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Veröffentlicht am 19.04.2018

Ein tief bewegendes Schicksal im kargen Island wird zum literarischen Erlebnis!

Das Seelenhaus
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"Sie wissen nichts von mir.
Und ich schweige. Ich will mich vor der Welt verschließen, ich will mein Herz verhärten und an den Dingen festhalten, die mir noch nicht genommen sind. Ich darf nicht zulassen, ...

"Sie wissen nichts von mir.
Und ich schweige. Ich will mich vor der Welt verschließen, ich will mein Herz verhärten und an den Dingen festhalten, die mir noch nicht genommen sind. Ich darf nicht zulassen, dass ich vergehe." Zitat Seite 39


Dieser Roman zieht den Leser mit sich in eine Zeit, als die letzte tatsächliche Hinrichtung in Island stattgefunden hat.
Hannah Kent hat diese wahre Geschichte recherchiert und Wahrheit und Fiktion zu einem tiefen ergreifenden Roman verbunden. Ein Werk, dass dem Leser in ruhiger, besonnener Sprache dramatisch vor Augen führt, welches Elend und welche rauhen Sitten damals herrschten. Als Mägde außer der schweren körperlichen Arbeit ihren Dienstherren in jeder Weise zu Willen sein mussten, ohne Hoffnung auf Menschlichkeit und Gnade.


Dabei steht der Charakter Agnes natürlich im Vordergrund. Als sie auf ihre Hinrichtung wartet, ist sie in einer Bauernfamilie auf dem Kornsáhof untergebracht. Tóti, der junge Hilfspfarrer, wird Agnes Wunsch entsprechend als christlicher Beistand zugewiesen. Ihm öffnet sie ihr Herz und offenbahrt ihre Geschichte.
Sie wird unbeschönigt als schweigsame, intelligente Frau geschildert, die als Kind von der Mutter verlassen wurde, als Mündel auf verschiedenen Höfen arbeiten musste und deren Liebe ihres Lebens ihr zum Verhängnis wurde. Ihr Schicksal ist sowohl tragisch als auch herzergreifend und man erfährt im Lauf der Handlung die wahren Hintergründe und den Tathergang. Das macht sie zu einer Ausnahmeerscheinung, der man sein ganzes Mitleid entgegen bringt.

Hannah Kent ist eine begnadete Erzählerin! Dank ihrer klaren, poetischen Erzählkraft versinkt man in einer vergangenen Zeit voller Grausamkeit und Armut, aber auch in der schroffen Schönheit der isländischen Natur, die im Winter besonders karg und abweisend erscheint. Die Lebensumstände wirken in besonderer Weise atmosphärisch und dicht und untermauern das erzählte Schicksal einzigartig bewegend. Man ist beim Lesen tief ergriffen von der Situation der Agnes. Wie sie die letzten Monate vor ihrer Hinrichtung erlebt, macht betroffen und zeigt eine Welt voller Obrigkeitsdenken, Macht, aber auch Liebe, Hilfsbereitschaft und Gier.

Der Roman entwickelt eine fesselnde Sogwirkung, denn man möchte den wahren Tathergang erfahren. Warum ist Agnes angeklagt und wie kam es zu dieser Tat? Am Ende bleibt beim Leser die Erklärung als schaler Geschmack noch lange haften. Ein Buch, dass noch lange nachklingt und tiefe Emotionen auslöst.

Ein einzigartig fesselnder Roman, der die isländischen Bewohner und seine Landschaft zeigt, und mit dem ergreifenden Schicksal der letzten zum Tode Verurteilten tief bewegt. Unbedingt lesen!

Veröffentlicht am 19.04.2018

Einfach nur schön geschrieben

Die Glasbläserin
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Die Lebensgeschichte der Schwestern wird spannend und unterhaltsam erzählt. Man erfährt viel über das Glasbläserhandwerk und die Arbeitsbedingungen der damaligen Zeit und erkennt auch die untergeordnete ...

Die Lebensgeschichte der Schwestern wird spannend und unterhaltsam erzählt. Man erfährt viel über das Glasbläserhandwerk und die Arbeitsbedingungen der damaligen Zeit und erkennt auch die untergeordnete Rolle, die Frauen damals zuteil wurde.

Die Autorin hat den Roman 2002 geschrieben und damit eine neue Welle von historischen Büchern angeschoben, in denen es mal nicht um Kampf, Kriege und Machtspiel im politischen Sinne ging. Es war schon etwas Neuland, dass sie betreten hat und die Familiengeschichte wird so wunderbar erzählt, dass man die Nachfolgebände kaum erwarten kann.

Besonders die bildhaften Beschreibungen der Arbeit einer Glasbläserin versetzen mich in Erstaunen. Bislang konnte Marie dieses Handwerk nur beobachten, es war für Frauen nicht zugängig. Doch sie bringt sich die Arbeit selbst bei und ihre Kunstfertigkeit ist von Talent gekrönt. Ihre Schwestern haben erst eigene Interessen und Lebensziele, die jedoch scheitern und so wenden sie sich ebenfalls der Werkstatt zu und erledigen die Geschäfte und Organisation.

Dieser Roman vermag zu fesseln und die gezeigten Arbeitsgänge im Glasbläserhandwerk ebenso. Doch es ist viel mehr als das, es ist die Entstehung der Emanzipation, das historisch belegte Leben in Deutschland und die Durchsetzung persönlicher Lebensziele von Frauen, entgegen den geltenden Gebräuchen.

Der Erzählstil ist glaubwürdig klar und mitreißend und führt in einen Lesesog.

Dieser historische Roman führt in eine nicht heile Welt, auch wenn die Christbaumkugeln dies assoziieren können und dennoch ist man wie im Rausch beim Lesen und mag kaum enden.

Veröffentlicht am 19.04.2018

Habe ich als Buch geliebt und als Theaterstück noch mehr!

Der kaukasische Kreidekreis
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Brecht ist ein begnadeter Autor, der seine Leser oder das Theaterpublikum durch seine erzählenden Stücke zum Nachdenken bringen wollte. Er hat eine überaus einnehmende Erzählkunst, die menschliche Fehler ...

Brecht ist ein begnadeter Autor, der seine Leser oder das Theaterpublikum durch seine erzählenden Stücke zum Nachdenken bringen wollte. Er hat eine überaus einnehmende Erzählkunst, die menschliche Fehler aufzeigt, den Eigennutz und die Selbstsucht anprangert und dennoch ein großartiges Stück Literaturgeschichte ist, dem man inhaltlich verfällt.

Die fremd klingenden Eigennamen sind anfangs schwer zu fassen, man gewöhnt sich jedoch schnell daran und wird mit ihnen bekannt. Der einzigartigen Erzählung kann man sich nicht entziehen, sie ist das Herzstück dieses gelungenen Theaterstückes, das Emotionen weckt, aufwühlt und die Tragweite der menschlichen Art erkennen lässt.
Die Charaktere stellen sich als Beispiele der menschlichen Gesellschaft dar, den Zuschauern wird regelrecht der Spiegel vorgehalten.
In der Rahmenhandlung versteckt sich ebenfalls die Geschichte des Richters Azdak.

Brecht bringt in diesem Stück seinen Wunsch zum Ausdruck, humanes Verhalten zur gesellschaftlichen Realität werden zu lassen. Wer wirklich liebt, verzichtet auf eigene Vorteile und gibt der geliebten Person Freiraum und auch Schutz.


Ein Theaterstück, welches durch seine epische Form typisch für Brecht ist und mich immer wieder begeistert.

Veröffentlicht am 19.04.2018

Ein echtes Lesevergnügen

Schutzpatron
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"Himmelarsch!" Zitat Seite 17.

Es beginnt mit einem mysteriösen Prolog über eine Gruppierung von Kriminellen mit Heiligennamen, die ihren nächsten großen Coup planen.
Mit dem oben genannten Zitat, einem ...

"Himmelarsch!" Zitat Seite 17.

Es beginnt mit einem mysteriösen Prolog über eine Gruppierung von Kriminellen mit Heiligennamen, die ihren nächsten großen Coup planen.
Mit dem oben genannten Zitat, einem für den Kemptener Kommissar Kluftinger typischen Ausspruch, springt die Handlung in die Gegenwart von Klufti. Es ist eine Krux, er findet keinen Parkplatz für seinen geliebten grauen Passat, der mittlerweile 390.000 km auf dem Tacho hat und von allen belächelt wird. Als das in Diebesaugen nicht gerade luxuriöse Auto gestohlen wird, verheimlicht er das vor seinen Kollegen und der Familie. Es wäre doch zu peinlich, dass gerade sein Auto geklaut wäre. Nun hält er die Augen offen nach möglichen Autodieben und muss ein wenig tricksen, um Mittel und Wege zu finden, immer einen fahrbaren Ersatz zu finden.
Vom ehemaligen Verkäufer erfährt Klufti vom sagenhaften Burgschatz, der nun in seiner Allgäuer Heimat ins Museum kommen soll.
Zufällig teilt sein Chef ihn genau für diesen Schatz als Leiter einer Sicherheits-Sondergruppe ein.

Bei diesem Krimi habe ich wieder viel gelacht, es gibt etliche komische und sonderbar gezeichnete Charakter, allen voran natürlich Kluftinger, der von einem Fettnäpfchen ins andere tritt. Unglaublich, dass gerade dieser trottelig wirkende Mann in seinen Ermittlungen in den entscheidenden Momenten den richtigen Riecher hat und die Täter dingfest macht. Er hat außerdem das Herz am rechten Fleck und so kann ihm eigentlich niemand böse sein, wenn er mal wieder verbal über die Stränge schlägt und Gerüchte in die Welt setzt, die vorne und hinten nicht stimmen.
Seine Mitarbeiter kennen das und nehmen seine Äußerungen und Ansichten Augen rollend hin.

Trotz der manchmal unseriös wirkenden Ermittlungstruppe, verbinden die Autoren ihre Figuren unterhaltsam und durchaus logisch in einen Fall, der die verschiedenen Vorgänge geschickt eint.


Dieser Krimi zeigt viel Allgäuer Atmosphäre, unglaublichen Humor und einen authenisch konstruierten Fall. Man hat die Personen bildhaft vor Augen und meint im Fall von Kluftis erstem Flug oder seinen Golferlebnissen, einem Sketch von Loriot zu folgen.


Klüpfel und Kobr haben mal wieder ein echtes Lesevergnügen geschrieben, bei dem sich Humor und Krimihandlung großartig ergänzen. Klufti bleibt sich selbst wunderbar treu und das ist ein toller Verdienst der Autoren.

Veröffentlicht am 19.04.2018

Dieses wunderschöne Gartenbuch geht auch literarisch in die Tiefe!

Gartenlust im Frühling
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Wenn die ersten Frühblüher sich im Garten zeigen, dann ist die dunkle Jahreszeit überstanden und der Winterblues ist vorbei, es beginnt die Zeit für die intensive Gartenarbeit. Denn wer im Sommer einen ...

Wenn die ersten Frühblüher sich im Garten zeigen, dann ist die dunkle Jahreszeit überstanden und der Winterblues ist vorbei, es beginnt die Zeit für die intensive Gartenarbeit. Denn wer im Sommer einen schönen Garten haben will, muss sich früh im Jahr die Ärmel hochkrempeln und anpacken. Da wird gegraben, vertikutiert, Pflanzen gesetzt, aber sich auch über die ersten Blüten gefreut.

Johannes Roth unternimmt in diesem Büchlein einen frühlingshaften Gartenspaziergang und zeigt zu 17 Themenbereichen die gärtnerischen Besonderheiten. Dabei taucht er auch ein in literarische Abhandlungen von Ovid bis Goethe, die die Natur in schönster Weise verewigten.

Er beginnt mit der Magnolie, zeigt ihre bevorzugten Standplätze und geht vorbei an Maiglöckchen und Flieder, die mit ihrem unvergleichlichen Duft die Parfumgeschäfte der Natur darstellen.
Auch Rhabarber, der sich hervorragend zum Backen eignet, wird in einem eigenen Kapitel gehuldigt.
Weiter geht es mit der Grundlage vieler Gärten: dem Rasen. Was liebt er und wieviel davon, damit er immer frisch, voll und grün aussieht. Selbst dem meist so ungeliebten Klee widmet sich Roth, um dann von einzigartigen Päonien, schöner Azaleenpracht und Steingartenbesonderheiten zu schwärmen. Dabei gibt er immer wieder nützliche Tipps aus dem Gärtnerhandwerk zum besten, die man ruhig befolgen sollte. Als Abschluss werden zwei kleine Racker vorgestellt, die aus Gärtnersicht keine Freude auslösen. Die Rede ist von Maulwurf und Wühlmaus und was sie so treiben und vor allem, wie man sie vertreibt!

Man hat so seine wahre Freude an den einzelnen Abschnitten, es sind vor allem die literarischen Anklänge, die bezaubern und die Ewigkeit der Natur in den Vordergrund stellen.

Die gelungenen Farbfotos von Marion Nickig unterstreichen den zauberhaften Charme dieses Büchleins und sorgen für Freude beim Betrachter.


Mit diesem Frühlingsbuch kann man Gartenliebhabern eine große Freude machen. Durch die schönen Fotos wirken die einzelnen Miniaturen noch lange nach und man nimmt dieses Buch immer wieder gern zur Hand, um noch einmal Besonderheiten in der Pflege nachzulesen. Richtig schön und sehr handlich!