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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.04.2018

Flucht aus der Heimat Ostpreußen

Letzte Fahrt nach Königsberg
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Dieser historische Roman wird insbesondere das Interesse jener wecken, die selbst oder deren Vorfahren Wurzeln in Ostpreußen haben.
Die Protagonistin Ella, aus guter Familie, hat ihre Kindheit und Jugend ...

Dieser historische Roman wird insbesondere das Interesse jener wecken, die selbst oder deren Vorfahren Wurzeln in Ostpreußen haben.
Die Protagonistin Ella, aus guter Familie, hat ihre Kindheit und Jugend in Königsberg verbracht. 1944 flüchtet sie aus ihrer im Krieg zerstörten Heimat nach Potsdam und von dort vor dem drohenden Einmarsch der Russen nach Westdeutschland.

Was den geschichtlichen Hintergrund anbelangt, ist der Roman durchweg gelungen. Er vermittelt so viel Wissen über das Königsberg zwischen den Kriegen, während des Zweiten Weltkriegs sowie in der Gegenwart. Abgerundet und der besseren Vorstellung dienend wird das Ganze durch einen Stadtplan und eine Karte Ostpreußens im Innenteil des vorderen und hinteren Bucheinbandes. Die eine oder andere wörtliche Rede in original ostpreußischem Dialekt sowie die Beschreibung typischer Gerichte wirken auflockernd. Auf jeden Fall ist das Buch ein guter Beitrag, um nachvollziehen zu können, was der Verlust von Heimat aufgrund kriegerischer Ereignisse bedeutet.
Der eigentlich unterhaltende Teil der Geschichte vermochte mich hingegen nicht so recht zu überzeugen. Das fängt bereits dabei an, dass im Klappentext Schwerpunkte gesetzt werden, die der eigentliche Buchtext dann ganz anders umsetzt. Ellas Jugendliebe erweist sich als ein einseitig von ihr ausgehende Liebe, die sie im Laufe der Jahre geradezu verherrlicht. Dass sie sich als verheiratete Frau mit drei Kindern unbedingt von eben diesem Geliebten schwängern lassen will (ob es gelingt, bleibt offen), wirkt etwas schwülstig und wirft kein schönes Bild auf die Rolle der Frau. Ellas kurzer Hamstertour von Potsdam zurück nach Königsberg, um sich ihre Einmachgläser zu holen, von denen sie geradezu besessen ist, kommt keine richtige Bedeutung zu. Im Übrigen verliert sich der Autor mehr als einmal an Detailschilderungen, z.B. dem Fangen und Präparieren von Schmetterlingen oder einem Reitturnier. Auf jeden Fall ist positiv zu würdigen, dass der Autor schonungslos die eigene Familiengeschichte aufarbeitet.

Alles in allem bewerte ich das Buch mit 31/2 Sternen.

Veröffentlicht am 26.04.2026

Leute im Rampenlicht

Die Liebeshungrigen
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Das Buch versprach mit seinem guten Einstieg interessant zu werden. Ein ehemaliger französischer, sozialistischer Präsident kommt nicht damit klar, dass er nicht für eine zweite Amtszeit gewählt wurde ...

Das Buch versprach mit seinem guten Einstieg interessant zu werden. Ein ehemaliger französischer, sozialistischer Präsident kommt nicht damit klar, dass er nicht für eine zweite Amtszeit gewählt wurde und gegen die extremen Rechten verloren hat. Vor seiner Wahl hat er seine langjährige Ehefrau, die ihre eigene Karriere als Schriftstellerin zurücksteckte, zugunsten einer jungen deutschen Schauspielerin verlassen. Diese Ehe ist nunmehr auch am Ende. Der Ex-Präsident verfällt dem Alkohol. Das eine oder andere erinnert mich an die realen Verhältnisse in der politischen Welt Frankreichs (im Ex-Präsidenten erkenne ich Züge von Hollande und Sarkozy). Der zweite Strang allerdings war enttäuschend. Er betrifft die Welt des Films, dessen Darstellung auf mich fast abstoßend wirkt. Die Ex-Ehefrau des Präsidenten hat ein Buch über einen Femizid geschrieben, den ein als genial geltender, aber narzisstischer Regisseur verfilmt. Die Hauptrolle vergibt er an die Noch-Ehefrau des Ex-Präsidenten, Body-Double ist seine junge Geliebte. Die Noch-Ehefrau erhofft sich mit der Rolle ein Come-back nach fünf Jahren als „die Frau des Präsidenten“. Die Figuren verachten einander, sind aber aufeinander angewiesen. Hier nun flicht die Autorin diverse Themen ein wie die Schwierigkeiten einer Romanverfilmung, die Bedeutung des Filmfestivals in Cannes, die MeToo-Bewegung, die Rolle der Sozialen Medien, sogar antisemitische Strömungen in Frankreich. Das alles ist zu viel des Guten, weil wichtige Themen nur gestreift werden, obwohl Ausführlichkeit geboten gewesen wäre.
Was ich aber als eigentlich störend empfunden habe, ist die Dekadenz, die die Autorin mit ihrem zynischen Blick Politik und Filmbranche zuschreibt. Da frage ich mich, ob es in diesen Welten wirklich so zugeht. Das Fass zum Überlaufen bringen für mich die wiederkehrenden Darstellungen der sexuellen Beziehungen der verschiedenen Romanfiguren in wechselnder Konstellation miteinander. Dabei bin ich mir der Absicht bewusst, auf diese Weise die Machtverhältnisse zwischen Männern und Frauen zu beleuchten. Doch mag ich so etwas nicht lesen, zumal wenn dann auch noch auf Fäkalsprache zurückgegriffen wird.
Ein Roman für Leser, die auch zu Boulevardpresse greifen.

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Veröffentlicht am 24.03.2026

Enthält ein großes Geheimnis vor

Träume aus Salz
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In dem Buch steht ein junges, noch frisch verliebtes Paar im Mittelpunkt, das eine Woche Urlaub auf einer kleinen griechischen Insel macht. Sie, ein Scheidungskind, das von der Trennung der Eltern nachhaltig ...

In dem Buch steht ein junges, noch frisch verliebtes Paar im Mittelpunkt, das eine Woche Urlaub auf einer kleinen griechischen Insel macht. Sie, ein Scheidungskind, das von der Trennung der Eltern nachhaltig traumatisiert ist, verbirgt vor ihm Wesentliches aus ihrer Familiengeschichte. Erst eine einheimische Hellseherin, welche gerne so wie die Urlauberin leben würde, bewegt sie dazu, sich zu öffnen. Leider kommt dann nicht solch ein sensationelles Geheimnis zu Tage, wie ich es erwartet hatte. Neben Wahrsagen, Tarot und Astrologie spielt auch die griechische Mythologie eine Rolle. Allerdings vermögen mich diese Aspekte nicht zu packen, vielleicht, weil ich daran nicht glaube. Ich hätte mir etwas mehr Handlung gewünscht; auf keinen Fall aber einen eingeschobenen Drogentrip der Protagonisten, der Drogen zu sehr verharmlost. Hingegen hat mir wirklich gut gefallen, wie die Atmosphäre auf der Insel beschrieben wurde. Genauso kennt man Griechenland aus dem Urlaub. Adressaten des Romans dürften eher jüngere Leser:innen sein. Gewöhnungsbedürftig ist, dass die Autorin gendert, wie zuvor von mir auch getan, was evtl. nicht jeder mag.

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Veröffentlicht am 18.02.2026

Familiäre Zugehörigkeit zu den Siebenbürger Sachsen

Halber Stein
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Der vorliegende Roman ist die Taschenbuchausgabe des bereits im Jahr 2012 erschienenen Hardcovers und ist der Debütroman der Autorin.
Er erzählt von einer jungen Frau, die vor 20 Jahren als kleines Mädchen ...

Der vorliegende Roman ist die Taschenbuchausgabe des bereits im Jahr 2012 erschienenen Hardcovers und ist der Debütroman der Autorin.
Er erzählt von einer jungen Frau, die vor 20 Jahren als kleines Mädchen mit ihren Eltern – Siebenbürger Sachsen – von Hermannstadt in Rumänien nach Deutschland auswanderte. Jetzt (im Jahr 2006) kehrt sie das erste Mal anlässlich der Beisetzung ihrer Großmutter zurück.
Sehr gut gefallen haben mir die geschichtlichen Details über die Minderheit der Siebenbürger Sachsen, die mir bislang nur grob bekannt gewesen sind. Mit der Ausarbeitung der Geschichte konnte ich mich allerdings weniger anfreunden. Das fängt bei den Personen an, die zu klischeehaft eingeführt werden, z.B. die sich entspinnende Liebesgeschichte der Erzählerin mit ihrem Freund aus Kindestagen, Nachbarn und Pastor, die sie aufnehmen, als sei sie nur kurz abwesend gewesen, oder die ehemalige Studienkollegin ihres Vaters, die ihm Avancen macht. Auch das Familiengeheimnis – eine Beziehung ihrer Großmutter mit einem Rumänen in der Nachkriegszeit – ist nicht gerade ungewöhnlich. Der Erzählstil ist mir fast etwas zu poetisch und kunstvoll. Beschreibungen von Natur und Gegenständen sind detailreich.
Interessant für Leser von Familiengeschichten.

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Veröffentlicht am 15.02.2026

Der einstigen Liebe nachspüren

Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen
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Dieses Buch hat es wirklich in sich, was vielleicht daran liegt, dass Autorin eine renommierte niederländische Soziologin ist. Es ist autobiografisch und die Autorin schreibt schonungslos über ihre langjährige ...

Dieses Buch hat es wirklich in sich, was vielleicht daran liegt, dass Autorin eine renommierte niederländische Soziologin ist. Es ist autobiografisch und die Autorin schreibt schonungslos über ihre langjährige Ehe mit ihrem kürzlich verstorbenen, von ihr stets nur „A“ betitelten Ehemann, der gleichfalls ein bekannter Intellektueller war. Nach seinem Tod erkennt sie, dass das gemeinsame Haus den Werdegang ihrer Beziehung wiederspiegelt. Es ist völlig heruntergekommen. So wie ihre Ehe, in der sich beide zusehends voneinander distanzierten und entfremdeten. Der Aufräumprozess im Haus soll ihr Klarheit verschaffen, wann die einstige Liebe verloren ging. Vor allem befasst sie sich mit der Auseinandersetzung darüber, wieso sie sich als studierte und selbstbewusste Frau ihrem schwierigen Mann untergeordnet hat und wieso ihr Mann so hat werden können, wie er war. Der eigentliche Text ist eine Aneinanderreihung von Erinnerungen und Gedanken. Die Erklärungen, die die Autorin für das Verhalten ihres Mannes gibt (z.B. der Verlust seiner Schwester im Kindesalter), kann ich nicht richtig nachvollziehen. Etwas störend fand ich die häufigen Inbezugnahmen auf Bücher, da ich diesen Quellen kaum nachgehen werde.

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