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Veröffentlicht am 05.08.2026

Verlassen und geborgen

Laute Nächte
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»Irgendwo habe ich gelesen, dass manche Menschen bereits mit fünfundzwanzig sterben, aber erst mit fünfundsiebzig beerdigt werden. Ich war neunzehn, als ich gestorben bin.« (Seite 301)

Kenni flieht nach ...

»Irgendwo habe ich gelesen, dass manche Menschen bereits mit fünfundzwanzig sterben, aber erst mit fünfundsiebzig beerdigt werden. Ich war neunzehn, als ich gestorben bin.« (Seite 301)

Kenni flieht nach einem persönlichen Verlust nach Wien, dort wohnt er in einer Wohngemeinschaft zusammen mit Elif und Julia bei Paul, ein weiterer Mitbewohner kommt später hinzu. Gefangen zwischen Trauer und einem Neuanfang fühlt er sich wie ein führerloses Boot auf dem Meer, verarbeitet den Tod seiner Freundin schlecht und trifft miese Entscheidungen, die zu einem Bruch führen. Zehn Jahre später gibt es ein Wiedersehen der vier früheren Freunde, es folgt eine laute Nacht. Wieder vergehen Jahre, bis es ein erneutes Treffen gibt.

»Wir hatten so viele Nächte zusammen, laute und solche, die leise waren. Die jedenfalls so schienen. Doch rückblickend waren sie die lautesten von allen. Und diese Nacht reiht sich nahtlos ein. Eine Nacht, an deren Anfang ich ein anderer war.« (Seite 196)

Dieses Buch handelt von Trauer, dem Tod, dem Verlust und dem Umgang mit ihnen. Es handelt aber auch von Liebe, der ersten, der großen, der vergangenen und der zukünftigen. Einer Liebe, die nimmt, ohne zu geben, und einer, die gibt, ohne zu fragen, was sie als Gegenwert bekommt. Es handelt von Freundschaft, von Hoffnung und Heilung, der Weg zur letzteren ist steinig und schwer. Diese Geschichte ist anstrengend und federleicht, diese Geschichte ist eine der schlimmsten und schönsten zugleich.

»Ich glaube, Erkenntnis ist der schrecklichste Schlag von allen, tausend Fäuste, die einen gleichzeitig treffen.« (Seite 301)

Jedes Buch von Anne Freytag ist anders, jedes ein eigenes Universum, ein anderer Bereich. Dieses jedoch hat mich bereits auf den ersten Seiten mitten ins Herz getroffen, mich seufzen lassen, mich dermaßen berührt, dass es weh tat, aber es war ein schönes Gefühl. So viele Sätze, die ich am liebsten einrahmen würde, findet man selten - trotz Trauer und Schmerz. Am Ende war ich fast unglücklich darüber, dass es vorbei war, aber auch überglücklich, dass ich dabei gewesen bin. Es war einfach wunderschön.

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Veröffentlicht am 27.07.2026

Der äußere Schein

Das Spiel
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»Die erste Regel auf dem Anwesen lautete: Es war verboten zu erwähnen, dass die Fernsehshow eine Fernsehshow war oder dass wir sie schon mal geguckt hatten.« (Seite 21)

Die zwanzigjährige Lily wacht zusammen ...

»Die erste Regel auf dem Anwesen lautete: Es war verboten zu erwähnen, dass die Fernsehshow eine Fernsehshow war oder dass wir sie schon mal geguckt hatten.« (Seite 21)

Die zwanzigjährige Lily wacht zusammen mit neun weiteren Frauen in einem künstlich angelegten Anwesen mitten in der Wüste auf. Zusammen warten die Frauen darauf, dass zehn Männer eintreffen, damit es endlich losgeht mit der Realityshow. Gemeinsam müssen die Kandidaten verschiedene Challenges erfüllen, aber auch eigene persönliche Aufgaben bewerkstelligen, ohne einander zu verraten, welche das sind. Diverse Regeln müssen befolgt werden, die immer und überall durch Kameras und Mikrofone überwacht werden. Bald verschwimmen die Grenzen und der Kampf um den ersten Platz beherrscht den Alltag.

»Ich stellte also mit Erleichterung fest, dass ich auf dieser Torte nicht die matteste Kerze war. Nicht, solange Susie hier war. Das soll nicht abwertend klingen - ich lege generell gar nicht so viel Wert auf Intelligenz. Intelligenz kann künstlich sein, Charme ist dagegen immer echt.« (Seite 26)

Das Prinzip einer Realityshow ist bekannt, durch Challenges erspielen sich die Kandidaten Dinge, die ihnen das Leben erleichtern sollen. Im vorliegenden Buch können diese Spiele lebensnotwendig sein, etwa wenn es kein Wasser mehr gibt, schließlich befindet sich das Anwesen mitten in einer Wüste. Hierbei werden die Aufgaben angepasst, sodass automatisch diverse Konflikte vorprogrammiert sind, und genau dies macht den größten Reiz dieser Geschichte aus, denn einem Voyeur gleich warten die Leserinnen und Leser darauf, was sich die Produzenten fieses einfallen lassen werden, um die Teilnehmer zu prüfen. Das ist gemein, das ist unmenschlich und es amüsiert beim lesen sehr.

Mir hat die Geschichte unglaublich gefallen, die Ich-Erzählerin hat mich unterhalten, zum Kopfschütteln gebracht, aber auch zum nachdenken darüber, was wirklich wichtig ist. Obwohl ich kein Freund von solchen Fernsehformaten bin, könnte ich mir eine Verfilmung vorstellen und hoffe, mein Wunsch wird erfüllt, ohne dass ich eine persönliche Challenge machen muss. Für mich ein weiteres Highlight dieses Jahr und ein Buch, das ich gerne empfehlen möchte und werde.

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Veröffentlicht am 15.07.2026

Tödliche Urlaubszeit

Meeresdunkel
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Eine Urlaubsinsel, zwei Familien, ein renovierungsbedürftiges Haus und eine Doppelbuchung, die zu Problemen führen wird. Als Henrike mit ihrem Mann Hans, den zwei gemeinsamen Kindern sowie ihrem Bruder ...

Eine Urlaubsinsel, zwei Familien, ein renovierungsbedürftiges Haus und eine Doppelbuchung, die zu Problemen führen wird. Als Henrike mit ihrem Mann Hans, den zwei gemeinsamen Kindern sowie ihrem Bruder Freddie auf Mallorca ankommt, erlebt sie kurz darauf eine unangenehme Überraschung: das gebuchte Haus wurde doppelt vermietet, Samuel und Marie stehen mit ihrem Sohn Juri vor der Tür und bestehen auf Einlass. Beide Familien arrangieren sich, was solange gut geht, bis ein Unwetter die Insel erreicht.

Dies war mein erstes Buch des Autors, aber sicherlich nicht mein letztes! Obwohl in der ersten Hälfte gefühlt nichts wirklich wichtiges passierte, schaffte es Till Raether dennoch, kontinuierlich eine Spannung aufzubauen, die sich zusammen mit dem Unwetter im Buch entlud. Was folgte, war großartige Unterhaltung, die durch einige geniale Wendungen überraschte und den Weg zu einem explosiven Finale ebnete. Der Wechsel der Perspektiven war schlau gewählt, die Interaktionen zwischen den Protagonisten bekamen so eine zweidimensionale Form, was mir gut gefallen hat. Der Epilog war da letztendlich nur die Kirsche auf der Sahnetorte. Absolut lesenswert!

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Veröffentlicht am 13.07.2026

Tragisch schön

Alles Liebe
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Laura hat herausgefunden, was sie tun muss, um im Mittelpunkt zu stehen. Barbara erleidet einen großen Verlust und kompensiert diesen mit einer Kaufsucht, einen erfundenen Mann inklusive. Heike wartet ...

Laura hat herausgefunden, was sie tun muss, um im Mittelpunkt zu stehen. Barbara erleidet einen großen Verlust und kompensiert diesen mit einer Kaufsucht, einen erfundenen Mann inklusive. Heike wartet seit Jahrzehnten darauf, dass Versprechen eingehalten werden und Christina verkleinert mit ihrer Kunst die Welt. Mattis hingegen redet sich etwas ein, das ihm selbst nicht schmeckt. Liebe und Lüge geben sich im vorliegenden Roman die Hand.

»Schon in der siebten Klasse war mir klar, dass man ohne Drama niemand war, dass Aufmerksamkeit eine Währung ist, die man sich verdienen muss. Und jetzt hatte ich das perfekte Drama - eine todkranke beste Freundin.« (Seite 16)

Mit Laura fängt es an und mit Mattis endet es, dazwischen liegen Schicksale, um nicht zu sagen Welten. Komisch, schaurig, zärtlich, fast schon behutsam erzählt Ronja von Rönne und schafft es, mich über Stunden zu fesseln mit diesen Geschichten, die alle anders sind und zusammen dennoch einen Roman ergeben, der tragisch schön ist. Da die Lügen, hier der riesige Verlust, der im Wahnsinn mündet. Dort die Hoffnung, die verkümmert, und da die Traurigkeit, als die Liebe stirbt. Ich habe mich zwischen den Seiten gut aufgehoben gefühlt und war traurig, als es zu Ende ging. Ein Buch wie eine Umarmung, inhaltlich und sprachlich beglückend. Danke dafür.

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Veröffentlicht am 09.07.2026

Herrlich böse!

Ein guter Blick fürs Böse
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Kalifornien im Jahr 1966, die drei Freundinnen Margo, Bev und Elsie könnten unterschiedlicher nicht sein und trotzdem haben sie eines gemeinsam: Ihre Männer wurden als Serienmörder überführt und sie haben ...

Kalifornien im Jahr 1966, die drei Freundinnen Margo, Bev und Elsie könnten unterschiedlicher nicht sein und trotzdem haben sie eines gemeinsam: Ihre Männer wurden als Serienmörder überführt und sie haben davon nichts gewusst. Als Jahre später erneut Frauen getötet werden, sind die drei Frauen fest entschlossen, den Täter zu finden, weil sie davon überzeugt sind, dass sie diesen nach ihrer persönlichen Erfahrung erkennen werden. Das Böse aber lässt sich nicht so leicht fangen.

»Ein Lehrer, ein Ingenieur und ein Politiker, Männer, die auf den ersten Blick völlig unterschiedlich sind, aber alle haben entsetzliche Verbrechen verübt und ihre Spuren geschickt verwischt.« (Seite 107)

Der Kriminalroman inklusive dem Feeling der 1966er Jahre reizte mich sehr und die Geschichte hat mich nicht enttäuscht. Ich hatte beim Lesen permanent die drei Frauen vor Augen, die Autorin hat die Vibes der damaligen Zeit perfekt rübergebracht und mir ein unvergessliches Leseerlebnis beschert. Die Benachteiligung des weiblichen Geschlechts, der Trotz, der daraus entstand, sowie der im Mittelpunkt stehende Kriminalfall wurden perfekt miteinander verbunden. Der feine Humor rundete das Ganze ab und unterhielt mich überaus gut. Gerne empfehle ich das Buch weiter.

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