Elbmädchen
StromlinienDie Zwillinge Enna und Jale wachsen bei ihrer Großmutter Ehmi in den Elbmarschen auf, beobachten Kormorane und Austernfischer, während sie die Jahre zählen, bis ihre Mutter Alea endlich aus dem Gefängnis ...
Die Zwillinge Enna und Jale wachsen bei ihrer Großmutter Ehmi in den Elbmarschen auf, beobachten Kormorane und Austernfischer, während sie die Jahre zählen, bis ihre Mutter Alea endlich aus dem Gefängnis entlassen wird. Aber nichts wird an diesem Tag so sein, wie die beiden mittlerweile siebzehnjährigen Elbmädchen es erwarten, denn plötzlich sind Alea und Jale spurlos verschwunden.
Von 2025 bis zurück ins Jahr 1923 erstreckt sich diese ebenso ruhige wie aufwühlende Geschichte, welche Rebekka Frank auf drei großen Zeitebenen erzählt. Während man anfangs kaum ahnt, wie die einzelnen Handlungsstränge denn zusammenhängen, so erschließt sich dem Leser nach und nach die Details, welche das große Puzzle schlussendlich zusammenfügen. Mit ihrer angenehmen Sprachmelodie spiegelt die Autorin das Wesen der Marschlande ausgezeichnet wider, beschreibt sie die geheimnisvolle Atmosphäre der weiten Ebenen und der tückischen Flussläufe auf bestens vorstellbare Art und Weise. So erleben wir die etwa hundert Jahre hautnah, tauchen tief ein in die Gefühlswelt der überaus realistisch dargestellten Figuren und erfahren zudem noch von einigen historisch belegten Ereignissen, welche geschickt in den Handlungsverlauf eingewoben sind.
Mehrere Generationen, Schuld und Strafe, Verantwortung und Liebe – das und noch viel mehr wird auf 500 Seiten thematisiert. Ein Rösselsprung durch Land und Zeit hat mich an jedes einzelne Kapitel gefesselt und mich ebenso fasziniert wie der zuvor erschienene Roman „Spiegelland“. Eine klare Empfehlung für jene Leser, die sich gerne in Naturbeschreibungen und Familiengeheimnissen verlieren.