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Veröffentlicht am 16.04.2018

Auf Twitter und Skype wird man mich nie finden. Wer mit mir reden muss, weiß, wo ich wohne

Happy, happy, happy
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„Auf Twitter und Skype wird man mich nie finden. Wer mit mir reden muss, weiß, wo ich wohne“

Der 66jährige Phil Alexander Robertson erzählt dem Leser in insgesamt vierzehn Kapiteln, die er als „Regel ...

„Auf Twitter und Skype wird man mich nie finden. Wer mit mir reden muss, weiß, wo ich wohne“

Der 66jährige Phil Alexander Robertson erzählt dem Leser in insgesamt vierzehn Kapiteln, die er als „Regel Nr. 1 – 14“ bezeichnet, die Geschichte seines Familienunternehmens „Duck Commanders“. Aufgewachsen in einer kleinen Hütte mit seinen Eltern und sechs Geschwistern lernte er schon sehr früh Armut, Hunger und Kälte kennen. Die Mitglieder der Familie Robertson waren Selbstversorger, und auch den Kindern wurde dies bereits in jungen Jahren beigebracht. Die Kindheit von Phil Robertson war von großem Familienzusammenhalt geprägt. Die Geschwister mussten hart arbeiten, hatten aber auch viel Spaß miteinander. Phils Jugend prägte den Jungen, dessen größte Leidenschaft es stets war, zu Jagen und zu Fischen und der am glücklichsten war, wenn er sich in den Wäldern, auf den Seen und Flüssen aufhalten konnte. In diesem Buch lässt er seine Vergangenheit Revue passieren, erzählt von den Werten in seinem Leben, seiner Hochzeit mit Kay und seinen vier Söhnen Alan, Jason, Willie und Jeptha. Der Gründer des Familienunternehmens „Duck Commander“ erreichte sein Ziel durch harte Arbeit, Teamwork und schrieb sein Gelingen vor allem auch Gottes Segen zu. Robertson führte seine Firma mit den notwendigen Mitteln, Entschlossenheit und Arbeitsmoral, und wollte nie mehr, als seine Familie zu versorgen.

Der Autor gibt seinen Lesern einen kleinen Überblick über die verschiedenen Entenarten und deren Aussehen sowie den vielen Regeln und Vorschriften, die die amerikanische Regierung den Entenjägern auferlegt. Seine Idee, den Pfeiflaut einer Ente nachzumachen, veranlasste ihn zusammen mit seinen Söhnen dazu, Lockpfeifen für verschiedene Enten zu produzieren. Durch seine „Duck-Commander-Lockpfeifen“ aus Zedern- und Walnussstämmen wurde „Duck Commander“ rasch zu einer Marke, und der Umsatz stieg von Jahr zu Jahr. Im Laufe der Zeit kamen zu den Lockpfeifen auch noch „Duckmen-Jagdfilme“ dazu, die ebenfalls von der Familie produziert wurden.

In direkten und offenen Worten erzählt Robertson auch freimütig von den Problemen in seiner Familie und schreibt von Alkohol- und Drogensucht, Geschwisterrivalität, Armut und Verzweiflung. Was diese Familie jedoch auszeichnet, ist ihre bedingungslose Liebe zueinander und ihr Glaube an Gott. Und so wundert es dann auch nicht, dass sich Phil nach einigen exzessiven Jahren besinnt, im Alter von 28 Jahren seine wilde Zeit hinter sich lässt, und zum Glauben zurück findet.

Man vermutet als Leser angesichts des langen Bartes und des eigentümlichen Outfits von Phil Robertson kaum, dass er nach seinem College-Abschluss Pädagogik studierte und mit einem Bachelor und Master abschloss. Als Phil sich in seinen Collegejahren gegen eine professionelle Football-Karriere entschied, hielten ihn alle für verrückt. Vierzig Jahre später bezeichnen sie den Mann, der „Duck Commander“ gegründet hat, als Genie.

Phil Robertson hat sich mittlerweile zwar bereits aus dem Unternehmen zurückgezogen und es in die fähigen Hände seines Sohnes Willie gelegt, aber abgesehen von dessen Gründer arbeitet die ganze Familie Robertson bei „Duck Commander“. Ihr Glaube war stets der Anker in ihrem Leben, und sowohl Alan, als auch Chase und Willie sind heute ordinierte Geistliche und geben an, gemeinsam mit ihrem Vater Phil bereits tausende Menschen zum Glauben geführt zu haben.

Gleich zu Beginn dieses Buches war ich fasziniert und tief beeindruckt von der Schilderung des Lebens, das die Familie Robertson führte, wie einfallsreich und erfinderisch sie waren, um Nahrung zu finden und Geld für ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Und ich war erstaunt, wie glücklich ihre Kindheit trotz ihres Mangels an jeglichem Luxus verlief, wie zufrieden und ausgeglichen sie waren. Der flüssige und teils humorvoll-lockere Schreibstil kann jedoch nicht über die Schwierigkeiten und Schattenseiten hinweg täuschen, die sie durch ihren Zusammenhalt gemeinsam überwunden hatten. Phil und Kay haben alles für ihre Familie getan und ihre Träume wahr werden lassen. Und Phil hat es seinen Lesern ermöglicht, ein klein wenig in seine Welt einzutauchen und vom Alltag und Werdegang der „Duck Dynasty“ zu erfahren. Ein sehr interessantes Buch über eine Lebensweise, die sich viele in der heutigen Zeit nicht einmal annähernd mehr vorstellen können.

Veröffentlicht am 16.04.2018

Ein sehr schöner Abschluss der Trilogie um die Brüder Novak

Das Strahlen des Himmels
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Ein sehr schöner Abschluss der Trilogie um die Brüder Novak

Schauplatz dieses Romans aus der Feder Sarah Sundins ist die Kleinstadt Antioch im Sacramento River Delta in Kalifornien. Die 22jährige Helen ...

Ein sehr schöner Abschluss der Trilogie um die Brüder Novak

Schauplatz dieses Romans aus der Feder Sarah Sundins ist die Kleinstadt Antioch im Sacramento River Delta in Kalifornien. Die 22jährige Helen wurde nur knappe drei Jahre nach der Hochzeit mit Jim Carlisle zur Kriegswitwe, und ihr Ehemann dadurch zum Helden der Kleinstadt. Dem äußeren Anschein nach ist die Mutter eines kleinen Sohnes in tiefer Trauer. Helen lebt mietfrei im Haus ihrer Schwiegereltern und hilft stundenweise in deren Boutique aus. Ihr Organisationstalent und ihre Energie stellt die hilfsbereite und tatkräftige Witwe leidenschaftlich gerne für diverse karitative Aktivitäten zur Verfügung, ihr sonniges Wesen und ihre große Liebe zu ihrem kleinen Jay-Jay wecken nicht nur die Sympathie der weiblichen Bewohner von Antioch. Victor Llewellyn, der bereits lange Jahre in die attraktive Frau mit den goldgesprenkelten Augen und den blonden Locken verliebt ist, versucht nach Ende der Trauerzeit, sie für sich zu gewinnen. Als Verbindungsoffizier der Navy Port Chicago mit abgeschlossenem Jurastudium möchte er Helen und ihrem Sohn ein Zuhause geben und fleht sie mehrfach an, seinen Heiratsantrag anzunehmen. Doch dann trifft Helen unvermutet auf den 31jährige Offizier Lieutenant Raymond Novak, in den sie in Kindertagen verliebt war. Rays Traum, Pastor zu werden, wurde durch seinen Job als Fluglehrer bei der Army Air Force auf Eis gelegt, und auch privat scheint er kein Glück mit Frauen zu haben. Der fürsorgliche und starke Raymond fühlt sich ebenfalls zu Helen hingezogen und sieht in ihr die ideale Pastorenfrau. Doch ein dunkles Geheimnis droht Helens Glück zu zerstören, und als Raymond in den Krieg zieht, überstürzen sich die Ereignisse.

In diesem Roman wird die tragische Geschichte einer starken jungen Frau erzählt, die eine schwere Last auf ihren zarten Schultern trägt und tapfer versucht, ihrem Sohn eine gute Mutter zu sein. In Zeiten tiefster Verzweiflung und Resignation wird sie von Raymond Novak aufgefangen, der ihr zu einem guten Freund und Vertrauten wird. Helen muss Entscheidungen treffen und findet in Rays Familie liebevolle Unterstützung. Doch auch Ray muss sich seinen Ängsten und Zweifeln stellen, und schöpft Kraft und Zuversicht aus seinem unbeirrbaren Glauben. Und schließlich muss er sich an der Front beweisen…

Die Geschichte von Helen und Ray wird in sehr einnehmendem und flüssigem Schreibstil erzählt, eine gewisse Spannung bleibt durch das Geheimnis aus der Vergangenheit erhalten und hält den Leser bei der Stange. Die beiden Protagonisten sind eindrucksvoll charakterisiert und Sarah Sundin bezieht ihre Leser tief in deren Gefühls- und Gedankenwelt ein. Wie bereits im Klappentext erwähnt wird, handelt es sich hierbei um den letzten Teil der Trilogie um die Brüder Novak. Da einige Fragen in den ersten beiden Romanen offen bleiben, viele Fäden erst im dritten Buch zusammen laufen, und hierbei auch oftmals auf die beiden Vorgängerromane und Ereignisse in der Vergangenheit Bezug genommen wird, würde ich empfehlen, diese Bücher der Reihenfolge nach zu lesen.

Besonders hervorheben möchte ich auch die wunderschöne Covergestaltung, die sich durch alle drei Bände dieser Trilogie zieht. Im ersten Teil ziert das Bild von Lieutenant Walter Novak und seiner großen Liebe Allie die in hellem Gelb gehaltene Titelseite, im zweiten Band, der sich seinem Bruder Major Jack Novak widmet, ist dieser mit der attraktiven Krankenschwester Ruth Doherty abgebildet, wobei ein helles Rosa in der Farbgestaltung dominiert. Der dritte und letzte Band zeigt Ray und Helen, die einander vor einem hellblauen Hintergrund strahlend anlächeln. Sowohl die farbliche Gestaltung als auch die Wahl des Motives waren in meinem Fall neben der Leseprobe zu einem nicht unbedeutenden Teil kaufentscheidend.

Mir hat die Lektüre dieser wunderschönen Trilogie um die Familie Novak großes Vergnügen bereitet und ich kann sowohl die beiden Vorgängerromane „Der Klang deiner Gedanken“ und „Der Duft der Freiheit“, wie auch den vorliegenden Abschlussband „Das Strahlen des Himmels“ uneingeschränkt weiterempfehlen.

Veröffentlicht am 16.04.2018

Rebekkas Tagebuch

Rebekkas Tagebuch
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„Wie auch immer, es ist bei aller Angst und allem Leid ein tröstlicher Gedanke, dass meine – unsere – Geschichte irgendwo aufgezeichnet ist“.

Bei „Rebekkas Tagebuch“ handelt es sich um eine Geschichte, ...

„Wie auch immer, es ist bei aller Angst und allem Leid ein tröstlicher Gedanke, dass meine – unsere – Geschichte irgendwo aufgezeichnet ist“.

Bei „Rebekkas Tagebuch“ handelt es sich um eine Geschichte, die in zwei Zeitebenen spielt. Der eine Erzählstrang widmet sich dem jungen Ehepaar Paul und Stefanie Born, die auf dem alten Bauernhof von Pauls Großvater Harald wohnen. Der Inhalt des zufällig entdeckten Tagebuchs der Jüdin Rebekka Schimmel liefert den Part aus der Vergangenheit, wo in Form von Tagebucheinträgen nach und nach die Geschichte der beiden Familien aufgerollt wird.

Zu Beginn stellt der Autor seinen Lesern den 26jährigen Paul Born vor, der auf dem Pfalzhof eine Bildhauerwerkstatt betreibt und dort mit seiner Ehefrau Stefanie, ihrer gemeinsamen kleinen Tochter Leoni, seiner Mutter Thea und seinem Großvater Harald lebt. Der Fund des alten Tagebuchs weckt die Neugier der beiden jungen Menschen, und Stefanie entziffert in mühsamer Kleinarbeit die beinahe verblasste, aber noch erkennbare Bleistiftschrift in deutscher Sprache. Die beiden vertiefen sich immer mehr in diese Aufzeichnungen, und dunkle Familiengeheimnisse drängen ans Tageslicht. Das kleine, alte Buch erzählt die Geschichte des jüdischen Ehepaares Rebekka und Aaron Schimmel, denen es zwar noch gelang, ihren kleinen Sohn Jakob ins sichere Ausland zu schicken, denen ihre eigene Flucht jedoch nicht mehr möglich war. Und es erzählt von der herzlichen Aufnahme der beiden Flüchtlinge durch Ludwig und Elisabeth Born, die die Schimmels auf dem Heuboden ihres Bauernhofes versteckten, und die ihnen nicht nur Unterkunft und Verpflegung, sondern auch Anteilnahme, Ermutigung und Trost zuteil werden lassen. In tiefsinnigen Gesprächen über den christlichen Glauben zwischen den beiden Paaren, bei denen auch die kleine Enkelin Thea einbezogen wird, offenbart sich dem Leser der Grund für ihr selbstloses Handeln.

Bereits beim Titel dieses Buches drängt sich unweigerlich der Vergleich zum Tagebuch der 13jährigen Jüdin Anne Frank auf, deren Vermächtnis mittlerweile zur Weltliteratur gehört. Ich habe sowohl Anne Franks Tagebuch, als auch das vorliegende Werk des Autors Eckart Zur Nieden gelesen. Und ich bin der Meinung, dass man diese beiden Bücher nicht miteinander vergleichen kann. Bei Anne Franks Tagebuch handelt es sich um die privaten Niederschriften eines jungen Mädchens, das ihren Gedanken und Gefühlen, ihren Ängsten und Sorgen, Ausdruck verlieh. Bei „Rebekkas Tagebuch“ verarbeitet der Autor teilweise wahre Begebenheiten aus seiner Familiengeschichte, verwebt damit aber auch fiktive Handlungen. Durch die Romanform und die in kursiver Schrift gehaltenen Tagebucheinträge trennt er die Erlebnisse der jüdischen Familie Schimmel von den Ereignissen in der Gegenwart. Er versteht die Kunst, den Leser bereits vom ersten Moment an ans Buch zu fesseln. Sein flüssiger und äußerst einnehmender Schreibstil verbunden mit einer bewegenden Geschichte machte dieses Buch für mich zu einem wahren „pageturner“ und ich konnte es nicht mehr aus der Hand legen.

Der Autor fragt an einer bestimmten Stelle im Buch: „Was bringt Menschen dazu, sich selbst in größte Gefahr zu begeben, um andere zu schützen?“ Ich denke, durch seinen großartigen Roman verstand er es auf unvergleichliche Art und Weise, diese Frage durch seine Geschichte zu beantworten.

„Rebekkas Tagebuch“ ist eine sehr berührende, exzellent geschriebene Geschichte von Schicksalen, die beispielhaft für abertausend andere zu jener Zeit steht. Eckart zur Nieden versteht die Kunst, sie vielen Lesern nahe zu bringen und - vielleicht - auf seine Art und Weise ein Mahnmal für zukünftige Generationen zu setzen. Zutiefst beeindruckend, mitreißend, klug, von tiefem Glauben durchwoben – ein Werk, das ich zu einem persönlichen Lese-Highlight zählen und jedem als Lektüre empfehlen möchte.

Veröffentlicht am 16.04.2018

Der schockierende Jesus

Der schockierende Jesus
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Ein reißerischer Klappentext, der provokant wirkt und aufwühlt, Neugier weckt. David Instone-Brewer, ein ausgewiesener Kenner des frühen rabbinischen Judentums und des Neuen Testaments, präsentiert in ...

Ein reißerischer Klappentext, der provokant wirkt und aufwühlt, Neugier weckt. David Instone-Brewer, ein ausgewiesener Kenner des frühen rabbinischen Judentums und des Neuen Testaments, präsentiert in seinem Buch „Der schockierende Jesus“ einige der überraschendsten und kontroversesten Jesus-Skandale der Bibelforschung. Er verfolgt damit das Ziel, ein solides Fundament für historische Fakten über Jesus zu finden. Mit großem Interesse verfolgte ich seine Ausführungen über die Ehelosigkeit Jesu, die damals als Skandal galt. David Instone-Brewer stellt in seinem Buch jedoch keine Behauptungen in den Raum, ohne diese zugleich auch ausführlich und anhand von vielen Bibelstellen zu erläutern. Er gibt seinen Lesern tiefe Einblicke in das Denken und Handeln der Menschen, die das Leben und Wirken Jesu erleben durften und vermittelt Verständnis dafür. Die vielen Details, die er dabei liefert, sind faszinierend und machen die Bibelgeschichte „lebendig“, „erlebbar“.

Die Themenvielfalt in diesem Buch ist sehr groß und breit gestreut. So thematisiert der Autor beispielsweise kontroverse Themen wie Selbstmord, oder Jesu Einstellung zu Kranken, Aussätzigen, Behinderten oder Prostituierten. Das Verbrechen des Kindesmissbrauchs, den die römischen Armeen mit ihrem unmoralischen Lebensstil nach Palästina brachten, nahm Jesus sehr ernst. Der Autor nimmt auch die kürzlich von Gelehrten wiederhergestellte Originalversion des Haftbefehls bzw. der Anklageschrift gegen Jesus und seine darauf folgende Hinrichtung unter die Lupe und geht auf anschauliche Art und Weise auf das Symbol des Kreuzes ein. David Instone-Brewer widmet sich auch einigen Personen aus der Bibel, wie beispielsweise Maria Magdalena, Judas Iskariot oder seinen Jüngern, und erzählt interessante Einzelheiten, die viele von uns vermutlich nicht im Detail kennen. In einem anderen Kapitel nimmt der Autor zu Jesus Meinung zu den Pharisäern Stellung und erläutert, weshalb dieser sie als „scheinheilig“ bezeichnete. Auch die Polygamie, die für die Juden lange Zeit normal war, von den Römern aber als unmoralisch erklärt wurde und einige Generationen nach Jesu Wirken völlig verschwand, wird behandelt.

Ein Thema, das die Menschheit bis heute stark beschäftigt, ist die Scheidung bzw. die verschiedenen Scheidungsgründe, die von Juden und Römern bzw. Jesus selber vorgebracht wurden. Der Autor erzählt, was Jesus von Geldanlagen und Wucherzinsen hielt und wie diese Dinge in der damaligen Zeit gehandhabt wurde. Seine Ausführungen beziehen sich auch auf Flüche und Verwünschungen, Bitterkeit und Hass und den hohen Stellenwert der Vergebung, dabei zitiert er eine wichtige Regel der Gemeinschaft von Qumran. Zuletzt schreibt er über Glück und Pech, beleuchtet die Frage, ob Katastrophen von Gott geschickt werden, und schließt letztendlich mit einem Kapitel über Gotteslästerung und die ewigen Qualen der Hölle.

Dieses Buch hat mich wirklich beeindruckt. Nie zuvor konnte ich mich mit einer derartigen Intensität in die Zeit Jesu hinein versetzen. Durch die fundierten Erläuterungen und historischen Fakten wurden bekannte Bibelpassagen plötzlich „lebendig“. Erst im Zusammenhang mit den wichtigen Informationen über die Denk- und Handlungsweise der Juden zur damaligen Zeit wurden viele Ereignisse oder Aussagen plötzlich verständlicher und nachvollziehbarer. Durch den einnehmenden Schreibstil des Autors und den spannenden Themenbereichen dieses Buches fiel es mir schwer, es überhaupt aus der Hand zu legen. Ein faszinierender Ausflug in die Vergangenheit mit überraschenden Erkenntnissen – ein Buch, das ich uneingeschränkt weiter empfehlen kann.

Veröffentlicht am 16.04.2018

Entkommen

Entkommen
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„Es gibt keine Liebe auf dieser Welt. Leute tun so, als ob, weil sie denken, dass sie schlau sind und dass sie andere mit ihrer Heuchelei täuschen können. Aber sie können niemandem etwas vormachen. Wir ...

„Es gibt keine Liebe auf dieser Welt. Leute tun so, als ob, weil sie denken, dass sie schlau sind und dass sie andere mit ihrer Heuchelei täuschen können. Aber sie können niemandem etwas vormachen. Wir sind alle gleich. Wir sind nicht besser dran als die Tiere. Eines Tage sterben wir genauso wie sie. Wir werden vergessen und vermodern. Das Leben hat keinen Sinn. Es gibt keinen Gott.“

„Weißt du, Josh, an vielen Orten dieser Welt wirst du viele kleine Leute finden. Kleine Leute, die kleine Dinge tun, die … manchmal… die Welt verändern.“


Josh McDowells Lebensgeschichte, die er in seinem Buch „Entkommen“ mit all ihren Höhen und Tiefen offenlegt, lässt den Leser dessen anfängliche Einstellung zu Gott ein wenig plausibler erscheinen. Der Autor, der auf einer Farm in Union City, Michigan, mit einem alkoholabhängigen und gewalttätigen Vater aufwuchs, und der bereits unbeschreibliche Dinge in seinem jungen Leben erdulden musste, konnte einfach kein Vertrauen mehr in das Leben fassen. Nachdem seine deutlich älteren Geschwister Wilmot Junior, Shirley und June danach trachteten, dem traumatisierenden Elternhaus so rasch wie möglich zu entfliehen, blieb nur noch der kleine Josh, der den ständigen Streit der Eltern und die Gewaltausbrüche seines Vaters ertragen musste. Einzig seine Mutter Edith war der ruhende Pol seines Lebens. Sie liebte ihn von ganzem Herzen, während sein Vater nur Tumult und Zerstörung in die Familie brachte. Seine Sehnsucht nach der Liebe seines Vaters blieb seine gesamte Kindheit über vergebens. Und so konzentrierte der kleine Junge sich nur noch darauf, seine Mutter vor der Brutalität des alkoholabhängigen Vaters zu beschützen, was ihm leider nicht oft gelang. Sein Hass auf ihn wuchs beständig, und bereits im zarten Alter von 12 Jahren war Josh sicher, dass es keine Liebe und keine Hoffnung geben würde. Josh hatte seine kindliche Unschuld verloren, und er verfluchte Gott und wandte sich voller Bitterkeit von ihm ab. Kurz vor deren Tod musste er seiner Mutter jedoch versprechen, niemals zum Trinker zu werden, nicht zu fluchen, und ein Sohn zu sein, auf den sie stolz sein könne. Doch sein Innerstes war voller Wut und Ärger. Als er im College auf eine kleine Gruppe Christen traf, nahm er im Zuge einer Diskussion die Herausforderung eines der Mitglieder an und machte es sich zum vorrangigen Ziel zu beweisen, dass die Auferstehung nicht stattgefunden hat. Auf diese Weise wollte er jeden Anspruch auf Wahrheit, den das Christentum hat, widerlegen. Josh begann seine Nachforschungen mit der Bibel und ging sogar nach Europa, um nachzuforschen. Seine zynische und halbherzige Unternehmung, die Auferstehung zu widerlegen und die College-Christen in ihrem Glauben zurückzuweisen, war zu etwas viel Ernsterem geworden, als er es sich je hätte vorstellen können. Im Zuge seiner Untersuchungen erkannte er auch, dass seine Wahrnehmungen von Gott von seiner problematischen Beziehung zu seinem Vater beeinflusst wurden. Und in jenem Sommer in Europa entdeckte Josh die Wahrheit, wehrte sich aber immer noch gegen die daraus resultierenden Konsequenzen für sein Leben. Denn der logische nächste Schritt wäre die vollkommene Vergebung – vor allem seinem Vater gegenüber…

Der Bericht dieser tragischen Kindheit hat mich tief erschüttert. Der Autor erzählt in schonungsloser Offenheit von seinen frühen Jahren auf der Farm, offenbart dabei seine Emotionen und Gedanken, erzählt seinen Weg von einem gequälten, hoffnungslosen Kind zu einem Mann, der nach Jahren der Wut und des Zweifels seinen Glauben wieder gefunden hat. Josh McDowell konzentriert sich hierbei hauptsächlich auf seine Person, den drei Geschwistern wird aufgrund ihrer raschen „Flucht aus dem Elternhaus“, als er noch ein kleiner Junge war, wenig Aufmerksamkeit zuteil. Sein Weg führt ihn erst über einige Umwege zurück zum Glauben – und das Schwierigste dabei war es für ihn, zu vergeben. „Entkommen“ war ein nachdenklich stimmendes Buch, das mich tief berührt und beeindruckt hat.