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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.02.2026

Stark erzählt, ernüchternd verbunden

Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel
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Alena Schröder erzählt in „Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel“ von Hannah und Marlen, zwei starken Frauen und ihrem Leben. Die Geschichte spielt dabei auf zwei Zeitebenen: Hannah lebt in Berlin ...

Alena Schröder erzählt in „Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel“ von Hannah und Marlen, zwei starken Frauen und ihrem Leben. Die Geschichte spielt dabei auf zwei Zeitebenen: Hannah lebt in Berlin im Jahr 2023 und plötzlich taucht ihr Vater wieder auf. Gleichzeitig wird von Marlen erzählt, die 1945 in Güstrow bei der Malerin Wilma unterkommt. Die Geschichte wird verbunden durch ein Kunstwerk auf Leinwand. Bei „Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel“ handelt es sich um den dritten Teil der Familientrilogie rund um Hannah und Evelyn Borowski, den man aber auch ganz ohne Vorwissen gut folgen kann.

Vorneweg: Der Schreibstil, die abwechselnden Perspektiven, die unterschiedlichen Charaktere und der durchweg hohe Spannungsbogen haben mir sehr gut gefallen. Ich hatte das Buch in kürzester Zeit durch und bin begeistert von Schröders Fähigkeit eine rundum spannende Geschichte zu entspinnen. Eher im Hintergrund ist in diesem Roman der geschichtliche Kontext – man erfährt nur am Rande vom Massensuizid in Demmin und der Besatzung durch Russland. Für mich ist es aber dennoch gelungen und passend zum Buch.

(Hinweis: Spoilerwarnung) Was mich leider etwas ernüchtert hat war das Ende und die Auflösung des Zusammenhangs von Hannah und Marlen: Hier hatte ich mir tatsächlich eine engere Verbindung gewünscht – an sich sind es für mich nun jeweils zwei in sich gute Geschichten, deren Verbindung im abschließenden Epilog hingegen konstruiert und etwas zufällig wirkt. Auch die Frage rund um die Bedeutung des Kunstwerks für Hannah, das sie ja bereits vorher aufwendig gesucht hat, bleibt für mich etwas offen.

Alles in allem ein Buch, dass sich bis zum Ende sehr spannend liest – und mich dann allerdings in der Auflösung doch eher enttäuscht hat.

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Veröffentlicht am 23.02.2026

Starker Beginn, Fragezeichen am Ende

Open Hearts
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Roxy Dunn erzählt in "Open Hearts" von Misty, die nach einer Trennung zurück in ihr Kinderzimmer zieht und über eine Dating-App Christopher kennenlernt. Obwohl er in einer offenen Beziehung lebt, lassen ...

Roxy Dunn erzählt in "Open Hearts" von Misty, die nach einer Trennung zurück in ihr Kinderzimmer zieht und über eine Dating-App Christopher kennenlernt. Obwohl er in einer offenen Beziehung lebt, lassen sich die beiden auf einen zeitlich begrenzten Deal ein. Doch je näher sie sich kommen, desto mehr verschwimmen die vereinbarten Grenzen.

Der Roman hat für mich einen sehr starken Einstieg: Der Schreibstil ist flüssig und angenehm zu lesen, sodass ich schnell durch die Seiten gekommen bin. Besonders spannend fand ich, dass das Thema offene Beziehung literarisch aufgegriffen wird und Fragen nach Selbstbestimmung, Nähe und emotionaler Abhängigkeit in den Mittelpunkt rücken. Im Verlauf hatte ich jedoch zunehmend Schwierigkeiten mit den Figuren. Mistys Entscheidungen wirkten für mich teilweise schwer nachvollziehbar, während Christopher eher blass blieb und man wenig Einblick in seine Perspektive bekommt. Dadurch fühlte sich die Dynamik zwischen den beiden an manchen Stellen etwas merkwürdig/bizarr und der zweite Teil konnte für mich nicht mehr ganz an die Stärke des Beginns anknüpfen. Das Ende passt zwar gut zur Botschaft des Buches, dürfte aber alle enttäuschen, die ein klassisches Happy End erwarten.

Alles in allem ist „Open Hearts“ ein Roman mit einem interessanten Beziehungsansatz und starkem Auftakt, der mich am Ende allerdings mit ein paar Fragezeichen zurücklässt.

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Veröffentlicht am 14.01.2026

Schöner Sprachstil, schwere Stimmung

Spielverderberin
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In "Spielverderberin" erzählt Marie Menke von einer intensiven Freundschaft zwischen drei jungen Frauen, die sich zwischen Dorfkindheit und Großstadtleben abspielt. Sophie und Lotte kennen sich seit Kindertagen, ...

In "Spielverderberin" erzählt Marie Menke von einer intensiven Freundschaft zwischen drei jungen Frauen, die sich zwischen Dorfkindheit und Großstadtleben abspielt. Sophie und Lotte kennen sich seit Kindertagen, erst in der Oberstufe kommt Romy dazu. Die neue Dreierkonstellation ist geprägt von Nähe, Bewunderung und unterschwelliger Spannung. Als die drei versuchen, ihre Freundschaft in ihren frühen Zwanzigern wiederaufleben zu lassen und Romy plötzlich verschwindet, werden alte Wunden aus der Vergangenheit wieder aufgerissen.

Besonders spannend fand ich den Fokus auf Freundschaft statt auf romantische Beziehungen. Ein Thema, das man in Romanen deutlich seltener in dieser Tiefe findet. Auch das Spannungsfeld zwischen Dorf und Stadt ist gut eingefangen, in einigen Gedanken und Beobachtungen konnte ich mich wiederfinden, auch wenn es manchmal etwas klischeehaft dargestellt wird. Der Schreibstil dabei ist durchweg flüssig und sehr angenehm zu lesen. Man liest aus der Perspektive von Sophie in zwei unterschiedlichen Zeitebenen, was das Buch kurzweilig macht.

Trotzdem bin ich emotional nicht richtig warm geworden mit der Geschichte. Keine der drei Protagonistinnen war mir wirklich sympathisch, und ich habe wenig Identifikationspotenzial gespürt. Die Grundstimmung empfand ich als eher schwer und bedrückend, mir fehlte die Leichtigkeit. Auch das Ende hat für mich einige Fragen offen gelassen.

Alles in allem ist "Spielverderberin" für mich ein Debütroman mit einem schönen Schreibstil und einem interessanten Thema, aber mir fehlte die Verbindung zu den Figuren.

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Veröffentlicht am 03.01.2026

Wohlfühlroman mit kleinen Längen

Mathilde und Marie
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In „Mathilde und Marie“ nimmt uns Torsten Woywod mit in das kleine belgische Bücherdorf Redu. Redu ist ein Ort, an dem die Zeit langsamer zu laufen scheint und das Leben bewusst einfacher ist. Die junge ...

In „Mathilde und Marie“ nimmt uns Torsten Woywod mit in das kleine belgische Bücherdorf Redu. Redu ist ein Ort, an dem die Zeit langsamer zu laufen scheint und das Leben bewusst einfacher ist. Die junge Französin Marie lässt ihr bisheriges Leben in Paris hinter sich und strandet eher zufällig hier, wo sie auf eine Gemeinschaft trifft, die ihr fremd und gleichzeitig überraschend vertraut vorkommt. Zwischen Buchläden und besonderen Begegnungen beginnt für sie ein leiser Neuanfang.

Der Schreibstil ist sehr bildhaft und ruhig, fast poetisch. Gerade im ersten Teil wird viel Raum für Naturbeschreibungen und Atmosphäre gelassen – mir persönlich war das stellenweise etwas zu langatmig und handlungsarm. Dafür hat mich der zweite Teil deutlich mehr abgeholt: Die Figuren gewinnen an Tiefe, Dynamiken werden greifbarer und vor allem die Entwicklung einzelner Charaktere – insbesondere auch Mathildes – hat mir gut gefallen.
Außerdem mochte ich die wechselnden Perspektiven und die Grundstimmung des Romans, die viel Wärme und Menschlichkeit transportiert.

Alles in allem ein ruhiger, gemütlicher Wohlfühlroman mit schöner Sprache und liebenswerten Figuren, mit kleinen Längen, aber auch mit vielen stillen, berührenden Momenten.

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Veröffentlicht am 27.12.2025

Cozy Herbstroman für zwischendurch

The Pumpkin Spice Latte Disaster
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Kyra Groh erzählt in "Pumpkin Spice Latte Desaster" die Geschichte von Jude, die eigentlich nur für die Hochzeit ihrer Schwester in ihr englisches Heimatdorf Lower Whilby zurückkehrt. Doch kaum angekommen ...

Kyra Groh erzählt in "Pumpkin Spice Latte Desaster" die Geschichte von Jude, die eigentlich nur für die Hochzeit ihrer Schwester in ihr englisches Heimatdorf Lower Whilby zurückkehrt. Doch kaum angekommen trifft sie James, einem Barista und Sohn ehemaliger Brit-Pop-Stars. Aus einer Zweckgemeinschaft im Café entwickelt sich eine Annäherung, die Jude vor die Frage stellt, ob sie zum ersten Mal in ihrem Leben wirklich ankommen kann.

Besonders gelungen ist die liebevolle Ausarbeitung des kleinen Ortes und seiner Bewohnerinnen und Bewohner. Lower Whilby wirkt lebendig und authentisch. Auch der Schreibstil ist insgesamt kurzweilig, und die wechselnden Perspektiven sorgen für Abwechslung und Tempo.

Gleichzeitig blieb bei mir jedoch eine gewisse Distanz zu den Figuren. Mit Jude konnte ich mich kaum identifizieren, und auch ihre Schwester wirkte in ihren Haltungen für mich nur schwer nachvollziehbar. Viele Dialoge waren mir etwas zu forsch und mir fehlte der emotionale Tiefgang, gerade in der Beziehung zwischen Jude und James.

Insgesamt ist Pumpkin Spice Latte Desaster ein schöner Roman für zwischendurch, bei dem ich mir inhaltlich und emotional jedoch etwas mehr erhofft hatte.

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