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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.07.2026

manches Geheimnis liegt tief - ein Cozy-Crime im britischen Setting

Wenn stille Wasser tödlich sind
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Der letzte Earl of Welbeck stirbt kinderlos und sein gesamtes Anwesen um Ruthland Waters– ein Rosengarten, ein Herrenhaus und wenig Bargeld geht an seine Nichte. Ein Gerücht zieht bald durch die umliegenden ...

Der letzte Earl of Welbeck stirbt kinderlos und sein gesamtes Anwesen um Ruthland Waters– ein Rosengarten, ein Herrenhaus und wenig Bargeld geht an seine Nichte. Ein Gerücht zieht bald durch die umliegenden Orte, nämlich dass ein Schatz im gefluteten ehemaligen Herrenhaus am Grund des Stausees versteckt sein soll. Und zu allem Überfluss wird auch bald eine Leiche am Ufer des Sees gefunden – ein Taucher. Helen Franklin, Dorfpolizistin und ehemalige Scottland Yard Ermittlerin, ist an den Ermittlungen beteiligt und kämpft rasch mit der eigenen Vergangenheit, deutet doch vieles auf ihren ehemaligen Schulkameraden Charlie Hobbs hin. Zu allem Überfluss taucht auch noch ihr ehemaliger Kollege und Ex-Freund Ben Baxter auf, als die Ermittlungen größere Kreise ziehen.

Karen Finch leitet den Leser sehr angenehm durch das Buch – nach einem sanften Einstieg bei einem Begräbnis, lernt man bald das gesamte Dorf und die Umgebung besser kennen. Ein sympathischer kleiner, ja fast verschlafener Ort mit markanten und durchwegs neugierigen Charakteren. Typisches Dorfleben in malerischer Umgebung – man kann es sich lebhaft vorstellen.

Doch auch die Ermittlungen sind plausibel und glaubhaft geschildert. Für mich entwickelte sich die Suche nach Charlie im Zuge der Ermittlungen schon fast zu einem kleinen Running Gag – aber am besten man überzeugt sich hier selbst. Man merkt die Spannungen im Ermittlungsgespann Helen und Ben – hier spielt schlichtweg die Vergangenheit und nicht ausgesprochene Konflikte hinein. Beide sind sehr gegensätzlich in ihrer Arbeitsweise und ihrer aktuellen Situation - und doch funktioniert die Ermittlung.

Der Fall selbst blieb mir lange rätselhaft, konnte ich doch einfach keinen wirklichen Zusammenhang feststellen. Dennoch war die endgültige Auflösung schlüssig und nachvollziehbar und irgendwie dann doch klar.

Für mich ein gelungener Cozy -Crime über eine Region Englands die ich noch nicht kannte. Ich freue mich schon Band 1 nachzuholen und hoffe auf weitere Bände.

Veröffentlicht am 19.07.2026

eine Auszeit im Wald - die Magie der Geschichte und der Natur

Der vergessene Wald
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Saskia Tilbury-Martin hat eine Vision: das verfallene Schloss Gair im Norden Englands wieder aufzubauen. Doch derzeit ist es nur eine Ruine, mit einem markanten Baum in der Mitte und einem sehr dichten ...

Saskia Tilbury-Martin hat eine Vision: das verfallene Schloss Gair im Norden Englands wieder aufzubauen. Doch derzeit ist es nur eine Ruine, mit einem markanten Baum in der Mitte und einem sehr dichten Wald, um den sich so manche Sage rankt. Der Weg zum Baubeginn war nicht einfach, waren doch viele Hindernisse zu überwinden und auch die Suche nach einem Bauleiter gestaltete sich schwierig, bis endlich Owen Elliot in das von vielen als verrückt bezeichnete Projekt einwilligt. Doch die Arbeitsbeziehung ist nicht einfach, da Owen Saskias Projekt als schwer durchführbar findet, an der Finanzierung zweifelt und Saskia überheblich findet. Beide schleppen jedoch ihren eigenen Ballast mit und kommen sich im Zuge der Schwierigkeiten um die Baustelle doch näher als gedacht.

Ich muss gestehen, dass ich vom Buch doch sehr überrascht war: rein vom Klappentext habe ich eine Geschichte über eine schwierige Baustelle erwartet, da es wahrscheinlich teurer, komplizierter und von Denkmalkommissionen mit Argus Augen bewacht wird. Auch eine gewisse Spannung im Verhältnis von Saskia und Owen habe ich erwartet, vielleicht auch ein bisschen romantisches Filtern. Überrascht hat mich die große Hintergrundgeschichte von Saskia und die große Überraschung, die sich auf dem Grundstück offenbart, die ich hier allerdings nicht spoilern möchte.

Schnell bin ich in den Schreibstil und die atmosphärische Schilderung der Orte gekippt. Man findet sich in dem klaren Stil leicht zurecht, der Einstieg ist einfach und man folgt der Erzählung gerne, auch wenn sie grundsätzlich sehr ruhig verläuft. Die Charaktere sind schön gezeichnet und glaubhaft samt ihren Hintergrundgeschichten. Man merkt, wie sich die Beziehung der beiden Hauptcharaktere schrittweise ändert und nimmt ihnen die Entwicklung ab.

Man lernt, dass sich Pläne durchwegs auch mal ändern dürfen und dass man in der Natur wunderbar zu Ruhe kommen kann um sich neu zu sortieren.

Ein Wohlfühlroman mit einer tieferen Message, der sofort Lust macht in ein Tiny-House am Waldrand zu ziehen.

Veröffentlicht am 13.07.2026

Society Journalistin ermittelt - Skandale und Wiener Schmäh

Pardon, aber da schwimmt eine Leiche in der Schokolade
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Wien, der Morgen nach dem Opernball und alles ist in Aufruhr, gab es doch eine Bienenaktion von Anarchisten, die die Opernballbesucher treffen soll. Polly Adler, ehemalige Society Journalistin, die gerade ...

Wien, der Morgen nach dem Opernball und alles ist in Aufruhr, gab es doch eine Bienenaktion von Anarchisten, die die Opernballbesucher treffen soll. Polly Adler, ehemalige Society Journalistin, die gerade ihre Anstellung bei einem Magazin verloren hat, ist natürlich mitten im Geschehen. Die Leiche des Stargasts der Interimsbundeskanzlerin wird im Schokobottich des berühmten Hotel Kranzlers gefunden wird und auch hier ist Polly Adler mittendrin in den Ereignissen. Zu allem Überfluss kennt sie auch noch den ermittelnden Kommissar. Rasch deckt sie so manches Geheimnis der High Society auf.

Die Kunstfigur Polly Adler wurde in den 90ern von der Autorin Angelika Hager erfunden und ist neben der Kolumne in einer österreichischen Zeitung auch durch Bücher, hier das mittlerweile zehnte, bekannt. Doch dies ist der erste Fall in dem Polly Alder in einen Kriminalfall hineinstolpert.

Man darf sich den typischen Schreibstil erwarten. Eine große Portion Wiener Schmäh, Wortwitz, messerscharfe Beobachtungen und ein rasanter Schreibstil. Man folgt der Autorin durch verschiedene Wiener Bezirke und Milieus die gekonnt beschrieben und persifliert werden. Auch diverse Personen der österreichischen High Society und der österreichischen Politik, teilweise verschmolzen, findet man in den Figuren rasch wieder. Für Kenner Österreichs natürlich besonders unterhaltsam, doch auch andere finden sich leicht zurecht – nicht zuletzt auf Grund der Fußnoten für typisch österreichische Begriffe.

Besonders gelungen fand ich den kapitelweisen Wechsel der Erzählperspektive, wodurch die Gedankenwelt der Beteiligten so viel besser transportiert wird. Ein kleiner Nachteil ergibt sich dadurch am Anfang, da man quasi in die Geschichte stolpert, ohne genau zu wissen was wann chronologisch passiert ist. Man landet mitten im Gewusel des Morgens nach dem Opernball und wird temporeich mit einer Schar von Gestalten und Namen konfrontiert, die man sich eben erst ordnen muss.

Polly Adler funktioniert definitiv auch als Krimikomödie. Unterhaltung durch den Witz und die parallelen zur Realität ist gegeben und man schüttelt so manchmal ungläubig den Kopf.

Veröffentlicht am 06.07.2026

kurzer dystopischer Roman mit moralischen Fragen

Insel der Ratten
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Die Welt hat sich nach einer Pandemie verändert und die bisherigen Strukturen von Recht und Ordnung liegen darnieder. Diverse Banden übernehmen zunehmend die Kontrolle über die Stadt, während sich die ...

Die Welt hat sich nach einer Pandemie verändert und die bisherigen Strukturen von Recht und Ordnung liegen darnieder. Diverse Banden übernehmen zunehmend die Kontrolle über die Stadt, während sich die Polizei immer mehr zurückzieht beziehungsweise überfordert ist. Armut, Arbeitslosigkeit und Plünderungen stehen an der Tagesordnung. Colin Lowe, reicher Unternehmer, ist auf die Insel der Ratten geflüchtet, in seine Preper Unterkunft. Sein Sohn Brad terrorisiert mit seiner Bande in der Zwischenzeit die Menschen am Festland. Eines Tages überfällt er auch mit viel Gewalt das Zuhause von Will, Colins ältestem Freund und Rechtsbeistand. Dabei entführt er Wills Tochter Amy. Will sinnt auf Rache.

Die Geschichte wird aus Sicht von zwei Protagonisten geschildert – Will dem Jugendfreund von Colin, der auch Opfer des Überfalls wird und Yvonne, Vizeanführerin von Brads Bande Chaos. Die Erzählung verläuft nicht linear in die Zukunft, sondern wechselt auch innerhalb eines Kapitels immer wieder in einen Rückblick. Für mich zu Beginn etwas verwirrend.

Wie anhand des Umfangs des Buches rasch klar wird, ist die Geschichte eher kurz. 200 Seiten geben schlichtweg nicht so viel Gelegenheit Charaktere zu entwickeln wie die anderen, seitenstärkeren Werke des Autors. Auch war die Erzählung als Kurzgeschichte innerhalb eines Sammelbandes konfiguriert. Für mich waren der Charakter und die Zweifel von Will durchwegs greifbar und verständlich, allerdings blieben andere Charaktere wie Wills Frau und auch Brad für mich etwas blass. Man erkennt, wie sehr der „Gutmensch“ Will mit sich ringt, als er nach Rache sinnt. Doch wie soll die Rache aussehen – Selbstjustiz oder die Übergabe an den verbliebenen Rechtsstaat.

Die Stimmung der Endzeit ist von Anfang an gut transportiert – merkt man doch die Beklemmung schon, als geschildert wird, wie eine Gruppe Personen am Dach eines Hochhauses auf einen Helikopter wartet, während sich einige Stöcke unter ihnen Menschen Zutritt verschaffen wollen. Dieses Gefühl und auch damit verbundene Brutalität spinnen sich glaubhaft durch den ganzen Roman.

Auch die Gestaltung des Buches, die so oft kritisiert wird, passt für mich zu dieser Endzeitstimmung. Der Einband der aus einem dicken, nicht folierten Karton und grob geschnittenen Kanten besteht, greift den Charakter der Erzählung – die Not und die Anarchie – einfach gut auf.

Ein dystopischer Roman, der so manche moralische Frage aufwirft und mich trotz aller kleiner Schwächen nachdenklich zurücklässt.

Veröffentlicht am 05.07.2026

Starke Frauen, ein lang verborgenes Familiengeheimnis und Parallelen in verschiedenen Zeitebenen

Die vergessene Tochter
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Charlotte, erfolgreiche Köchin in London, bekommt von einer Anwaltskanzlei ein Kästchen für ihre Großmutter in Norwegen überreicht. Das geheimnisvolle Kästchen, mit dem Namen ihrer Großmutter am Deckel ...

Charlotte, erfolgreiche Köchin in London, bekommt von einer Anwaltskanzlei ein Kästchen für ihre Großmutter in Norwegen überreicht. Das geheimnisvolle Kästchen, mit dem Namen ihrer Großmutter am Deckel enthält einen Ring, ein Foto und ein norwegisches Wappen. Auf nichts davon kann sich Charlotte einen Reim machen. Umso besser trifft es sich, dass sie ein Jobangebot für ein neues Hotel in Oslo bekommt. Somit reist sie nach Jahren wieder in ihre Heimat und trifft neben ihrer Großmutter und Urgroßmutter auch Harrison, den charmanten Architekten des Hotels. Charlotte wird mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert und kommt durch Gespräche mit Urgroßmutter Amalie auch einem Familiengeheimnis auf die Spur.

Ein würdiger siebenter Band der Reihe der verlorenen Töchter, der dem bisherigen Stil beibehält. Jedoch lässt er sich auch ohne Probleme selbstständig lesen.

Wie auch bei den Vorgängern, wird die Geschichte in zwei Zeitebenen erzählt – der aktuellen in der Gegenwart, in der in der Regel eine Enkelin ein Kästchen mit rätselhaften Hinweisen präsentiert bekommt. Die weitere Zeitebene in der Vergangenheit, begleitet eine Frau aus dem Familienstammbaum, die eben jenes Kästchen für ihre Tochter hinterlassen hat. So auch hier.

Amalie erlebt im Sommer 1950 in einem norwegischen Hotel eine stürmische Liebe während ihrer Arbeit dort. Doch die verläuft nicht ohne Hindernisse. Parallel dazu erlebt Charlotte in der Gegenwart ihre eigene Liebesgeschichte.

Durch den Wechsel der Perspektive bleibt das Buch spannend und kurzweilig. Man rätselt konstant mit wie sich die Dinge entwickelt haben müssen, dass man von der präsentierten Gegenwart zur präsentierten Zukunft kommt. Der Schreibstil ist leichtfüßig, die Beschreibung der Gefühle angemessen, um sich in die Situationen gut einfühlen zu können.

Jeder Band für sich ist lesenswert, zeigt er doch die Lebensrealitäten verschiedener Frauen in verschiedenen Ländern im zwanzigsten Jahrhundert. Jede Geschichte anders, jeder Ausgang anders und doch mit vielen Parallelen.

Ich freue mich nun schon aber auch sehr auf den Abschlussband der Reihe, der die Geheimnisse um das Refugium für die Frauen enthüllt.