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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.07.2026

Liebe, Familiengeheimnisse und etwas Mode

Les Bouttiers – Wir sind alles
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Les Bouttiers – Wir sind alles ist der zweite Band einer Dilogie um zwei Familien bekannter Modehäuser in Paris, einerseits Bouttiers Couture und andererseits die Konkurrenz von Le Blanc. Elodie aus dem ...

Les Bouttiers – Wir sind alles ist der zweite Band einer Dilogie um zwei Familien bekannter Modehäuser in Paris, einerseits Bouttiers Couture und andererseits die Konkurrenz von Le Blanc. Elodie aus dem Modehaus Bouttiers und Adam Le Blanc geben vor ein perfektes Paar zu sein, nachdem die Presse sich über Fotos der beiden bei einem intimen Moment überschlägt. Doch auch für Gabriel, Adoptivcousin von Elodie und in Wirklichkeit Halbbruder von Adam Le Blanc, hat Elodie Gefühle. Gabriel wird im Atelier beurlaubt, und auch finanzielle Unterstützung durch seine Familie fehlt. Er wendet sich nun an seinen leiblichen Vater Henri Le Blanc, der ihn nun mehr fördert als Adam. Doch es bleibt nicht einfach, denn es gibt Intrigen, Skandale und alte Geheimnisse, die nun ans Licht kommen sollen.

Für mich war dies der erste Band der Reihe und der Einstieg gelang durch die Zusammenfassung der Ereignisse aus dem Vorgängerband ohne Probleme.
Leicht und rasch taucht man in den Schreibstil ein, er ist einfach flüssig und modern. Jedes Kapitel ist aus einer anderen Perspektive geschildert – Elodie, Adam und Gabriel und später noch eine weitere Person.
Die Gestaltung passt perfekt zum Vorgängerband und zum Modesetting – ein schöner Buchschnitt mit Couture Logo und Schuhe nach jeder Kapitelübersicht.

Man darf sich Familiendramen, Dreiecksbeziehungen, Geheimnisse und Romantik erwarten und bleibt dadurch auch beim Weiterlesen. Denn wer hat sich nicht schon immer gefragt welche Geheimnisse es bei den erfolgreichen Firmen so gibt.

Der Fokus liegt rasch auf der Romanze zwischen den Hauptprotagonisten. Man fühlt sich an Romeo und Julia erinnert, und hat dennoch im Hinterkopf, dass Adam wohl doch etwas mehr für Elodie empfinden dürfte als umgekehrt. Doch das Love Triangle muss eben bespielt werden und irgendwann muss Elodie sich eben auch entscheiden. Die Auflösung des Familiengeheimnisses war grundsätzlich verständlich, war jedoch dann doch etwas rasch umgesetzt und etwas unspektakulär.

Etwas enttäuscht hat mich die Tatsache, dass man im Prinzip doch recht wenig Einblick in die Welt der Haute Couture bekommt. Ein tieferer Einblick in die Arbeit der Häuser wäre bei mir sehr willkommen gewesen. Generell hat sich für mich auch etwas das Paris Feeling verloren, wären nicht ab und an französische Begriffe aufgetaucht, hätte ich fast vergessen, wo der Roman spielt.

Grundsätzlich ein solider Young- Adult-Roman, der mit Familiendramen aufwartet und auch die Modewelt streift. Ein schöner Urlaubsroman, vielleicht fängt man allerdings doch bei Band 1 an um die Figuren besser zu verstehen.

Veröffentlicht am 29.06.2026

Mord und Beklemmung am Aussteigerhof

Home Story
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Am Steingruberhof versucht eine abgeschottete und eingeschworene Gemeinschaft den Hof möglichst als Selbstversorgerhof zu betreiben. An einem heißen Tag im Sommer wird die Leiche einer Journalistin gefunden, ...

Am Steingruberhof versucht eine abgeschottete und eingeschworene Gemeinschaft den Hof möglichst als Selbstversorgerhof zu betreiben. An einem heißen Tag im Sommer wird die Leiche einer Journalistin gefunden, die die Bewohner des Hofes am Vortag bedrängt hat. Rasch fällt der Verdacht auf die abgeschottet lebenden Bewohner. Eva, eine junge Anwältin aus München kommt zur Hilfe. Das Besondere: sie ist die Tochter von Wilma, der Inhaberin des Steingruberhofs und sie hat diesen vor dreizehn Jahren verlassen und den Kontakt abgebrochen. Doch auch für sie ist es nicht einfach in diese Gemeinschaft einzutauchen. Die Skepsis ihr gegenüber ist groß und sie stößt auf viel Schweigen und auf viele Geheimnisse.

Den Einstieg in das Buch fand ich nicht einfach, ist man doch mit einer großen Anzahl an Personen konfrontiert. Verschiedene Namen, Verwandtschaftsverhältnisse und Vergangenheiten. Ohne das Personenregister und dem Plan vom Hof hätte ich wohl rasch aufgegeben.

Man verfolgt die Geschichte aus wechselnden Perspektiven der Bewohner und auch der Anwältin Eva. Teilweise kommen auch Kapitel in kursiver Schrift hinzu, wobei die Einordnung für den Leser zu Beginn unklar ist – zu welchem Zeitpunkt und welche Person gibt sie wieder. Der Vorteil des Perspektivenwechsels als Erzählinstrument ist definitiv, dass man unterschiedliche Blickwinkel und Gedankenwelten einfangen kann. Teilweise streckte die Form die Erzählung jedoch einfach, wodurch es vor allem in der ersten Hälfte zu einigen Längen kam.

Eva fand ich als Ermittlerin durchwegs passend, kommt sie doch von außen in die Gemeinschaft und hat aber dennoch durch ihre Vergangenheit Bezug zu ihr. Rasch ist sie nicht nur Anwältin, sondern ermittelt auch wirklich, auch wenn sie sich damit so manche Anordnung ihrer Chefin sowie manches Gesetz außer Acht lässt. Man merkt konstant den Konflikt zwischen ihr und ihrer Mutter und ihren eigenen Zwiespalt – ist sie nun Teil der Gemeinschaft oder nicht.

Die Spannung des Romanes ergibt sich vor allem aus der Tatsache, dass sich alles an einem recht abgeschlossenen Ort passiert und man grundsätzlich neben dem Mörder wohnt. Die bedrückende Stimmung der Enge war für mich omnipräsent. Die Dynamik innerhalb der Gruppe trägt die Spannung des Romans und Düsternis des Romans. Vor allem die Spannung und Wendungen in der zweiten Hälfte haben mich gepackt.

Ein durchwegs düsterer und spannungsgeladener Roman durch die psychologische Komponente. Jedoch bleibt Tödlicher Podcast mein Favorit dieser Autorin.

Veröffentlicht am 21.06.2026

Licht und Schatten - und das Flirren eines Sommers

The Artist
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In der Provence im Sommer 1920: Joseph Adelaide, Journalist bei einem kleinen Kunstmagazin, erhält die Chance seines Lebens. Edouard Tartuffe, legendärer Maler, lädt ihn zu sich auf den Bauernhof ein, ...

In der Provence im Sommer 1920: Joseph Adelaide, Journalist bei einem kleinen Kunstmagazin, erhält die Chance seines Lebens. Edouard Tartuffe, legendärer Maler, lädt ihn zu sich auf den Bauernhof ein, auf den er sich zurückgezogen hat, ein. Doch es sollte nicht einfach werden, ein Interview zu bekommen. Joseph wird vom Maler als Model engagiert und lebt fortan zusammen mit dem exzentrischen Künstler und seiner ruhigen Nichte Ettie. Ettie scheint ein Rätsel für sich zu sein, hält sie sich doch ruhig im Hintergrund und ist als Haushälterin und Assistentin wichtig für die Entstehung all der Kunstwerke. Schrittweise erlangt Joseph immer mehr Zutritt zur Gedankenwelt von Ettie.

Der Roman beginnt, indem man Joseph auf seiner Reise zur abgelegenen Künstlerunterkunft folgt und schon in den ersten Seiten merkt man eine gewisse Grundstimmung des Romans – lange heiße, ja eher brütende Tage des Sommers in der Provence, ein Gefühl, das für mich allgegenwertig war.

Die Erzählperspektive wechselt kapitelweise zwischen Joseph und Ettie und umfasst neben dem Alltagsleben und den Malsessions auch Gedanken und Rückblicke der jeweiligen Personen. Beide tragen ihr eigenes Päckchen und man erlebt als Leser so manchen herzzerreißenden Rückblick. Schrittweise setzen sich so die Biografien der Figuren zusammen, wie auch die Bewohner des Hauses sich immer mehr aneinander gewöhnen.

Der Roman transportiert gut das Gefühl des Sommers in der Provence und die Exzentrik der Künstler, da die Beschreibung einfach bildhaft, atmosphärisch und ausdrucksstark ist. Doch es geht nicht nur darum, wie der Leser bald merkt. Taucht man doch vor allem in Rückblicken in verstörende und herzzerreißende Szenen ein, die das Leben aller Beteiligten bis zur Erzählebene prägen. Es waren damals andere Zeiten, der erste Weltkrieg gerade erst vorbei und die Wahrnehmung speziell von Frauen eine andere. Und bald erkennt man die weitere Botschaft des Buches – es ist möglich sich aus der Dunkelheit zu befreien und ins Licht zu treten, egal wie unwahrscheinlich es einem erscheinen mag.

Ein Roman der auf Grund der Aufmachung gerne als Sommerroman für Kunstinteressierte gesehen werden kann, aber eben auch eine viel tiefere Botschaft vermittelt.

Veröffentlicht am 01.06.2026

Unruhe in der Berliner Unterwelt - man sieht sich immer zweimal

Die Toten von morgen
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In Berlin wird im Österreichpark die Leiche eines jungen Mannes gefunden – getötet durch einen Kopfschuss. Zeugen lassen sich keine auftreiben und auch Papiere gibt es nicht. Ermittelt wird durch Kommissarsanwärterin ...

In Berlin wird im Österreichpark die Leiche eines jungen Mannes gefunden – getötet durch einen Kopfschuss. Zeugen lassen sich keine auftreiben und auch Papiere gibt es nicht. Ermittelt wird durch Kommissarsanwärterin Nihal Khigarian, die nun nach einem Abstecher nach Hamburg wieder in Berlin ist und mit ihren eigenen Dämonen zu kämpfen hat: einem Vater im Sterben, einen Bruder, den sie selbst in das Gefängnis gebracht hat. Außerdem denkt sie immer wieder an Saad und dessen Tochter Leila, mit denen sie ursprünglich nach Hamburg geflüchtet war. Nun tauchen auch die beiden wieder auf und auch beruflich wird es turbulent. Denn es scheint einen Kampf um den Absatzmarkt Berlin zu geben – zwei Drogenbosse kämpfen um die Vorherrschaft. Und rasch ist auch Saad involviert.

Auch wenn dies nun schon Band zwei der Serie Berliner Schattenwelten ist und die Geschichte um Nihal, Saad und Leila weitererzählt, ist der Einstieg auch ohne Vorkenntnisse problemlos möglich. Fragen, die sich vielleicht zur Vorgeschichte der Charaktere auftun, werden im Band erklärt und somit findet man leicht in die Geschichte.

Der Schreibstil ist flüssig, aber doch etwas gewöhnungsbedürftig, greift er doch viele umgangssprachliche Begriffe und leicht unvollständige Satzbildungen auf. Eben ein klares Abbild so mancher schnellen Konversation zwischen Figuren, ohne schön literarisch aufgearbeitet zu werden. Etwas das man mögen muss, aber dem Buch so wie ich finde auch durchwegs Charme verleiht.

Gut gefallen hat mir die Tatsache, dass aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt wird und die Kapitel eher kurzgehalten sind. Das Tempo bleibt damit hoch und man fängt gut ein Gefühl für die Stadt Berlin und deren Bewohner ein.

Die Charaktere sind spannend gewählt, nicht nur die vermeintlich Guten auch die vermeintlich Bösen. King Charles so wie sein Widersacher sind Clement sind schon Unikate, die etliche Klischees über Unterweltbosse aufgreifen. Aber auch auf Ermittlerseite wird es unterhaltsam: ein etwas dümmlicher Polizist aus der Einheit Organisiertes Verbrechen, Nihals Vorgesetzter, der oft sehr wortkarg ist. Und schließlich Nihal selbst, sarkastisch und mit Beziehungsängsten. Die immer mit ihrer Familie kämpft, hart im Nehmen ist und gerne auch auf eigene Faust agiert.

Für mich ein solider Roman über die Berliner Unterwelt – vielleicht allerdings nicht so sehr ein Thriller, als ein normaler Kriminalroman.

Veröffentlicht am 14.05.2026

Ratgeber mit Bildbandpotential

Blütenpracht und Ernteglück – Dein Weg zum Traumgarten
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Blütenpracht und Ernteglück ist ein sehr schön gestalteter Ratgeber mit Illustrationen, Fotographien und informativen Texten. Neben der Möglichkeit schlicht im Buch zu Schmökern wie in einem Bildband, ...

Blütenpracht und Ernteglück ist ein sehr schön gestalteter Ratgeber mit Illustrationen, Fotographien und informativen Texten. Neben der Möglichkeit schlicht im Buch zu Schmökern wie in einem Bildband, vermittelt das Buch allerdings auch natürlich Wissen zu gartenrelevanten Themen. Der Umfang der Themen der angeschnitten wird ist doch sehr umfangreich – Grundlagen der Gartenarbeit, Pläne zur Gartengestaltung, Hinweise zum Aussaatzeitpunkt, eine Auswahl an Pflanzenporträts und Tipps zur Pflege von Pflanzen.

Ein ambitioniertes Werk, das jedoch einen schönen Überblick bietet und damit Neulingen sicher den Einstieg ins Gärtnern erleichtert. Die Texte sind leicht verständlich und man hat definitiv einen schönen Leitfaden in der Hand. Auch das Glossar für die Verwendung als Nachschlagewerk hilfreich. Im Prinzip ist es eine schöne Anleitung für verschiedene Themen, so als würde einen die Autorin an die Hand nehmen. Es zeigt, wie einfach es sein kann einen Nutzgarten mit einem Blütenmeer zu kombinieren, etwas dass doch sehr nachhaltig ist.

Auch erfahrene Gärtnern kann das Buch natürlich als Inspirationsquelle dienen – die Pflanzpläne und den Aussaatkalender mit entsprechenden Partnerangaben fand ich hier gelungen – jedoch werden sie wahrscheinlich eher auf spezialisierte Bücher für ihre Probleme zurückgreifen.

Man mag die geringe Anzahl an vorgestellten Pflanzen kritisieren, doch ich finde es von der Autorin sehr ehrlich nur diese Pflanzen vorzustellen, mit denen sie auch selbst Erfahrung hat.

Fazit: ein schön gestaltetes Buch, dass ich vor allem den Garteneinsteigern ans Herz legen würde