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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.06.2026

Praktische Theorie

Was Sie (wirklich) über Erziehung wissen müssen
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Aufgrund des Titels habe ich mehr mit einem klassischen Erziehungsratgeber voller konkreter Handlungsempfehlungen und Tipps für den Familienalltag gerechnet. Bekommen habe ich stattdessen etwas, das ich ...

Aufgrund des Titels habe ich mehr mit einem klassischen Erziehungsratgeber voller konkreter Handlungsempfehlungen und Tipps für den Familienalltag gerechnet. Bekommen habe ich stattdessen etwas, das ich viel spannender fand: eine fundierte Einordnung dessen, was die Wissenschaft tatsächlich über Erziehung weiß und was eben nicht. Tillmann Prüfer arbeitet sich durch Studien, Forschungsergebnisse und pädagogische Debatten und schafft es dabei, komplexe Zusammenhänge verständlich und unterhaltsam aufzubereiten. Statt einfache Antworten zu liefern, zeigt er, wo wissenschaftlicher Konsens besteht, wo Unsicherheiten bleiben und wie sich Erkenntnisse im Laufe der Zeit verändern. Besonders interessant fand ich, dass einige Annahmen, die ich selbst noch aus meinem Pädagogikstudium kannte, inzwischen durch neuere Forschung anders bewertet werden. Gerade diese Einblicke in die Entwicklung wissenschaftlicher Erkenntnisse haben das Buch für mich besonders lesenswert gemacht.

Trotz seines wissenschaftlichen Ansatzes ist das Buch keineswegs trocken. Es liest sich angenehm zugänglich und vermittelt immer wieder das beruhigende Gefühl, dass gute Erziehung nicht davon abhängt, jede aktuelle Mode oder jeden Ratgebertrend perfekt umzusetzen. Stattdessen wird deutlich, wie wichtig Beziehung, gemeinsame Zeit und ein reflektierter Umgang mit den eigenen Entscheidungen sind. Das Buch ist daher sehr ermutigend. Es nimmt Eltern den Druck, alles richtig machen zu müssen, ohne dabei beliebig zu werden.

Für mich war das eine sehr gelungene Mischung aus Wissenschaftsjournalismus, Pädagogik und alltagsnaher Reflexion. Wer sich für Erziehung interessiert und dabei lieber verstehen möchte, was hinter den Empfehlungen steckt, statt einfach nur Anleitungen zu bekommen, sollte dieses Buch unbedingt lesen.

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Veröffentlicht am 12.06.2026

Berührend

Restsommer
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Mit „Restsommer“ taucht man ein in den Sommer von Nick und Biff. Nick ist in der 10. Klasse und fragt sich, ob der für ihn vorgesehene Weg wirklich sein eigener ist. Eigentlich soll er später das Bestattungsinstitut ...

Mit „Restsommer“ taucht man ein in den Sommer von Nick und Biff. Nick ist in der 10. Klasse und fragt sich, ob der für ihn vorgesehene Weg wirklich sein eigener ist. Eigentlich soll er später das Bestattungsinstitut seines Vaters übernehmen. Doch als Biff neu in seine Klasse kommt, gerät vieles ins Wanken.

Die Geschichte ist im besten Sinne ein klassischer Coming-of-Age-Roman: Es geht um Identität, Selbstfindung, Familie, Zukunftsängste und darum, den Mut zu finden, für das eigene Glück einzustehen. Besonders schön fand ich dabei, dass die queere Liebesgeschichte ganz selbstverständlich Teil dieser Entwicklung ist. Was mir am besten gefallen hat, war die Atmosphäre. Beim Lesen konnte ich die drückende Sommerhitze förmlich spüren. Über dem ganzen Roman liegt eine Mischung aus Melancholie, Sehnsucht und Aufbruchsstimmung, die perfekt zu dieser Lebensphase zwischen Jugend und Erwachsensein passt.

Auch sprachlich hat mich „Restsommer“ überzeugt. Die Erzählstimme wirkt authentisch und nahbar, gleichzeitig finden sich immer wieder kreative Metaphern und Vergleiche, die den Text besonders machen, ohne künstlich oder aufgesetzt zu wirken. Sie passen wunderbar zu Nicks Blick auf die Welt.

„Restsommer“ ist damit ein berührendes, stimmungsvoller Sommerroman über das Erwachsenwerden, die erste Liebe und die schwierige Frage, wer man sein möchte. Es wird Leser:innen von „Man vergisst nicht, wie man schwimmt“ und „Der große Sommer“ gefallen.

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Veröffentlicht am 25.05.2026

Bitterböser Fiebertraum

She’s a Star!
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„She’s a Star“ ist ein Roman, der sich anfühlt wie ein bitterböser Fiebertraum. Schon nach wenigen Seiten war ich komplett im Bann dieser einerseits unterhaltsamen, andererseits verstörenden Geschichte ...

„She’s a Star“ ist ein Roman, der sich anfühlt wie ein bitterböser Fiebertraum. Schon nach wenigen Seiten war ich komplett im Bann dieser einerseits unterhaltsamen, andererseits verstörenden Geschichte und konnte kaum aufhören zu lesen.

Im Mittelpunkt steht Jessamyn St. Germain, eine Protagonistin, die ich gleichzeitig mögen, bemitleiden, manchmal auch schütteln und hassen wollte. Sie trifft fragwürdige, teilweise erschreckende Entscheidungen, verliert sich immer stärker in ihren eigenen Fantasien und überschreitet dabei mehr als eine Grenze. Und trotzdem habe ich mich ständig dabei ertappt, ihr irgendwie doch die Daumen zu drücken. Durch Jessamyns Rolle als unzuverlässige Erzählerin bleibt die Handlung permanent unberechenbar. Immer wieder verschwimmen Realität, Wunschdenken und Obsession miteinander, und manches, was zunächst real erscheint, entpuppt sich später als Produkt ihrer eigenen Gedankenwelt. Dadurch bleibt der Roman bis zuletzt spannend und voller Überraschungen.

Besonders gelungen fand ich den bitterbösen Humor, der sich durch die gesamte Geschichte zieht. Trotz aller Abgründe ist das Buch unglaublich unterhaltsam und entwickelt einen regelrechten Sog. Auch sprachlich hat mich der Roman überzeugt: Der Stil, ebenso wie die Übersetzung, liest sich sehr flüssig, sodass ich förmlich durch die Seiten geflogen bin. Spannend fand ich außerdem die literarische Ebene durch die zahlreichen Bezüge zu „Die Möwe“ von Tschechow,. Jessamyns Mischung aus Ehrgeiz, Selbstüberschätzung und wachsendem Realitätsverlust hat mich stellenweise auch an „Yellowface“ erinnert, ihr Wunsch, ein glänzender Star zu werden an „Das kunstseidene Mädchen“.

Für mich ist „She’s a Star“ ein herrlich böser, kluger und gleichzeitig verstörender Roman über Ehrgeiz, Selbsttäuschung und die gefährliche Sehnsucht, gesehen zu werden, aber absolut nichts für schwache Nerven!

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Veröffentlicht am 24.05.2026

Motivierend

Wut und Wärme
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„Wut und Wärme“ ist ein sehr persönliches Sachbuch der Tekkal-Schwestern, das gesellschaftliche Werte nicht abstrakt verhandelt, sondern über gelebte Erfahrungen erzählt. Besonders gut gefallen hat mir ...

„Wut und Wärme“ ist ein sehr persönliches Sachbuch der Tekkal-Schwestern, das gesellschaftliche Werte nicht abstrakt verhandelt, sondern über gelebte Erfahrungen erzählt. Besonders gut gefallen hat mir die Struktur des Buches: Entlang zentraler Werte wie Mut, Verantwortung, Empathie oder Rebellion schildern die Tekkal-Schwestern abwechselnd, wie diese Werte ihr Leben geprägt haben und was sie ihnen heute bedeuten. So entsteht nach und nach ein Mosaik aus Kindheits- und Jugenderinnerungen, politischen Erfahrungen und persönlichen Entwicklungen.

Gerade diese Verbindung aus individueller Geschichte und gesellschaftlicher Vision macht das Buch so lesenswert. Die Schwestern schreiben offen über ihre Herkunft als Töchter einer jesidisch-kurdischen Flüchtlingsfamilie, über Diskriminierung, Aufstieg und Aktivismus, aber immer auch über Zusammenhalt und Hoffnung. Dabei wirkt das Buch nie belehrend, sondern vielmehr motivierend und stärkend, der Ton ist plaudernd und liest sich flüssig. Besonders mochte ich, dass unterschiedliche Stimmen und Perspektiven nebeneinanderstehen dürfen. Dadurch entsteht ein sehr lebendiger Eindruck von Schwesternschaft, die eben nicht bedeutet, immer gleich zu sein, sondern sich gegenseitig zu tragen und zu inspirieren. Viele Gedanken haben mich beim Lesen beschäftigt und mir gleichzeitig Mut gemacht, gerade in einer Zeit, in der gesellschaftliche Debatten oft von Spaltung geprägt sind.

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Veröffentlicht am 22.05.2026

Typisch Maiwald

Espresso unter Sternen
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„Espresso unter Sternen“ ist wieder genau die Art von Buch, die man am liebsten mit einem Kaffee in der Sonne lesen möchte. Maiwalds Texte haben einfach etwas Wohlfühliges und sind voller kleiner Beobachtungen, ...

„Espresso unter Sternen“ ist wieder genau die Art von Buch, die man am liebsten mit einem Kaffee in der Sonne lesen möchte. Maiwalds Texte haben einfach etwas Wohlfühliges und sind voller kleiner Beobachtungen, die den Alltag plötzlich leichter wirken lassen. Schon das wunderschöne Cover macht Lust darauf, nach Italien aufzubrechen. Dieses Mal geht es nach Triest, wo sich der Autor eine „Anderszeit“ genommen hat.

Während Stefan Maiwald von Grado nach Triest zieht, entstehen wie gewohnt bei Maiwald viele charmante Begegnungen und kleine Alltagsgeschichten, die plaudernd erzählt werden. Dabei liest sich alles angenehm leicht, ohne belanglos zu sein. Zwischendurch gibt es immer wieder bunt gemischte Fakten zur Geschichte der Stadt. Gerade die historischen Hintergründe fand ich sehr spannend. Dass Triest so eng mit Literatur verbunden ist und viele Schriftsteller dort gelebt haben, war mir zwar grundsätzlich bekannt, aber die Art, wie das hier erzählt und zusammengeführt wird, hat mir richtig gut gefallen. Besonders die Passagen über Bücher, Cafés und kleine Glücksmomente haben bei mir sofort Fernweh ausgelöst.

Für mich war „Espresso unter Sternen“ ein entschleunigendes Wohlfühlbuch voller Italiensehnsucht, Lebensfreude und kleiner Glücksmomente. Es ist perfekt für alle, die Reiseberichte mit persönlicher Note und viel Atmosphäre mögen und natürlich für alle Maiwald-Fans.

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