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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.07.2026

Gefangen in der eigenen Geschichte!

If Books Could Kill
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Roxie Mitchell wünscht sich, dass sie die nächste Heldin im Roman ihrer Lieblingsautorin wird, denn sie liebt ihre Liebesromane. Doch Roxie hätte nie geglaubt, dass ihr Traum wahr werden könnte bis sie ...

Roxie Mitchell wünscht sich, dass sie die nächste Heldin im Roman ihrer Lieblingsautorin wird, denn sie liebt ihre Liebesromane. Doch Roxie hätte nie geglaubt, dass ihr Traum wahr werden könnte bis sie den charmanten Jack trifft und mit ihm ein echtes Traumdate hat. Doch Jack ist nicht ihr Loveinterest und Roxie ist nicht in einem Liebesroman, sondern in einem Thriller gelandet. Roxie kämpft um ihr überleben und trifft dabei auf den schüchternen Literaturdozenten Grant, der nun auch in ihrer Geschichte gefangen ist. Können die beiden dem Killer entkommen oder sind sie doch ein Teil eines echten Liebesromans?

If Books Could Kill von Kate Eberle habe ich zu Beginn als Buch gelesen, musste aber feststellen, dass es mich nicht richtig abgeholt hat und ich immer wieder lieber zu einem anderen Buch gegriffen habe, anstatt weiterzulesen. Doch das lag weniger am Inhalt und mehr am Tempo, das mir zum Lesen einfach zu langsam war, weswegen ich das Buch als Hörbuch weitergehört habe. Gesprochen von Viola Müller konnte das Buch sich auch inhaltlich bei mir entfalten.

Der Thrill-Aspekt ist für wahre Thrillerfans definitiv zu schwach, aber er erzeugt innerhalb der Geschichte doch einige spannende Szenen und vor allem gefiel mir der Humor, der sich dadurch aufgebaut hat. Die Dialoge zwischen Grant und Roxie gefielen mir vor allem in solchen Szenen gut.

Die Auflösung auf Thrill-Ebene kommt nicht überraschend, hat aber doch ein paar Twists, die ganz interessant gelöst sind. Die Romance Auflösung gefiel mir sehr gut!

If Books Could Kill ist definitiv ein ganz besonderes Buch, dass eine unfassbar gute Grundidee hat und mich als Hörbuch wirklich von sich überzeugen konnte. Gelesen fehlte es mir leider etwas an Tempo.

Veröffentlicht am 05.06.2026

Zwischen Verwirrung und Genialität!

Tokyo
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1990, Tokyo. Ein weiteres Mädchen wird vermisst und plötzlich findet man die Leiche der ersten Vermissten. Die Angst steigt und die Ermittler geraten immer mehr unter Druck, während ein verzweifelter Vater ...

1990, Tokyo. Ein weiteres Mädchen wird vermisst und plötzlich findet man die Leiche der ersten Vermissten. Die Angst steigt und die Ermittler geraten immer mehr unter Druck, während ein verzweifelter Vater Zuflucht in einer Glaubensgemeinschaft findet und damit Zugang zu seltsamen Ritualen erhält.

Tokyo von Tokuro Nukui ist ein japanischer Thriller aus den 90ern. Positiv überrascht war ich davon, dass ich dem Buch das Alter weniger angemerkt habe und das obwohl mehr als 30 Jahren vergangen sind. Möglicherweise liegt das auch an der Übersetzung von Heike Patzschke, die den heutigen Zeitgeist mitfließen lässt und daher kaum Distanz vorhanden ist.

Doch inhaltlich konnte mich das Buch über weite Strecken kaum überzeugen. Den Einstieg fand ich noch gut, wir beginnen mit dem Fund des Mädchens, doch das war es dann lange an spannenden Szenen. Die zwei Perspektiven wechseln kapitelweise, das hat mir das Lesen erleichtert, weil es eine Abwechslung reingebracht hat, die ich nach jedem Kapitel benötigte, denn es ist kaum etwas passiert und die Story plätschert nur so vor sich hin.

Obwohl Glaubensgemeinschaften und Sekten nicht mein liebstes Thema sind, war die Perspektive am Ende doch die interessantere, denn die Perspektive des Ermittlerteams dreht sich vorwiegend lediglich um private Probleme einzelner und gibt kaum Aufschluss über die eigentlichen Taten/Ermittlungen. Ein weiterer Thriller, der mir eher das Gefühl eines Kriminalromans vermittelt hat, aber vom eigentlich Genre meilenweit entfernt blieb.

Und eigentlich wären das zwei Sterne für Tokyo geworden, doch dann kam das Ende und das hat eine Menge in mir bewegt. Die Auflösung war nicht nur unglaublich überraschend, sondern sie hat auch den ganzen Aufbau des Buchs in Frage gestellt. Mit dem Wissen, das ich jetzt habe, hätte mir das Buch vermutlich unheimlich Spaß gemacht, weil die Konstruktion wirklich genial ist. Trotzdem kann ich nicht mehr als drei Sterne geben, weil das Lesegefühl lange eher mau war.

Veröffentlicht am 27.04.2026

Bergur

Home Before Dark
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Vor zehn Jahren verschwand Marsibils zwei Jahre ältere Schwester Stina spurlos. Einzig ihre blutverschmierte Jacke kann in der Nähe einer Brücke gefunden werden, genau dort, wo Marsibil sich mit ihrem ...

Vor zehn Jahren verschwand Marsibils zwei Jahre ältere Schwester Stina spurlos. Einzig ihre blutverschmierte Jacke kann in der Nähe einer Brücke gefunden werden, genau dort, wo Marsibil sich mit ihrem Brieffreund an jenem Abend treffen wollte. Bis heute bleibt Stinas Verschwinden ungelöst und aus Scham Schuld an allem zu sein, hat Marsibil bis heute geschwiegen. Doch zehn Jahre später erhält sie wieder einen Brief von ihrem ehemaligen Brieffreund und für sie steht fest, dass sie endlich die Wahrheit herausfinden möchte.

Home Before Dark von Eva Björn Ægisdóttir ist ein Psychothriller aus dem isländischen Raum. Wir erleben die Geschichte in der Gegenwart aus Sicht der 24jährigen Marsibil ‚Marsi‘, die weiterhin an dem spurlosen Verschwinden ihrer Schwester leidet und in der Vergangenheit lernen wir Kristin ‚Stina‘ besser durch ihre Perspektive kennen. Die beiden Leseperspektiven haben bei mir auch ein unterschiedliche Lesegefühl ausgelöst, Marsibils Perspektive zog sich an vielen Momenten merklich, da sich einiges wiederholt und ich mir ein paar Auflösungen relativ schnell denken konnte. Stinas Perspektive ist lebendiger und dementsprechend schneller.

In Anbetracht dessen, dass es sich um einen Psychothriller handelt und Marsibil nicht nur unter Schuldgefühlen leidet, sondern aufgrund dieser auch extreme Probleme hat, hat mir das Erleben ihres Gefühlszustand gefehlt. Ich konnte ihn mir zwar vorstellen, aber wahrgenommen habe ich diesen leider nicht, weswegen mir ihre Perspektive auch eher fern blieb. Stinas Gefühlszustand hat mich hingegen besser erreicht.

Home Before Dark hat mich sehr schnell einnehmen können, zeitweise plätscherte es inhaltlich aber etwas vor sich hin und erst gegen Ende konnte es mit der ein oder anderen Überraschung nochmal für Spannung sorgen, sodass es letztendlich ein gutes, aber nicht besonders packendes Leseerlebnis wurde.

Veröffentlicht am 21.04.2026

Graue Welt

Flora Brimble und der verlorene Frühling
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In Rye will der Frühling nicht kommen und die Stimmung der Dorfbewohner leidet, vor allem die von Flora Brimble, die nicht nur den Frühling herbeisehnt, sondern auch hofft, dass der Frühling ihrem Vater ...

In Rye will der Frühling nicht kommen und die Stimmung der Dorfbewohner leidet, vor allem die von Flora Brimble, die nicht nur den Frühling herbeisehnt, sondern auch hofft, dass der Frühling ihrem Vater Gesundheit mitbringt. An ihrem Geburtstag kauft Flora sich magische Tinte, um die Geschichte ihrer Heldin Harriet weiterschreiben zu können. Nichts ahnend, dass damit ihr größtes Abenteuer beginnt und sie sich auf die Suche nach der Maikönigin macht. Kann Flora den Frühling zurückbringen?

Flora Brimble und der verlorene Frühling von Marcus Raffel richtet sich an Kinder ab zehn Jahren. An dem Punkt beginnt meine erste Kritik, denn meine Mitleserin (11 Jahre) hat sich sehr schnell vom Buch abgewendet, der Schreibstil war ihr zu langweilig und die Geschichte dadurch zäh. Dieses Lesegefühl kann ich sehr gut verstehen, obwohl mir der Schreibstil ausgesprochen gut gefallen hat und ich mich vor allem zu Beginn sehr an den Erzähler aus dem Film ‚Lemony Snicket - rätselhafte Ereignisse‘ zurückerinnert fühlte, dennoch hat er sich nicht passend für das Alter der Rezipienten angefühlt. Mir gefiel jedoch der spitze Humor, die Phasen bei denen sich die Geschichte direkt an mich als Leserin wendet und auch die fantastischen Begleiter Floras.

Die Geschichte selbst ist durchaus spannend, wenn man den Schreibstil mag und in die Welt von Flora eintauchen kann. Zwischenzeitlich wird es auch sehr düster und der Perspektivwechsel kann für Irritationen sorgen. Nicht besonders gut gefallen hat mir, dass Harriet sehr häufig nur als ‚das rothaarige Mädchen‘ bezeichnet wurde, äußerliche Merkmale - in dieser Häufigkeit - als Synonym für Harriet zu verwenden, finde ich vor allem in Kinder- und Jugendbüchern schwierig. Auch empfand ich die Geschichte an manchen Stellen als etwas unrund bzw. zu hektisch, aufgrund ständiger Settingwechsel und dem Gefühl durch diese durchzurasen.

Am Ende hätte ich Flora Brimble und der verlorene Frühling vermutlich dennoch 4 Sterne gegeben, weil ich als Erwachsene meinen Spaß an der Geschichte habe. Im Anbetracht des Alters der Zielgruppe sind es jedoch nur 3 und vielleicht sollten Kinder erstmal die Leseprobe lesen, um ein Gefühl für den Schreibstil zu bekommen.

Veröffentlicht am 02.02.2026

MoMos

Mo & Moritz
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Mo & Moritz von Julya Rabinowich ist ein (Jugend-)Roman, der mich wie kaum ein Buch in einen absoluten Zwiespalt versetzt. Einerseits ist hier die sprachliche Ebene, die schön poetisch, aber leicht daherkommt ...

Mo & Moritz von Julya Rabinowich ist ein (Jugend-)Roman, der mich wie kaum ein Buch in einen absoluten Zwiespalt versetzt. Einerseits ist hier die sprachliche Ebene, die schön poetisch, aber leicht daherkommt und ein tolles Leseerlebnis beschert. Manchmal kommt das Gefühl, dass dieser Schreibstil, der auch die Gedankenwelt Mos präsentiert, nicht authentisch wirkt, nicht wie Mo. Nicht weil Mo ein Moslem ist, sondern weil er sich selbst als ‚Nicht-Leser‘ bezeichnet und die Sprachvielfalt, die erweckten Bilder, das genaue Gegenteil hervorrufen. Doch das konnte ich gut abschütteln, weil mich der Schreibstil wirklich durch die Geschichte tragen konnte.

Dann ist da Mos Familie. Queere Beziehungen haben (leider) häufig ihre Probleme, dass Mos Familie nun aber komplett dem Vorurteil entspricht, kommt dem natürlich noch weniger zu Gute und genau hier sitzt mein ganz großes Problem: es werden wirklich alle Vorurteile ausgeschöpft. Mos Vater, dessen Erscheinungsbild eher als bedrohlich dargestellt wird, der kein Deutsch spricht und dennoch einen Aufstand in der Schule macht. Mos Bruder Faris, der nicht nur aggressive Verhaltensweisen an den Tag legt und unter den Geschwistern für Krawall sorgt, sondern auch Anschläge organisiert und Eltern, die dennoch eher zu ihm, als zu den anderen Geschwistern halten. In einer Welt, die leider sehr geprägt von diesen Vorurteilen ist, hätte ich mir etwas weniger davon gewünscht, denn Mo & Moritz müssen laut Klappentext ‚Vorurteile‘ überwinden, dass aber sehr viele auf Mos Familie zutreffen, hilft der Geschichte für meinen Geschmack absolut nicht.

Denn die Liebe zwischen Mo & Moritz hat genug eigene Probleme, die in der Geschichte deutlich tiefgründiger erarbeitet hätten werden können. So hatte ich das Gefühl, dass die Annäherung der beiden nur ein Nebenstrang der Familienprobleme darstellt und die zu überwindenden Vorurteile ihrer queeren Beziehung gar nicht im Fokus standen, sondern eher das sich-lösen von toxischen Familienverhältnissen, was durchaus ein wichtiges Thema darstellt, aber so gar nicht das war, was ich von dieser Geschichte erwartet hatte.

Neben der Sprache gab es aber zwei Charaktere, die mir während des Lesens wirklich eine pure Freude bereitet haben. Das wären Mos kleine Schwester Maryam, die unglaubliches Feingefühl und eine Reife besitzt, von der sich manch Familienmitglieder etwas abschauen können. Gleichzeitig mochte ich auch die Thematik, die ihre Figur aufgeworfen hat, denn die (leider vorhandene) Wichtigkeit des eigenen Namens wird manchmal unterschätzt. Und dann noch die ‚blaue Fee‘, die einem mitgibt, dass man zwar ein gutes, aber kein erfülltes Leben hat, wenn man nicht auf sich selbst hört.