollten doch nur Tatsachen zu hören bekommen.

Axel Spilcker belegt, dass sein Buch einzig auf Tatsachen beruht. Das sind Tagebücher, Briefe und Erzählungen von Familienmitgliedern. Die Originalfotografien gehören auch zu den Fakten. Ich kann nur jedem raten, dieses wertvolle Werk zu lesen. Es ist ein wichtiger Stein im Bild der „Erinnerungskultur“. Wer, wenn nicht wir, müssen am „Nie wieder“ festhalten. Sprüche wie: „Denkmal der Schande und dämliche Vergangenheitsbewältigung“ dürfen sich nicht in den Köpfen unserer Kinder und Kindeskinder festsetzen.

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Veröffentlicht am 03.05.2026

Spannend bis zum Schluss

Und morgen du (Ein Fabian-Risk-Krimi 1)
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Sind es tatsächlich immer seine ehemaligen Klassenkameraden, die getötet werden? Nur sehr langsam kann sich Fabian Risk mit diesem Gedanken abfinden. Der grausame Anblick der Leichen lässt auf einen Mörder ...

Sind es tatsächlich immer seine ehemaligen Klassenkameraden, die getötet werden? Nur sehr langsam kann sich Fabian Risk mit diesem Gedanken abfinden. Der grausame Anblick der Leichen lässt auf einen Mörder schließen, der einen persönlichen Rachefeldzug geht.

Erst nach und nach kristallisiert sich ein Motiv heraus, das diese brutalen Morde kennzeichnet. Die Rückblicke auf Schulzeit und Mobbing zeigen, wie längst vergessene Verletzungen mit der Zeit zu unglaublichen Taten führen können. Was während der Schulzeit geschah, konnten die Betroffenen wohl nicht vergessen.

„Und morgen du“ ist ein spannender Krimi, der mich bestens unterhielt. Das lag nicht nur an der Story sondern auch an der perfekten Präsentation von David Nathan.

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