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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.12.2025

Kluges Buch!

Aufsteiger
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Peter Huth erzählt in seinem Roman „Aufsteiger“ eine Geschichte, die tief in die Realität der Medienwelt eintaucht. Es geht um Macht, Moral und den schmalen Grat, der Absturz und Erfolg voneinander trennt.

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Peter Huth erzählt in seinem Roman „Aufsteiger“ eine Geschichte, die tief in die Realität der Medienwelt eintaucht. Es geht um Macht, Moral und den schmalen Grat, der Absturz und Erfolg voneinander trennt.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Felix Licht, der alles für die Karriere geopfert hat. Doch der letzte Schritt, die Berufung zum Chefredakteur seines Magazins, bleibt aus. Stattdessen wird Zoe Rauch in den Posten befördert. Jene junge und schöne Frau, an die Felix seit ihrem Praktikum vor zwölf Jahren denken muss.

Besonders spannend ist, dass viele aktuelle Themen aufgegriffen werden – vom Streit um „Klimakleber“ bis hin zu sprachlichen Debatten über das Thema Gendern oder die Nutzung des Worts „Indianer“. Man merkt zwar, dass das Buch wohl schon 2023 fertiggestellt wurde, doch büßt es dadurch nichts an Aktualität ein. Im Gegenteil: Gerade weil vieles noch immer diskutiert wird, wirken die Bezüge sehr nah an unserer Gegenwart.

Die Figuren sind präzise herausgearbeitet und an realen Vorbildern orientiert, was das Lesen umso spannender und authentischer macht. Huths Schreibstil ist dabei flüssig und kurzweilig, der Spannungsbogen bleibt über die gesamte Länge hoch – man möchte das Buch kaum aus der Hand legen.

Alles in allem ist „Aufsteiger“ ein kluges Buch, das die Mechanismen in der Medienwelt realistisch widerspiegelt und zugleich die Frage stellt, wie dünn die Linie zwischen Gold- und Schattenseite tatsächlich ist. Für mich ein sehr lesenswerter Roman und eine Empfehlung für jeden, der gerne mal einen Blick hinter die Kulissen werfen möchte.

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Veröffentlicht am 02.12.2025

Stilles, aber sehr berührendes Buch!

Jetzt gerade ist alles gut
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Stephan Schäfer erzählt in „Jetzt ist gerade alles gut“ von einem Mann, dessen Leben sich nach einer lebensbedrohlichen Sepsis grundlegend verändert. Der Roman zeigt, wie nah Leben und Vergänglichkeit ...

Stephan Schäfer erzählt in „Jetzt ist gerade alles gut“ von einem Mann, dessen Leben sich nach einer lebensbedrohlichen Sepsis grundlegend verändert. Der Roman zeigt, wie nah Leben und Vergänglichkeit beieinanderliegen und wie schnell sich alles von einer Sekunde auf die andere wandeln kann.

Wie schon in „25 letzte Sommer“ überzeugt Schäfer auch hier mit seinem klaren, einfühlsamen Schreibstil. Die Sprache ist schlicht, aber voller Bedeutung. Es geht weniger um eine durchgehende Handlung, sondern um viele kleine Episoden, die uns daran erinnern, im Alltag innezuhalten und die kleinen Augenblicke bewusst wahrzunehmen.

Das Buch vermittelt eine leise, aber nachhaltige Botschaft über Dankbarkeit, Achtsamkeit und das Leben im Moment. Man kann es in einem Zug lesen, aber es wirkt auch noch nach dem Zuklappen weiter. Besonders schön gelungen finde ich zudem die Gestaltung des Covers und Einbands, das perfekt zur ruhigen Stimmung des Buches passt.

Insgesamt ein stilles, aber sehr berührendes Buch - große Empfehlung!

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Veröffentlicht am 25.03.2026

Wohlfühlroman für zwischendurch

Der Sommer, der uns blieb
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In "Der Sommer, der uns blieb" von Greta Herrlicher blicken drei ehemalige Freunde auf eine gemeinsame Vergangenheit zurück, die von einem einschneidenden Ereignis überschattet wird. Zwischen Rückblicken ...

In "Der Sommer, der uns blieb" von Greta Herrlicher blicken drei ehemalige Freunde auf eine gemeinsame Vergangenheit zurück, die von einem einschneidenden Ereignis überschattet wird. Zwischen Rückblicken in ihre Jugend und der Gegenwart stellt sich die Frage, ob ihre Verbindung stark genug ist, um alte Wunden und Geheimnisse zu überwinden.

Vornweg: Schon rein optisch ist das Buch ein echtes Highlight. Der Farbschnitt und die Illustrationen im Innenteil sind wirklich besonders und haben mir sehr gut gefallen. Inhaltlich klang die Geschichte für mich ebenfalls vielversprechend, gerade mit Blick auf die angedeuteten Geheimnisse . Für mich blieb jedoch vieles eher an der Oberfläche . Auch die Figuren konnten mich nicht vollständig überzeugen. Die drei Freunde boten für mich wenig Identifikationspotenzial, einige ihrer Entscheidungen wirkten fragwürdig, und besonders Martin blieb mir bis zum Ende eher suspekt. Zudem wurde die enge Freundschaft in den Rückblicken für mich nicht ganz greifbar, während mir die Entwicklungen in der Gegenwart stellenweise etwas zu glatt und unrealistisch erschienen.

Positiv hervorheben möchte ich jedoch die wechselnden Perspektiven, die verschiedenen Zeitebenen und die kurzen Kapitel. Das sorgt für einen flüssigen Lesefluss und eine gewisse Grundspannung, die einen gut durch das Buch trägt.

Alles in allem ist „Der Sommer, der uns blieb“ ein leicht zu lesender Wohlfühlroman mit sommerlicher Atmosphäre, der sich gut für zwischendurch eignet, für mich inhaltlich jedoch nicht ganz die Tiefe erreicht hat, die ich mir erhofft hatte.

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Veröffentlicht am 07.02.2026

Stark erzählt, ernüchternd verbunden

Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel
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Alena Schröder erzählt in „Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel“ von Hannah und Marlen, zwei starken Frauen und ihrem Leben. Die Geschichte spielt dabei auf zwei Zeitebenen: Hannah lebt in Berlin ...

Alena Schröder erzählt in „Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel“ von Hannah und Marlen, zwei starken Frauen und ihrem Leben. Die Geschichte spielt dabei auf zwei Zeitebenen: Hannah lebt in Berlin im Jahr 2023 und plötzlich taucht ihr Vater wieder auf. Gleichzeitig wird von Marlen erzählt, die 1945 in Güstrow bei der Malerin Wilma unterkommt. Die Geschichte wird verbunden durch ein Kunstwerk auf Leinwand. Bei „Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel“ handelt es sich um den dritten Teil der Familientrilogie rund um Hannah und Evelyn Borowski, den man aber auch ganz ohne Vorwissen gut folgen kann.

Vorneweg: Der Schreibstil, die abwechselnden Perspektiven, die unterschiedlichen Charaktere und der durchweg hohe Spannungsbogen haben mir sehr gut gefallen. Ich hatte das Buch in kürzester Zeit durch und bin begeistert von Schröders Fähigkeit eine rundum spannende Geschichte zu entspinnen. Eher im Hintergrund ist in diesem Roman der geschichtliche Kontext – man erfährt nur am Rande vom Massensuizid in Demmin und der Besatzung durch Russland. Für mich ist es aber dennoch gelungen und passend zum Buch.

(Hinweis: Spoilerwarnung) Was mich leider etwas ernüchtert hat war das Ende und die Auflösung des Zusammenhangs von Hannah und Marlen: Hier hatte ich mir tatsächlich eine engere Verbindung gewünscht – an sich sind es für mich nun jeweils zwei in sich gute Geschichten, deren Verbindung im abschließenden Epilog hingegen konstruiert und etwas zufällig wirkt. Auch die Frage rund um die Bedeutung des Kunstwerks für Hannah, das sie ja bereits vorher aufwendig gesucht hat, bleibt für mich etwas offen.

Alles in allem ein Buch, dass sich bis zum Ende sehr spannend liest – und mich dann allerdings in der Auflösung doch eher enttäuscht hat.

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Veröffentlicht am 09.06.2026

Wohlfühlroman in idyllischer Atmosphäre

Mirabellentage
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In „Mirabellentage“ erzählt Martina Bogdahn von Anna, deren geordnetes Leben durch den plötzlichen Tod des Ortspfarrers Josef aus dem Gleichgewicht gerät. Während sie seine Beerdigung organisiert und sich ...

In „Mirabellentage“ erzählt Martina Bogdahn von Anna, deren geordnetes Leben durch den plötzlichen Tod des Ortspfarrers Josef aus dem Gleichgewicht gerät. Während sie seine Beerdigung organisiert und sich auf eine Reise ans Meer vorbereitet, beginnt sie, ihr eigenes Leben zu hinterfragen.

Das Buch hat sich für mich stellenweise wie eine kleine Zeitreise angefühlt. Die dörfliche Gemeinschaft und die Atmosphäre erzeugen das Gefühl, an einem Ort zu sein, an dem die Welt "noch in Ordnung ist". Besonders die Rückblenden und die Geschichten rund um die Dorfbewohner haben dem Roman viel Charme verliehen. (Allerdings hätte ich vermutet, dass das Buch nicht 2010, sondern deutlich früher spielt.)

Auch der Schreibstil liest sich angenehm und flüssig. Man kommt schnell durch die Seiten und begleitet Anna gerne auf ihrem Weg. Trotzdem konnte mich das Buch nicht vollständig überzeugen. Vieles blieb für meinen Geschmack etwas zu oberflächlich, und an einigen Stellen zog sich die Handlung spürbar. Manche Entwicklungen wirkten zudem etwas konstruiert oder absurd, etwa die Predigt des italienischen Kochbuchs.

Insgesamt ist „Mirabellentage“ ein Wohlfühlroman in idyllischer Atmosphäre und mit liebenswerten Figuren. Mir persönlich fehlte jedoch etwas Tiefe und nicht jede Handlung konnte mich überzeugen.