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Veröffentlicht am 18.06.2026

Wenn Gott mit langen Ohren antwortet

Das Glück hat lange Ohren
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Manchmal kommt Hilfe nicht laut, nicht perfekt und auch nicht so, wie man sie erwartet. Bei Rachel Anne Ridge kommt sie in Form eines verletzten Esels, der plötzlich in der Einfahrt steht und damit nicht ...

Manchmal kommt Hilfe nicht laut, nicht perfekt und auch nicht so, wie man sie erwartet. Bei Rachel Anne Ridge kommt sie in Form eines verletzten Esels, der plötzlich in der Einfahrt steht und damit nicht nur Schmutz, Sorgen und Arbeit mitbringt, sondern auch Hoffnung.

Mich hat diese wahre Geschichte sehr berührt, weil sie so leise beginnt und dabei doch so viel Kraft entwickelt. Rachel steckt mit ihrer Familie in einer schweren Zeit. Geldsorgen, Selbstzweifel und Zukunftsangst liegen wie ein dunkler Schatten über allem. Und dann ist da Flash, ein mitgenommener Esel, der selbst Hilfe braucht. Gerade das macht diese Geschichte so besonders: Wer selbst kaum noch Kraft hat, öffnet trotzdem das Herz.

Der Schreibstil ist warm, bildhaft und voller kleiner Momente, die nachklingen. Ich mochte besonders, dass der Glaube hier nicht künstlich aufgesetzt wirkt, sondern wie ein leiser Begleiter durch schwere Tage. Flash wird dabei nicht kitschig verklärt, sondern bleibt ein störrischer, liebenswerter Esel mit ganz eigenem Kopf.

Das Buch erzählt von zweiten Chancen, Vertrauen, Geduld und davon, dass Gott manchmal auf sehr ungewöhnliche Weise antwortet. Für mich ist es ein tröstliches, ehrliches und liebevolles Buch, das zeigt, wie viel Licht ein kleines Wunder in eine dunkle Zeit bringen kann.

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Veröffentlicht am 16.06.2026

Wenn Stolz leise knistert und Vorurteile bröckeln

Stolz und Vorurteil – die Graphic Novel nach Jane Austen
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Manchmal braucht es gar keinen dicken Klassiker mit winziger Schrift, damit einem Mr Darcy wieder herrlich arrogant auf die Nerven geht. Diese Graphic Novel schafft genau das, was eine gute Adaption schaffen ...

Manchmal braucht es gar keinen dicken Klassiker mit winziger Schrift, damit einem Mr Darcy wieder herrlich arrogant auf die Nerven geht. Diese Graphic Novel schafft genau das, was eine gute Adaption schaffen muss: Sie nimmt Jane Austens berühmte Geschichte ernst, macht sie aber frisch, zugänglich und richtig schön lebendig.

Elizabeth Bennet bleibt dabei diese wunderbar schlagfertige Frau, bei der man innerlich ständig denkt: Ja, Mädchen, sag es ihm. Mr Darcy wiederum stolpert mit seiner kühlen Art so elegant durch die Seiten, dass man ihn gleichzeitig schütteln und heimlich doch ein bisschen mögen möchte. Genau dieses Knistern zwischen Stolz, Missverständnissen und unterdrückten Gefühlen funktioniert hier richtig gut.

Die Illustrationen geben der Geschichte eine tolle Atmosphäre. Bälle, Blicke, feine Gesten und diese ganze gesellschaftliche Enge kommen schön rüber, ohne dass es altbacken wirkt. Gerade für Leser, die Austen vielleicht bisher eher aus sicherer Entfernung bewundert haben, ist das ein richtig guter Einstieg.

Natürlich merkt man, dass ein großer Klassiker hier verdichtet wird. Einige Feinheiten rauschen schneller vorbei, als man es aus dem Roman kennt. Aber ehrlich gesagt: Für eine Graphic Novel passt das Tempo. Sie will nicht alles ersetzen, sondern Lust auf diese Welt machen.

Eine charmante, gefühlvolle und bildstarke Neuerzählung, die zeigt, warum Elizabeth und Darcy immer noch funktionieren. Frech, romantisch, klug und mit genau der richtigen Portion Herzklopfen.

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Veröffentlicht am 15.06.2026

Wenn Fußballgeschichte plötzlich richtig wehtut

Die Raute unterm Hakenkreuz
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Manchmal liegt ein Buch vor einem und man weiß schon nach wenigen Seiten: Das wird kein gemütlicher Fußballabend mit Chips, Nostalgie und „Weißt du noch damals?“. Die Raute unterm Hakenkreuz geht dahin, ...

Manchmal liegt ein Buch vor einem und man weiß schon nach wenigen Seiten: Das wird kein gemütlicher Fußballabend mit Chips, Nostalgie und „Weißt du noch damals?“. Die Raute unterm Hakenkreuz geht dahin, wo es unbequem wird. Genau deshalb ist dieses Buch so wichtig.

Werner Skrentny und die weiteren Autoren schauen nicht verklärt auf Vereinsgeschichte, sondern legen den Finger in eine Wunde, die viel zu lange nicht richtig sichtbar war. Der HSV in der Zeit des Nationalsozialismus, das klingt erstmal nach Sportgeschichte, nach Archiv, nach alten Namen und Daten. Aber ziemlich schnell merkt man: Hier geht es um Menschen. Um Karrieren, Schuld, Ausgrenzung, Mitläufertum, Macht und Schicksale, die einem wirklich im Hals stecken bleiben.

Besonders die Geschichte von Otto Harder und Asbjörn Halvorsen hat mich gepackt. Zwei Männer, einst gemeinsam Meister mit dem HSV, später auf völlig unterschiedlichen Seiten eines unfassbaren Grauens. Harder als KZ-Kommandant, Halvorsen als Häftling. Da sitzt man dann da, klappt das Buch kurz zu und denkt nur: Fußball kann so viel erzählen, wenn man ehrlich hinschaut.

Das Buch ist kein leichter Stoff und will es auch nicht sein. Es ist dicht, gründlich und manchmal richtig schwer auszuhalten. Aber gerade diese Mischung aus Fußballgeschichte und menschlicher Tragödie macht es so stark. Keine billige Betroffenheit, kein erhobener Zeigefinger im Dauermodus, sondern eine ernsthafte Aufarbeitung, die Respekt verdient.

Für HSV-Fans ist das sicher Pflichtlektüre, aber eigentlich geht es weit darüber hinaus. Dieses Buch zeigt, dass Vereinsgeschichte nicht nur aus Titeln, Tabellen und Heldenmomenten besteht. Manchmal muss man auch dahin schauen, wo es weh tut.

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Veröffentlicht am 14.06.2026

Wenn echte Begegnungen wieder wichtiger werden

Ich bin dann mal da
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Manchmal braucht es kein großes Drama, sondern nur einen ehrlichen Blick auf den eigenen Alltag, um sich ertappt zu fühlen. Genau dieses Gefühl hatte ich beim Lesen von Ich bin dann mal da. Christina Schöffler ...

Manchmal braucht es kein großes Drama, sondern nur einen ehrlichen Blick auf den eigenen Alltag, um sich ertappt zu fühlen. Genau dieses Gefühl hatte ich beim Lesen von Ich bin dann mal da. Christina Schöffler schreibt so nahbar, warm und lebensklug, dass viele ihrer Gedanken wie kleine Spiegel wirken.

Besonders schön fand ich, dass das Buch nicht mit erhobenem Zeigefinger daherkommt. Es geht nicht darum, Technik zu verteufeln oder das Handy aus dem Fenster zu werfen. Vielmehr erzählt die Autorin humorvoll und ehrlich davon, wie schnell echte Begegnungen, leise Momente und auch die Beziehung zu Gott zwischen Nachrichten, Terminen und Bildschirmzeit verschwinden können.

Die Alltagsgeschichten haben mich immer wieder berührt, weil sie so normal wirken und gerade deshalb hängen bleiben. Nachbarschaft, Familie, Kindererziehung, verletzliche Beziehungen und der Wunsch nach mehr Tiefe bekommen hier einen liebevollen Rahmen. Es fühlt sich an wie ein Gespräch bei einer Tasse Kaffee, ehrlich, manchmal schmunzelnd, manchmal nachdenklich und immer mit ganz viel Herz.

Für mich ist dieses Buch eine wohltuende Einladung, wieder bewusster da zu sein. Nicht perfekt, nicht krampfhaft, sondern mitten im echten Leben. Ein Buch, das entschleunigt, ermutigt und daran erinnert, dass Nähe, Glaube und Gemeinschaft oft genau dort beginnen, wo der Bildschirm einmal dunkel bleibt.

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Veröffentlicht am 14.06.2026

Ein Familienroman, der leise nachhallt

Räume zum Verschwinden
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Manche Bücher kommen nicht laut polternd durch die Tür, sie stehen plötzlich im Raum und schauen einen einfach an. Genau so fühlt sich Räume zum Verschwinden an. Kein schneller Familienroman für nebenbei, ...

Manche Bücher kommen nicht laut polternd durch die Tür, sie stehen plötzlich im Raum und schauen einen einfach an. Genau so fühlt sich Räume zum Verschwinden an. Kein schneller Familienroman für nebenbei, sondern ein literarisches Mosaik, das sich Stück für Stück zusammensetzt und dabei ordentlich im Kopf nachhallt.

Stuart Nadler erzählt von Sonja, Fania, Moses und Arnold, verteilt über Zeiten, Orte und Lebensbrüche. London, Montreal, Prag, England, dazu Wien als verlorener Ursprung. Klingt erstmal nach schwerem Stoff und ja, das ist es auch. Aber nicht im Sinne von zäh, sondern eher wie ein altes Fotoalbum, bei dem man plötzlich merkt, dass zwischen den Bildern viel mehr steht als auf den ersten Blick sichtbar ist.

Besonders stark ist diese leise Wucht. Da wird nicht alles erklärt, nicht jedes Gefühl groß ausgeleuchtet. Vieles bleibt zwischen den Zeilen, in Blicken, Erinnerungen und Schweigen. Genau das macht es so passend für die Geschichte einer Familie, die von Krieg, Schuld, Exil und Trauma geprägt ist. Manchmal möchte man beim Lesen kurz sagen: Mensch, redet doch endlich miteinander. Aber dann merkt man, dass manche Wunden eben nicht einfach brav auf Kommando erzählen.

Der Roman verlangt Aufmerksamkeit. Wer Action, klare Antworten und Tempo sucht, wird hier vermutlich ungeduldig mit dem Fuß wippen. Wer aber literarische Familiengeschichten mag, die sich Zeit nehmen und ihre Figuren nicht glattbügeln, bekommt ein tiefes, trauriges und wunderschön erzähltes Buch.

Räume zum Verschwinden ist kein Wohlfühlroman, aber einer mit Herz, Schatten und Nachhall. Ein Buch, das nicht verschwindet, nur weil man es zuklappt.

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