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Veröffentlicht am 21.06.2026

Eine Frau, die Geschichte in den Händen hielt

Die Welt in ihren Händen
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Was für eine Frau. Gertrude Bell stapft hier nicht einfach brav durch die Geschichte, sie reitet, forscht, verhandelt, liebt, leidet und mischt in einer Männerwelt mit, in der sie eigentlich nur dekorativ ...

Was für eine Frau. Gertrude Bell stapft hier nicht einfach brav durch die Geschichte, sie reitet, forscht, verhandelt, liebt, leidet und mischt in einer Männerwelt mit, in der sie eigentlich nur dekorativ hätte danebenstehen sollen. Pustekuchen.

Olivier Guez erzählt ihr Leben mit viel Atmosphäre und einem richtig starken Blick für Mesopotamien nach dem Ersten Weltkrieg. Sand, Politik, Machtspiele, verletzte Eitelkeiten und dieser ständige Gedanke: Meine Güte, wie viel von dem Chaos damals wirkt bis heute nach?

Besonders spannend fand ich, wie widersprüchlich Gertrude Bell gezeigt wird. Sie ist mutig, klug und ihrer Zeit oft weit voraus, aber eben auch Teil eines Empire, das meinte, die Welt nach eigenen Vorstellungen sortieren zu dürfen. Das macht sie nicht zur einfachen Heldin, sondern zu einer Figur, über die man nach dem Lesen noch länger nachdenkt.

Manchmal hätte ich mir allerdings mehr Nähe zu ihr gewünscht. Mehr Herzklopfen unter dem staubigen Reisehut, mehr Innenleben, mehr Gertrude pur. Guez bleibt oft sehr historisch, sehr politisch, sehr groß im Panorama. Das ist beeindruckend, aber zwischendurch auch ein bisschen so, als würde man mit Notizbuch durch die Wüste laufen.

Trotzdem: Dieses Buch hat Wucht. Es ist klug, bildstark und öffnet den Blick auf eine Frau, die viel zu lange unterschätzt wurde. Kein leichter Wohlfühlroman, eher ein intensiver Kaffee mit ordentlich Nachhall.

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Veröffentlicht am 20.06.2026

Vier Frauen, die der Geschichte ihre Stimme zurückgeben

Shakespeares Schwestern
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Zwischen schweren Türen, staubigen Bibliotheken und einer Welt, in der Frauen kaum eine eigene Stimme zugestanden wurde, öffnet dieses Buch einen Raum, der lange verschlossen blieb.

Shakespeares Schwestern ...

Zwischen schweren Türen, staubigen Bibliotheken und einer Welt, in der Frauen kaum eine eigene Stimme zugestanden wurde, öffnet dieses Buch einen Raum, der lange verschlossen blieb.

Shakespeares Schwestern hat mich auf eine ruhige, aber sehr eindringliche Weise berührt. Ramie Targoff erzählt von vier Frauen, die nicht laut um Aufmerksamkeit baten, sondern sich ihren Platz mit Mut, Bildung, Geduld und einer unglaublichen inneren Stärke erkämpften. Elizabeth Cary, Aemilia Lanyer, Mary Sidney und Anne Clifford wirken hier nicht wie Randfiguren der Geschichte, sondern wie Frauen aus Fleisch und Blut, voller Sehnsucht, Widerspruch und Kraft.

Besonders schön fand ich, dass dieses Buch die Renaissance nicht nur als große Bühne berühmter Männer zeigt. Plötzlich fällt Licht auf jene, die oft übersehen wurden. Ihre Texte, ihre Kämpfe, ihre Verluste und ihr unbeirrbarer Wille bekommen Raum. Das liest sich stellenweise anspruchsvoll und verlangt Aufmerksamkeit, aber gerade dadurch entsteht eine besondere Tiefe.

Für mich ist es kein Buch, das man einfach nebenbei wegliest. Es ist eher eines, das man langsam aufschlägt, wirken lässt und mit Respekt wieder zuklappt. Ein starkes, kluges und wichtiges Sachbuch über Frauen, die geschrieben haben, obwohl ihre Zeit ihnen eigentlich das Schweigen zugedacht hatte.

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Veröffentlicht am 19.06.2026

Ingeborg Bachmann zwischen Licht, Liebe und Abgrund

Dieses unruhige Ich
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Manche Bücher kommen nicht laut polternd zur Tür rein, sondern setzen sich einfach an den Tisch, schauen einen an und sagen: Jetzt hör mal kurz zu. Dieses unruhige Ich ist genau so ein Buch.

Dieter Burdorf ...

Manche Bücher kommen nicht laut polternd zur Tür rein, sondern setzen sich einfach an den Tisch, schauen einen an und sagen: Jetzt hör mal kurz zu. Dieses unruhige Ich ist genau so ein Buch.

Dieter Burdorf erzählt Ingeborg Bachmann nicht wie eine staubige Literaturfigur aus dem Regal, sondern als Frau voller Widersprüche, Sehnsucht, Stärke, Schmerz und diesem dauernden inneren Flackern. Beim Lesen hatte ich öfter den Gedanken: Mensch, was muss in dieser Frau alles los gewesen sein. Ruhm, Liebe, Sprache, Zusammenbrüche, Freundschaften, Verletzungen und immer wieder dieses Schreiben, als würde daran das ganze Leben hängen.

Besonders stark fand ich, wie Beziehungen nicht einfach als Klatschfutter serviert werden. Paul Celan, Max Frisch, Hans Werner Henze und andere tauchen nicht auf wie Namen zum Angeben, sondern als Menschen, die Bachmann geprägt, getragen, verletzt oder gespiegelt haben. Das macht die Biographie intensiv, manchmal schwer, aber nie billig.

Ganz ehrlich, zwischendurch musste ich langsamer lesen. Nicht, weil es langweilig war, sondern weil dieses Leben nicht mal eben nebenbei wegzulesen ist. Da steckt viel Dunkelheit drin, aber auch wahnsinnig viel Kraft. Burdorf schreibt klug, nah dran und mit Respekt. Kein Sensationsgehechel, eher ein genaues Hinsehen.

Für mich ist das eine starke Biographie für alle, die Literatur nicht nur lesen, sondern spüren wollen. Kein Buch für nebenbei, aber eins, das nachhallt.

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Veröffentlicht am 19.06.2026

Kaffeeduft, Waffelherz und ganz viel Renate

Aber bitte mit Sahne!
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Schon beim ersten gedanklichen Duft von frisch gebrühtem Bohnenkaffee und warmen Waffeln hatte mich dieses Buch mitten im Herzen erwischt. Renate Bergmann ist wieder da und bringt genau diese Mischung ...

Schon beim ersten gedanklichen Duft von frisch gebrühtem Bohnenkaffee und warmen Waffeln hatte mich dieses Buch mitten im Herzen erwischt. Renate Bergmann ist wieder da und bringt genau diese Mischung mit, die sich anfühlt wie ein Besuch bei einer Oma, die einem erst Kuchen auf den Teller legt und danach ungefragt das Leben sortiert.

In Spreeweide soll der alte Dorfkrug wieder Schwung bekommen, und natürlich bleibt Renate nicht einfach daneben stehen. Mit Gertrud, Kurt und Ilse an ihrer Seite wird nicht lange geredet, sondern angepackt. Das Café, der Kuppelkrug, die Erinnerungen an Tanzkurs, Jugend und alte Zeiten ergeben eine Geschichte, die warm, verschmitzt und wunderbar gemütlich erzählt ist.

Mir hat besonders gefallen, wie viel Herz zwischen all den frechen Bemerkungen steckt. Renate ist direkt, manchmal herrlich stur, aber nie kalt. Sie erinnert daran, wie wichtig Gemeinschaft ist, wie schön alte Erinnerungen sein können und dass ein Stück Kuchen manchmal mehr verbindet als viele große Worte.

Aber bitte mit Sahne! ist für mich ein liebevoller Wohlfühlroman mit Humor, Nostalgie und ganz viel Oma Charme. Kein Buch, das laut sein muss, sondern eines, das mit Kännchen Kaffee, Waffelduft und einem Augenzwinkern glücklich macht.

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Veröffentlicht am 17.06.2026

Toskana zum Losfahren, Träumen und Verlieben

Roadtrips Toskana
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Schon beim ersten Durchblättern riecht das Ding gefühlt nach warmem Asphalt, Espresso und diesem einen Moment, wenn hinter der nächsten Kurve plötzlich Zypressen auftauchen und man innerlich denkt: Na ...

Schon beim ersten Durchblättern riecht das Ding gefühlt nach warmem Asphalt, Espresso und diesem einen Moment, wenn hinter der nächsten Kurve plötzlich Zypressen auftauchen und man innerlich denkt: Na gut, Italien, du hast gewonnen.

Roadtrips Toskana von Sabine Kienlin ist kein trockener Reiseführer, bei dem man nach drei Seiten schon die Sonnenbrille aus Langeweile absetzt. Hier bekommt man Lust, den Motor zu starten, das Fenster runterzukurbeln und sich einfach treiben zu lassen. Florenz, Siena und San Gimignano sind natürlich dabei, klar, die Klassiker müssen sein. Aber richtig schön wird es da, wo das Buch kleine Abzweigungen nimmt und auch die ruhigeren, versteckteren Ecken zeigt.

Besonders gefallen hat mir dieser Mix aus Landschaft, Kultur und Genuss. Mal geht es um mittelalterliche Städte, mal um wilde Natur in der Garfagnana, mal um Elba mit Buchten, bei denen man sofort den Urlaubskalender zückt. Und ja, mein innerer Schweinehund hat kurz gefragt, ob man nicht einfach direkt losfahren kann. Spoiler: Kann man gedanklich ziemlich gut.

Die praktischen Tipps machen das Buch alltagstauglich, ohne dass es überladen wirkt. Man merkt, dass hier nicht nur hübsche Orte aneinandergereiht wurden, sondern echte Reiselust dahintersteckt. Für mich ist das ein Buch, das man nicht nur liest, sondern mit Klebezetteln, Kaffee und einem leichten Grinsen plant.

Einziger kleiner Punkt: Manchmal hätte ich mir noch etwas mehr persönliche Geheimtipp-Tiefe gewünscht. Trotzdem bleibt ein richtig schöner, inspirierender Roadtrip-Begleiter, der Fernweh nicht heilt, sondern frech noch schlimmer macht.

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