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Veröffentlicht am 07.07.2026

Tanzend durchs Leben bis ins Alter

Fünf, sechs, sieben, acht
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Anton ist Stepptänzer am Theater. Obwohl er bereits 60 Jahre alt ist kann er mit der Jugend noch immer mithalten - meint er - und hofft deshalb, die demnächst freiwerdende Stelle als Choreograf zu bekommen. ...

Anton ist Stepptänzer am Theater. Obwohl er bereits 60 Jahre alt ist kann er mit der Jugend noch immer mithalten - meint er - und hofft deshalb, die demnächst freiwerdende Stelle als Choreograf zu bekommen. Die neue Intendantin jedoch vergibt die Stelle an eine Jüngere, an die 30jährige Emma, Antons Tochter. Anton ist wütend und verärgert – alle, auch Emma, haben es gewusst aber keiner hat es ihm gesagt. Er weiß nicht wie es weiter gehen soll, fühlt sich plötzlich alt und denkt über sein vergangenes Leben nach. Was wäre gewesen wenn damals Jo, seine große Liebe nicht plötzlich verschwunden wäre? Lange hatte er nach ihr gesucht, sie aber nicht gefunden. Nun ist es ausgerechnet Emma, die wieder auf ihren Vater zukommt. Sie hat im Internet nach Jo gesucht und ihre Spur gefunden. Vater und Tochter reisen zusammen nach Irland. Wird Anton auf dieser Reise Emma verzeihen können und ihr endlich sagen, dass er stolz auf ihren Erfolg ist?

Ewald Arenz, geb. 1965 in Nürnberg, ist ein deutscher Schriftsteller. Er machte sein Abitur in Fürth, studierte an der Universität in Erlangen-Nürnberg zunächst Jura, wechselte dann das Studienfach zu Anglistik, Amerikanistik und Geschichte. Für seine literarischen Arbeiten wurde er bereits mit zahlreichen Kulturpreisen ausgezeichnet. Arenz ist Gymnasiallehrer in Nürnberg, wo er Englisch und Geschichte unterrichtet. Er ist Vater von drei Kindern und lebt in der Nähe von Fürth.

In seinem Roman "Fünf sechs sieben acht“ (2026, DuMont Buchverlag) ist es dem Autor großartig gelungen, die seelische und körperliche Verfassung des Vaters und die mentale Stimmung der Tochter zu Papier zu bringen. Der Schreibstil ist dabei sehr einfühlsam, ausdrucksvoll und fesselnd, die Protagonisten und auch alle Nebenfiguren sind klar und präzise herausgearbeitet. Nach anfänglich ruhigem Dahingleiten nimmt die Geschichte bald ordentlich Fahrt auf. Die Entwicklung, die Anton durchmacht ist glaubhaft, seine Auseinandersetzung mit dem Alter ist nachvollziehbar und der realistische Ausblick in die Zukunft stimmt hoffnungsvoll.

Fazit: Ein warmherziges, berührendes Buch voller Zuversicht über das Leben, das Älterwerden und über den Generationenkonflikt – empfehle ich gerne weiter!

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Veröffentlicht am 20.06.2026

Ein Leben für die Marionetten

Herzfaden
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Nach einer Aufführung in der Augsburger Puppenkiste erkundet ein neugieriges Mädchen das Gebäude, öffnet eine geheime Tür und gelangt so auf den Dachboden, wo die Marionetten aufbewahrt werden. Dort geschieht ...

Nach einer Aufführung in der Augsburger Puppenkiste erkundet ein neugieriges Mädchen das Gebäude, öffnet eine geheime Tür und gelangt so auf den Dachboden, wo die Marionetten aufbewahrt werden. Dort geschieht Magisches. Das Mädchen schrumpft auf Größe der Puppen, diese werden lebendig und unterhalten sich mit ihr. Dann kommt auch noch eine altmodisch gekleidete Dame dazu, die sich als „Hatü“ vorstellt. Es ist Hannelore, die Tochter des Gründers des Puppentheaters und Schnitzerin der meisten Figuren. Sie erzählt von ihrer Familie, von den Anfängen des Theaters, von der Zerstörung im II. Weltkrieg, vom Wiederaufbau und vom endgültigen Erfolg bis hin zu den ersten Aufführungen im Fernsehen …

Thomas Hettche, geb. 1964 in Treis, Ldkr. Gießen, ist ein deutscher Schriftsteller und Essayist. Nach seinem Schulabschluss studierte er von 1984 bis 1991 Germanistik, Filmwissenschaft und Philosophie in Frankfurt/Main und war danach als Dozent, Lehrbeauftragter, künstlerischer Gast und Honorarprofessor an verschiedenen Universitäten. Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit war er auch journalistisch tätig. Hettche hat zwei Töchter und lebt heute, nach längeren Aufenthalten in Venedig, Krakau, Rom und Los Angeles, als freier Schriftsteller in Berlin und im Vogelsberg.

Wer kennt sie nicht die legendär gewordenen Figuren, Urmel aus dem Eis, Jim Knopf, Kater Mikesch, Lukas der Lokomotivführer oder Kalle Wirsch – Figuren, die die Generation unserer Eltern und auch uns in unserer Kindheit erfreut und begeistert haben? In seinem Roman „Herzfaden“ (2020, Kiepenheuer & Witsch) bietet uns der Autor Thomas Hettche einen liebevollen Blick hinter die Kulissen der Augsburger Puppenkiste mit seinen hölzernen Marionetten und lässt gleichzeitig das Leben von Hannelore Marschall-Oehmichen, genannt „Hatü“, der Tochter des Gründers Walter Oehmichen, Revue passieren. Beide Handlungsstränge lassen sich auch sehr gut getrennt lesen, da sie in unterschiedlichen Farben gedruckt sind, die Geschichte der Familie Oehmichen in Blau und die märchenhaften Erlebnisse des Mädchens auf dem Dachboden in Rot. Beide Teile sind chronologisch aufgebaut und in dem beinahe magisch zu nennenden Schreibstil des Autors sehr gut lesbar. Hettche scheut sich auch nicht, auf Missstände im Dritten Reich, auf Judenverfolgung, traumatisierte Kriegsversehrte, Hunger und Elend in der Nachkriegszeit hinzuweisen, sodass eine lehrreiche, vielschichtige Geschichte von 1939 bis in die 60er-Jahre entstanden ist.

Fazit: Ein Buch, das ich jedem Fan der Augsburger Puppenkiste und seiner Marionetten wärmstens empfehlen möchte!

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Veröffentlicht am 10.06.2026

Im Rausch der Farben

The Artist
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Man schreibt das Jahr 1920. Der junge noch unbekannte Journalist Joseph Adelaide aus London reist in die Provence um den »Meister des Lichts«, den Maler Édouard Tartuffe, genannt Tata, zu interviewen, ...

Man schreibt das Jahr 1920. Der junge noch unbekannte Journalist Joseph Adelaide aus London reist in die Provence um den »Meister des Lichts«, den Maler Édouard Tartuffe, genannt Tata, zu interviewen, der sich viele Jahre zuvor plötzlich aus Paris in die Einsamkeit zurückgezogen hatte. Seine Nichte Sylvette, Ettie genannt, versorgt ihm den Haushalt, schafft Ordnung in seinem Atelier und organisiert sein Leben als Maler. Als Joseph dort ankommt ist die Enttäuschung zunächst groß, denn er darf nur bleiben und über Tata schreiben, wenn er ihm auch Modell sitzt. Er willigt ein, denn er möchte die Geheimnisse, die beide umgeben, ergründen. Warum ist der gefeierte Maler, der mit van Gogh und Cézanne gut bekannt war, damals so plötzlich aus Paris verschwunden? Was verbirgt Ettie, die sich ganz dem Meister untergeordnet hat aber nachts heimlich das Haus verlässt?

Lucy Steeds, geb. 1995, ist eine englische Schriftstellerin. Sie wuchs in London auf. Nach ihrem Studium der Englischen Literatur in Oxford lebte sie einige Zeit in Paris und Singapur. Ihr Debüt ist der historische Roman „The Artist“ (2025), der bereits den Waterstones Debut Fiction Prize gewann, als Waterstones Book of the Year ausgezeichnet wurde und bereits in mehreren Sprachen erschienen ist. Derzeit pendelt die Autorin zwischen ihren Wohnsitzen in Amsterdam und London.

Die Geschichte beginnt mit dem Prolog, in dem eine unbekannte Frau 1957 in der National Gallery in London ein Bild von Édouard Tartuffe betrachtet – und geht dann zurück ins Jahr 1920 in die Provence, was dem Roman sofort eine rätselhafte Spannung verleiht, die bis zum Schluss spürbar ist. Man gerät in eine Atmosphäre von drückender Hitze, geniale Kreativität, rätselhaften Geheimnissen und verhaltener Leidenschaft, die uns in den Bann zieht. Die drei Figuren, Joseph, Ettie und der Künstler selbst, wirken sehr lebendig, ihre Charaktere sind sehr subtil und differenziert herausgearbeitet und ihr Verhalten nachvollziehbar. Die Sprache ist extrem poetisch und sinnlich. Hitze, Farben, Gerüche und Licht sind so malerisch beschrieben, dass der Roman beinahe selbst wie ein Gemälde wirkt.

Fazit: Ein großartiger Roman, der Kunst und Kreativität, Liebe, Macht und Selbstbestimmung miteinander verbindet. Meine uneingeschränkte Empfehlung!

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Veröffentlicht am 22.05.2026

Ein Ort der Zuflucht für Frauen

Das Haus der Frauen
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Nach dem Freitod eines Mandanten erlitt die erfolgreiche Pariser Rechtsanwältin Solène einen Zusammenbruch – Burn-out diagnostizierten die Ärzte. Nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus riet ihr Psychiater ...

Nach dem Freitod eines Mandanten erlitt die erfolgreiche Pariser Rechtsanwältin Solène einen Zusammenbruch – Burn-out diagnostizierten die Ärzte. Nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus riet ihr Psychiater zu einer ehrenamtlichen Tätigkeit, um anderen Menschen zu helfen und sich dabei wieder nützlich zu fühlen. Über eine Anzeige erhält sie eine Stelle im »Haus der Frauen«, in dem Obdachlose, Gestrandete, Flüchtlinge und misshandelte Frauen Unterschlupf gefunden haben. Dort soll Solène den Bewohnerinnen helfen, Briefe, Anträge oder Gesuche zu schreiben. Nach anfänglichem gegenseitigen Misstrauen wird sie im Kreis der Frauen aufgenommen - ihr Leben bekommt wieder einen Sinn. Sie beginnt sich für die Geschichte des Hauses und ihrer Begründerin, Blanche Peyron, zu interessieren …

Laetitia Colombani, geb. 1976 in Bordeaux, ist eine französische Schauspielerin, Regisseurin, Drehbuchautorin und Schriftstellerin. „Der Zopf“ (La Tresse, 2017) war ihr erster Roman, der 2019 im S. Fischer Verlag erschienen ist. Die Autorin erhielt dafür 2017 den Prix Ulysse und 2018 den Globe de cristal in der Kategorie „Bester Roman“. „Das Haus der Frauen“ (Les Victorieuses, 2019) folgte und war ebenso erfolgreich. Laetitia Colombani lebt in Paris.

Das „Palais de la femme“ ist ein Gebäude im 11. Arrondissement von Paris. 1926 wurde es von dem Ehepaar Blanche und Albin Peyron erworben und der Heilsarmee überschrieben. Das Haus besteht aus 630 Räumen und beherbergt auch heute noch in Not geratene Mädchen und Frauen.

Im Mittelpunkt dieses Romans stehen zwei Frauen aus unterschiedlichen Zeiten. Gekonnt verbindet die Autorin das Leben der historischen Persönlichkeit Blanche Peyron und der fiktiven Anwältin Solène in zwei Handlungssträngen, die ineinander übergreifen und zeigen, dass Frauen, die soziale Ungerechtigkeit und Gewalt erfahren haben, schon früher der Hilfe bedurften. Der Schreibstil ist sehr ansprechend und macht das Buch gut lesbar, wobei ich Solènes Entwicklung leicht vorhersehbar fand, während der historische Teil um Blanche für mich viel emotionaler und authentischer wirkte. Obwohl die persönlichen Schicksale der Frauen oft nur angedeutet werden, berühren sie doch tief und hinterlassen den Leserin etwas gedrückter Stimmung.

Fazit:* Ein warmherziges Buch mit historischem Hintergrund, das ich wärmstens empfehlen kann.

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Veröffentlicht am 20.05.2026

Bergtour zur Trauerbewältigung

Wir gehen mal los
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Seit dem Tod seiner Mutter hat sich Amedeo in sich selbst zurückgezogen, hat Angstzustände und hält sich von allem fern. Stets hat er Kopfhörer auf den Ohren, die Augen verbirgt er hinter seinen langen ...

Seit dem Tod seiner Mutter hat sich Amedeo in sich selbst zurückgezogen, hat Angstzustände und hält sich von allem fern. Stets hat er Kopfhörer auf den Ohren, die Augen verbirgt er hinter seinen langen Haaren, vernachlässigt die Schule und geht seinem Vater aus dem Weg. Dieser hofft, nach einem Gespräch in der Schule, auf einer Zweitages- Bergtour seinem Sohn wieder näher zu kommen. Zunächst versucht Amedeo während des Aufstiegs zum Punta Liberté das Gerede des Vaters zu überhören, seine Höhenangst zu vergessen und ist in seinen Gedanken bei seiner Mutter. Doch dann passiert etwas das ihn zwingt über sich hinauszuwachsen, seine Ängste zu überwinden, hellwach zu sein und Verantwortung zu übernehmen …

Die Autorin Raffaella Romagnolo wurde 1971 in Casale Monferrato/Piemont geboren. Sie ist Lehrerin für Geschichte und Italienisch und schreibt seit 2007 auch Romane, für die sie bereits für den Premio Strega nominiert war. Heute lebt die sie in Rocca Grimalda im Piemont.

„Wir gehen mal los“ (2026 Diogenes) ist ein Roman, in dem es um einen Vater-Sohn-Konflikt geht. Beide, Ingenieur Giandomenico Ghisleri und sein Teenagersohn Amedeo, sind gefangen in der Trauer um die tote Ehefrau und Mutter, den einstigen Mittelpunkt der Familie. Sie haben keine Gemeinsamkeit mehr, bis der Vater seinen Sohn auffordert, mit ihm eine Bergtour zu unternehmen, bei der er hofft, dass sie wieder zueinander finden.

Der Autorin gelingt es großartig, auf einfühlsame Weise die Trauer und Verzweiflung zu vermitteln und diese in eine überraschend spannende Geschichte einzubinden. Es wird wenig gesprochen zwischen den beiden, umso mehr erhalten wir jedoch Einsicht in ihre Gedanken und Gefühle. Man ahnt während des Lesens die nahende Katastrophe, kann sie aber nicht abwenden. Das Ende ist wunderbar passend, still und verhalten wie die ganze Geschichte.

Fazit: Ein großartiges Buch, das ich sehr gerne weiterempfehle!

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