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Veröffentlicht am 30.07.2026

Selbstironisch, freundschaftszentriert und rundum liebevoll

I am cringe, but I am free
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Ich hatte echt einige Erwartungen an diesen Roman, weil ich eine so deutliche Empfehlung bekommen habe. Und Verena Bogner hat mit ihrem literarischen Debüt jede einzelne erfüllt, wenn nicht gar übertroffen! ...

Ich hatte echt einige Erwartungen an diesen Roman, weil ich eine so deutliche Empfehlung bekommen habe. Und Verena Bogner hat mit ihrem literarischen Debüt jede einzelne erfüllt, wenn nicht gar übertroffen! Dieses Buch gehört definitiv zu meinen Jahreshighlights.

Die Ich-Erzählerin bleibt namenlos und mir gefällt der Gedanke, dass die Autorin hier irgendwie selbst erzählt. Es bleibt zwar ein fiktionales Werk, aber es wirkt auf jeden Fall sehr authentisch und echt.

Die Schreibweise ist super flüssig, ich war von Anfang bis Ende ganz nah bei der Protagonistin und habe einfach viel zu viel selbst fühlen können. Die spezielle Atmosphäre der 00er-Jahre wird gut in Szene gesetzt, auch wenn sie für mich sogar noch intensiver hätte sein können. Doch beim Lesen hatte ich an etlichen Stellen das benannte Magazin selbst in der Hand oder den erwähnten Song im Ohr.

Und auch das Kernthema, also der Cringe und die Scham rund um das eigene Selbst, hat mich im positivsten Sinne getroffen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich irgendjemensch nicht irgendwo von dieser Geschichte angesprochen fühlt. Ob es die Scham für die eigenen langweilig scheinenden Interessen, den Körper oder das eigene Wissen ist - ich habe heftigst mitgefühlt.

Am wundervollsten ist jedoch der Fokus dieser Geschichte. Der liegt ganz klar auf den platonischen Beziehungen unseres Lebens, wodurch der Roman ein Appell für die Priorisierung ebendieser Beziehungen ist. Ich liebe es, wie bedingungslos die Freund*innenschaften der Protagonistin sind und ich habe mich mehrfach dankbar dabei ertappt, dass ich mittlerweile auch so tolle Menschen in meinem Leben haben darf. Menschen, die mich mit allem nehmen, wie ich bin und die sich von meinen Ängsten nicht vertreiben lassen.

Dieses Werk ist eine unglaubliche Wohltat. Es ist so nahbar und glaubhaft geschrieben, dass ich mich an so vielen Stellen einfühlen konnte. Dabei setzt es auf einen tollen selbstironischen Ton, der die Lesefreude nur noch einmal gesteigert hat. Die Geschichte ist liebevoll, wertschätzend und eine der klarsten Empfehlungen von mir in diesem Jahr.

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Veröffentlicht am 15.07.2026

Eine literarische und emotionale Naturgewalt

Unter Wasser
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Diese Geschichte hat mir emotional echt den Boden unter den Füßen weggerissen. Ein so tolles Werk, das auf wenigen Seiten derart sprachgewaltig über Freundinnenschaft, Trauer und Katastrophen schreibt, ...

Diese Geschichte hat mir emotional echt den Boden unter den Füßen weggerissen. Ein so tolles Werk, das auf wenigen Seiten derart sprachgewaltig über Freundinnenschaft, Trauer und Katastrophen schreibt, habe ich selten in den Händen gehalten.

Tara Menon erzählt auf zwei Zeitebenen und verbindet dabei auch, aber nicht nur, zwei Naturkatastrophen miteinander. Das ist von Anfang an klar, aber die Autorin schafft es dennoch, die Geschichte spannend zu verfassen. Der Reiz der Erzählung liegt hierbei weniger in Ereignissen als in der authentischen und einfühlsamen Beschreibung der Emotionen sowie Erinnerungen von Marissa. Diese erlebt als Jugendliche nicht nur den verheerenden Tsunami 2004 in Thailand, sondern acht Jahre später dann auch Hurrikan Sandy in New York.

Besonders faszinierend war für mich, wie Menon nicht nur eindringliche Worte für die Beschreibung der Katastrophen findet, sondern auch einen so naturverbundenen Ansatz wählen konnte. Besonders in den Erinnerungen zurück wird klar, wie wertschätzend Marissa und ihre beste Freundin Arielle mit der Natur um sie herum umgehen. Entsprechend reizvoll und erschütternd ist schließlich auch ihr Umgang mit deren zerstörerischsten Seiten.

Wasser prägt nicht nur das außergewöhnlich schöne Cover, sondern ist das inhaltliche wie sprachliche Hauptmotiv der Geschichte. Menon verwendet eine irgendwie poetische Sprache, die aber dennoch total gut fließt und sich deshalb selbst für Poesie-Skeptiker*innen wie mich hervorragend lesen lässt. Die Lesenden werden von Erzählweise und Atmosphäre regelrecht unter Wasser gezogen, so bedrückend und echt habe ich den Text empfunden.

Ich fand es außerdem positiv, dass indigenes Wissen Raum bekommt und diese ganz besondere Freundinnenschaft zwischen den beiden Mädchen in einem schmerzlichen Fokus steht. Ich fand ihre Verbindung wundervoll beschrieben und war umso erschütterter über das sich von Anfang an abzeichnende Ende. Trotzdem kann ich gar nicht genug loben, dass eine solche Beziehung einen derart tollen Platz bekommen hat.

Eine kraftvolle, extrem atmosphärische und pointiert erzählte emotionale Erzählung, die ich nur allen ans Herz legen kann. Sie geht unter die Haut und ist dadurch sicherlich keine leichte Kost, aber literarisch wunderbar erzählt und für mich in ihrer Intensität etwas wirklich Besonderes.

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Veröffentlicht am 29.06.2026

Moralische Grenzgänge in einem absoluten Highlight verpackt

Feine Risse
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Es war mein erstes Buch von Elisa Hoven und nicht nur war die Lektüre ein im positivsten Sinne rasanter Rausch, ich bin danach auch in Höchstgeschwindigkeit in meine lokale Buchhandlung gerannt, um mir ...

Es war mein erstes Buch von Elisa Hoven und nicht nur war die Lektüre ein im positivsten Sinne rasanter Rausch, ich bin danach auch in Höchstgeschwindigkeit in meine lokale Buchhandlung gerannt, um mir den Vorgänger zu kaufen - so absolut begeistert war ich von diesem Werk!

Selbst, wenn ich das Ende der einzelnen Fälle schon ahnte - und das war in einigen Geschichten der Fall - war es dem Schreibstil Hovens zu verdanken, dass ich absolut an ihren Lippen hing. Der Weg, den die Strafverteidigerin Eva beschreitet, um die mutmaßliche Wahrheit herauszufinden, ist super spannend und zugleich greifbar beschrieben. Sie wird eine kleine Detektivin, reflektiert aber auch selbst und profitiert vom Austausch mit anderen. Damit wird sie zu einer Protagonistin, die mir nah war und gleichzeitig nicht moralisch rein - wie eben auch die geschilderten Fälle. Gleichzeitig verzichtet Hoven auf scary Szenen, ohne dass dies auf Kosten der Spannung geht. Ich habe es absolut geliebt.

Die Feinheiten der Justiz, des Gesetzes, sind ein reizvolles und oft auch frustrierendes Thema für mich. Mein Gerechtigkeitssinn wurde hier wirklich maximal strapaziert, aber genau das liebe ich an Literatur. Viele Grundsätze, wie die unantastbare Würde des Menschen (und eben auch des Täters), sind absolut unverzichtbar, aber es gibt eben auch Fälle, in denen genau das einem Unrecht nahekommt.

Die Autorin schafft es, moralische Grautöne auszuloten, die Justiz auf den Prüfstand zu stellen und uns als Leser*innen selbst zum Denken, aber nie zum Verurteilen zu animieren. Die Fälle sind super leicht lesbar und Kurzgeschichten-artig kurz, was das Leseerlebnis nur noch einmal verbessert. Verbunden werden die in sich abgeschlossenen Fälle durch eine private Handlung der Protagonistin, die selbst wunderbar spannend konstruiert ist.

Es geht hier weniger darum, dass es immer total offen bleibt, wer es denn nun war und was genau passiert ist. Es sind die moralischen Feinheiten und der Weg hin zu einer vermeintlichen Wahrheit bzw. der Umgang der Strafverteidigerin damit. Außerdem ist es für mich total reizvoll und oft auch herzzerreißend zu wissen, dass die Autorin sich hier an realen Fällen bedient und sie fiktionalisiert hat.

Ich mochte auch Peter als Evas Mann wirklich sehr gerne. Er ist zwar nur eine Nebenfigur, die der Geschichte insgesamt aber Lebendigkeit gibt und Eva noch nahbarer macht. Die beiden haben eine tolle Beziehung und das war neben all den spannenden Fällen ein beruhigender Ausgleich. Elisa Hoven schreibt klug, gut verständlich und mitreißend-sympathisch. Ich freue mich jetzt schon auf alle zukünftigen Werke!

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Veröffentlicht am 07.06.2026

Der schmerzhafte und zugleich liebevolle Epos einer Liebe

Fast ein Leben
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Was für ein unglaubliches Werk! „Fast ein Leben“ ist eine 570-seitige emotionale und vielschichtige Wucht, für die ich mir ordentlich Zeit genommen habe.

Wir begleiten Laure und Erica über 35 Jahre hinweg, ...

Was für ein unglaubliches Werk! „Fast ein Leben“ ist eine 570-seitige emotionale und vielschichtige Wucht, für die ich mir ordentlich Zeit genommen habe.

Wir begleiten Laure und Erica über 35 Jahre hinweg, ausgehend von einer Sommerliebschaft in Paris. Sie werden immer wieder aufeinandertreffen, sich mal näher und mal ferner sein, können einander aber weder halten noch loslassen.

Was hier vielleicht wie ein stereotypes Drama klingt, hat mich emotional wirklich auseinandergenommen. Denn am Ende ist die Liebe der beiden Frauen zwar das wiederkehrende Motiv, die Geschichte gibt aber weitaus mehr Themen und Figuren Raum. Der Roman ist politisch und scheut daher auch nicht den Ernst der 70er und 80er-Jahre, als queere Menschen einer besonders offenen Form von Gewalt und Diskriminierung ausgesetzt waren. Zudem behandelt er Depressionen und Alkoholismus auf derart eindrückliche Weise, dass ich es gar nicht laut genug loben kann.

Außerdem dreht sich unglaublich viel um Freund*innenschaft, Fürsorge und bedingungslosen Zusammenhalt. Das hat mir mehr als einmal das Herz zerrissen, aber ich fand es einfach makellos abgebildet. Hargrave schreibt total nah an ihren Figuren und hat die beiden Protagonistinnen mit einem liebevollen Schreibstil begleitet. Laure und Erica werden älter und lernen auf glaubhafte Art dazu, ohne dabei je zu glatt zu wirken. Und obwohl Liebe eine so große Rolle spielt, ist diese Geschichte alles andere als romantisch. Sie ist ehrlich, ungeschönt und entsprechend schmerzhaft.

Ich habe mich verloren in diesem Roman mit seinen liebenswerten, kantigen und interessanten Figuren sowie der wundervollen Sprache, welche die Atmosphäre so gut einzufangen vermag. Besonders die Abschnitte in Paris bzw. der Normandie haben mich nostalgisch gestimmt, aber auch Ericas Lebensrealität in Norfolk war beim Lesen zum Greifen nah. Ebenso hat mich die Struktur des Romans begeistert. Die wechselnden Perspektiven vertiefen die Emotionalität der Geschichte und getrennte Kapitel verdeutlichen die räumliche Distanz zwischen Laure und Erica, während sie sich die Kapitel teilen, sobald sie am gleichen Ort sind.

In diesem Werk steckt unglaublich viel Arbeit und ich habe jede einzelne Seite genossen. Die Lektüre hat sich so intensiv und umfassend angefühlt wie ein Film, während sie dank der figurennahen Sprache doch gleichzeitig so kurzweilig war. Ganz klare Empfehlung für alle mit Lust auf französisches Flair und ganz viel Potenzial zum tiefen Mitfühlen.

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Veröffentlicht am 01.06.2026

Ein unglaublich innovativer und zugänglicher Auftakt

Ever & After, Band 1 - Der schlafende Prinz
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Ich bin nicht die allergrößte Fantasy-Leserin, aber die Reihe wurde so gut besprochen, dass ich meine Neugier nicht mehr zügeln konnte. Und das war eine wirklich hervorragende Entscheidung!

Stella Tack ...

Ich bin nicht die allergrößte Fantasy-Leserin, aber die Reihe wurde so gut besprochen, dass ich meine Neugier nicht mehr zügeln konnte. Und das war eine wirklich hervorragende Entscheidung!

Stella Tack hat hier ein Werk geliefert, das so innovativ ist wie ich es lange nicht mehr gelesen habe. Die Handlung rund um die Nachfahr*innen der Märchenfiguren ist wunderbar ausgedacht und konstruiert. Es gibt einfach so viele Details, die teilweise auch derart abweichen von den Originalmärchen, dass es eine unfassbare Leistung der Autorin ist.

Außerdem schreibt Tack so zugänglich, dass es mir wirklich ein Genuss war! Das liegt sicher auch am modernen Setting und ich fand das toll gewählt, weil ich mich so gleich von Beginn an auf die Geschichte einlassen konnte und mich nicht erst durch das Worldbuilding kämpfen musste. Dabei mangelt es aber überhaupt nicht an Komplexität! Einige Stellen habe ich mehrfach gelesen, um die Referenzen auch wirklich begreifen zu können.

Fan bin ich natürlich auch von der Protagonistin Rain, die eine zeitgemäße und rebellische Komponente in die Geschichte bringt. Sie ist absolut glaubwürdig und sympathisch geschrieben, das gleiche gilt aber auch für die diversen Nebenfiguren. Der Inhalt ist stellenweise schon überraschend brutal für ein Buch ab 14 Jahren und da dürfte es für mich gern eine Spur zurückhaltender sein, aber insgesamt bin ich durchgerauscht und freue mich nun auf Band 2!

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