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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.06.2021

Große Liebe

Der große Sommer
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Frieder verbringt die Sommerferien bei seinen Großeltern, um für die Nachprüfungen zu lernen. Dies wird „Der große Sommer“ für ihn.
„Die Mittagessen, so viel war klar, würden in jedem Fall das Beste in ...

Frieder verbringt die Sommerferien bei seinen Großeltern, um für die Nachprüfungen zu lernen. Dies wird „Der große Sommer“ für ihn.
„Die Mittagessen, so viel war klar, würden in jedem Fall das Beste in den sechs Wochen gewesen sein. Plusquamperfekt im Essensbereich sozusagen.“ Darüber hinaus hat Frieder wegen des strengen Großvaters keine großen Erwartungen an seinen Aufenthalt. Doch da hat er die Rechnung ohne seine Freunde und das Mädchen aus dem Freibad gemacht.
Der Roman erzählt gleich mehrere Geschichten: die des etwa 15-jährigen Protagonisten, der neben Mathe und Latein, etwas über Verantwortung und Liebe lernt, die seiner Großeltern, die ihre eigene an ihn weitergeben und ein wenig auch die Deutschlands um das Jahr 1980.
Ich habe, in Anbetracht des jungen Alters der Hauptfiguren, nicht damit gerechnet, dass mich dieses Buch derart umhauen würde. Doch die bildhafte Sprache und die eindrucksvoll vermittelten Emotionen haben ihm den Weg auf die Liste meiner Lieblingsbücher geebnet.

Veröffentlicht am 26.07.2026

Sommerfrische

Gut bei Hitze
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Die brauchen wir im Moment doch alle: „Gerichte, die schnell gemacht und leicht verdaulich sind, viel saftige Frische bringen und so abgeschmeckt sind, dass sie auch bei hohen Temperaturen Lust aufs Essen ...

Die brauchen wir im Moment doch alle: „Gerichte, die schnell gemacht und leicht verdaulich sind, viel saftige Frische bringen und so abgeschmeckt sind, dass sie auch bei hohen Temperaturen Lust aufs Essen machen“, verteilt auf die Kapitel „Zum Trinken“, „Kaltes“, „Warmes“ und „Süßes“, bei einer größtenteils veganen oder vegetarischen Auswahl.
Katharina Seiser besticht durch ihren Humor und ihr Wissen. In diesem Kochbuch stellt sie nicht nur Rezepte vor, die sommerliche Frische auf den Tisch bringen, sondern liefert neben ausführlichen Anleitungen auch Produktinformationen und zahlreiche Abwandlungsideen.
Ein wenig schrecke ich vor einigen Vorschlägen wie Kefir oder Fermentation zurück, bei denen über mehrere Tage etwas passiert, das ich nicht so recht steuern kann. Dafür fühle ich mich inspiriert, einmal selbst Eistee zuzubereiten, unbedingt kalte Suppen in mein Repertoire aufzunehmen oder die Ratatouille beim nächsten Mal einfach dem Ofen zu überlassen.
Der Sommer dauert noch ein bisschen, daher freue ich mich aufs Ausprobieren und empfehle schon jetzt „Gut bei Hitze“.

Veröffentlicht am 20.06.2026

Drei Wahrheiten

Geschwister
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Zum dritten Mal beleuchtet Moa Herngren in einem Roman die Dynamik innerhalb einer Familie, diesmal die zwischen drei Geschwistern. Der Tod ihres Vaters bringt lange Unausgesprochenes an die Oberfläche ...

Zum dritten Mal beleuchtet Moa Herngren in einem Roman die Dynamik innerhalb einer Familie, diesmal die zwischen drei Geschwistern. Der Tod ihres Vaters bringt lange Unausgesprochenes an die Oberfläche und sorgt für Spannungen. „Und Andrea begreift, dass niemand - nicht einmal Papa mit seinem Superkleber - das hier je wieder richten könnte.“
Ulrika, Andrea und Rasmus kommen in den ihnen gewidmeten Abschnitten in Erinnerungen als auch in der Gegenwart selbst zu Wort. Dadurch relativieren sich die Ansichten Andreas, die auf den ersten 300 Seiten den größten Raum einnehmen. Der perfektionistischen Andrea stehen Freigeist Ulrika und der angepasste Rasmus gegenüber. Und auch die elterliche Prägung wird durch Szenen mit Mutter oder Vater greifbar.
Die Autorin schafft es, mit alltäglichen Situationen zu fesseln: Da sind Herausforderungen, die bewältigt werden müssen, Begegnungen zwischen den Familienmitgliedern und die jeweils sehr persönlichen Kommentare zum Geschehen. So entsteht in klarer Sprache das detaillierte Bild einer Familie voller Konflikte und Verletzungen. Das hat mich sogar noch mehr beeindruckt als „Schwiegermutter“, und nach „Scheidung“ werde ich nun unbedingt Ausschau halten.

Veröffentlicht am 24.05.2026

Einpendeln

Ausflippen.
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„Tadaa: nicht die Hormone, nicht die körperlichen Symptome, sondern das Maß an Selbstmitgefühl ist einer der wichtigsten Einflussfaktoren für psychisches Wohlbefinden in dieser Umbruchzeit.“
In dieser ...

„Tadaa: nicht die Hormone, nicht die körperlichen Symptome, sondern das Maß an Selbstmitgefühl ist einer der wichtigsten Einflussfaktoren für psychisches Wohlbefinden in dieser Umbruchzeit.“
In dieser Anleitung für die Wechseljahre geht es nicht in erster Linie um Hormone, sondern um das, was Frauen darüber hinaus beschäftigt: Stress, Gefühle oder Beziehungen.
Genau das empfand ich als wohltuend, denn ich möchte weder, dass dieser Lebensabschnitt ins Lächerliche gezogen wird, noch das Gefühl haben, dass ich einen Biologiekurs belegen muss, wie es manche andere Bücher suggerieren. Hier fühle ich mich auf Augenhöhe abgeholt – von Frau zu Frau, indem Dinge ausgesprochen werden, die einem in diesem Zusammenhang vielleicht nicht sofort in den Sinn kommen.
Die Autorin verbindet wissenschaftliche Erkenntnisse mit persönlichen Erfahrungen und ergänzt diese durch Übungen zum Entspannen, Kommunizieren oder Organisieren. Damit habe ich deutlich mehr erhalten, als ich erwartet hätte. Und falls es mit dem Selbstmitgefühl doch einmal nicht klappt: „Motzen macht schmerztoleranter und erhöht die körperliche Leistungsfähigkeit.“

Veröffentlicht am 26.04.2026

Zwischen Leselust und Listen

Eine Seite noch
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Meike Winnemuth hat es sich zum Ziel gesetzt, ein halbes Jahr lang das Lesen auf jede erdenkliche Art neu zu erleben. Sie stöbert in Buchläden und öffentlichen Bücherschränken, erkundet das Haus von Virginia ...

Meike Winnemuth hat es sich zum Ziel gesetzt, ein halbes Jahr lang das Lesen auf jede erdenkliche Art neu zu erleben. Sie stöbert in Buchläden und öffentlichen Bücherschränken, erkundet das Haus von Virginia Woolf ebenso wie ihr eigenes Gartenhaus, liest sich durch Leselisten, zuvor gemiedene Genres und umfangreiche Wälzer.
So erleben wir die Autorin authentisch als ehrfürchtigen Fan, als wissbegierige Journalistin oder als Leserin, die manchmal ein Buch abbricht, wenn es gar nicht geht. Auch wenn ich nicht alle Ansichten teile (so gibt es zur Einrichtung eines Bücherregals nun einmal unterschiedliche Methoden), habe ich mich doch als Leserin verstanden gefühlt.
Hinzu kommt die Inspiration, manches einfach anders auszuprobieren, etwa ein Buch aufzublättern und mittendrin loszulesen. Kaum jemand dürfte die Lektüre von „Eine Seite noch“ beenden, ohne dass Begehrlichkeiten für neue Bücher geweckt werden, die in den Leselisten der Autorin auftauchen.
„Lesen ist die egoistischste, luxuriöseste, trotzigste, lohnendste Existenzform, die ich kenne.“ – Wer sich in diesem Satz wiederfindet, wird auch in diesem Buch versinken und gerne mit Winnemuth über die eigenen Lesegewohnheiten ins Schwelgen geraten.