Sarahs Lied
Sarahs Lied"Selbst etwas, das zerbrochen ist, kann von einem Künstler in etwas verwandelt werden, das schöner ist als das Original"
Zwei Schwestern, die den Abschluss eines Studiums feiern möchten. Ein Auto, das ...
"Selbst etwas, das zerbrochen ist, kann von einem Künstler in etwas verwandelt werden, das schöner ist als das Original"
Zwei Schwestern, die den Abschluss eines Studiums feiern möchten. Ein Auto, das bei Rot über die Kreuzung fährt und jenes der beiden Schwestern rammt. Die zerstörte Zukunft einer hoffnungsvollen jungen Frau, die nach diesem schweren Unfall im Krankenhaus einem Mehrfachtrauma erliegt. Und ein Lied, das die Sterbende im Krankenwagen summt, und das von nun an für ihre Schwester stets präsent ist.
Im Grunde handelt es sich beim Einstieg in das Buch von Sheila Walsh um eine schreckliche Tragödie, deren Ausmaße der überlebenden Schwester erst nach und nach bewusst werden. Die dreißigjährige Ann Fletcher, von ihrer jüngeren Schwester Sarah stets liebevoll „Annie“ genannt, nimmt sich von ihrem anspruchsvollen Job als Designerin für eine Homestaging-Agentur ein paar Tage Auszeit, um mit der frisch gebackenen Diplom-Sozialpädagogin Sarah in Charleston zu feiern. Und innerhalb von Sekunden zerbricht Annies Welt in tausend Stücke.
Die Autorin erzählt in diesem Roman die berührende Geschichte einer Frau, die nach außen Selbstsicherheit und kühle Professionalität ausstrahlt, sich jedoch selber verloren hat, orientierungslos und innerlich zerbrochen ist. Sie erzählt von Menschen, die dieser jungen Frau unermüdlich und beharrlich zur Seite stehen, die hinter ihre Fassade blicken und sie um ihrer selbst willen mögen. Und sie erzählt vom langen Weg Annies, diese Freundschaften annehmen zu können.
Die handelnden Personen dieses Buches wirken sehr authentisch, wobei ich ganz besonders von Tammy Littons Sohn Kenny, dem Jungen mit einem Herzen voller Liebe, eingenommen war. Ein kleiner Junge mit dem Down-Syndrom, der immer wieder „Sarahs Lied“ summt und beharrlich behauptet, Engel zu sehen. Ich empfand es als wundervolles Leseerlebnis, den Weg der Annie Fletcher ein kleines Stück mit verfolgen zu dürfen, ihre behutsamen Veränderungen zu erleben.
Was mich an diesem Buch ganz besonders beeindruckt hat, war die christliche Botschaft, der Glaube an Gott, dem hier viel Raum gegeben wurde. „Sarahs Lied“ hat mich zutiefst bewegt, und ich möchte abschließend ein Zitat aus dem Buch anführen, das mich am meisten berührte:
„Erst in diesem Moment begriff Ann, was für ein unglaubliches Geschenk Gott ihr gemacht hatte. Sie durfte hören, was die meisten Menschen – mit Ausnahme ihrer sterbenden Schwester und diesem unglaublichen Junge mit Downsyndrom – nicht hören konnten. Das Lied seiner Engel. Den Klang seiner Gegenwart, selbst wenn niemand sonst im Raum ihn hörte, spürte oder auch nur erahnte. Gott war da. Jetzt. Immer.“