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Veröffentlicht am 26.06.2026

Elbmädchen

Stromlinien
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Die Zwillinge Enna und Jale wachsen bei ihrer Großmutter Ehmi in den Elbmarschen auf, beobachten Kormorane und Austernfischer, während sie die Jahre zählen, bis ihre Mutter Alea endlich aus dem Gefängnis ...

Die Zwillinge Enna und Jale wachsen bei ihrer Großmutter Ehmi in den Elbmarschen auf, beobachten Kormorane und Austernfischer, während sie die Jahre zählen, bis ihre Mutter Alea endlich aus dem Gefängnis entlassen wird. Aber nichts wird an diesem Tag so sein, wie die beiden mittlerweile siebzehnjährigen Elbmädchen es erwarten, denn plötzlich sind Alea und Jale spurlos verschwunden.

Von 2025 bis zurück ins Jahr 1923 erstreckt sich diese ebenso ruhige wie aufwühlende Geschichte, welche Rebekka Frank auf drei großen Zeitebenen erzählt. Während man anfangs kaum ahnt, wie die einzelnen Handlungsstränge denn zusammenhängen, so erschließt sich dem Leser nach und nach die Details, welche das große Puzzle schlussendlich zusammenfügen. Mit ihrer angenehmen Sprachmelodie spiegelt die Autorin das Wesen der Marschlande ausgezeichnet wider, beschreibt sie die geheimnisvolle Atmosphäre der weiten Ebenen und der tückischen Flussläufe auf bestens vorstellbare Art und Weise. So erleben wir die etwa hundert Jahre hautnah, tauchen tief ein in die Gefühlswelt der überaus realistisch dargestellten Figuren und erfahren zudem noch von einigen historisch belegten Ereignissen, welche geschickt in den Handlungsverlauf eingewoben sind.

Mehrere Generationen, Schuld und Strafe, Verantwortung und Liebe – das und noch viel mehr wird auf 500 Seiten thematisiert. Ein Rösselsprung durch Land und Zeit hat mich an jedes einzelne Kapitel gefesselt und mich ebenso fasziniert wie der zuvor erschienene Roman „Spiegelland“. Eine klare Empfehlung für jene Leser, die sich gerne in Naturbeschreibungen und Familiengeheimnissen verlieren.


Veröffentlicht am 18.06.2026

Der weite Weg zu Gold und Glück

Tanz der Ahornblätter
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Die adelige Vivian lässt sich von der Abenteuerlust des Stallmeisters Ross anstecken und bucht mit dem weit unter ihrem Stand stehenden jungen Mann kurzerhand eine Schiffspassage von England nach Kanada, ...

Die adelige Vivian lässt sich von der Abenteuerlust des Stallmeisters Ross anstecken und bucht mit dem weit unter ihrem Stand stehenden jungen Mann kurzerhand eine Schiffspassage von England nach Kanada, um ihr Glück auf den verheißungsvollen Goldfeldern zu suchen. Dass der Weg weiter und sehr viel beschwerlicher ist als gedacht, stellt sich natürlich erst auf der Reise heraus.

In zwei großen Handlungssträngen, welche im Laufe der Kapitel zusammengeführt werden, erzählt Sarah Lark auf beeindruckende Weise, wie es den Auswanderern und Abenteurern um 1860 wohl ergangen sein mag. Besonders beeindruckend ist die Tatsache, dass einigen Figuren im Buch historisch belegte Personen als Vorbild gedient haben und viele wahre Begebenheiten in die fiktive Handlung miteingeflossen sind. Zudem sind es die wunderbaren Landschaftsbeschreibungen und die vielen kleinen Details zum Land und zur indigenen Bevölkerung, welche dem Roman seine Lebendigkeit und Authentizität verleihen. Einer – für mich – unvorstellbaren Reise folgt eine aufregende Zeit des Goldschürfens, welche jedoch ernüchternd ist aufgrund des geringen Ertrages und der schwierigen Lebensumstände weitab der gewohnten Zivilisation. Weitere interessante Themen bereichern die Geschichte, seien es Tanz und Theater, Pferde und Wettrennen und natürlich die Beweggründe, welche überhaupt erst den Goldrausch ausgelöst haben.

Epische 600 Seiten, welche die Zeit im Nu verstreichen lassen, begeistern durch bildhafte Beschreibungen, bestens charakterisierte Personen und eingehende Recherche, sodass das Lesen dieses Romans zum wahren Vergnügen wird. Wann folgt Band 2 der Kanada-Dilogie?

Veröffentlicht am 11.06.2026

Brandstätte

Der Blutmensch zu Köln
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Köln, 1847/48: Zu einer Brandstätte hat sich der bislang ertragreiche Gutshof verwandelt, unter den Ruinen findet man neun Leichen. Schnell ist klar, die entlassene Dienstmagd ist aus Rache zur Mörderin ...

Köln, 1847/48: Zu einer Brandstätte hat sich der bislang ertragreiche Gutshof verwandelt, unter den Ruinen findet man neun Leichen. Schnell ist klar, die entlassene Dienstmagd ist aus Rache zur Mörderin geworden und wird in einem beispiellosen Indizienprozess schuldig gesprochen. Allein Anwalt Venedey und sein Referendar Bas samt Journalistin Mathilde sehen die Sachlange anders und beginnen einen Wettlauf mit der Zeit um die Wahrheit.

Eine meisterhafte Sprachkomposition und eine bestens gelungene Verquickung von historisch verbürgten Fakten mit glaubwürdiger Fiktion bilden das Wesen dieses hervorragenden Historischen Kriminalromans. Reale Figuren werden als Vorbilder herangezogen, ein tatsächlicher Mord dem Geschehen im Buch zugrunde gelegt. So ist es nicht verwunderlich, dass die Handlung höchst lebendig daherkommt und aufgrund der akribischen Recherche das damalige Justizsystem auch für Laien bestens vorstellbar wird. Ein Rechtsanwaltsanwärter und eine willensstarke Redakteurin stechen durch ihre Zielstrebigkeit hervor, aber auch die Angeklagte Ida beeindruckt mit ihrer naiven Unbedarftheit. Fesselnde Szenen führen kurzweilig durch den Gerichtsprozess und das Bestreben, nicht nur Recht zu sprechen, sondern die Wahrheit zu ergründen. Ob das in der knappen Zeit gelingen kann?

Obgleich einige Sätze im Kölner Dialekt schwer verständlich sind, so ist dieser Krimi aufgrund seiner authentischen Atmosphäre unbedingt zu empfehlen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.06.2026

Karma

Was das Schicksal uns schenkt
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„Gibt es so etwas wie Karma?“, fragt sich Addie Finch als Jonathan Westerbrook sich wünscht, dass ihr das Schicksal etwas Großes, Wunderbares als Belohnung schenkt. [kindle, Pos. 265]. Tatsächlich hat ...

„Gibt es so etwas wie Karma?“, fragt sich Addie Finch als Jonathan Westerbrook sich wünscht, dass ihr das Schicksal etwas Großes, Wunderbares als Belohnung schenkt. [kindle, Pos. 265]. Tatsächlich hat die 62jährige dem fremden Teenager gerade sehr geholfen, indem sie ihm eine Tasse Kaffee und ein Dach über dem Kopf angeboten und den Grundstein für eine außergewöhnliche Freundschaft gelegt hat.

So warmherzig, wie wir es von Catherine Ryan Hyde gewohnt sind, wird auch diese besondere Geschichte erzählt. Auf leisen Füßen schleichen sich Addie und Jonathan in unsere Herzen, ich weiß nicht, ob sie das im echten Leben auch so spielend geschafft hätten, denn oftmals halten uns ja vorgefasste Meinungen davon ab, einen Menschen erst näher kennenzulernen. Dieser durchwegs ruhige Roman lässt uns innehalten und nachdenken, wie wir unsere Beziehungen leben und ob nicht ein wenig mehr Aufmerksamkeit und Aufeinanderzugehen vorstellbar wäre. Denn gerade das Vertrauen, welches Addie dem jungen Obdachlosen entgegenbringt, bietet auch ihr, einer trockenen Alkoholikerin, eine große Chance, sich im positiven Sinne weiterzuentwickeln. Mit vielen Szenen aus dem Alltag und den wechselnden Sichtweisen von Addie und Jonathan kommen wir als Leser ganz nah an das Geschehen heran und können direkt miterleben, wie es den beiden gerade geht. Aber auch die vermeintlichen Nebenrollen sind bestens besetzt und gut vorstellbar in die Handlung eingeflochten. Jeder Einzelne hat auf seine Weise Einfluss auf den Lauf der Dinge, doch jeder selbst ist schlussendlich dafür verantwortlich, was daraus erblühen kann und in welche Richtung sich das Schicksal wendet. Ob es nun Karma ist oder Glück, Zufall oder harte Arbeit? Am Ende bleiben jedenfalls Zufriedenheit und Dankbarkeit zurück.

Catherine Ryan Hyde ist trotz – oder gerade wegen – ihres ruhigen Schreibstils ein Garant für emotionsvolle Lesestunden. Sehr gerne empfehle ich auch diesen Roman weiter an all jene, die sich nicht davor scheuen, mit Themen wie Obdachlosigkeit, Gewalt und Sucht konfrontiert zu werden, denn für einen Ausweg ist es nie zu spät.

Veröffentlicht am 08.06.2026

Der böse Geist

Schatten Eis
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Ein lang gehütetes Geheimnis schlummert über Grönland, Anngiaq, der böse Geist, verfolgt auch heute noch Menschen, die damit zu tun haben. Einer davon ist Marit, Super-Recognizerin für Kopenhagens Polizei. ...

Ein lang gehütetes Geheimnis schlummert über Grönland, Anngiaq, der böse Geist, verfolgt auch heute noch Menschen, die damit zu tun haben. Einer davon ist Marit, Super-Recognizerin für Kopenhagens Polizei. Nach dem Beginn einer Mordserie gerät sie selbst in größte Gefahr.

Eiskalte Spannung zieht sich auch durch diesen Band der packenden Reihe rund um „Gesichtserkennerin“ Marit Rauch Iversen und die beiden Ermittler Kirsten Vinther und Jesper Jørn Bæk. Eine grausame Mordserie erschüttert Kopenhagen, jede einzelne Tat wird durch einen Tupilak, ein Symbol für Unglück, angekündigt. Marit, die als Kind adoptiert und von Grönland nach Dänemark gebracht worden ist, erfasst ein Sog von Beklemmung und Irritation, als sie aufgrund der Ereignisse ihrer eigenen Familiengeschichte nachspürt, denn auch sie ist schon als Kind dem Anngiaq begegnet.

Eloquent und bildhaft beschreibt Anne Nørdby das Geschehen, lässt durch authentische Dialoge das Ganze noch lebendiger werden. Interessante Details zur grönländischen Sagenwelt verwebt die Autorin geschickt mit historischen Begebenheiten im Rahmen der Kolonialisierung durch Dänemark, welche durchaus dunkle Seiten nach sich gezogen hat. Und schließlich wird der Leser gefesselt von einer brutalen Mordserie, zu der es unterschiedliche Theorien bezüglich Täter und Motiven gibt; ja sogar innerhalb der Ermittlergruppe herrschen Zwistigkeiten. Und auch das Privatleben der nicht immer ganz unkomplizierten, aber durchwegs sympathischen Protagonisten hält alle auf Trab. Schlüssig fließen am Ende alle Fäden zusammen und wecken Neugierde, wie es mit Marit, Kirsten und Jesper weitergeht.

Ein durchgängig hoher Spannungsbogen, fundierte Recherche und eine gekonnte Verquickung von geschichtlichen Fakten und fiktionalem Krimi lassen die 500 Seiten wie im Nu verfliegen, das Lesen ist – wie immer bei Anne Nørdby – ein wahres Vergnügen.

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