Profilbild von Lilli33

Lilli33

Lesejury Star
offline

Lilli33 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Lilli33 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.09.2016

Warmherzig und berührend

Wolken wegschieben
0

Inhalt:
Willow Briar ist 39 Jahre alt und ein wenig übergewichtig. Sie ist seit Jahren in ihren besten Freund Daniel verliebt, aber er interessiert sich nicht für sie. Sie arbeitet in einer Talentagentur, ...

Inhalt:
Willow Briar ist 39 Jahre alt und ein wenig übergewichtig. Sie ist seit Jahren in ihren besten Freund Daniel verliebt, aber er interessiert sich nicht für sie. Sie arbeitet in einer Talentagentur, wo sie von ihrer Chefin gnadenlos ausgenutzt wird. Doch Willow nimmt alles mit Humor, zumindest vordergründig. In ihrem Inneren brodelt es – die Dämonen der Vergangenheit machen ihr zu schaffen.

Alles läuft ein wenig aus dem Ruder, als plötzlich ihre 15-jährige Ex-Stieftochter schwanger vor ihr steht, sie eine junge Schauspielerin bei sich verstecken soll und gleich mehrere Kandidaten für eine Beziehung mit ihr in Frage kommen.

Meine Meinung:
Das erste Buch, das ich von Rowan Coleman gelesen habe, war ihr Debütroman „Einfach unvergesslich“. Und genau das war dieses Buch auch für mich: einfach unvergesslich. Nun messe ich natürlich jeden neuen Roman an dem Erstling. „Wolken wegschieben“ war nett zu lesen, aber an „Einfach unvergesslich“ kommt das Buch leider nicht heran.

Der Schreibstil ist recht unterhaltsam, glatt und flüssig. Dadurch, dass immer wieder eine Prise Humor aufblitzt, macht das Lesen wirklich Spaß, auch wenn mir einige Passagen zu langatmig waren. Manche Beschreibungen hätte man etwas kürzen und manche Wiederholungen weglassen können. Anderen Leserinnen wird aber vielleicht gerade das gefallen, was mir zu viel war.

Mit der Protagonistin Willow bin ich sofort warmgeworden. Ich mochte ihre geduldige und zupackende Art. Ich konnte verstehen, warum sie mit sich und ihrer Figur haderte und sich minderwertig fühlte.

Die Handlung kommt vielleicht ein bisschen langsam in Gang, dafür gibt es viele „Fronten“, an denen Willow zu kämpfen hat. Diese Vielfalt hat mir gut gefallen, und ich fühlte mich wunderbar unterhalten. Ich war dann allerdings überrascht, als ich merkte, dass sich die Geschichte in eine andere, ernsthaftere Richtung entwickelt, dass Willows aktuelle Probleme ihre Wurzeln in der Vergangenheit haben. Zu diesem Zeitpunkt war der Roman aber fast schon zu Ende, und die Geschehnisse in der Vergangenheit kamen mir zu kurz, obwohl sie doch so wichtig für Willows ganzes Leben sind.

Fazit:
„Wolken wegschieben“ ist ein warmherziges Buch um eine sympathische Protagonistin, die ihr Päckchen zu tragen hat, sich aber nicht unterkriegen lässt. Eine durchaus ernste Geschichte, wenngleich sie locker und manchmal humorvoll erzählt wird, und trotz einiger Längen recht unterhaltsam.

Ich danke dem Piper Verlag ganz herzlich für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Ein uralter Mythos der Haida-Indianer

Sonnentänzer
0

Cover:
Das Cover finde ich wirklich wunderschön. Das Mädchen wirkt ein bisschen verträumt, der Wind weht ihr die Haare ins Gesicht, und den Rahmen bilden verschiedene Federn. Dies alles passt sehr gut ...

Cover:
Das Cover finde ich wirklich wunderschön. Das Mädchen wirkt ein bisschen verträumt, der Wind weht ihr die Haare ins Gesicht, und den Rahmen bilden verschiedene Federn. Dies alles passt sehr gut zur Handlung, spielt doch ein Rabe ein große Rolle darin. Dabei sind der Buchtitel und die Federn erhaben, man möchte immer wieder darüberstreichen und die Erhöhungen ertasten.

Inhalt:
Kathrin hat viele Jahre ihrer Kindheit mit ihrer Familie bei den Haida-Indianern in Kanada verbracht. Ihr bester Freund dort war Táan, mit dem sie sich sehr verbunden fühlte ' bis sie einen Schatz an sich nahm, den Táans Familie hütete. Als nun Táan und sein Zwillingsbruder Sigai bei Kathrin in Deutschland auftauchen, ist sie zuerst nicht sonderlich begeistert, ahnt sie doch, dass ihr damaliges Vergehen nicht vergessen ist '

Meine Meinung:
Ich mag den Schreibstil der Autorin Ana Jeromin, auch bekannt als Anika Beer oder Franka Rubus. Er lässt sich leicht lesen, ohne zu einfach und banal zu wirken. Für die Zielgruppe der 12-15-Jährigen ist er hier sehr gut gelungen.

Kathrin hat mir als Protagonistin sehr gut gefallen. Sie wirkt zunächst wie ein ganz normales Mädchen, doch hat sie seit einigen Jahren ein sehr spezielles Problem, von dem niemand erfahren darf, sonst würde man sie für verrückt halten. Sie hat dieses Problem eigentlich ganz gut im Griff, bis Táan und Sigai auftauchen und quasi eine Lawine loslösen, wobei sogar Kathrins kleiner Bruder Moritz in Gefahr gerät. Kathrin ist hin und her gerissen, ebenso Táan. Sollen sie Moritz opfern, damit es dem Haida-Dorf Old Masset wieder gutgeht? Oder sollen sie Moritz retten? Oder einfach hoffen, dass es vielleicht doch nicht so schlimm kommt? Die Zwickmühle, in der die Jugendlichen sich befinden, ist klar greifbar und man leidet als Leser wirklich mit ihnen mit.

Dabei finde ich es sehr gut, dass die Charaktere nicht schwarz oder weiß gezeichnet sind, sondern vielschichtig, dass jeder gute und weniger gute Seiten zeigt. Die meisten Handlungsweisen konnte ich gut nachvollziehen, einige wenige fand ich aber nicht so besonders logisch.

Die zarte Liebesgeschichte, die sich langsam entspinnt, hat mir auch sehr gut gefallen. Sie drängt sich nicht in den Vordergrund, ist aber trotzdem immer präsent. So passt sie sehr gut in die Handlung.

Das Zusammenspiel von realer Welt und fantasievollen uralten Mythen fand ich sehr gelungen. Ich mag sowieso alles, was mit Indianern zusammenhängt. Diese alten Geschichten sind einfach faszinierend und haben oft auch einen wahren Kern.

Die Geschichte beginnt langsam, um dann immer mehr an Fahrt aufzunehmen. Je weiter die Handlung voranschreitet, umso spannender wird sie auch, wobei es gegen Ende in einem großen Kampf zwischen den Mächten zur Lösung des Konflikts kommt. Hier erwartete mich eine große Überraschung, mit der ich nie gerechnet hätte, obwohl ich sie im Nachhinein absolut logisch finde.

Fazit:
Ein schöner Roman über einen alten Indianer-Mythos, über Freundschaft, erste Liebe und Familie.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Bitte nicht mit den Kluftinger-Krimis vergleichen!

In der ersten Reihe sieht man Meer
0

Inhalt:
Der Mittvierziger Alexander Klein nimmt sich am Vorabend der Italienreise mit seiner (Groß-) Familie ein altes Fotoalbum und eine Flasche Wein vor, um in Erinnerungen an frühere Urlaube zu schwelgen. ...

Inhalt:
Der Mittvierziger Alexander Klein nimmt sich am Vorabend der Italienreise mit seiner (Groß-) Familie ein altes Fotoalbum und eine Flasche Wein vor, um in Erinnerungen an frühere Urlaube zu schwelgen. Dabei muss er wohl eingeschlafen sein. Doch als er aufwacht, steckt er im Körper seines 30 Jahre jüngeren Ichs in den 1980er Jahren. Und so erlebt er den ersten Italienurlaub mit Papa Norbert, Mama Renate, Oma Ilse und Schwester Nicole. Doch natürlich läuft das etwas anders ab als damals.

Meine Meinung:
Ich habe alle Kluftinger-Krimis gelesen und mag sie recht gerne. Im Gegensatz zu den Krimis fehlt es diesem nostalgischen Roman aber ein wenig am roten Faden. Okay, ein dünnes Fädchen ist schon vorhanden, aber im Großen und Ganzen handelt es sich hier um eine Aneinanderreihung mehr oder weniger witziger Episoden. Wie das oft bei so humorvollen Büchern der Fall ist, nutzt sich der Witz beim Lesen ein bisschen ab. Ich habe daher immer wieder eine Pause eingelegt, um das Lesevergnügen zu erhalten.

Mit viel (Selbst-) Ironie, Sarkasmus und Humor beschreiben die beiden Autoren das Verhalten der Deutschen, aber auch der Italiener der damaligen Zeit. Dabei wird an Klischees und Übertreibungen nicht gespart. Anderenfalls wäre aber auch kein so witziges Buch entstanden. Ob es sich um die Vorurteile der Deutschen gegenüber Ausländern handelt oder um seltsame Eigenarten unserer deutschen Landsleute, alles wird punktgenau auf die Schippe genommen und durch den Kakao gezogen. Als besonderer Gag sind die einzelnen Kapiteln mit entsprechenden Songtiteln überschrieben und mit Urlaubsfotos der Autoren geschmückt.

Sicherlich wird sich jeder Leser in der ein oder anderen beschriebenen Situation wiedererkennen, auch wenn er, so wie ich, nie mit der Familie Urlaub in Italien gemacht hat.

Am meisten musste ich immer grinsen, wenn Alex im pickligen Körper eines Pubertierenden, aber mit seinem erwachsenen Bewusstsein, die wesentlich ältere Maria anhimmelt. Oder wenn er sich verplappert und seiner Familie versehentlich etwas von Facebook oder Handys erzählt. Besonders gut hat mir der Schluss gefallen, der noch einmal mit einer Überraschung aufwarten konnte.

Fazit:
Eine prima Lektüre für den Urlaub oder einfach für zwischendurch, wenn man sich mal in Erinnerungen an die modischen und musikalischen Entgleisungen der 1980er Jahre verlieren will. Daher würde ich das Buch bevorzugt den Altersklassen empfehlen, die diese Zeit bewusst erlebt haben.

Veröffentlicht am 12.03.2026

Ganz nett zu lesen

Einatmen. Ausatmen.
0

Ganz nett zu lesen

Marlene Buchholz ist nur noch einen Schritt von ihrem Ziel entfernt: Vorstandsvorsitzende des Aviola-Konzerns zu werden. Die Workaholic hat viel zum bisherigen Erfolg des Unternehmens ...

Ganz nett zu lesen

Marlene Buchholz ist nur noch einen Schritt von ihrem Ziel entfernt: Vorstandsvorsitzende des Aviola-Konzerns zu werden. Die Workaholic hat viel zum bisherigen Erfolg des Unternehmens beigetragen, doch Mitarbeiterführung ist nicht gerade ihre Kernkompetenz. Deshalb wird sie zu einem Achtsamkeitsseminar nach Brandenburg geschickt, wo sie sich zunächst gar nicht, dann widerwillig auf neue Sichtweisen einlässt.

Die Ankündigung des Buchs als „rasend komischer und tief berührender Roman“ empfinde ich als viel zu hoch gehängt. Damit werden unrealistische Erwartungen geschürt, die in meinem Fall nicht erfüllt wurden. Ich habe von Maxim Leo schon weit Besseres gelesen, Komischeres und Berührenderes.

Die Entwicklung der Marlene Buchholz und auch die des Akademie-Leiters Alex Grow in „Einatmen. Ausatmen.“ hat mich zwar ein wenig berührt, doch da wäre noch einiges mehr möglich gewesen. Doch bei vielen Themen kratzt der Roman nur an der Oberfläche. Es wird alles schnell abgehandelt, schließlich dauert das Seminar nur zwei Wochen. Husch, husch rast Maxim Leo durch zig aktuelle Themen und lässt auch den Figuren nicht viel Zeit, sich um einhundertachtzig Grad zu drehen. Das ist alles andere als glaubwürdig, aber wenigstens ein bisschen komisch.

Am besten haben mir die Dialoge zwischen Marlene und Alex gefallen. Marlene, bei der alles auf Fakten und Logik fußt, die Gefühle wegschließt und meint, dann keine zu haben; auf der anderen Seite Alex, der Guru für Persönlichkeitsentwicklung, der schon lange nicht mehr von seinen eigenen Methoden überzeugt ist. Hier prallen Welten aufeinander und das ließ mich dann doch immer wieder schmunzeln.

★★★★☆

Veröffentlicht am 11.02.2026

Vom Unglück einer Familie

Alle glücklich
0

Vom Unglück einer Familie

„Alle glücklich“ von Kira Mohn, die sich mit diesem Roman in ein für sie neues Genre wagt, ist im Januar 2026 im HarperCollinsVerlag erschienen.

Für mich war es das erste Buch ...

Vom Unglück einer Familie

„Alle glücklich“ von Kira Mohn, die sich mit diesem Roman in ein für sie neues Genre wagt, ist im Januar 2026 im HarperCollinsVerlag erschienen.

Für mich war es das erste Buch der Autorin, ich hatte daher keine besonderen Erwartungen. Na ja, außer vielleicht, dass zumindest jemand glücklich ist in dieser Geschichte. Tatsächlich stellt sich die Familie Holtstein aber ganz anders dar.

Mutter Nina begnügt sich mit einem Job als Arzthelferin, da sie ihr Medizinstudium wegen der Schwangerschaft mit Ben abbrechen musste, während Vater Alexander seines beendet und eine erfolgreiche Karriere in der Klinik hingelegt hat. Er rackert sich für die Familie ab, ist aber viel zu selten daheim. Der neunzehnjährige Ben fühlt sich wie ein Loser. Er wünscht sich so sehr eine Freundin, vor allem, da seine drei Jahre jüngere Schwester Emilia anscheinend in einer glücklichen Beziehung mit Julian ist.

Der Roman sollte vielleicht besser „Alle nicht wirklich glücklich“ heißen, doch das ist nur der Anfang. Das dicke Ende kommt erst zum Schluss. Abwechselnd begleiten wir die vier Protagonist*innen durch ihren Alltag, lernen sie dabei immer besser kennen und dürfen hinter ihre Fassaden schauen. Dabei wirkt das Leben der Familie anfangs noch recht normal, wie es sicher in vielen realen Familien ist. Das Ende gleicht dann eher einem Erdbeben, das keinen Stein mehr auf dem anderen lässt. Das war mir dann fast schon zu heftig in dieser Größenordnung. Und leider endet die Geschichte dann auch noch recht offen, was ich nicht so besonders mag.

Der Schreibstil ist ziemlich einfach und nüchtern gehalten. Dabei gäbe es hier so viele Emotionen zur Leserin zu transportieren. Insgesamt konnte mich der Roman nicht wirklich mitreißen, obwohl ich mich gut in sämtliche Familienmitglieder hineinversetzen konnte.

★★★☆☆