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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.06.2018

Eigenartig und undurchsichtig

Seht, was ich getan habe
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Die Geschichte dieses Buches beruht auf einer wahren Geschichte rund um die zwei Todesfälle im Hause Borden. Die jüngste Tochter der Familie Lizzy findet ihren Vater und ihre Stiefmutter tot im Haus vor. ...

Die Geschichte dieses Buches beruht auf einer wahren Geschichte rund um die zwei Todesfälle im Hause Borden. Die jüngste Tochter der Familie Lizzy findet ihren Vater und ihre Stiefmutter tot im Haus vor. Bis auf Lizzy und das Hausmädchen Bridget war niemand im Haus. Nachdem sich Lizzy immer mehr in widersprüchlichen Aussagen verstrickt, wird sie wegen Mordverdachts festgenommen und Anklage wird erhoben. Die Morde werden rekonstruiert, doch bleibt die Tatwaffe unauffindbar. Zusätzlich hat Lizzys Onkel seine Finger im Spiel und engagiert einen Landstreicher, der die Geschehnisse auf seine Art und Weise beeinflusst. Doch am Ende bleibt die Frage: Wer hat die beiden tatsächlich ermordet?

Die Geschichte wird abwechselnd aus Sicht von Lizzy, Bridget, Emma und dem unbekannten Landstreicher geschildert. Dabei springt die Zeit zwischen Tagen und Jahren um die Geschehnisse in seiner Vollkommenheit darzustellen. Lizzy empfand ich als seltsames, unverständlichen Charakter. Einerseits will sie respektiert und geachtet werden und ihr eigenes Leben führen, andererseits jedoch hängt sie am Rockzipfel ihrer älteren Schwester und benimmt sich oft wie ein kleines Kind. Dieses widersprüchliche Verhalten hat mich verwirrt und nach und nach immens gestört, weil sie sich einfach unmöglich benimmt, wie eine verwöhnte Göre, könnte man schon fast sagen. Emma ist die Leidtragende und ist durch ein Versprechen an Lizzy gebunden, welches sie doch bereit ist aufzugeben um endlich selbstständig ihr eigenes Leben führen zu können. Bridget war mir von allen noch am sympathischsten. Sie kommt aus einer großen Familie aus bäuerlichen Verhältnissen und kennt das einfache Leben. Sie benimmt sich demnach auch nicht sehr eitel und denkt die Welt liege ihr zu Füßen. Nachdem so einige brisante Details der Familie Borden, die mir zunehmend unsympathischer wurde, ans Licht gekommen sind, tat mir Bridget einfach nur leid. Bei solch einer beziehungsgestörte kalte Familie zu arbeiten setzt ihr stetig zu und eigentlich ist sie dafür zu schade.

Allgemein setzt die Geschichte stark auf die vorhandenen und häufig verstörenden Beziehungsverhältnisse und Abhängigkeiten der Familienmitglieder, die durchsetzt sind von Egoismus, Intrigen, Eitelkeit, Einsamkeit und Gefühlskälte. Aufgemischt wird alles durch den unbekannten Obdachlosen, den es so im realen Fall nicht gegeben hat.

Der Schreibstil ist etwas anstrengend zu lesen, weil häufig heutzutage ungebräuchliche Begriffe verwendet werden und versucht wurde die Sprache an das 19. Jahrhundert anzupassen.

Letztendlich lässt mich die Geschichte fraglos zurück. Es ist nicht wirklich spannend, aber dennoch interessant geschrieben. Vor allem die Beziehungsverhältnisse untereinander geben Stück für Stück ein einheitliches Bild von der Geschichte, die dann doch so offen endet wie damals im realen Geschehen, sodass nur die Spekulation bleibt.

Veröffentlicht am 28.05.2018

Ist der Kreidemann der, der er zu sein scheint?

Der Kreidemann
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Die fünf Freunde Eddie, Mickey, Nicky, Gav und Hoppo denken sich nichts dabei als sie die Kreidemännchen zum Spielen nutzen um sich geheime Botschaften zu schicken. Doch eines Tages führen sie diese lustigen ...

Die fünf Freunde Eddie, Mickey, Nicky, Gav und Hoppo denken sich nichts dabei als sie die Kreidemännchen zum Spielen nutzen um sich geheime Botschaften zu schicken. Doch eines Tages führen sie diese lustigen Kinderzeichnungen zu der Leiche eines jungen Mädchens. Viele Jahre später erhält Eddie einen Brief mit einer Kreidezeichnung und es scheint als würde es wieder von vorne beginnen.

Die Geschichte wird aus zwei Zeitperspektiven erzählt, immer aus Eddies Sicht. Einmal als 12-jähriger und später als Erwachsener. Durch die alltäglichen Beschreibungen von Eddie als Kind bekommt man einen guten Eindruck von dem recht normalen Leben der fünf Kinder, bis es beginnt unheimlich zu werden. Immer wieder ist die Rede von einem Kreidemann, doch dieser scheint nicht der zu sein, für den ihn alle halten. Dann fangen die Morde an und man zweifelt an Eddies Vermutungen und Einschätzungen und hat den Eindruck irgendwas stimmt in dieser kleinen Stadt nicht. Zu viele Ungereimtheiten und Zufälle. Doch so ganz kann man die Zusammenhänge nicht erkennen und genau diese Unsicherheiten und Geheimnisse machen die Geschichte so spannend. Keiner ist so wie man ihn einschätzt, jeder hat was zu verbergen und einige Geheimnisse sind tödlich. Der Kreidemann scheint als Mörder mehr ein Mythos zu sein, mal abgesehen davon dass vor allem Eddie ihn so nennt, und es gibt keine handfesten Beweise nur leere Anschuldigungen. Es sind viele kleine Geheimnisse und Taten, die sich schnell zu etwas Verhängnisvollem und Unkontrollierbarem entwickeln, die so nicht vorgesehen oder beabsichtigt waren. Durch die komplexe und wirren Geschehnisse tappt man lange im Dunkeln und die Auflösung war dann doch ganz anders als erwartet.

Komplexe, ziemlich verschachtelte Handlungen, mit Charakteren, die mehr verbergen als es den Anschein macht und in denen sich so manche Abgründe auftun. Toller Thriller, der einen definitiv in die Irre führen wird, und das mit Extraklasse durch viele unerwartete Wendungen!

Veröffentlicht am 27.05.2018

Spannende Jagd nach dem Täter

Wir sehen dich
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Die junge Doktorandin Clementine hat sich nach den traumatischen Ereignissen vor 12 Jahren, bei denen ihr Vater ums Leben kam, völlig von anderen abgeschnitten und lebt ein isoliertes Leben in Angst. ...

Die junge Doktorandin Clementine hat sich nach den traumatischen Ereignissen vor 12 Jahren, bei denen ihr Vater ums Leben kam, völlig von anderen abgeschnitten und lebt ein isoliertes Leben in Angst. Unter anderem durch ihre soziale Zurückgezogenheit begründet, beschäftigt sie sich intensiv mit dem Verhalten von Menschen im Internet und wie sie sich dort darstellen, insbesondere mit True-Crime-Fans. Dort trifft sie auf eine Gruppe die eine laufende Mordserie vor der Polizei aufklären möchte. Sofort ist sie Feuer und Flamme und setzt sich mit all ihren Fähigkeiten dafür ein, dabei überschreitet sie gewisse Grenzen, um zu beweisen, dass eine Laien-Ermittlergruppe aus dem Internet der Polizei zuvorkommen kann und effizienter arbeitet. Doch dabei bemerkt sie nicht, wie nahe sie dem Mörder tatsächlich kommt und schon bald schwebt sie in unmittelbarer Gefahr...

Der Leser bekommt gleich einen Eindruck in das ziemlich beschränkte Leben von Clementine und ihrer intensiven Liebe zu Kriminalfällen, korrupten Polizisten und einer gewissen Geringschätzung und Misstrauen gegenüber der Polizei. Sie ist im echten Leben übervorsichtig und leidet an dem Verlust ihres Vaters, hält sich selbst für gefährlich und eine Mörderin, dessen Begründung sich im weiteren Verlauf findet, genauso wie in die tatsächlichen Geschehnisse von damals. Durch ihre oft egoistischen und ünverantwortlichen Taten war sie mir eher weniger sympathisch.Der leitende Ermittler DI Dominik Bell hat auch sein Päckchen zu tragen, hat er doch das Gefühl jemand hat ihn bei seiner letzten sehr missglückten polizeilichen Ermittlung hinters Licht geführt. Der familiäre sowie dienstliche Druck lastet schwer auf ihm und ich fand ihn dadurch sehr authentisch und sympathisch. Er ist mitfühlend und nimmt seinen Job ernst, vielleicht zu ernst und dadurch nimmt er die Schuld oft auf sich, wie in der laufenden Mordserie. Der Schreibstil ist angenehm zu lesen und lässt derweil auch Spannung aufkommen, ganz besonders am Ende, als es dann zum Äußersten kommt und Clementine sich, überraschenderweise, durch fehlende Vorsicht in eine missliche und potentiell gefährliche Lage manövriert. Die Ermittlungen der Laiengruppe hatte ich mir interessanter vorgestellt. Es kommen zwar Ergebnisse daraus hervor, allerdings erhält sie viele Informationen indiskret über Maulwürfe der Polizei und leistet kaum eigene Arbeit. Das war leider nicht so spannend, auch wenn es zwischenzeitlich gewisse unvorhersehbare Momente gegeben hat. Die Entdeckung des Täters war zwar im ersten Augenblick schon überraschend, im Rückblick allerdings doch in gewisser Weise vorhersehbar durch sein ablehnendes Verhalten und die Unwahrscheinlichkeit das er der Täter ist, die daraus resultiert, was ihn wiederum sehr verdächtig macht. Leider wurden die genauen Hintergründe der Tat nur ansatzweise geklärt und so bleibt unverständlich was ihn zu so einer Tat getrieben hat. Die leichte Annäherung zwischen Dom und Clementine hat mir hingegen ziemlich gut gefallen und sie wären ein gutes Team, wenn sie zusammen arbeiten würden. Das Ende hätte meiner Meinung nach noch etwas ausführlicher sein können und Clementines Perspektive noch aufgreifen, aber sonst ein würdiger Abschluss.

Veröffentlicht am 22.05.2018

Perfekt für Einsteiger!

Die ersten Schritte SM – Unterwerfung für Anfänger | Erotischer Ratgeber
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Dieses kleine Sachbuch gibt eine gute Einführung in die etwas Spezieller Spiele des SM/BDSM. Dabei werden anfangs grundlegende Begriffe geklärt und auch die Grenze zu straffälligen Handlungen gezogen um ...

Dieses kleine Sachbuch gibt eine gute Einführung in die etwas Spezieller Spiele des SM/BDSM. Dabei werden anfangs grundlegende Begriffe geklärt und auch die Grenze zu straffälligen Handlungen gezogen um Missverständnissen vorzubeugen. Anschließend wird Schritt für Schritt beschrieben wie Unerfahrene sich langsam an diese außergewöhnlichen Spiele heranwagen können und worauf dabei zu achten ist. Zusätzlich gibt es eine beispielhafte Liste mit Aktionen, die während solcher Sessions bzw. eines Spiels geplant und umgesetzt werden können. Der sichere Umgang - gerade bei/mit fremden Personen - wird auch kurz eingebettet und beschrieben worauf dabei geachtet werden sollte.

Der Schreibstil ist total locker, fast schon kumpelhaft, da der Autor den Leser duzt und einen sehr alltäglichen und verständlichen Sprachstil nutzt, ohne dass dieser jedoch in einen umgangssprachlichen rutscht und der Inhalt dadurch leidet. So macht das Lesen noch viel mehr Spaß.

Besonders toll finde ich die Einstellung des Autoren, die er hervorragend übermitteln kann, nämlich, dass das nichts Krankes oder Abartiges, Unnormales ist, als das es viele Leute ja noch betrachten. Er geht das mit sehr offen und aufrichtig um und bennent es als das, was es ist. Dass Vertrauen und Verantwortung eine wichtige und entscheidende Rolle bei Sessions dieser Art spielen wird nachdrücklich vom Autor mehrmals in seine Texte eingebettet und genannt. Das zeigt nochmal eine andere Seite von SM/BDSM, welche die Sicherheit an erster Stelle stellt.

Ein perfektes Buch für Einsteiger und Neugierige des SM, in einem plauderhaften aber niveauvollen Sprachstil beschrieben.

Veröffentlicht am 13.05.2018

Eine Geschichte über die Obsession von Büchern

Unter der Haut
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In dem letzten heißen Sommer der 1960-er Jahre ist der junge Student Jonathan auf der Suche nach hübschen Mädchen und neuen Erfahrungen, bis er den bücherliebenden und ominösen Eisenstein kennen lernt, ...

In dem letzten heißen Sommer der 1960-er Jahre ist der junge Student Jonathan auf der Suche nach hübschen Mädchen und neuen Erfahrungen, bis er den bücherliebenden und ominösen Eisenstein kennen lernt, der ihm zeigt wie er Mädchen verführen kann und das bekommt was er möchte. Doch nach einigen abenteuerlichen Ereignissen mit Eisenstein beschleicht Jonathan das Gefühl, dass hinter Eisensteins Fassade etwas Bedrohliches schlummert, denn er hält sich bei den Mädchen bedeckt und scheint kaum Interesse an ihnen zu haben, sondern frönt sich seiner fast schon obsessiven Liebe und der Suche nach dem perfekten Buch. Viele Jahre später scheint sich Jonathans Verdacht zu bestätigen...

Das Buch gliedert sich in drei verschiedene Teile, die jeweils aus den Perspektiven von Jonathan, Eisenstein und Jonathan & Sally in verschiedenen Zeiträumen geschrieben sind. Die Unterscheidung findet sich nicht nur in der räumlichen Aufteilung, sondern auch in dem Sprachstil und sogar der Rechtschreibung wieder. Jonathan lernt man als naiven, unerfahrenen Studenten kennen, der verzweifelt versucht Erfahrungen zu sammeln in der überfüllten und erdrückenden Metropole New York. Dabei scheint er anfangs nur gesteuert durch seine Triebe und weniger durch rationale Gedanken. Da hat Eisenstein leichtes Spiel und kann Jonathan nach Belieben manipulieren und seinem eigentlichen Ziel unverdächtig nachkommen. Man erfährt kaum etwas über ihn und er wirkt sehr unnahbar und seltsam verschroben. Erst in seiner eigenen Geschichte wird sein Leben sehr detailliert geschildert und durch den Kontrast zu Jonathans doch recht eintönigen und gezogenen Geschichte, kam hier wieder viel Schwung in die Geschichte, zwar nicht durch Spannung, jedoch aufgrund interessanter wie teils verstörenden Fakten und Geschehnissen, die Eisenstein in einem gänzlich ganz anderen Licht präsentieren. Nach und nach erkennt man den Eisenstein der 1960-er Jahre in ihm und sein schreckliches wie abstoßendes Geheimnis, das aus einer früh geprägten und entstandenen Obsession zu Büchern entstanden ist. Nach dem aus dem dritten Buchteil gewonnen Informationen setzt sich ein einheitliches Bild von den Hintergründen der damaligen Geschehnisse zusammen und man versteht die Tragweite und die Intentionen Eisensteins wesentlich besser.

Insgesamt sind die Charaktere ziemlich unnahbar und ungreifbar, bis auf den vor sich hin lebenden Jonathan, der scheinbar kein klares Ziel vor Augen hat und etwas Verloren scheint in einer so großen Stadt wie New York. Die in Wechselwirkung miteinander stehenden Buchteile offenbaren am Ende ein außergewöhnliches Detail, welches das gesamte Buch in einem neuen Licht erscheinen lässt und viele neue Fragen offenbart.

Ein komplexer, sehr gut durchdachter Roman mit einigen Thriller-Elementen, einer brillanten drückenden und unnahbaren Atmosphäre und undurchsichtigen Protagonisten, erzählt in einem etwas Anspruchsvolleren Schreibstil, der allerdings perfekt zu der Geschichte passt.