Profilbild von yesterday

yesterday

Lesejury Star
offline

yesterday ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit yesterday über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.10.2016

Solider Krimi mit glaubwürdigen Charakteren

Rabenschwarzer Winter
0

Inspecteur Gilles Sebag klebt das Pech an den Füßen. Alles an seinem Beruf, seinen Ermittlungen scheint sich gegen ihn verschworen zu haben. Es reicht nicht, dass der Haussegen schiefhängt, die Verbrechen ...

Inspecteur Gilles Sebag klebt das Pech an den Füßen. Alles an seinem Beruf, seinen Ermittlungen scheint sich gegen ihn verschworen zu haben. Es reicht nicht, dass der Haussegen schiefhängt, die Verbrechen im winterlich kalten Perpignan erinnern ihn zudem den lieben langen Tag daran. Glücklicherweise kommt er im Verlauf des Buches damit klar, als ihm so manche Begegnungen und Ermittlungsergebnisse die Augen öffnen und kann sich dann wieder darauf konzentrieren, der gefeierte, intuitiv arbeitende Polizist zu sein, der er eigentlich ist.

Der Autor entfaltet hier eine grob gesehen ähnliche Geschichte wie in Band 1 (Dreimal schwarzer Kater), wenn auch Motivation und viele Details der Handlung ganz anders gelagert sind. Er rückt damit aber ein sehr verbreitetes Problem, Betrügereien zwischen Partnern, ins Rampenlicht. Es lässt die vielen daran beteiligten Charaktere sehr unterschiedlich und damit authentisch damit umgehen und lässt auch den Täter am Ende glaubwürdig wirken.
Auch nach diesem dritten Band der Reihe (mein zweites Buch von Georget) werde ich mit Gilles Sebag nicht richtig warm, auch wenn von allen anderen Hauptcharakteren weniger Privates angesprochen und weniger ihrer Gedanken für den Leser sichtbar werden, finde ich sie alle doch greifbarer als Gilles. Mit seiner weinerlichen Art, die nicht ganz zu seinem beruflichen Erfolg passen mag und seinem Alkoholzuspruch kann er bei mir nicht punkten. Zumal er zwischendrin viele Klischees bedient und das teilweise selbst anspricht.
Alles in allem aber ein solider Krimi, der dem aufmerksamen Leser die Freiheit gibt, schon ein wenig früher als die Polizei, mögliche Zusammenhänge zu sehen. Aber noch nicht so früh, dass der Rest des Buches langweilig werden könnte.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Die Lösung liegt in der Vergangenheit

Sizilianische Rache
0

Auch für den kommenden Herbst schafft es dieses Buch, den Leser in eine träumerische Spät-Sommer-Stimmung zu versetzen und die Autorin bringt einem zwischen Krimihandlung und blutigen Fakten aus der Vergangenheit ...

Auch für den kommenden Herbst schafft es dieses Buch, den Leser in eine träumerische Spät-Sommer-Stimmung zu versetzen und die Autorin bringt einem zwischen Krimihandlung und blutigen Fakten aus der Vergangenheit noch das sizilianische Flair und die Art der Menschen nahe. Detailreiche Schilderungen in allen Belangen lassen außer Bildern vor dem geistigen Auge fast noch den passenden Geruch und Geschmack dazu auftauchen.

Wie in Band eins der nun ausgebauten Reihe um den Journalisten Luca Santangelo geschieht ein Verbrechen, bei dem er zwar nicht beteiligt ist, aber dennoch persönlich hineingezogen wird. Sein leicht naiver, manchmal tollpatschiger Sohn, der das Herz am rechten Fleck hat, wird in einer einzigen Nacht in einen möglichen Mord und einen Kunstraub hineingezogen. Der Mord ist natürlich aktuell, doch der Raub hat einiges an Hintergrund zu bieten. Ein erneutes Highlight bilden auch in diesem Band wieder die gefühlvoll eingeflochtenen Ausflüge in die Vergangenheit der Inseln Sizilien, Mozia, Santa Maria und Favignana.
Ganz sizilianisch spielt die Familie eine wichtige Rolle und es zeigt sich, dass niemand, so sehr es ihm die Umstände auch nahelegen, sich von seiner Abstammung lösen kann. Diese kann Segen und Fluch zugleich sein. Mit wenigen dosierten Wendungen stattet Ann Baiano ihre Texte aus, lässt dem Leser in manchen Punkten Spekulationen offen und offenbart bei nahezu all ihren Charakteren deren tiefliegende Sehnsüchte. Nur allzu oft bilden diese die Grundlage für Verbrechen, wie auch Luca leidvoll erfahren muss.
Fast nebenbei ist dieses Buch auch eine kleine Mahnung, festgefahrene Meinungen zu hinterfragen – denn nicht immer ist alles so, wie es scheint…

Veröffentlicht am 15.09.2016

Alte Wunden

Lügenmauer. Irland-Krimi (Ein Emma-Vaughan-Krimi 1)
0

In diesem Krimi findet neben der Hauptermittlung sehr viel von der irischen Seele und der Landschaft Platz, was mir gut gefallen hat. Die Autorin beschreibt alles sehr angenehm, flüssig und mit den nötigen ...

In diesem Krimi findet neben der Hauptermittlung sehr viel von der irischen Seele und der Landschaft Platz, was mir gut gefallen hat. Die Autorin beschreibt alles sehr angenehm, flüssig und mit den nötigen Details. Sie baut den Fall für Emma Vaughan auf einer Tatsache auf, die früher leider allzu häufig zur Anwendung kam: unverheiratet schwangere Mädchen werden in ein „Heim“ gesteckt, wo sie gebären und die Kinder dann zur Adoption freigegeben.
In diesem Buch führt ein Mädchen einer grundsätzlich nicht armen Familie dieses schwere Leben. Sie gerät ohne Schuld in diese Situation, die Familie bietet ihr keinerlei Rückhalt und ihr ehrgeiziger Bruder sieht durch ihr Schicksal seine Karriere gefährdet. Dieser Bruder, Charles Fitzpatrick, wird Jahrzehnte später ermordet und die Polizei von Sligo wird aktiv. Während ihrer Ermittlungen gräbt Emma tief in der Familiengeschichte der Fitzpatricks herum und wirbelt im Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten alten Staub auf.
Auch wenn man durch eingestreute Abschnitte zwischen den Ermittlungserzählungen bald selbst die Knoten entwirren und das Rätsel um den Mörder lösen könnte, hält der Schluss noch eine kleine Wendung parat.
Die Charaktere sind angenehm „normal“, wenn auch mit schon fast typischen Schwachpunkten und auch glaubwürdig.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Zwei, die sich belauern

Der kalte Saphir
0

Eine Journalistin, die sich die Story ihres Lebens erhofft und ein Interviewpartner, ehemaliges Bandmitglied von „Klarstein“, der die Journalistin an ihre Grenzen bringt. Dies sind die Hauptzutaten für ...

Eine Journalistin, die sich die Story ihres Lebens erhofft und ein Interviewpartner, ehemaliges Bandmitglied von „Klarstein“, der die Journalistin an ihre Grenzen bringt. Dies sind die Hauptzutaten für Michael Düblins Roman. Nebenbei wird noch ein Mord aufgeklärt, der innerhalb der Band passiert ist, aber schon Jahrzehnte zurückliegt. Doch die „Ermittlung“ verkommt fast zur Nebensache, widmet sich der Autor doch intensiv den Gefühlswelten der beiden Protagonisten und ihrer sich scheinbar stets verändernden Beziehung zueinander. Jule Sommer ist redlich bemüht, Sebastian Winter auszuhorchen und ihn trotzdem frei erzählen zu lassen, was sich zu den so erfolgreichen Zeiten zwischen den Musikern ereignete. Alles befindet sich im Wechsel: das Wetter rund um Winters Anwesen in Griechenland, die Initiative der Gesprächspartner sowie Wohlbefinden der beiden und die Einschätzung, die sie vom jeweils anderen haben. Darf Jule ihm nun glauben? Ist sie eine ernstzunehmende Gegnerin für einen so gewandten Erzähler wie ihn? Und ist Winter ernsthaft an der Wahrheit interessiert oder nur an ihrem Körper?
Zu den kleinen Psychospielchen, die die beiden zwischen Pool, Flipperkasten und Aufnahmegerät austragen, passt auch der kleine „Trick“ mit den Namen der beiden sehr gut. Und obwohl er manchmal schon bildlich an der Klippe steht, kann der Autor gut vermeiden, doch zu sehr in Klischees abzudriften, die sehr oft dann lauern, wenn Mann und Frau so aufeinanderprallen.

Überrascht hat mich das Ende, teilweise wegen des Inhalts aber viel mehr der Gestaltung wegen. So, wie es ist, wäre sogar eine Fortsetzung denkbar, was ich aber nicht vermute. Dann müssten viele Details noch aufgeklärt werden und einige Fäden zusammengebracht werden. Schön ist auf jeden Fall, dass Jule und Winter doch irgendwie zu einem stummen Einverständnis kommen, was die Geschichte und ihre Folgen betrifft.
Hinter der Person Jules hätte ich insgesamt noch mehr Tiefe vermutet, was aber schwierig geworden wäre, da Winter viel Raum für sich beansprucht. Er ist für mich bis zum Schluss kein voll greifbarer Charakter, hat viele Ecken und Kanten, ist streitbar und dann wieder ein Ruhepol. Aber zu einem möglichen Mörder passt das wohl, dass man ihn nie ganz einschätzen kann und sich nahezu parallel zu Jule beim Lesen so seine Gedanken über diesen seltsamen „Kauz“ macht.
Wer sich hier ein packendes „Mörder-Interview“, ähnlich wie eine Befragung vor Gericht wünscht, wird sicher teilweise enttäuscht. Natürlich geht es um eine Rückschau und eine Aufklärung, doch Winter darf ausreden, monologisieren und erzählt nicht nur Geschichten von damals. Nur zwischendurch gibt es einige spannungsgeladene Frage-Antwort-Momente. Wer sich von Winter aber gemütlich durch die Geschichte tragen lässt, lernt ganz nebenbei noch vieles über Aufnahmetechnik und die Musikbranche.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Historisch, spirituell, aktuell und in sich stimmig

Vor dem Erben kommt das Sterben
0

Der Autorin ist es hier gelungen, eine Geschichte zwischen Realität, Schwindel und kompletter Fiktion zu entfalten und die drei Bereiche so aufeinander abzustimmen, dass man geneigt ist, weit mehr davon ...

Der Autorin ist es hier gelungen, eine Geschichte zwischen Realität, Schwindel und kompletter Fiktion zu entfalten und die drei Bereiche so aufeinander abzustimmen, dass man geneigt ist, weit mehr davon zu glauben, als das, was geschichtlich tatsächlich verbürgt ist.
Zu Beginn ist es noch eigenartig, von einem Erzähler angesprochen zu werden und als man sich dann daran gewöhnt hat, kommt die nächste Überraschung. Wer erzählt und warum erfährt der Leser erst nach und nach. Diese Tatsache und ein Mord hält die Spannung über das erste Drittel des Buches hoch, in dem viel erklärt werden muss, Örtlichkeiten beschrieben werden und die Geschichte langsam ins Laufen kommt.
Die Hauptfigur, Blanche, hat ein bewegtes Leben hinter und noch vor sich, als sie in ihre Heimatstadt Köln zurückkehrt. Ihre größte Gabe, Menschen manipulieren zu können, ist gleichzeitig ihre größte Schwäche (abgesehen von materiellen Dingen) und führt letztlich zu einem tragischen Ende. Als Lebensberaterin erzählt sie Klienten viel Übersinnliches, glaubt aber selbst nicht daran. Das ist nur einer der zahlreichen Fehler, die sie teils aus Unwissen, teils mit der Absicht begeht, dass sich bald alles für sie zum Guten wendet und es dann wohl keine Bedeutung mehr hätte.
Da sich neben Blanches Weisheiten noch vieles in diesem Buch um Spiritualität, Glaube und Wiedergeburt dreht, könnte es dem einen oder anderen mit Fortdauer immer „unlogischer“ erscheinen, doch die Fäden sind auf amüsante Weise miteinander verknüpft, sodass man sich um Logik in dem Sinne weniger Gedanken macht, sondern eher auf das Ende der Erzählung hinfiebert. Und da wird man als Leser wieder hart in die Realität zurückgeholt, was noch durch das Nachwort und die Quellenerklärungen der Autorin verstärkt wird.
Ein Buch, in dem Kölner wohl vieles wiedererkennen, aber das auch für andere Leser durchaus viel zu bieten hat, ob man nun an Wiedergeburt glaubt oder nicht.