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Veröffentlicht am 15.09.2016

Eine etwas andere Liebesgeschichte

Tal der Herrlichkeiten
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Taschenbuch: 256 Seiten
Verlag: FISCHER Taschenbuch; Auflage: 1 (26. März 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3596193738
Preis: 9,99 €

Eine etwas andere Liebesgeschichte

Bis auf das Leben und seine zähe ...

Taschenbuch: 256 Seiten
Verlag: FISCHER Taschenbuch; Auflage: 1 (26. März 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3596193738
Preis: 9,99 €

Eine etwas andere Liebesgeschichte

Bis auf das Leben und seine zähe Konstitution hatte er so ziemlich alles, was man verlieren kann, verloren: Arbeit, Haus, Frau, Kind, Sparbücher, Haar. (S. 12)

So lernt der Leser Sperber kennen, einen Mann, der sich in die Bretagne zurückgezogen hat, vom Leben gebeutelt. Hier lebt er mehr schlecht als recht vor sich hin, bis, ja bis er eines schönes Tages einfach so auf der Straße von einer wunderschönen Fremden geküsst wird. Seine Reaktionen darauf sind zwiespältig. Da ist zum einen Ärger über diese Dreistigkeit, aber zum anderen geht Sperber das goldgelockte Haar der Schönen nicht mehr aus dem Sinn.

Er macht sich auf die Suche nach der Frau und findet sie schließlich in Paris, ein Zufall, wie er eigentlich gar nicht möglich ist. Und genauso unmöglich scheint das große Glück, das die beiden in den kommenden Tagen miteinander erleben, bis sie jäh wieder auseinandergerissen werden. Sperber flüchtet sich wieder in die Bretagne, am Boden zerstört. Mit einem letzten Aufbäumen versucht er, die Geliebte zurückzuholen.

Sperber fragte sich nicht, warum ihm ein Unbekannter einen Kaffee spendierte, aus einer Laune heraus oder vielleicht weil er ihn für einen Clochard hielt. Er saß und trank in kleinen Schlucken das heiße, stark gezuckerte Getränk. Aus hundertfünfzig Millionen Kilometer Entfernung wärmte ihn die Sonne: absichtslos, würden wohl die meisten unter uns vermuten, aber es ist nicht gesagt, dass sie es nicht aus Güte tat. (S. 143)

Ich hatte anfangs leichte Schwierigkeiten, in Anne Webers Roman hineinzufinden. Zu weit weg schienen mir die Figuren, die Stadt. Doch mit jeder Seite näherte ich mich immer mehr an und sah mich schließlich an der Seite der Autorin als Beobachterin zweier Menschen. Die Handlung an sich hat mich nicht besonders gefangen. Aber die Beschreibungen, die fast poetische Sprache haben mich schließlich doch sehr für den Roman eingenommen.

Fazit:
„Tal der Herrlichkeiten“ ist kein Buch, das man einfach so herunterliest. Man sollte sich Zeit dafür nehmen und vielleicht auch das ein oder andere Stichwort googeln, wie zum Beispiel den Dichter und Maler Max Jacob, der eine große Rolle für Sperber spielt.

★★★★☆

Veröffentlicht am 15.09.2016

Ein Jugendthriller, der zu überraschen weiß

Schöne Mädchen brennen nicht
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Broschiert: 384 Seiten
Verlag: FISCHER Sauerländer; Auflage: 1 (22. März 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3737353830
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren
Originaltitel: Suicide notes from ...

Broschiert: 384 Seiten
Verlag: FISCHER Sauerländer; Auflage: 1 (22. März 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3737353830
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren
Originaltitel: Suicide notes from beautiful girls
Preis: 12,99€
auch als E-Book erhältlich

Ein Jugendthriller, der zu überraschen weiß

Inhalt:

June ist schockiert, als sie erfährt, dass ihre ehemals beste Freundin Delia Selbstmord begangen haben soll. Sie waren seit einem Jahr zerstritten, deshalb hat June Delias Anruf am Tag vor dem Selbstmord nicht angenommen. Hätte sie Delia helfen können? Aber eigentlich glaubt June sowieso nicht, dass die lebenslustige Delia sich umgebracht haben soll, und schon gar nicht auf diese Weise! June macht sich auf die Suche nach einem möglichen Mörder und steckt bald in einer Spirale aus Zweifeln und Misstrauen fest. Jeder scheint irgendwie mit Delia verstrickt zu sein. Wem kann June noch trauen?

Meine Meinung:
Im Großen und Ganzen konnte mich Lynn Weingarten mit diesem fesselnden Jugendthriller von ihrem Können überzeugen. Auch ohne viel Blutvergießen und ohne reißerische Actionszenen baut sich Spannung auf. Diese beruht hauptsächlich auf psychologischen Elementen. Allerdings habe ich mir manchmal gewünscht, dass die Beweggründe der Protagonisten deutlicher zum Ausdruck gebracht werden. So war manches Handeln für mich nicht wirklich verständlich.

Klasse fand ich die vielen überraschenden Wendungen, die mich manchmal schier vom Hocker hauten. Diese Überraschungen kamen zum Teil wie ein Angriff aus dem Hinterhalt. Man liest sich so durch den Roman, nichts Böses ahnend - bumm, bekommt man die volle Breitseite ab, weil man der Autorin blauäugig in die Falle getappt ist.

Sprachlich empfinde ich den Roman nicht als etwas Besonderes, aber er lässt sich gut und flüssig lesen, ist also vollkommen okay.

Erzählt wird aus der Ich-Perspektive von June und Delia. Dabei wird auch immer wieder in die Vergangenheit zurückgeblickt, um die Entwicklung der Freundschaft zwischen den beiden Mädchen zu zeigen. Obwohl ich mit beiden nicht wirklich sympathisieren konnte trotz der widrigen Umstände, in denen sie leben, fand ich sie als Charaktere doch recht interessant. June hat leider viel zu wenig Rückgrat und keine eigene Meinung. Sie wirkt fast wie eine Marionette, während andere die Fäden ziehen. So ist es kein Wunder, dass sie ständig in ihren Verdächtigungen hin und her schwankt und schließlich gar nicht mehr weiß, wem sie glauben soll.

Das Ende ist zwar irgendwie abgeschlossen, aber es wird nicht klar gesagt, was passiert. So kann man sich immer noch selbst weiterspinnen, wie es ausgehen könnte. Dies finde ich gerade für ein Jugendbuch in diesem Fall eine gute Lösung.

Fazit:
„Schöne Mädchen brennen nicht“ ist ein fesselnder Psychothriller für Jugendliche ab ca. 14 Jahren, in dem die Themen Freundschaft, Liebe, Vertrauen und Verrat eine große Rolle spielen. Die Protagonisten hätte ich mir noch tiefgründiger gewünscht. Alles in allem bietet der Roman aber einige spannende und unterhaltsame Lesestunden.

★★★★☆

Veröffentlicht am 15.09.2016

Ein sehr unterhaltsamer Liebesroman

Wer zweimal träumt
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Taschenbuch: 416 Seiten
Verlag: FISCHER Taschenbuch; Auflage: 1 (20. August 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3596032754
Originaltitel: A Walk in the Park
Preis: 9,99 €

Ein sehr unterhaltsamer Liebesroman

Inhalt:
Lara ...

Taschenbuch: 416 Seiten
Verlag: FISCHER Taschenbuch; Auflage: 1 (20. August 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3596032754
Originaltitel: A Walk in the Park
Preis: 9,99 €

Ein sehr unterhaltsamer Liebesroman

Inhalt:

Lara hat vor 19 Jahren ihre Heimatstadt verlassen. Weder ihre Familie noch ihre Freundin Evie oder ihr Freund Flynn wussten, wo sie hingegangen ist. Nun ist sie zurück und muss feststellen, dass die Gefühle für ihren damaligen Freund immer noch vorhanden sind. Doch Lara sträubt sich dagegen.


Meine Meinung:
„Wer zweimal träumt“ war mein erster Roman von Jill Mansell, was nicht verwunderlich ist, da ich normalerweise dieses Genre ungern lese. Umso überraschter war ich, dass die Autorin mich zu Anfang restlos begeistern konnte.

Der flotte und lockere Schreibstil lässt sich gut lesen, die Handlung schreitet zügig voran und hält sich nicht mit zu detaillierten Beschreibungen auf. Die Charaktere sind zum Großteil recht sympathisch und zum Teil auch sehr ungewöhnlich. Lara hätte ich von Zeit zu Zeit einen Tritt in den Allerwertesten geben können, weil sie die Augen so vor der Wahrheit verschließt. Aber gut, bei dem, was sie mitgemacht hat, sei ihr das verziehen.

Nicht nur Lara hat Probleme mit der Liebe, sondern auch ihre beste Freundin Evie. So begleitet man zunächst diese beiden Frauen und ihre potentiellen Partner durch die Geschichte. Es gibt Hochs und Tiefs in den Beziehungen und es wird nie langweilig. Meiner Meinung nach hätte Jill Mansell es auch bei diesen beiden Beziehungen belassen sollen. Aber leider hat sie noch was drauf gesetzt und noch zwei weitere Liebesgeschichten eingebaut, die auf mich aber eher wie unnütze Anhängsel und ziemlich unrealistisch wirkten. Sie nehmen auch nicht so viel Platz ein wie die Geschichten von Lara und Evie und bauschen den Roman nur unnötig auf.

Teilweise war die Handlung natürlich vorhersehbar, doch in vielen Dingen konnte die Autorin mich auch überraschen. Ein wenig Kitsch und Klischee darf bei einem solchen Roman wohl nicht fehlen und ist auch hier zur Genüge vorhanden. So ergibt sich ein schönes Wohlfühlbuch für Leser dieses Genres.

★★★★☆

Veröffentlicht am 15.09.2016

Ein 2 in 1-Roman

Afterworlds
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Gebundene Ausgabe: 704 Seiten
Verlag: FISCHER Sauerländer; Auflage: 1 (20. August 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3737352222
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren
Originaltitel: Afterworlds
Preis: ...

Gebundene Ausgabe: 704 Seiten
Verlag: FISCHER Sauerländer; Auflage: 1 (20. August 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3737352222
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren
Originaltitel: Afterworlds
Preis: 22,99 €

Ein 2 in 1-Roman

Zugegeben, der Preis klingt erst mal happig, aber man bekommt dafür auch gleich zwei Bücher auf einen Schlag. Denn der Aufbau dieses Buches ist ganz besonders.

Die Rahmenhandlung bildet die Geschichte von Darcy Patel. Darcy ist gerade mal 18 Jahre jung, als sie ihren ersten Roman schreibt. Er trägt den Titel „Afterworlds“. Ihr Traum ist es, als Autorin von ihrer Arbeit leben zu können. Für ihren Debütroman bekommt sie einen Riesenvorschuss vom Verlag. So beschließt sie, vorerst nicht zu studieren, sondern zum Schreiben nach New York zu ziehen. Hier verliebt sie sich und überarbeitet ihren Roman für die Veröffentlichung. Beides ist nicht ganz komplikationslos, sonst wäre dieses Buch ja auch langweilig.


Abwechselnd mit Darcys Geschichte bekommen wir Leser immer ein Kapitel aus „Afterworlds“ zu lesen, sodass wir Stück für Stück das ganze Buch, das Darcy geschrieben hat, lesen können. Theoretisch ergeben beide Perspektiven jeweils eine vollständige Geschichte, die man auch getrennt lesen könnte, aber natürlich hängen sie auch irgendwie zusammen. Immer wieder bespricht Darcy Passagen ihres Romanes mit befreundeten Autoren. Leider wird hierbei an zwei Stellen Handlung des Romans verraten, die erst im Kapitel danach kommt. Aber das ist nicht sehr tragisch.

Die zwei verschiedenen Perspektiven sind durch verschiedene Schriftarten leicht zu erkennen. Außerdem ist die Darcy-Handlung in der 3. Person, die ihres Romans in der 1. Person aus der Sicht der Protagonistin Lizzie Scofield (wollte der Autor Scott Westerfeld sich hier verewigen?) geschrieben.

Lizzie hat eine Art Nahtoderlebnis und erlangt dadurch die Fähigkeit, in die Anderwelt zu gehen, wo sie sich in den Jungen Yamaraj verliebt. Außerdem kann sie danach auch Geister sehen, und zwar auch in der Oberwelt. Ihr Leben wird dadurch zunehmend komplizierter, vor allem, als sie auch noch ein Jahrzehnte altes Verbrechen aufklären will.

In gewisser Weise fand ich dieses Buch schon faszinierend, hauptsächlich wegen des ungewöhnlichen Aufbaus. Beide Geschichten haben auch durchaus ihren Reiz, sind interessant und bis zu einem gewissen Maß spannend, besonders zum Schluss hin. Doch fehlte mir bei beiden Geschichten auch das gewisse Etwas, die Tiefe. Lizzies Geschichte wirkte zuweilen etwas unausgegoren, so als hätte eine 18-Jährige sie geschrieben (was ja auch so ist, da es ja Darcys Roman ist). Aber auch Darcys Geschichte schien mir an einigen Stellen etwas oberflächlich und unrealistisch. Zum Beispiel braucht Darcy ihre kleine Mathegenie-Schwester, um sich ausrechnen zu lassen, wie weit 150.000 Dollar reichen, wenn sie 3000 Dollar Miete bezahlen muss. Hier konnte ich nur mit den Augen rollen.

Die Liebesgeschichten in beiden Perspektiven konnten mich auch nicht ganz überzeugen. Sie waren plötzlich da, ohne sich langsam zu entwickeln. Die Gefühle kamen auch später nicht so ganz bei mir an, zumindest die Gefühle von Lizzie und Yamaraj. Darcys Romanze war da schon etwas emotionaler, zumindest von ihrer Seite aus.

Interessant dürfte für viele Leser der Einblick ins Verlagswesen sein. Hier lernt man einiges über die Arbeit von Schriftstellern und über die Zusammenarbeit der verschiedenen an einer Buchveröffentlichung beteiligten Personen.

Auch wenn ich einiges zu kritisieren hatte, hat mir Scott Westerfelds neues Werk ganz gut gefallen. Es hat mich über viele Stunden gut unterhalten und war nie langweilig.

★★★★☆

Veröffentlicht am 15.09.2016

Sind wir nicht alle Helden?

Das Morgen ist immer schon jetzt
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Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Verlag: cbj (27. Juni 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3570172667
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 12 Jahren
Originaltitel: The Rest of Us Just Live Here
Preis: 16,99€
auch ...

Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Verlag: cbj (27. Juni 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3570172667
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 12 Jahren
Originaltitel: The Rest of Us Just Live Here
Preis: 16,99€
auch als E-Book erhältlich



Sind wir nicht alle Helden?

Meine Meinung:

Patrick Ness hat es mir nicht leicht gemacht, in diesen Jugendroman hineinzufinden. Ich hatte anfangs das Gefühl, ins eiskalte Wasser geschubst zu werden, ohne irgendwelche Erklärungen zu bekommen, und ich bin mir auch jetzt, nachdem ich das Buch zu Ende gelesen habe, nicht wirklich sicher, ob ich den Roman richtig verstehe. Dem Lesevergnügen tut dies allerdings keinen Abbruch. Man kann das Buch auf jeden Fall genießen, wenn man sich einfach mal fallen lässt und kein Problem damit hat, 5 gerade sein zu lassen.

In diesem Buch werden zwei Handlungen erzählt. Zum einen haben wir die Geschichte von Mikey, der als Ich-Erzähler fungiert. Der 17-Jährige steht kurz vor dem Highschool-Abschluss. Seine Tage verbringt er mit seinen Schwestern Mel und Meredith und seinen Freunden Jared und Henna. Auf die Eltern ist er eher nicht gut zu sprechen – die Familie ist schon ziemlich verkorkst. Aber das sieht wahrscheinlich die Mehrheit der Jugendlichen für sich ebenso. Seit ewigen Zeiten ist Mikey in Henna verliebt, doch traut er sich nicht, ihr dies zu sagen. Und Henna weiß auch gar nicht wirklich, was sie selbst eigentlich will. Jared ist ein wunderbarer Freund, wie man sich keinen besseren wünschen kann. Und auch Mel steht ihrem Bruder stets zur Seite, obwohl sie mit eigenen Problemen zu kämpfen hat.

Wären wir also bei den Problemen. Davon gibt es in diesem Jugendbuch reichlich. Mikey leidet unter einer Zwangsstörung, die ihm ziemlich zu schaffen macht. Auch Mel hat ein psychisches Problem. Jared hat eine besondere Gabe, aber auch er ist damit nicht ganz glücklich. Und Hennas Eltern haben Pläne mit ihrer Tochter, die dieser überhaupt nicht zusagen.

Daneben ereignen sich in der kleinen Stadt mysteriöse Dinge. Immer wieder tauchen blaue Lichter auf, Kinder kommen zu Tode. Die Clique um Mikey sieht mehr, als die Erwachsenen wahrnehmen, nämlich Vampire, Zombies oder Seelenesser, die die Menschen bedrohen. Dabei handelt es sich bei „Das Morgen ist immer schon jetzt“ eigentlich nicht um einen Fantasyroman. Stehen diese aggressiven Wesen also für etwas anderes? Zum Beispiel für die ganz alltäglichen Schrecken, die ein Jugendlicher auf seinem Weg zum Erwachsenen erlebt?

Der zweite Erzählstrang ist nun tatsächlich die Zusammenfassung eines Fantasyromans mit einem Prinzen und einer jahrtausendealten Liebe und Helden, die die Welt retten müssen. Am Anfang eines jeden Kapitels wird ein Stück dieser Fantasy erzählt. Und irgendwie ist diese Fantasygeschichte auch immer wieder mit Mikeys Geschichte verzahnt. Mikey, der gerne ein Held sein möchte, der Angst hat, dass er nicht gebraucht wird, der Angst hat, dass er seine Freunde mehr braucht als sie ihn.

Nicht nur Mikey, auch die anderen Charaktere haben mir sehr gut gefallen. Auch die weniger sympathischen Figuren konnte ich gut nachvollziehen. Sie wirken alle sehr authentisch und bis zu einem gewissen Grad absolut alltäglich. Genau solche Menschen kenne ich selbst auch. Mikey und seine Freunde entwickeln sich im Laufe des Romans, wachsen an den Herausforderungen des Alltags. Dies wird sehr schön dargestellt und macht Jugendlichen, die vor ähnlichen „normalen“ Problemen stehen, Mut, sich ihrem Leben und ihrer Zukunft zu stellen.

Mal davon abgesehen, dass ich teilweise von der Handlung verwirrt war und die Fantasygeschehnisse nicht einordnen konnte, fand ich dieses Buch großartig. Der Schreibstil des Autors ist einfach klasse. Er schafft damit eine wunderbar dichte Atmosphäre. Zwar ist der Hintergrund eher düster, doch trotzdem gelingt es Patrick Ness, mit seinem Roman Hoffnung zu verbreiten. Zwischen den Zeilen gibt es so vieles zu entdecken. Und für mich bleibt ein wundervolles Fazit:

Nicht jeder muss die Welt retten. Den meisten bleibt nichts anderes übrig, als ihr Leben zu leben, so gut sie eben können, Dinge zu tun, die ihnen wichtig sind, tolle Freunde zu haben, ein besseres Leben anzustreben und die Menschen um sie herum aufrichtig zu lieben. (S. 218)

Wir müssen nicht die Welt retten, um Helden zu sein. Wir alle sind die Helden unseres eigenen Lebens, und das ist spannend und überraschend genug!

Nicht so gelungen finde ich die Altersempfehlung des Verlags von 12 Jahren. Sicher sind Kinder und Jugendliche verschieden reif, aber die 12-Jährigen, die ich kenne, wären mit diesem Buch hoffnungslos überfordert. Ich würde es eher ab 14 Jahren empfehlen.

★★★★☆

Vielen Dank an den cbj Verlag und das Bloggerportal für das Rezensionsexemplar.