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Veröffentlicht am 14.04.2018

Macht Lust auf mehr Meer

Das Meer in deinem Namen
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Zum Inhalt: Die liebenswerte Carly steckt voller Ängste vor dem Tod und dem Meer und in einer unglücklichen Liebe zu ihrem Professor. Er bittet sie, das von seiner Cousine Henny geerbte Reetdachhaus vor ...

Zum Inhalt: Die liebenswerte Carly steckt voller Ängste vor dem Tod und dem Meer und in einer unglücklichen Liebe zu ihrem Professor. Er bittet sie, das von seiner Cousine Henny geerbte Reetdachhaus vor dessen Verkauf in 4 Wochen zu entrümpeln. Carly muss sich nicht nur ihren Ängsten stellen sondern auch feststellen, dass das Haus am Meer ihr immer mehr bedeutet.



Schon das Cover macht Appetit auf mehr und versetzt in Urlaubsstimmung.

Zwei parallel verlaufende Lesestränge erzählen zum einen die Gegenwart von Carly, zum anderen das Leben von Henny seit den frühen 50ern bis zu ihrem Tod. Der Wechsel zwischen beiden Lebensläufen gibt der Geschichte eine gewisse Würze, da immer wieder neue Fragen auftauchen, die sich etwas später wie von selbst erklären und alle Geheimnisse früher oder später gelüftet werden.

Die Autorin beschreibt die verschiedenen Charaktere so lebendig, das man bei manchen das Gefühl hat, man kennt sie schon ewig. Überhaupt lebt dieses Buch von den detaillierten liebevollen Beschreibungen; wunderschön sind auch die Rezepte von Gerichten und Getränken, die in der Geschichte vorkommen.

Die Geschichte beinhaltet eine geballte Ansammlung von Emotionen, denen sich Carly auf ihrer Suche nach ihrem richtigen Platz im Leben stellen muss. Um die Antwort auf ihre Fragen "Wer bin ich, wo sind meine Wurzeln und was will ich vom Leben?" zu erhalten muss sie sich ihren tief sitzenden Ängsten stellen, ihre Vergangenheit an die Oberfläche zerren und auch ihre Liebe infrage stellen. Doch auch Freude, Freundschaft, Glück und natürlich wieder die Liebe kommen dabei nicht zu kurz. Wenn man sich erst einmal mit Carly auf die Reise begeben hat kann man sich der Anziehungskraft dieses Buches nicht mehr entziehen. Es entfaltet eine eigene "Magie" und man hat das Gefühl dabei zu sein und den gesamten Gefühlskatalog mit zu durchleben, wobei auch die leisen Töne nicht zu kurz kommen. Die malerische Darstellung der Landschaft und des Hauses tut ein Übriges - wer ganz genau hinhört, kann das Rauschen des Meeres, das Knirschen des Sandes und das Flüstern des Windes in den Bäumen hören ...

Das Meer in deinem Namen - ein must have nicht nur für den Sommer -

Veröffentlicht am 13.04.2018

Taxifahrt ins Glück

Der Tag, an dem Lotto-Klara in mein Taxi stieg
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Zum Inhalt: Klara opfert sich für Mann und Kinder auf, von denen sie wie ein Dienstmädchen behandelt wird. Das Verlegenheitsgeschenk ihres Sohnes zum 60. Geburtstag, ein Rubbellos, erweist sich als Millionengewinn, ...

Zum Inhalt: Klara opfert sich für Mann und Kinder auf, von denen sie wie ein Dienstmädchen behandelt wird. Das Verlegenheitsgeschenk ihres Sohnes zum 60. Geburtstag, ein Rubbellos, erweist sich als Millionengewinn, den die egoistische Familie gleich komplett für sich vereinnahmt ohne auch nur ansatzweise an Klaras Wünsche zu denken. Für Klara ist jetzt das Maß voll und sie flüchtet mitsamt Geldkoffer. Dabei gerät sie an den Taxifahrer Alvaro, der gerade den Camaro seines Chefs spazierenfahren darf. Aufgrund widriger Umstände fällt die Fahrt mit Bahn oder Flugzeug aus und Alvaro befindet sich auf den Weg zu einem Frühstück auf den Champs-Elysees in Paris. Doch die Verfolger lassen nicht lange auf sich warten...



Florian Herb hat einen humorvollen und unterhaltsamen Roman geschrieben, der einerseits gespickt ist mit Situationskomik, andererseits aber auch viel Raum zum Nachdenken lässt. Auf ihrer gemeinsamen Reise in den Süden wachsen die beiden Protagonisten zu einem "dreamteam" zusammen, lernen voneinander und finden am Ende zu sich selbst, in dem sie sich und ihre ureigenen Wünsche erkennen. Insbesondere Klara mausert sich nach und nach vom verhuschten scheuen Mäuschen zu einer mutigen und selbstbewussten Seniorin im besten Alter, die selbst Entscheidungen mit allen Konsequenzen trifft und offen für Neues ist - auch für eine neue Liebe.

Unter den Nebendarstellern finden sich auch einige skurrile Typen wie Kerstin, Alvaros vollbärtige Transenfreundin, Cemal, überarbeiteter Taxenchef und berlinernder Türke mit großem Herz und Familiensinn oder Klaras Stasi-Nachbar mit Handyortungskenntnissen, die auch für den ein oder anderen Schmunzler gut sind.

Der Autor versteht es geschickt, die Beschreibung der Reiseroute so in die Handlung einfließen zu lassen, dass man als Leserin das Gefühl hat, auf dem Taxirücksitz die Landschaft an sich vorbeiziehen zu lassen und mitzufahren. Wunderschön ist auch die Idee, jedes Ziel mit einem darauf abgestimmten Lied zu versehen.

Als Abrundung gibt es sogar ein großes und einige kleinere Happy-Ends.

Dies ist vor allem die perfekte Sommerlektüre für alle, die nicht in Urlaub fahren können. Das Cover allein strahlt ja schon Urlaubsfreude pur aus und die Geschichte nimmt den/die Leser
in dann mit in den Süden - und hier macht das Lesen einfach nur Spaß.

Veröffentlicht am 11.04.2018

Ein spannender Thriller

18 - Zahlen des Todes
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Inhaltsangabe zu „18 - Zahlen des Todes“ von Mia Winter

Flirrende Augusthitze quält Düsseldorf seit Wochen. Da wird ein Toter in einem Rosengarten entdeckt – grotesk in Szene gesetzt. Einen Tag später ...


Inhaltsangabe zu „18 - Zahlen des Todes“ von Mia Winter

Flirrende Augusthitze quält Düsseldorf seit Wochen. Da wird ein Toter in einem Rosengarten entdeckt – grotesk in Szene gesetzt. Einen Tag später findet die Kölner Polizei eine ähnlich inszenierte Leiche in ihrer Marina. Das Spezialisten-Team vom LKA um Leana Meister ist mit hochmoderner Ermittlungstechnik ausgestattet und erstellt ein Profil: Die Mörderin agiert kühl, schnell und geplant. Weitere Morde vollstreckt sie in aller Öffentlichkeit mit solch ruhiger Gelassenheit, dass Leana Meister ahnt: Diese Frau hat nichts mehr zu verlieren. Es folgt der Wettkampf zweier hochintelligenter Frauen, denen das Leben alles abverlangt und die versuchen, ihr Glück und ihren Frieden zu finden. Die Zahl 18 ist der Schlüssel zu beider Leben…


Leana Meister ist als Wunschkandidatin des Abteilungsleiters aus Südafrika an die Spezialeinheit versetzt worden.

Kaum gelandet wird sie schon mit dem ersten einer Reihe von außergewöhnlich arrangierten Mordopfern konfrontiert, die Schlag auf Schlag auch in anderen Städten entdeckt werden. Mehr hierzu möchte ich nicht verraten. Mia Winter versteht es aber immer wieder neue Spannungsspitzen aufzubauen und Puzzleteilchen zu streuen, die zusammengesetzt wiederum neue Informationen ergeben, so dass der Spannungsbogen nie ganz abflaut.



Leana Meister ist ein sehr spezieller Charakter, der aber trotzdem sympathisch wirkt. Sie hat aufgrund immenser psychischer berufsbedingter Probleme, die sich auch im familiären Umfeld gravierend ausgewirkt haben, den neuen Job angenommen. Sie ist eine begnadete Profilerin, die es meisterhaft versteht, sich in die Täter hineinzuversetzen. Bei ihrer Ermittlungsarbeit kennt sie keine Grenzen und geht psychisch und auch physisch oft bis zum Äußersten. Sie ist eher Einzelgängerin als Teamplayerin und muss ihre Führungsrolle erst annehmen.

Ihr gegenüber steht Natalia, der der Chefsessel eigentlich zugesagt war. Zunächst lässt sie auch keine Gelegenheit ungenutzt, um die neue Chefin auflaufen zu lassen. Letztendlich finden beide aber einen akzeptablen Umgang miteinander, da sie ihre speziellen Fähigkeiten gegenseitig schätzen lernen.

Auch die anderen Teammitglieder sind alle Spezialisten ihres Fachgebiets, die sich untereinander aber hervorragend ergänzen und so Spitzenleistungen erbringen können.

Gut gefallen hat mir auch, dass neben den Morden und der Ermittlungsarbeit auch noch Raum für einige private Eindrücke aller Beteiligter geblieben ist. Den einen oder anderen vorschnell gefassten Eindruck habe ich dann doch noch einmal überdenken müssen.

Alles in allem ein Thriller, den man nur schwer wieder aus der Hand legen kann. Bitte noch viel mehr davon!




Veröffentlicht am 10.04.2018

Überlebenswege zweier Schwestern im 2. Weltkrieg

Die Nachtigall
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Inhalt: Zwei Schwestern im von den Deutschen besetzten Frankreich: Während Vianne ums Überleben ihrer Familie kämpft, schließt sich die jüngere Isabelle der Resistance an und sucht die Freiheit auf dem ...



Inhalt: Zwei Schwestern im von den Deutschen besetzten Frankreich: Während Vianne ums Überleben ihrer Familie kämpft, schließt sich die jüngere Isabelle der Resistance an und sucht die Freiheit auf dem Pfad der Nachtigall, einem geheimen Fluchtweg über die Pyrenäen. Doch wie weit darf man gehen, um zu überleben? Und wie kann man die schützen, die man liebt?

Im Amerika der Gegenwart "stolpert" eine alte Dame beim Ausräumen ihres Hauses über einen längst vergessenen Koffer voller Andenken und erzählt ihrem Sohn die bisher auch ihm unbekannte Geschichte der Schwestern Vianne und Isabelle in Frankreich z. Zt. des 2. Weltkriegs. Dieser gelungene Einstieg macht bereits neugierig, wer sich hinter der alten Dame verbirgt.

Durch den Roman ziehen sich dann abwechselnd die Handlungsstränge der Gegenwart in Ich-form sowie die Schilderungen der Vergangenheit beginnend im August 1939 bis zum Kriegsende 1945.

Die Protagonistinnen sind sehr unterschiedliche Charaktere. Vianne ist auch Überzeugung Hausfrau und Mutter; ihr geht ihre Familie über alles und ist ihr Lebensinhalt. Sie ist zunächst davon überzeugt, dass der Krieg nur ein kurzes Intermezzo sein wird. Ihre heile Welt bekommt die ersten Risse, als ihr Mann Antoine eingezogen wird und sie allein zurechtkommen muss, was sie zunächst völlig überfordert. Sie muss sich im Laufe der Zeit mit Lebensmittelknappheit, Einquartierung von Nazis, den täglichen Schikanen der Zivilbevölkerung, Denunzierungen und der Deportation der Juden - auch in ihrem engsten Freundeskreis - und noch viel Schlimmeren Demütigungen auseinandersetzen. Dabei steht der Schutz ihrer Tochter immer an erster Stelle, auch wenn sie dabei immer öfter in Gewissenskonflikte über ihr Handeln gerät.

Isabelle dagegen lässt sich keine Vorschriften machen und begehrt gegen alles auf, was sie einengt. Sie sagt, was sie denkt, oft auch ohne vorher über mögliche Konsequenzen nachzudenken und schließt sich nach kurzer Zeit der Resistance an, zunächst als Verteilerin von Flugblättern vor Ort, später als "Briefkasten" in Paris.

Ohne zu viel vom weiteren Inhalt zu verraten - beide Frauen versuchen, ihr Überleben im Krieg zu meistern, jede auf ihre Weise. Die Erlebnisse, die sie dabei durchlaufen, sind sehr spannend und realitätsnach beschrieben; sei es auf Seiten der französischen Zivilbevölkerung oder auf Seiten des Widerstande - gekämpft wurde auf jeden Fall auf beiden Seiten. Die Geschichte ist voller bewegender und aufwühlender Situationen. Es gibt viele Informationen über das Leben im besetzten Frankreich sowie über die Deportation der französischen Juden. Fasziniert haben mich beide "Lebenswege", gerade auch wegen ihrer Unterschiedlichkeit - und vor allem die Darstellung, wie Vianne und Isabelle sich dabei entwickelt haben, gereift sind und Großartiges geleistet haben.

In diesem Roman liegen Verzweiflung, Angst, Liebe, Freude und Hoffnung sehr nah beieinander; es ist eine Geschichte, die aber auch trotz aller schrecklicher Vorkommnisse Mut macht.

Lange hat mich ein Roman nicht mehr so bewegt und mitgenommen wie diese Geschichte. Ich habe mitgelacht, mitgelitten und mitgeweint und mir ist wieder bewusst geworden, wie dankbar ich für das Leben bin, das ich heute leben darf - fernab von Krieg, Verfolgung und den schrecklichen Begleitumständen.



Mein Fazit:

Eine beeindruckende Geschichte und für mich das beste Buch, das ich in diesem Jahr gelesen habe.


Veröffentlicht am 09.04.2018

Lesegenuss über starke Frauen

Die Oleanderfrauen
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"Irgendwie ist es seltsam: Einerseits muss ich wissen, wie es ausgeht, und gleichzeitig habe ich große Angst davor. Weil dann ja alles vorbei ist." (Seite 357, 2. Absatz)

Genau so ist es mir gegangen. ...

"Irgendwie ist es seltsam: Einerseits muss ich wissen, wie es ausgeht, und gleichzeitig habe ich große Angst davor. Weil dann ja alles vorbei ist." (Seite 357, 2. Absatz)

Genau so ist es mir gegangen. Geflutet von Emotionen nachdem sich alle noch offenen Fragen gelöst hatten und mit einem riesigen „wow-Gefühl“ im Bauch über diese berührende und mitreißende Geschichte, aber zuklappen mochte ich das Buch einfach noch nicht...

Aber der Reihe nach:

Der Prolog war bereits ein gelungener Einstieg in das Buch, der bei mir nicht nur einen Kloß im Hals zurückgelassen sondern auch Neugierde geweckt und viele Fragen aufgeworfen hat. Und im Laufe der Handlung spielt er noch eine große Rolle.

Die Geschichte gliedert sich in 2 Handlungsstränge, die beide in Hamburg spielen: der erste Mitte der 30-er Jahre, der zweite in der Gegenwart.

Im Hamburg der Vorkriegszeit lernen wir die junge Sophie kennen, die als Tochter eines Kaffeebarons das privilegierte Leben in einer Villa mit allen seinen Vorzügen genießt. Aus der Kinderfreundschaft zu Hannes, dem Sohn der Köchin, entwickelt sich eine große Liebe, die nicht ohne Folgen bleibt. Der Standesdünkel ist dabei das kleinste Problem des jungen Paares, denn es gibt ein dunkles Familiengeheimnis, das nun offenbart werden muss.

In der Gegenwart kämpft die chaotische Jule, Cafebetreiberin mit Leidenschaft und dem Herz am rechten Fleck, mit finanziellen Problemen. Da sie auch Spaß am Schreiben und historischer Recherche hat verfasst sie nebenbei noch unter dem Motto „Ich schreib dir dein Leben“ Biografien.

Einen solchen Auftrag erhält sie von Johanna, einer liebenswerten älteren Dame, die ihr einen Dachbodenfund aus dem Haus ihrer Mutter übergibt. An dieser Stelle gelingt es Teresa Simon auf raffinierte Weise beide Handlungsstränge zu verbinden, handelt es sich bei dem Gegenstand doch um Sophies Tagebuch. Mit einem fesselnden Schreibstil gelingt es der Autorin, den Spannungsbogen konstant hoch zu halten. Die Handlung bleibt dabei immer lebendig, die Personen sind authentisch; Teresa Simon versteht es meisterhaft, Spuren zu legen, streut dezent Hinweise, die immer wieder das Kopfkino in Gang setzen, verrät aber dabei nie zu viel. Als Leserin sind meine Gefühle Achterbahn gefahren;, ich habe mich mit gefreut, aber genauso mit gelitten.

Bisher haben mir in ähnlichen Büchern immer die Handlungsstränge in der Vergangenheit besser gefallen. In diesem Roman ist eine Trennung gar nicht möglich, da der eine nicht ohne den anderen bestehen kann, und das hat mir auch sehr gut gefallen.

Gleich zu Beginn des Jahres an so ein Lesehighlight zu gelangen, ist ein echter Glücksgriff und die Latte für alle Bücher, die ich noch lesen werde, hängt jetzt sehr hoch.

Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung für dieses Buch und 5 Sterne (mehr gibt es leider nicht zu vergeben)