Profilbild von clematis

clematis

Lesejury Star
offline

clematis ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit clematis über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.03.2019

Delia - eine moderne Ärztin im antiken Rom

Das Schicksal der Medica
0

Gerlinde Friewald entführt uns mit ihrem Roman „Das Schicksal der Medica“ ins antike Rom, 63 vor Christus.

Sehr raffiniert ist der Prolog als Rückblende gewählt, in dem Delia kurz von sich selbst erzählt, ...

Gerlinde Friewald entführt uns mit ihrem Roman „Das Schicksal der Medica“ ins antike Rom, 63 vor Christus.

Sehr raffiniert ist der Prolog als Rückblende gewählt, in dem Delia kurz von sich selbst erzählt, ihrer strengen Erziehung durch den Vater und ihre Leidenschaft für Heilkräuter und Medizin. Darin gipfelt Delias Wunsch und Ziel: „Ich möchte meine Geschichte erzählen, die Erinnerungen aufflammen lassen, noch einmal alles fühlen und durchleben“.

Dann tauchen wir auch schon ein ins Geschehen:

Delia folgt dem Ruf des Arztes Asklepiades, um sich mit ihm über neue wissenschaftliche Erkenntnisse auszutauschen. Gleichzeitig wird sie dort ihren geliebten Marcus Aponius wiedersehen, zweifelnd, ob ihre Liebe die zwei langen Jahre der Trennung überdauert hat.

Während Delia Marcus´ Familie kennenlernt und das verwinkelte Rom, dessen Kontrast zu ihrer Heimatstadt Alexandria größer nicht sein könnte, werden die politischen Unruhen immer heftiger, ein Umsturz steht bevor. Leichen im Kanalnetz, flammende Reden von Catilina – was kommt da noch auf die junge Ärztin zu?

In einem sehr angenehmen Stil, sachlich, nüchtern, schnörkellos, schildert die Autorin Delia als emanzipierte, ehrgeizige Frau, die unbeirrt ihren Weg geht. Die Medica besticht überdies durch Charme und Witz, wodurch sie schnell die Sympathie ihrer Gastgeber gewinnt.
Sehr detailliert und bestens recherchiert werden die einzelnen Episoden des ereignisreichen Italien-Aufenthaltes dargestellt, wodurch der Leser die beiden Hauptfiguren Delia und Marcus schnell ins Herz schließt. Besonders interessant und ansprechend ist die Schreibtechnik in diesem Buch: ein Mix aus der Ich-Perspektive durch Delia und neutralem Erzählstil für Episoden, bei denen sie nicht persönlich zugegen war.

Das geschickt gewählte Ende lässt alle Möglichkeiten offen und den Leser auf weitere Einblicke in das spannende Leben der modernen Medica hoffen…

Veröffentlicht am 07.12.2020

Wo andere Urlaub machen

Föhnlage
0

Während eines Konzertes in einem bayrischen Alpen-Kurort stürzt ein Mann direkt auf einen Zuhörer im Publikum. Beide sind tot. Und Kommissar Jennerwein übernimmt die Ermittlungen. War es Mord, Selbstmord, ...

Während eines Konzertes in einem bayrischen Alpen-Kurort stürzt ein Mann direkt auf einen Zuhörer im Publikum. Beide sind tot. Und Kommissar Jennerwein übernimmt die Ermittlungen. War es Mord, Selbstmord, ein Unfall? Viele Gedanken werden überprüft auf Logik und Relevanz, Spekulationen unter den Einheimischen verbreiten sich wie der Wind, denn „Ratschkathln“ gibt es genug.

Mit viel Humor und einer treffenden Schreibweise setzt Maurer diesen ersten Krimi seiner „Jennerwein-Serie“ in Szene. Der Leser begleitet Ermittler und Bewohner des Dorfes durch spannende und recht unterhaltsame Episoden, die durchwegs für kurzweilige Lesestunden sorgen. Nicht knallharte Fakten und akribisch recherchierte Daten stehen hier im Mittelpunkt, sondern Wortwitz und Augenzwinkern, insbesondere, wenn es darum geht, dem Leben da und dort ein Schnippchen zu schlagen, das Gesetz ein wenig vorteilhaft zu interpretieren und einen Seitenblick auf Österreicher und Italiener zu werfen. Jennerweins Team ist eine kunterbunte, sympathische Gruppe, die man gerne bei einem weiteren Fall trifft und auch die Dorfbewohner mit ihren Ecken und Kanten passen gut ins Bild.

Insgesamt ist Föhnlage also eine tolle Mischung aus Spannung, Witz und ein wenig Sarkasmus, flott zu lesen und somit allemal eine Empfehlung wert.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.08.2026

Krimifestival im Zwiebelland

Bretonischer Glanz
0

In Roscoff, in der nördlichen Bretagne, findet das alljährliche Krimifestival statt. Als eine Leiche gefunden wird, ruft man aus mehreren Gründen Kommissar George Dupin zu den Ermittlungen in das Küstenstädtchen. ...

In Roscoff, in der nördlichen Bretagne, findet das alljährliche Krimifestival statt. Als eine Leiche gefunden wird, ruft man aus mehreren Gründen Kommissar George Dupin zu den Ermittlungen in das Küstenstädtchen. Es bleibt nicht nur bei der einen Toten, die Aufklärung wird zu einem sehr persönlichen Unterfangen.

Voller Atmosphäre durch den rustikalen Charme des Ortes Roscoff nimmt einen die Krimihandlung schnell gefangen. Detaillierte geografische und kulinarische Einzelheiten bringen dem Leser die Besonderheiten dieser Gegend nahe, die typischen milden Zwiebeln mit ihrer rosa Farbe wecken Lust auf die schmackhaften Gerichte, welche daraus zubereitet werden. Leichen und Motive gibt es bald mehrere, ein Schriftsteller und politische Kontroversen sorgen für Abwechslung und lebendige Szenen, ein wenig aus Dupins Privatleben lockert das Ganze noch zusätzlich auf. Durchaus interessante Informationen zu diesem „britischsten aller bretonischen Häfen“ erhält man beim Lesen, die Denkansätze im Rahmen der Polizeiarbeit sind plausibel. Am Ende jedoch scheint das tatsächliche Tatmotiv nicht wirklich überzeugend, wodurch die Geschichte insgesamt ein wenig leidet.

Das typische Flair und viel Lokalkolorit verleihen auch diesem fünfzehnten Band der Dupin-Reihe seine besondere Stellung, unterhaltsame Lesestunden sind garantiert, weshalb ich bestimmt auch beim nächsten Fall dabei sein möchte.

Veröffentlicht am 06.08.2026

Zwischen den Rollen

Eine echte Komtess
0

Die verarmte adelige Hanna möchte nicht bei ihrer Tante unterkommen, so nimmt sie bei Gräfin Valeria eine Stelle als Gouvernante für deren quirlige Enkelin Antonia an. In Heiligendamm läuft jedoch einiges ...

Die verarmte adelige Hanna möchte nicht bei ihrer Tante unterkommen, so nimmt sie bei Gräfin Valeria eine Stelle als Gouvernante für deren quirlige Enkelin Antonia an. In Heiligendamm läuft jedoch einiges nicht nach Wunsch, Zwistigkeiten sind vorprogrammiert und Hanna hat es nicht leicht, die Balance zwischen ihren Rollen als Gouvernante und als echte Komtess zu finden.

Lebendige Szenen führen von Heiligendamm ins ungarische Harkàny und beleuchten stimmig, wie es einst zugegangen ist. Hanna und Antonia als Hauptfiguren zeigen, dass man nicht alles hinnehmen muss, sondern auch eigenständig denken oder gar eine konträre Haltung einnehmen darf. Wie bereits im Vorgängerband, stehen auch diesmal Pferde im Mittelpunkt und neidische Verwandte, denen Hanna aber mit Klugheit und Witz Paroli bietet. Mit Humor und realitätsgetreuen Details zeichnet Ada Caine wieder einmal ein interessantes Bild der Zeit des ausklingenden 19. Jahrhunderts und genau deshalb bahnt sich die Romanze zwischen Freiherrn von Striegenberg und Hanna nur langsam an.

Ein ruhiger, aber durchwegs glaubwürdig erzählter Roman, der nahtlos an „Der Wille der Gräfin“ anschließt und eine gelungene Fortsetzung darstellt.

Veröffentlicht am 23.07.2026

Mord zum Geburtstag

Schattengast
0

Sandra wird vierzig und lädt zu einem großen Fest mit vielfältigem Buffet und teurem Champagner, am nächsten Tag liegt sie tot im eigenen Blut. Gab es Nachbarschaftszwistigkeiten, Familienprobleme oder ...

Sandra wird vierzig und lädt zu einem großen Fest mit vielfältigem Buffet und teurem Champagner, am nächsten Tag liegt sie tot im eigenen Blut. Gab es Nachbarschaftszwistigkeiten, Familienprobleme oder hängt der Mord zum Geburtstag gar mit den kriminellen Banden in Malmö zusammen?

Kurze Kapitel, immer wieder einmal mit offenem Ende, sorgen für Tempo in dieser Geschichte, die wechselnden Blickwinkel streifen stets unterschiedliche Einschätzungen von ein und derselben Situation. Zusätzlich beginnt die Handlung mit einem polizeilichen Vernehmungsprotokoll und der Party, um anschließend frühere Ereignisse in chronologischer Abfolge zu schildern, wiederum durchbrochen von Ermittlungsfragen. So entsteht ein interessanter, spannender Aufbau, einzelne, geschickt formulierte Informationen können von Leser vielseitig interpretiert werden und verleiten zum Miträtseln, was denn tatsächlich geschehen sein könnte. Detailreiche Personenportraits rund um die Nachbarschaft in der kleinen Siedlung, Missverständnisse und private Probleme sorgen für allerlei Abwechslung, das Ende wird schlüssig gelöst, wobei da aber dann doch der „große Knall“ ausbleibt.

Der dritte Kriminalroman aus der Feder Malin Stehns, der durch viele Irrwege und Sackgassen überzeugt, unterschiedlichste Gedankengänge ermöglicht und trotz der Vielfalt an Figuren jede einzelne perfekt trifft. Erst eine Silvesternacht (Happy New Year), dann eine Hochzeit (Nur eine Lüge), diesmal eine Geburtstagsparty – Malin Stehn versteht es, packende Geschichten ohne Brutalität zu schreiben.