Profilbild von SiDis-Bib

SiDis-Bib

Lesejury Profi
offline

SiDis-Bib ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit SiDis-Bib über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.06.2026

Pandemie und der Verfall der Gesellschaft – ganz nett, aber nur bedingt spannend

Insel der Ratten
0

Das Kurzbuch „Insel der Ratten“ von Jo Nesbø macht den Verfall der Gesellschaft aufgrund einer Pandemie zum Thema. Nichts Neues, bedingt spannend und etwas flach.

Um was geht es?
Eine Pandemie greift ...

Das Kurzbuch „Insel der Ratten“ von Jo Nesbø macht den Verfall der Gesellschaft aufgrund einer Pandemie zum Thema. Nichts Neues, bedingt spannend und etwas flach.

Um was geht es?
Eine Pandemie greift um sich. Damit einher geht der Verfall der Gesellschaft. Brad, der Sohn des reichen Unternehmers Colin Lowe, schließt sich der marodierenden Bande „Chaos“ an und verbreitet dort als Anführer Angst und Schrecken. Dabei schreckt er auch nicht vor dem Geschäftspartner und Freund seines Vaters zurück: Will. Bei einem Überfall auf dessen Familie, entführt Brad Wills Tochter Amy, in die er schon lange unglücklich verliebt ist. Als Amy sich Brad verweigert, erschlägt er sie kurzerhand. Will schwört auf Rache und macht sich mit einer Bürgerwehr auf die Suche nach „Chaos“ und Brad, um ihn zur Rechenschaft zu ziehen.

Das Buch ist aus Sicht zweier Protagonisten geschrieben. Da ist zum einen Will, Rechtsanwalt mit einem großen Gerechtigkeitssinn. Als absoluter Gutmensch gerät er nach dem Überfall auf seine Familie und dem Tod seiner Tochter Amy in einen persönlichen Zwiespalt aus Rachegelüsten, Gerechtigkeitsempfinden und verlockenden positiven Angeboten für seine „Restfamilie“. Parallel dazu lernen wir auch die Strukturen und Beweggründe von „Chaos“ aus Sicht der Vizeanführerin Yvonne kennen. Trotz ihres starken Zugehörigkeitsgefühls zur Bande, scheint sie doch noch einen Funken Gewissen zu besitzen und einen Hauch Unrechtsempfinden, insbesondere wenn es ihren Freunden an den Kragen geht. Sie hasst Verräter. Als Protagonistin nimmt sie allerdings hinter Will eine nachgeordnete Rolle ein. Mittels zahlreichen Nebencharaktere werden Spannungsfelder erzeugt und der Verfall der Gesellschaft und des Rechtssystems aufgezeigt.

Aber leider bleibt dies sehr oberflächlich und hier zeigt sich auch das Grundproblem des Buches. Die Länge. Die Charaktere bleiben allesamt oberflächlich und man kann sich nur bedingt in sie hineinversetzen. Im ganzen Buch steht die Brutalität im Vordergrund, aber der Niedergang der Systeme wird nur bedingt aufgezeigt. Die Story selbst ist eine typische Pandemie-Story, nichts wirklich Neues und mit wenig Tiefgang. Sie ist nett zu lesen, aber echte Spannung oder ein Gefühl für die Situation kommt kaum auf. Man merkt einfach deutlich, dass „Insel der Ratten“ ursprünglich eine Kurzgeschichte im Rahmen eines Sammelbandes war und deswegen auch nicht die gewohnte Tiefe und Spannung eines typischen Nesbø erreicht. Den Preis des Ullstein-Verlags für 208 Seiten eines Kurzbuchs, das bereits früher im Rahmen eines Sammelbands erschienen ist und dazu noch in der Verarbeitung zu wünschen übriglässt, finde ich persönlich befremdlich.

Fazit:
Wer einen typischen, spannungsgeladenen Nesbø erwartet, wird hier leider enttäuscht werden. Es handelt sich um ein Kurzbuch, dass eine Pandemie und den Verfall der Gesellschaft zum Thema macht. Die Kernidee der Story ist nicht neu und aufgrund der Kürze des Buches bleiben die Charaktere oberflächlich und es kommt kaum Spannung auf. Das Buch ist ganz nett, aber auch nicht mehr. Preis-Leistung passt für mich leider überhaupt nicht. Sehr schade, da ich Jo Nesbø als Autor eigentlich sehr schätze.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.01.2026

Horror-Hommage mit Längen

Verbrenn das Negativ
0

Mit „Verbrenn das Negativ“ greift Josh Winning typische Horrorfilm-Elemente auf und vermischt sie zu einem Thriller mit echtem Film-Feeling.

Um was geht es?
Laura Warren ist auf dem Weg nach LA. Sie ist ...

Mit „Verbrenn das Negativ“ greift Josh Winning typische Horrorfilm-Elemente auf und vermischt sie zu einem Thriller mit echtem Film-Feeling.

Um was geht es?
Laura Warren ist auf dem Weg nach LA. Sie ist bekannte Filmjournalistin für das Magazin Zeppelin und soll einen Artikel über die Horrorserie „It Feeds“ schreiben. Ein Remake des alten Horrorfilms „The Guesthouse“, der bald 30-jähriges feiert und als verflucht gilt. Sind damals doch acht am Film beteiligte Personen unter teils mysteriösen Umständen verstorben. Was vermeintlich niemand weiß: Laura war damals als Kind Hauptdarstellerin in „The Guesthouse“ und ist mit ihrer Familie nach den Dreharbeiten förmlich aus LA geflohen. Neue Identität, neues Leben. Kann sie das Trauma von damals verarbeiten oder holt sie die Vergangenheit wieder ein? Dann geschieht erneut ein Todesfall …

„Verbrenn das Negativ“ ist eine Hommage an zahlreiche Horrorfilme und die Filmindustrie in LA. Es liest sich flüssig und leicht, ruft Bilder im Kopf hervor, die die Story für den Leser lebhaft machen und schafft es auch schnell, ein mulmiges Gefühl beim Leser hervorzurufen, dem man auf den Grund gehen möchte. Mit Laura Warren haben wir eine intelligente Protagonistin, die aber eine schwere Last mit sich herumträgt. Sie scheint vom damaligen Dreh regelrecht traumatisiert zu sein. Doch woher stammt das Trauma? Viele Faktoren scheinen hier eine Rolle zu spielen, auf die ich hier nicht näher eingehen möchte. Aber gerade das macht den Charakter von Laura so interessant, ihre Reaktionen und Interaktionen mit den Nebencharakteren – ihrer Schwester Amy, dem Medium Beverly, dem Produzenten Todd Terror, ihrem Ex-Freund Mike, ihrer Mutter etc. – so spannend. Was mir zudem sehr gut gefallen hat, war, dass Josh Winning sich auch einigen Schattenseiten der Filmindustrie angenommen hat: der Aberglaube, die „Film-Moms“, der schöne Schein. All das wurde geschickt in die Story mit eingewoben, ohne zu sehr in die Haupthandlung einzugreifen.

Leider weist das Buch vor allem im Mittelteil einige Längen auf. Diese entstehen nicht dadurch, dass der Autor teils bekannte Horrormotive aufgreift. Eingefleischte Horrorfans kennen das. Vielmehr wiederholt sich die Story immer wieder in leicht abgewandelter Form und die daraus resultierenden persönlichen Entwicklungen und zu gewinnende Erkenntnisse sind für den Leser minimal oder schon aus früheren Buchpassagen bekannt. Damit konnte der Spannungsbogen in meinen Augen nicht aufrechterhalten werden.

Was mir zudem persönlich nicht gefallen hat, war das bewusst gewählte (fast) offene Ende. Man kann es unterschiedlich interpretieren, was sicher vom Autor so gewollt war, und ich habe meine Lösung gefunden. Trotz allem bin ich grundsätzlich kein Fan von offenen Enden, sondern möchte eine klare Auflösung. Diese kriegt man oft auch in Horrorfilmen, so abwegig sie manchmal ist. In „Verbrenn das Negativ“ bleibt aber in meinen Augen zu viel Raum für Spekulationen.

Fazit:
„Verbrenn das Negativ“ ist solide Thriller-Unterhaltung mit einigen Horror-Elementen. In meinen Augen ist es ein nice-to-read – ganz nett zu lesen und mal ein bißchen was anderes, aber kein Pageturner. Man verbringt angenehme Stunden, aber es ist kein Buch, dass einen bleibenden Eindruck hinterlässt oder einen im Nachgang weiter beschäftigt. Da es sich keinem Genre so richtig zuordnen lässt, ist eine Empfehlung an eine bestimmte Lesergruppe schwierig. Am besten reinlesen und sich selbst ein Bild machen 😊 Deswegen für mich solide drei Sterne.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.07.2025

Die Suche nach Gerechtigkeit

Die feindliche Zeugin
0

Im Thriller „Die feindliche Zeugin“ macht sich die Strafverteidigerin Rosa auf die Suche nach Gerechtigkeit in einem schweren Verbrechen – entgegen allen Vorurteilen und Vorverurteilungen.

Um was geht ...

Im Thriller „Die feindliche Zeugin“ macht sich die Strafverteidigerin Rosa auf die Suche nach Gerechtigkeit in einem schweren Verbrechen – entgegen allen Vorurteilen und Vorverurteilungen.

Um was geht es?
Der schwarze Jugendliche Emmett Hamilton soll im Verlauf eines Handgemenges im Park den weißen Krankenpfleger Thomas Dove erstochen haben. So zumindest lautet die Anklage. Seine junge Strafverteidigerin, die Solicitor Rosa Mercedes Higgins, selbst in dieser schlechteren Gegend aufgewachsen, hat zunehmend das Gefühl, dass Emmett nicht der Täter, sondern ein Bauernopfer ist. Entgegen allen Vorurteilen der Medien, versucht sie den Hintergründen des Verbrechens und dem wahren Tathergang auf die Spur zu kommen. Wird sie Ihren Mandanten entlasten können? Oder den endgültigen Beweis für seine Schuld finden und die Vorurteile bestätigen?

Protagonistin des Buches ist die schwarze Solicitor Rosa Mercedes Higgins, die in einem aufsehenerregenden Prozess erstmals federführend als Strafverteidigerin tätig ist. Selbst in schwierigen Verhältnissen groß geworden, weiß sie um die rassistischen Vorurteile gegenüber schwarzen Jugendlichen. Obwohl sie selbst mit finanziellen Problemen und persönlichen Schicksalsschlägen kämpfen muss, kniet sie sich deswegen voll rein, um ihrem Mandanten zu helfen. Zielstrebig geht sie, allen Widrigkeiten und Enttäuschungen zum Trotz ihren Weg und lässt sich nicht unterkriegen. Dabei begleiten sie unterschiedliche Familienmitglieder, Freunde und Kollegen und wir lernen das Leben von Rosa und ihre Persönlichkeit und Lebensumstände sehr gut kennen.

Der Thriller liest sich leicht und flüssig und ist vor allem in der ersten Hälfte sehr spannend. Danach lässt die Spannungskurve deutlich nach, aber das Buch ist immer noch nett zu lesen. Die Kapitel sind kurz, was ich persönlich immer als sehr angenehm empfinde, da man mal schnell „zwischenrein“ lesen kann 😊 Am Anfang hat mir noch ein wenig das Verständnis zum britischen Rechtssystem gefehlt. Aber da hat mir das Internet schnell weitergeholfen 😉 „Die feindliche Zeugin“ ist kein Pageturner im klassischen Sinn, aber man möchte wissen, was im Verlauf des Prozesses herauskommt und ob Rosa auf der Suche nach der Wahrheit und Gerechtigkeit Erfolg haben wird. Rosa ist eine unglaublich sympathische Protagonistin, der man sich aufgrund der vielen Einblicke in ihre teils schwierige Familiengeschichte und Familienverhältnisse sehr verbunden fühlt. Es hat mich etwas gestört, dass am Anfang sehr viel Wert auf die Affäre mit Tristan gelegt wird, der plötzlich aus der Story verschwindet. Ebenso ging es mir bei Nana, die auch auf einmal recht kurz abgehandelt wurde – vermutlich bedingt durch die Zeitsprünge im Prozess. Beides hätte ich mir aber etwas ausführlicher gewünscht.

Fazit:
Alles in allem hat mir der Thriller angenehmen Lesestunden beschwert. Es handelt sich um einen soliden Thriller – nicht der große Pageturner, aber als Justizthriller trotzdem interessant. Er greift das Thema Rassismus auf eine sehr subtile Art auf, ohne mit dem Finger zu sehr auf andere zu zeigen. Alles in allem solide Lesespannung – kein must-have, aber ein nice-to-read 😊

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.05.2025

Ein Roadtrip der etwas anderen Art

Killer Potential
0

In ihrem Debüt-Thriller „Killer Potential“ nimmt uns Hannah Deitch mit auf einen rasanten Roadtrip voller düsterer Geheimnisse, unvorhersehbaren Wendungen und psychischen Verwicklungen. Spannend, manchmal ...

In ihrem Debüt-Thriller „Killer Potential“ nimmt uns Hannah Deitch mit auf einen rasanten Roadtrip voller düsterer Geheimnisse, unvorhersehbaren Wendungen und psychischen Verwicklungen. Spannend, manchmal verwirrend und irgendwie anders.

Um was geht es?
Evie Gordon arbeitet als SAT-Tutorin für reiche Kinder in Los Angeles. Unter anderem ist sie für die Victors tätig, deren Tochter Serena sie unterrichtet. Als sie eines Tages zur Arbeit kommt, scheint das Haus verlassen – bis sie im Garten über die Leichen von Dinah und Peter Victor, Serenas Eltern, stolpert. Völlig aufgewühlt kehrt sie ins Haus zurück. Noch während sie überlegt, was als nächstes zu tun ist, hört sie seltsame Geräusche. Als sie diesen folgt, entdeckt sie unter der Treppe eine schmutzige, gefesselte Frau: Jae. Evie befreit die Gefangene, als plötzlich Serena in der Tür steht. In einer Kurzschlussreaktion schlägt Evie ihre Schülerin nieder und begibt sich mit Jae auf eine kopflose Flucht quer durch die USA – denn die beiden Frauen werden als kaltblütige Mörderinnen gejagt.

Protagonistin ist Evie Gordon, hochintelligent und dank Stipendien auf Elite-Universitäten bestens ausgebildet, bewegt sie sich unter den Reichen, als würde sie selbst dazugehören. Deswegen frustriert es sie umso mehr, dass sie es bis jetzt in ihrem Leben nur zur SAT-Tutorin gebracht hat. Sie sehnt sich nach Reichtum, Glamour, Abenteuer. Einen Hauch davon erhält sie durch das Unterrichten in den Häusern der Reichen und Schönen und gleichzeitig ist da immer dieses unterschwellige „Auch-Haben-Will“. Evie wirkt dadurch innerlich zerrissen und orientierungslos. Besonders durch ihre Flucht mit Jae kommt das immer mehr ans Licht. Jae ist sehr intelligent, leidet aber darunter, dass sie keine „Finanzintelligenz“ besitzt und deswegen in „schwierige“ Situationen gerät. Sie ist als Person nie richtig greifbar, verbirgt viel und doch scheint Evie durch ihre leicht naive Art, Stück für Stück Jaes Geheimnisse aufzudecken. Die beiden bilden ein ungewöhnliches Paar, das sich nach und nach anfreundet, während sie zeitgleich gemeinsam auf einen Abgrund zusteuern.

Das Buch weist einen für einen Thriller ungewöhnlichen Schreibstil auf. Man fühlt sich beim Lesen mehr auf einem völlig durchgeknallten Roadtrip als in einem düsteren Thriller. Gleichzeitig werden aber auch die dunklen Geheimnisse und Lebensgeschichten von Evie und Jae Schritt für Schritt enthüllt. Es ist eine interessante Mischung, die dem Leser mal etwas anderes bietet. Obwohl ich diese Andersartigkeit sehr geschätzt habe, ist für mich ab der Hälfte des Buches die Spannung immer mehr abgeflacht. Die überraschenden Wendungen waren für mich im Leseverlauf immer weniger plausibel und haben bei mir das Gefühl hervorgerufen, dass einfach etwas Besonderes für den Leser her musste. Vor allem gegen Ende des Buches war das Verhalten von Evie für mich nicht mehr schlüssig und hat mich als Leser unbefriedigt zurückgelassen.

Fazit:
Der Thriller ist mal etwas anderes und sorgt deshalb für Lesespaß. Leider hat die Spannung ab der Hälfte kontinuierlich nachgelassen und die Wendungen und Verhaltensweisen wurden für mich immer weniger nachvollziehbar. Das Buch ist also nett zu lesen und gute Unterhaltung, aber kein Must-Read für Thrillerfans.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.02.2025

Die gefährliche Suche nach der Wahrheit

The Trap. Wie weit würdest du gehen, um deine Schwester zu retten?
1

Eine Serie verschwundener Frauen und die tiefgreifende Frage, was mit Ihnen passiert ist, bildet den Kern von „The Trap“, dem neuen Thriller der irischen Bestseller-Autorin Catherine Ryan Howard.

Um ...

Eine Serie verschwundener Frauen und die tiefgreifende Frage, was mit Ihnen passiert ist, bildet den Kern von „The Trap“, dem neuen Thriller der irischen Bestseller-Autorin Catherine Ryan Howard.

Um was geht es?
Lucys Schwester Nicki ist spurlos verschwunden. Die Polizei vermutet hinter ihrem Verschwinden einen Serientäter, der bereits mindestens zwei weitere Frauen verschleppt hat. Vermutlich in die Wicklow Mountains. Doch die Spur zum Täter wird kalt, obwohl plötzlich eines der Opfer wieder auftaucht. In ihrer Verzweiflung macht sich Lucy selbst auf die Suche und gerät in einen gefährlichen Strudel aus Ereignissen, der sich nicht mehr aufhalten lässt. Wird sie herausfinden, was mit ihrer Schwester geschehen ist und den Täter ausfindig machen? Oder geht sie zu weit und begibt sich selbst in tödliche Gefahr?

Wir begleiten in diesem Buch die Hauptperson Lucy bei der Suche nach ihrer verschwundenen Schwester Nicki. Immer verzweifelter werden ihre Versuche, Gewissheit zu erlangen, bis hin zur absoluten Selbstaufgabe. Dabei lässt sie sich auch nicht vom Nebencharakter Chris, dem Ex-Freund ihrer Schwester, der weit vernünftiger als sie agiert, abhalten. Aber auch zahlreiche andere Nebencharaktere spielen in dem Buch eine wichtige Rolle, z. B. Detective Denise Pope und die aufstrebende Zivilangestellte der Polizei Angela, der vorbestrafte Roland Kearns, der zwielichtige Journalist Jack Keane und dann sind da noch die Angehörigen der anderen vermeintlichen Opfer, die unterschiedlicher kaum sein und agieren könnten. So bewegt sich Lucy in einem immerwährenden Spannungsfeld, dass nicht nur durch ihren Verlust, sondern auch durch ihr Umfeld geprägt wird.

Das Buch liest sich leicht und flüssig und bietet zumindest über weite Strecken echte Lesespannung. Die aus unterschiedlichen Perspektiven geschriebenen Kapitel bieten einen besonders tiefen Einblick in die Gefühlswelt der unterschiedlichen Personen. Man leider besonders intensiv mit Lucy, verfolgt die aufstrebende Zivilangestellte Angela bei ihren ersten Ermittlungsversuchen, nur um dann wieder ein völlig anders gestaltetes Kapitel aus Sicht des Serientäters zu lesen, der uns seine Beweggründe näherbringt. Einfach spannend. Leider gibt es im letzten Drittel des Buches ein paar überraschende Wendungen, die für mich völlig aus der Luft gegriffen und auf die es im vorangegangenen Verlauf des Buches keinerlei Hinweise gegeben hat. Ich muss sagen, dass mich das tatsächlich sehr in meinem Lesevergnügen gestört hat. Außerdem sind für mich zu viele Fragen am Ende offengeblieben. Man kann spekulieren, was passiert ist, ob Tana Meehan gefunden wurde, ob der Serientäter geschnappt wurde oder was mit den Frauen geschehen ist. Doch eindeutige Antworten erhält man auf keine der zentralen Fragen des Buches. Das ist tatsächlich etwas, das mir im Nachhinein den Spaß am Buch genommen und meine Lesefreude deutlich getrübt hat. Deswegen gibt es von mir einen Stern Abzug auf meine ursprünglich angedachte Vier-Sterne-Bewertung.

Fazit:
Der Thriller „The Trap“ hat mich gut unterhalten. Allerdings bleiben viele Fragen zum Ende offen, etwas, das mir persönlich nicht gefällt und ich auf Basis der Leseprobe und des Klappentextes nicht erwartet habe. Zudem waren mir einige überraschende Wendungen zum Schluss doch zu willkürlich. Deswegen gebe ich solide drei Sterne. Ich könnte mir aber vorstellen, dass Thriller-Fans, die kein Problem mit offenen Fragen und Enden haben und gerne ihre eigenen Schlüsse ziehen, ohne diese bestätigt oder abgelehnt zu bekommen, insgesamt mehr Freude an dem Buch haben als ich.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Spannung
  • Cover