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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.07.2018

Ein tragisch schönes Buch!

Wenn wir wieder leben
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Als die unbeschwerte Wanda, Anfang der 60er Jahre in Berlin ihr Studium beginnt, macht sie sich keine Gedanken über die Vergangenheit. Doch als sie sich in den fanatischen und aufgeklärten Mitstudenten ...

Als die unbeschwerte Wanda, Anfang der 60er Jahre in Berlin ihr Studium beginnt, macht sie sich keine Gedanken über die Vergangenheit. Doch als sie sich in den fanatischen und aufgeklärten Mitstudenten Andras verliebt, beginnt sie sich zu fragen woher sie kommt und wer ihre Familie eigentlich war und ist. Die Frage lautet „Was habt ihr von 1933 bis 1945 getan?“ 
Ihre Mutter Matti und ihre Tante haben schon seither ein Geheimnis aus der Vergangenheit gemacht!? Wanda weiß nur sie wurde in Zoppot geboren, ein ehemals mondänes Seebad bei Danzig. 
Wanda beginnt Fragen zu stellen, stößt aber bei Matti auf eine Mauer des Schweigens…….

Das tragisch schöne Buch „Wenn wir wieder Leben“ von Charlotte Roth beginnt mit einer bedeutsamen Frage, die für die Studentin Wanda existentiell zu sein scheint. Sie ahnt aber nicht welche erschütternden Auswirkung ihre Nachforschungen mit ihrer Familie anrichten wird.
Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen. Während sich Anfang der 60er Jahre, die Tochter Wanda mit der Vergangenheit zu beschäftigen beginnt, erlebt der Leser auf der anderen Ebene die unbekümmerte Jugend eines jungen Mädchens namens Gundi Sonnenschein, die mit ihren Freunden von einer glänzenden Zukunft als Musikband träumt. Die vier Freunde begegnen sich im Sommerseebad Zoppot, ein bezaubernder Ort an der Ostsee, nahe der Ostseeperle Danzig.
Zu Beginn plätschert das Buch ein wenig dahin, bevor es dann Fahrt aufnimmt und immer rasantere Geheimnisse und Wendungen beschert. Der Spannungsbogen entwickelt sich zwar gemächlich, ist aber am Ende beinahe am Zerreißen gespannt! Man kann das Buch kaum mehr aus der Hand legen, bis man das Geheimnis entschlüsselt hat! Die Sprache ist poetisch geprägt, eindrucksvoll und angenehm zu lesen. Die deutsch-polnische Geschichte spielt im Buch eine Hauptrolle, in der auch das berühmt-tragische Schicksal des Kreuzfahrtschiffes „Wilhelm Gustloff“ zum Einsatz kommt.

Für mich eine unheimlich tragische aber auch schöne Geschichte über Träume und Realität. Erschreckend ist es zu sehen welche Auswirkungen der absehbare Krieg auf die Menschen hat und was er mit ihnen macht! Mit der deutsch-polnischen Vergangenheit und auch der Rolle Danzigs habe ich mich bisher noch nie näher beschäftigt, deshalb war der Roman für mich eine sehr interessante Angelegenheit.
Ein wundervolles Buch für historisch Interessierte, packend, faszinierend und dramatisch.

Veröffentlicht am 22.05.2018

Grandioser Thriller mit vielen Überraschungsmomenten

Der Kreidemann
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Der 12-jährige Eddie und seine vier Freunde erleben einen Sommer voller Abenteuer, davon aber auch viele besonders schreckliche und einprägsame Momente! Gruseliger Höhepunkt ist der Fund einer zerstückelten ...

Der 12-jährige Eddie und seine vier Freunde erleben einen Sommer voller Abenteuer, davon aber auch viele besonders schreckliche und einprägsame Momente! Gruseliger Höhepunkt ist der Fund einer zerstückelten Mädchenleiche, als sie den mysteriösen Kreidezeichen folgen, eigentlich ihre eigene Geheimsprache! Verdächtigt wird rasch ein neuer Lehrer im Ort, der sich auch prompt das Leben nimmt.

Doch 30 Jahre später flattert dem erwachsenen Ed Adams ein unheimlicher Brief ins Haus, darin ein Strichmännchen und ein Stück Kreide……

Die Geschichte von damals ist noch nicht vorbei!?



Der Thriller „Der Kreidemann“ von C.J. Tudor erzählt die Geschichte von Ed Adams in der ich-Perspektive und spielt auf zwei Zeitebenen. Die eine im Jahre 1986, als Eddie noch ein Jugendlicher ist und mit seiner Bande, 4 Jungs und ein Mädchen, die Gegend unsicher macht. Fünf Freunde, die auch oft mit ihrer Geheimsprache, den Kreidemännchen kommunizieren.

Die andere Zeitebene spielt 30 Jahre später, Ed ist erwachsen und als Englischlehrer an seiner alten Schule angestellt, als ihn die Vergangenheit wieder einholt und er feststellt, der Mörder ist noch irgendwo da draußen! Durch die vielen spannenden Rückblenden in Eddies Kindheit erfährt der Leser so nach und nach alle Ereignisse rund um das schöne ermordete Mädchen.

Die Sprache ist flüssig, die Ereignisse spannend, zahlreich und auch ein klein wenig gruselig!

Besonders die Protagonisten finde ich ganz großartig beschrieben, ihre Launen und Eigenheiten. Ed geht gern den Dingen auf den Grund, er hat die Vergangenheit nicht vergessen und auch all seine Freunde haben damit noch nicht abgeschlossen. Das macht die Sache aufregend denn irgendwie ist niemanden so recht zu trauen;)



Aufregender Pageturner, genau richtig für eine spannende Wochenendlektüre! Habe den Roman wirklich sehr genossen, er hat mich über das Pfingstwochenende ganz prächtig unterhalten.

Veröffentlicht am 03.05.2018

Ein poetisches Feuerwerk der Gefühle

Die Schönheit der Nacht
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Zwei Frauen auf der Suche
Fragen nach der Zukunft
Fragen nach verborgenen Sehnsüchten
Der Mut zum Selbst


Claire, eine starke selbstbewusste und angesehene Pariser Verhaltensbiologin steht plötzlich ...

Zwei Frauen auf der Suche
Fragen nach der Zukunft
Fragen nach verborgenen Sehnsüchten
Der Mut zum Selbst


Claire, eine starke selbstbewusste und angesehene Pariser Verhaltensbiologin steht plötzlich vor einem Scherbenhaufen ihrer Gefühle. Ihre Ehe funktioniert, aber ohne einen Funken Feuer darin, sie fühlt sich versteinert und ohne Lebensfreude! Doch da begegnet ihr die neunzehnjährige Julie, die neue Freundin ihres Sohnes und auch Julie ist auf der Suche und voller Lebenshunger……



In ihrem Roman „Die Schönheit der Nacht“ beschreibt die Autorin Nina George zwei völlig kontroverse Frauen. Claire, die Lebenserfahrene, aber verbittert und feststeckend in ihrem Lebenskorsett und Julie die junge Unerfahrene, voller Lebensangst. Beide sind voneinander fasziniert und in einem lebhaften Sommerszenario, vor der beeindruckenden Kulisse der Bretagne, voller Salz und Meer, lässt die Autorin ihren Figuren gefühlvoll tanzen!
Der sehr poetische und berührende Schreibstil voller Metaphern, lässt den Leser in Wörtern und Sätzen baden. Dazu kommt Claires abgeklärter Sarkasmus, der für genau den richtigen Witz sorgt, jedes Verhalten wird mit wissenschaftlich trockener Aufklärung auf den Punkt gebracht;) Das hat mir besonders gut gefallen!
Es ist kein einfaches und schnell zu lesendes Werk, sondern ist nachdenklich, philosophisch und voller Widersprüchlichkeit.
Das Ende ist voller Hoffnung, so wie es sein sollte….


Die geschmackvolle Aufmachung, das Coverbild, die Farben, die rauhe Rückseite und der geprägte Titel sprechen für sich. Welch eine geniale haptische Wahrnehmung, ein sinnliches Gefühl, dieses Buch in Händen zu halten!
Auch die Gedankensplitter auf den türkisblauen Innenseiten, ein Genuss.

Es war mein erster Roman der Autorin und ich fand es wirklich grandios dieses Buch zu lesen:)
Er macht Mut, zum ICH und für die Lust am/aufs Leben, auch wenn es manchmal nicht einfach ist, wie zum Beispiel das Schwimmen im offenen Meer.

Veröffentlicht am 02.04.2018

Herrlich pinker kleiner Geschichtenschatz, für gelungene Fluchtminuten aus dem Alltag

Kleine Fluchten
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Die Protagonisten der neun Kurzgeschichten sind allesamt Frauen, die mitten im Leben stehen, mit alltäglichen Sorgen und Problemen. Durch kleine Zufälle und ein wenig Glück löst die Autorin deren Wünsche ...

Die Protagonisten der neun Kurzgeschichten sind allesamt Frauen, die mitten im Leben stehen, mit alltäglichen Sorgen und Problemen. Durch kleine Zufälle und ein wenig Glück löst die Autorin deren Wünsche und sorgt dadurch auch beim Leser für kleine Erfolgserlebnisse, als wäre man Teil der Geschichte. Es gibt natürlich etwas zu Schmunzeln, aber auch ernste und nachdenklich stimmende Momente und auf gar keinen Fall Langeweile;) Über die einzelnen Geschichten verrate ich hier aber nichts, die muss frau schon selbst lesen!

Ein wunderhübsches kleines pinkes Büchlein, voller herrlicher Geschichten, hat die Autorin JoJo Moyes da für uns geschaffen. Schon allein die hübsche farbige Gestaltung des Covers und die liebevollen Illustrationen von Daniela Terrazzini im Inneren laden zum durchblättern ein:) Dazu die gefühlvollen, romantischen und herzergreifenden neun Short-Storys, die eine unterhaltsame Flucht aus dem Alltagstrott bieten. Deshalb finde ich den Titel der Story-Sammlung einfach großartig zum Buch passend.


Perfekt zum Lesen für Zwischendurch und zum Mitnehmen (das Büchlein ist so chic;) Hab ich schon erwähnt das es PINK ist:) richtig schön PINK!

Die Lektüre hat mir großen Spaß bereitet und ich bin mittlerweile ein richtiger Fan von Kurzgeschichten geworden und immer glücklich wenn sie so gelungen und berührend sind wie Diese!

Veröffentlicht am 23.03.2018

Amüsanter und sehr persönlicher Bericht aus den 80ern, als wir alle noch nicht online waren;)

Generation Kohl
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Der Autor Andreas Hock lässt in seinem Buch „Generation Kohl“ die Ära Kohl Revue passieren aus seiner ganz persönlichen Sichtweise. Hock ist Jahrgang 1974 und besuchte gerade die Grundschule als Helmut ...

Der Autor Andreas Hock lässt in seinem Buch „Generation Kohl“ die Ära Kohl Revue passieren aus seiner ganz persönlichen Sichtweise. Hock ist Jahrgang 1974 und besuchte gerade die Grundschule als Helmut Kohl 1982 Kanzler wurde. Er versucht anhand persönlicher Erlebnissen und Eindrücke aus seiner Jugend, die Politik Kohls in den 80er und 90er Jahren nachzuvollziehen, was ihn auf eine sehr amüsante und spannende Art und Weise gelungen ist.

Das Buch liest sich eigentlich gar nicht wie ein Sachbuch sondern ist eine Zeitreise zurück in eine analoge Welt und es wurde mir auf eindringliche Weise klar wie schnell sich die Welt allein in den vergangenen 15 Jahren gewandelt hat!

Als Kohl Kanzler wurde, war ich schon ein 15jähriger Teenager, schrieb Aufsätze über das Waldsterben, erinnere mich an einen langhaarigen Freund einer Kusine, mit seinem alten Kastenwagen und seinen „Atomkraft nein danke“ Aufkleber oder auch an die autofreien Sonntage!

Nun, ich bewundere jedenfalls die außerordentlich gute Erinnerung und die fleißige Recherche von Autor Hock sehr und habe seinen Ausflug in die „guten alten Zeiten“;) sehr genossen.

Dank des flüssigen Schreibstils und der interessanten Vergleiche mit unseren heutigen Probleme und unserer schnelllebigen und oft anstrengenden digitalen Zeit, hat sich das Buch fast von selbst gelesen und auch für manchen Lacher meinerseits gesorgt.

Ein klasse Buch, nicht nur für Nostalgiker unter uns, sondern auch für junge Menschen die wissen wollen wie ihre Eltern vor ca. 40 Jahren auch ohne Internet klarkamen;) und das es in Deutschland einmal eine Mauer gab, die Kohl sei dank nicht mehr existiert.

Absolute Leseempfehlung, ich fühlte mich wirklich sehr gut unterhalten:)