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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.03.2018

Szenen dreier Ehen

Mister Peanut
1


Inhalt:
David liebt seine Frau Alice irgendwie, und doch träumt er immer wieder ihren (gewaltsamen) Tod. Er schreibt sogar ein Buch darüber. Als Alice dann wirklich stirbt, steht David natürlich unter ...


Inhalt:
David liebt seine Frau Alice irgendwie, und doch träumt er immer wieder ihren (gewaltsamen) Tod. Er schreibt sogar ein Buch darüber. Als Alice dann wirklich stirbt, steht David natürlich unter Verdacht. Aber auch die ermittelnden Detectives Sheppard und Hastroll können ein Lied von den Tücken der Ehe singen.

Meine Meinung:
Sehr geschickt verwebt Adam Ross drei Handlungsstränge in seinem Debütroman. Darin seziert er drei Ehen, die von David und Alice Pepin, Sam und Marilyn Sheppard sowie Ward und Hannah Hastroll. Er nimmt damit auch Bezug auf den wahren Fall des Samuel Sheppard, der 1954 wegen Mordes an seiner Frau verurteilt wurde, später aber freigesprochen wurde.

Alle drei Ehen drehen sich im Kreis und treten auf der Stelle. Hier wird immer wieder passend M.C. Escher eingestreut, dessen verwirrende Bilder denen dieser Ehen gleichen. Bezeichnend auch, dass eine tragende Figur sich Möbius nennt. Akribisch beleuchtet Ross das Liebesleben der drei Paare, das immer wieder in Hass umzuschlagen droht. Er zeigt die Gleichgültigkeit, den Egoismus, die Verzweiflung der einzelnen Protagonisten. Er zeigt, dass sie nicht miteinander, aber auch nicht ohne den Partner leben können und wollen.

Abgesehen von einigen Längen, wo die Beschreibungen meiner Meinung nach zu sehr ausufern, konnte mich die Erzählung von Anfang bis Ende fesseln. Es fiel mir leicht, mich in die Charaktere hineinzuversetzen, auch wenn keiner von ihnen richtig sympathisch ist.

Fazit:
Ein Roman, der trotz aller Absurdität der Wirklichkeit ähnelt und sicher noch lange nachhallt.

★★★★☆

Veröffentlicht am 28.03.2018

Traurig, witzig und emotional, aber auch etwas kitschig

Für immer ist die längste Zeit
1

Inhalt:
Maddy ist vom Dach der Bibliothek gestürzt. Sie hinterlässt ihren Ehemann Brady und ihre sechzehnjährige Tochter Eve, die von dem Selbstmord wie vor den Kopf gestoßen sind und nach den Gründen ...

Inhalt:
Maddy ist vom Dach der Bibliothek gestürzt. Sie hinterlässt ihren Ehemann Brady und ihre sechzehnjährige Tochter Eve, die von dem Selbstmord wie vor den Kopf gestoßen sind und nach den Gründen suchen. Erst jetzt, wo Maddy fehlt, merken sie, was sie an ihr hatten …

Meine Meinung:
„Für immer ist die längste Zeit“ ist der Debütroman von Abby Fabiaschi und sehr locker zu lesen. Trotz des ernsten Themas ist der Roman auch mit Humor gespickt. Neben der Trauerbewältigung gibt es viele hoffnungsvolle Momente. Für die ein oder andere Leserin kann das Buch durchaus auch ein bisschen Trost bieten.

Abby Fabiaschi arbeitet mit verschiedenen Perspektiven. Regelmäßig wechselt sie zwischen Maddy (quasi als Geist), Eve und Brady. Das finde ich sehr gelungen, denn so erhält man einen guten Einblick in die drei Protagonisten und kann ihre Entwicklung sehr schön verfolgen. Und eine Entwicklung machen sie alle drei durch. Im Lauf der Zeit erfahren sie Dinge, die ihre Einstellung stark verändern. Eve und Brady wird zum Beispiel beim Lesen von Maddys Tagebuch immer klarer, dass sie Maddys Rolle in der Familie nie ausreichend gewürdigt haben. Erst jetzt, wo Maddy tot ist, verstehen sie, wie Maddy für sie gesorgt hat und dass sie Maddys eigene Bedürfnisse nicht gesehen haben.

Mir ist ein Unrecht geschehen, ich wurde betrogen um ein Geschenk, das vor meiner Nase lag, als ich zu egoistisch war, um es zu öffnen. (Eve bei 23% des E-Books)

Maddy lässt sich allerdings auch durch den Tod nicht davon abhalten, sich um ihre Familie zu kümmern. Sie kann zwar nicht physisch eingreifen, doch gelingt es ihr immer wieder, ihren Lieben Botschaften einzuflüstern oder ihnen ein Gefühl von Wärme zu schicken. Sehr witzig fand ich dabei, wie Maddy eine neue Frau für Brady und damit eine neue Mutter für Eve sucht. In der Grundschullehrerin Rory hat sie eine wunderbare, warmherzige Person gefunden, die für Maddys Zwecke optimal erscheint.

Eve und Brady haben nicht nur mit ihrer Trauer zu kämpfen, sondern auch mit Schuldgefühlen, steht doch ständig die Frage nach dem Warum im Raum. Zudem hatten sich die beiden mit Maddy in ihrer Mitte etwas entfremdet und müssen nun versuchen, wieder eine Familie zu werden und sich aufeinander einzulassen.

Dies alles wird von der Autorin sehr authentisch dargestellt und mit vielen Lebensweisheiten ausgeschmückt. Man kann auf jeden Fall auch selbst etwas nachdenklich werden und mal die eigene Familie unter die Lupe nehmen.

Im Mittelteil hätte etwas Spannung dem Roman gutgetan. Aber wenigstens sind am Schluss alle Fragen geklärt, sodass man das Buch zurfrieden zuklappen kann.

Veröffentlicht am 24.03.2018

Wahnsinn, wie viel man mit so wenigen Worten sagen kann

Nicu & Jess
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Gebundene Ausgabe: 300 Seiten
Verlag: Mixtvision; Auflage: 1 (27. Februar 2018)
ISBN-13: 978-3958541061
empfohlenes Alter: ab 14 Jahren
Originaltitel: We come apart
Preis: 16,90€
auch als E-Book erhältlich

Wahnsinn, ...

Gebundene Ausgabe: 300 Seiten
Verlag: Mixtvision; Auflage: 1 (27. Februar 2018)
ISBN-13: 978-3958541061
empfohlenes Alter: ab 14 Jahren
Originaltitel: We come apart
Preis: 16,90€
auch als E-Book erhältlich

Wahnsinn, wie viel man mit so wenigen Worten sagen kann

Inhalt:
Nicu ist mit seiner Familie von Rumänien nach London gekommen und hofft auf ein besseres Leben in seiner neuen Heimat. Doch seine Eltern haben andere Pläne für ihn.

Jess lebt mit ihrer Mutter und ihrem Stiefvater zusammen. Häusliche Gewalt ist ihr Alltag.

Die beiden so unterschiedlichen Jugendlichen fassen langsam Vertrauen zueinander und beschließen, ihrem Schicksal zu entkommen. Doch dann macht eine dumme Tat alles zunichte.

Meine Meinung:
Schon in „Eins“ konnte Sarah Crossan mich mit ihrem ganz besonderen Schreibstil begeistern. Und auch „Nicu & Jess“ ist wieder in Versform geschrieben. Dabei hat jedes Wort eine wichtige Bedeutung und die Stelle auf der Seite, an der das Wort steht, ist sorgfältig gewählt. Mit nur relativ wenigen Worten vermögen die Autoren dadurch wahnsinnig viel zu erzählen und auszudrücken. Die Zusammenarbeit von Sarah Crossan und Brian Conaghan ist absolut gut gelungen. Der Roman wirkt wie aus einem Guss.

Die einzelnen Kapitel sind nur wenige Zeilen bis wenige Seiten lang, wobei die Perspektive stets zwischen Nicu und Jess wechselt. Beide erzählen in der Ich-Form. Nicus Part fand ich anfangs recht anstrengend, weil er ziemlich gebrochen spricht. Aber er beherrscht die Sprache seiner neuen Heimat einfach noch nicht gut. Fast unmerklich wird die Grammatik im Lauf der Zeit etwas besser. Es wirkt auf jeden Fall sehr authentisch.

Nicu ist ein sehr lieber Junge, der sich anpassen und niemandem Kummer bereiten will. Doch seine Umwelt macht es ihm nicht leicht. Er wird gemobbt und verlacht, von Mitschülern wie auch von Lehrern. Mit den Plänen seiner Eltern ist er ganz und gar nicht einverstanden, aber er weiß nicht, wie er sie abwenden soll, ohne seinen Eltern wehzutun. Man muss ihn einfach mögen.

Auch wenn Jess nicht gerade ein Unschuldsengel ist, ist man als Leser doch auf ihrer Seite. Man kann sehr gut nachvollziehen, warum sie so handelt, wie sie handelt, und erkennt schnell, dass sie eigentlich ein gutes Herz hat. Doch dauert es einige Zeit, bis sie über ihren Schatten springen kann. Die Entwicklung beider Protagonisten war für mich logisch und gut verständlich.

Eigentlich war ich während des Lesens hellauf begeistert. Doch leider versetzte mir das relativ offene Ende einen kleinen Dämpfer. Viele Leser wird das sicher gar nicht stören. Aber ich mag dieses Offene einfach nicht.

Fazit:
Obwohl mir am Schluss etwas fehlte, haben mich Sarah Crossan und Brian Conaghan mit „Nicu & Jess“ überzeugen können. Mit relativ wenigen, zielsicher gesetzten Worten, erzählen sie eine intensive, tiefgründige Geschichte, die eine breite Palette von Themen aufgreift: erste Liebe, Zwangsheirat, Immigration, Fremdenhass, häusliche Gewalt und mehr.

★★★★☆

Veröffentlicht am 21.03.2018

Für junge Lesende recht nett

Mein Date mit den Sternen - Blaues Funkeln
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Broschiert: 282 Seiten

Verlag: cbj (19. März 2018)

ISBN-13: 978-3570165096

empfohlenes Alter: Ab 12 Jahren

Preis: 15,00€

auch als E-Book erhältlich



Für junge Lesende recht nett



Inhalt:

Als ...

Broschiert: 282 Seiten

Verlag: cbj (19. März 2018)

ISBN-13: 978-3570165096

empfohlenes Alter: Ab 12 Jahren

Preis: 15,00€

auch als E-Book erhältlich



Für junge Lesende recht nett



Inhalt:

Als Joss eines Tages eine mysteriöse Botschaft erreicht, wird ihr Leben und auch das ihres besten Freundes Maks auf den Kopf gestellt. „Du bist unsere Auserwählte Nr. 1.“ und „Finde die anderen Auserwählten.“, sagt eine Stimme zu ihr. Diese Sätze lassen Joss erst mal ziemlich ratlos zurück. Dass anscheinend auch noch Männer in schwarzen Anzügen Joss verfolgen, macht die Sache auch nicht besser. Und warum nur verändert sich Maks so plötzlich?



Meine Meinung:

Ich habe schon viele Bücher von Bettina Belitz gelesen und mochte sie alle recht gern. Auch „Mein Date mit den Sternen. Blaues Funkeln“ hat mir gut gefallen. Es ist eine fantasievolle Science-Fiction-Geschichte für junge Lesende ab ca. 12 Jahren, je nach Persönlichkeit aber eventuell auch schon ab 10 Jahren geeignet. Liebe bzw. Verliebtsein spielt noch keine allzu große Rolle in diesem 1. Band der Reihe.



Bettina Belitz erzählt sehr lebendig aus der Ich-Perspektive der vierzehnjährigen Joss. Die Protagonistin war mir gleich sympathisch und ich habe es genossen, an ihrer Seite durch die Ereignisse zu streifen. Joss und Maks gehen in dieselbe Klasse. Die beiden Außenseiter haben einen Zweckvertrag geschlossen. Sie verbringen die Pausen zusammen, um sich gegen die Angriffe ihrer Mitschüler zu schützen. Beide leiden an zig Allergien und Unverträglichkeiten, die ihnen das Leben zur Hölle machen. Diese Probleme werden eher humorvoll als tiefgründig behandelt, sodass man sich locker unterhalten lassen kann.



Der Schreibstil ist der Zielgruppe im Kindes- bzw. Jugendalter angepasst. Ich empfinde auch den Inhalt dieser Geschichte nicht als All age, sondern wirklich als für junge Lesende geschrieben. Diese werden aber sicher viel Freude beim Lesen haben, denn Joss muss man einfach gernhaben und die Geschichte ist so bizarr, dass sie einfach witzig zu lesen ist, auch wenn es natürlich immer einen ernsthaften Hintergrund gibt.



„Mein Date mit den Sternen“ ist ganz klar als Reihe angelegt, wovon der 1. Band „Blaues Funkeln“ für mich eher wie eine Einleitung war. Am Ende des Buches wird es nun so richtig interessant, aber leider müssen wir auf die Fortsetzung noch warten. Einige Seiten Leseprobe von „Rotes Leuchten“ können darüber nicht wirklich hinwegtrösten.



Die Reihe:

Blaues Funkeln

Rotes Leuchten



★★★★☆



Veröffentlicht am 20.03.2018

Die mysteriöse Geschichte eines Familienfotos

Zartbittertod
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Gebundene Ausgabe: 475 Seiten
Verlag: cbj (19. März 2018)
ISBN-13: 978-3570165133
empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren
Preis: 18,00€
auch als E-Book und als Hörbuch erhältlich

Die mysteriöse Geschichte eines ...

Gebundene Ausgabe: 475 Seiten
Verlag: cbj (19. März 2018)
ISBN-13: 978-3570165133
empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren
Preis: 18,00€
auch als E-Book und als Hörbuch erhältlich

Die mysteriöse Geschichte eines Familienfotos

Inhalt:
Mias Eltern haben eine kleine Chocolaterie in Meißen - wie bereits ihr Urgroßvater Jakob. In dem Geschäft hängt ein Foto, das den jungen Jakob und seinen Lehrherrn mit einem lebensgroßen Schokoladennashorn zeigt. Für die Aufnahmeprüfung an einer Journalistenschule versucht Mia, die Geschichte des Familienfotos zu recherchieren. Sie fährt nach Lüneburg, um mit den Nachkommen von Gottlob Herder zu sprechen, mit dem Jakob vor über hundert Jahren aus Deutsch-Südwestafrika ins Deutsche Reich gekommen ist. Die genauen Umstände sind Mias Familie unbekannt, und ganz offensichtlich hat irgendjemand ein Interesse daran, dass sie nicht ans Licht kommen. Mias Recherchen bringen sie in große Gefahr.

Meine Meinung:
Elisabeth Herrmann hat ein unrühmliches Kapitel deutscher Kolonialgeschichte aufgegriffen. Genau wie Mia habe auch ich in der Schule nur wenig darüber gehört. Der Völkermord an den Herero findet im Lehrplan üblicherweise nicht viel Platz. Umso mehr freut es mich, dass die Autorin dieses Geschehen nicht totschweigt, sondern den Lesenden nahebringt, wohin Nationalismus und Rassenhass führen können.

Die Handlung kommt ein klein wenig zögerlich in Gang. Anfangs passiert noch nichts allzu Aufregendes. Doch je mehr Mia herausfindet und je mehr Menschen sie kennenlernt, die irgendwie in ihre Familiengeschichte verwickelt sind, desto mehr konnte die Erzählung mich fesseln. Bald schon gibt es einen Toten und es bleibt nicht bei dem einen. Im Hause Herder ist man über Mias Auftauchen nicht nur erfreut. Während der junge Will versucht, Mia zu unterstützen, schlägt ihr von Seiten seiner Eltern nichts als Ablehnung entgegen. Hier erweist Mia sich als toughe junge Frau, die sich nicht so leicht einschüchtern lässt. Und auch wenn sie nicht gerade heldenhaft agiert, nimmt Mia doch ihren ganzen Mut zusammen, wenn es darauf ankommt. Sie ist eine sehr menschliche und sympathische Protagonistin, mit der man sich gut identifizieren kann.

Je weiter die Handlung fortschreitet, umso spannender wird sie auch. In der zweiten Hälfte konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen, weil ich nun unbedingt wissen musste, wer hinter allem steckt und vor allem, welches Interesse derjenige hat. Elisabeth Herrmann führt die Lesenden immer wieder auf eine falsche Spur und konnte mich am Ende wirklich überraschen.

Fazit:
Mit „Zartbittertod“ hat Elisabeth Herrmann wieder mal ein sehr lesenswertes Jugendbuch geschrieben, das eine dunkle Seite der deutschen Geschichte mit einer fesselnden Handlung verbindet. Die Spannung dürfte allerdings gerne schon von Anfang an ein wenig höher sein. Da die Todesfälle nicht allzu blutig beschrieben werden, ist das Buch auch schon für junge Leser ab ca. 14 Jahren geeignet.

★★★★☆

Herzlichen Dank an den cbj Verlag und das Bloggerportal, die mir freundlicherweise ein Rezensionsexemplar zuschickten.