Poetisch, kraftvoll, tief berührend
Sommerrauschen
Schon nach den ersten Seiten war ich begeistert. Die Leseprobe hatte viel versprochen – und das Buch hat meine Erwartungen voll erfüllt. Besonders die Sprache hat mich fasziniert: poetisch, kraftvoll, ...
Schon nach den ersten Seiten war ich begeistert. Die Leseprobe hatte viel versprochen – und das Buch hat meine Erwartungen voll erfüllt. Besonders die Sprache hat mich fasziniert: poetisch, kraftvoll, bildreich und voller origineller Formulierungen. Sie lädt nicht zum schnellen Überfliegen ein, sondern dazu, innezuhalten und Sätze nachklingen zu lassen. Manche Passagen habe ich mehrmals gelesen, weil sie so eindringlich und schön waren. Auch die Atmosphäre ist außergewöhnlich gelungen. Die sommerliche Hitze des Médoc, das Meer und die Landschaft bilden einen reizvollen Kontrast zu der unterschwelligen Bedrohung und der Traurigkeit, die Judith begleiten. Viele Figuren bleiben rätselhaft, doch gerade diese Vielschichtigkeit hat für mich den Reiz des Romans ausgemacht. Ein Buch, das nicht nur durch seine spannende Geschichte, sondern vor allem durch seine außergewöhnliche sprachliche Qualität lange nachwirkt.
3189652
Bewertung
5/5
06.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wenn die Vergangenheit Wellen schlägt
Schon auf den ersten Blick fällt das wunderschöne Cover von Christiane Adlungs „Sommerrauschen“ ins Auge. Es ist stimmungsvoll gestaltet, passt hervorragend zum Titel und weckt sofort die Vorfreude auf eine gefühlvolle Sommerlektüre. Seit Judith denken kann, verbrachte sie die Ferien mit ihren Eltern im eigenen Ferienhaus an der französischen Atlantikküste. Direkt nebenan wohnte die Familie Ahrendt, deren Tochter Natascha ihre beste Freundin war. Doch irgendwann verloren sich die beiden aus den Augen. Der Grund dafür liegt tief in Judiths Vergangenheit und schmerzt sie selbst nach vierzig Jahren noch. Inzwischen reist Judith gemeinsam mit ihrem Mann Robert, ihren Zwillingstöchtern und ihrer Mutter ins französische Ferienhaus. Robert hofft darauf, das benachbarte Ferienhaus zu kaufen, doch für Judith ist dieser Gedanke kaum zu ertragen. Sie lehnt seinen Plan zunächst einmal ab, bringt es aber nicht über sich, ihm den wahren Grund für ihre Ablehnung zu erzählen. Christiane Adlung erzählt Judiths Geschichte in einer bildhaften, einfühlsamen und stellenweise fast poetischen Sprache. Die Atmosphäre der französischen Atlantikküste wird lebendig eingefangen, sodass man sich beim Lesen direkt dorthin versetzt fühlt. Judiths Geschichte berührt, und ihre Vergangenheit entfaltet sich nach und nach auf spannende Weise. Bis zum Schluss bleibt die Neugier erhalten, sodass man das Buch nur ungern aus der Hand legt. Für mich war es eine rundum gelungene und sehr lesenswerte Lektüre.
3188164Bewertung
Thalia Book Circle Community
5/5
06.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Zwischen den Zeilen liegt die Wahrheit
Sommerrauschen ist kein Roman, den man einfach nebenbei liest – er verlangt Aufmerksamkeit und die Bereitschaft, zwischen den Zeilen zu lesen. Genau das hat den Roman für mich besonders gemacht. Denn selbst kleine Nebensätze tragen eine große Bedeutung, die sich erst zum Ende hin nach und nach erschließt. Der Schreibstil ist ruhig, leise und unaufgeregt, die Sprache zart und feinfühlig. Vieles bleibt zunächst unausgesprochen, dennoch zieht einen der Roman mit seinen feinen Zwischentönen immer tiefer in die Geschichte hinein. Vergangenheit und Gegenwart verweben sich auf subtile Weise, sodass der Roman auf zwei Zeitebenen erzählt wird. Der Roman lebt nicht von klassischer Spannung, sondern von seiner unterschwelligen Atmosphäre und der ständigen Ahnung, dass in Judiths Vergangenheit etwas Einschneidendes geschehen sein muss. Die vielen kleinen Hinweise fügen sich am Ende zu einem stimmigen Gesamtbild zusammen. Erst mit den letzten Seiten hat sich mir die Geschichte vollständig erschlossen – und genau das hat ihr für mich eine besondere Tiefe verliehen. Ich empfehle dieses Buch allen, die nicht einfach eine Geschichte lesen und anschließend zur nächsten übergehen möchten, sondern Freude daran haben, sich mit einem Roman zu beschäftigen, zwischen den Zeilen zu lesen und seine Zwischentöne zu entdecken. 4,5 / 5 Sternen
#3188109
Juliane
aus München
5/5
05.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Elegant, berührend, einzigartig
Ein wundervolles Buch, in dem die Sprache der Hauptdarsteller ist. Voller Eleganz, Gefühl und einem ganz besonderen Auge und Ton für die Schönheit des Medoc entführt Christiane Adlung uns auf eine Reise an die französische Atlantikküste. Doch dieses Buch ist kein sonniger Urlaubsroman über das Savoir Vivre. Es ist eine Reise in die Vergangenheit, in ein Netz aus Lügen und Schweigen und in die Familiengeschichte der Protagonistin. Judith, erfolgreiche Künstlerin, reist wie jedes Jahr mit ihrer Familie in das Ferienhaus ins Medoc. Die Töchter, Zwillinge, stehen an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Robert, ihr Mann, plant das Haus nebenan zu kaufen. Oda, ihre Mutter, thront im Haus wie eine Königin - extravagant, exaltiert. Judith ist von einem tiefen Kummer gezeichnet, der sich erst nach und nach enthüllt. Der Vater, Mitte der Achtziger verstorben. Die kleine Schwester ebenfalls nicht mehr am Leben. Was zu diesen Tragödien führte, bleibt über zwei Drittel des Buches vage. Die Familie verbringt mehr oder weniger unbeschwerte Tage an der Küste. Die flirrende Hitze, das Meer, die Natur, der See, das alles ist so bildhaft und detailliert beschrieben, dass ich ganz in die Geschichte, die Szenerie hineingezogen werde. Fast fühle ich mich wie ein unsichtbarer Gast im Ferienhaus, sitze mit der Familie am Frühstückstisch, am Steg, erklimme die Dünen. Die Stimmung droht zu kippen, als Natascha, Judiths Ferienfreundin aus Kinder- und Jugendtagen, anreist und das Nachbarhaus ihrer Familie bezieht. Als Leser spürt man die unterschwellige Gefahr, ein Sehnen nach glücklicheren Tagen, nach der Unbeschwertheit vergangener Sommer. In Rückblenden erfährt man, was sich Mitte der Achtzigerjahre zugetragen hat. Liest von Freundschaft, Betrug, Liebe und einer Zeit, die von Trägheit und Aufbruch geprägt war. Ganz plötzlich setzt der Tod der kleinen Schwester dem allen ein Ende. Die Freundinnen verlieren sich aus den Augen, die Ferienidylle zerbricht. Schweigen und Sprachlosigkeit machen sich breit. Wie schmal der Grat zwischen Glück und Unglück ist, führt einem dieser Roman eindringlich vor Augen. Und doch schwingt bei aller Melancholie ein Funken Hoffnung mit. Dieser feine, elegante Roman um eine tiefe Freundschaft und Zuneigung, die Jahre überdauert, berührt mich sehr. Auch nach der Lektüre klingt das Gelesene nach. Der Blick, der Ton der Autorin bringt jede Seite zum Schwingen und hinterlässt mich mit einem tiefen, bittersüßen Gefühl von Sehnsucht. Kl