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Veröffentlicht am 04.06.2018

Anders als Band 1, aber anders gut

Save You
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Die „Save Me“-Reihe von Mona Kasten ist vom Stil her etwas anders als die „Again“-Reihe, aber dennoch konnte mich der Auftaktband vor wenigen Monaten sehr überzeugen. Die Schwächen sah ich einzig darin, ...

Die „Save Me“-Reihe von Mona Kasten ist vom Stil her etwas anders als die „Again“-Reihe, aber dennoch konnte mich der Auftaktband vor wenigen Monaten sehr überzeugen. Die Schwächen sah ich einzig darin, dass die Protagonisten nicht jünger wirken als aus der anderen Reihe und dass die Perspektiven nicht immer an den richtigen Stellen gewählt waren. Da Band 1 mit einem üblen Cliffhanger aufwartete, war die Zeit bis zum zweiten Band natürlich lang, aber nun durfte ich ihn endlich lesen. Daher hier meine Einschätzung zu der Fortsetzung:

Über die gesamte Lektüre hinweg ist mir aufgefallen, dass sich der Grundton der Geschichte etwas verändert hat. Einige MitleserInnen haben im ersten Band kritisiert, dass Mona Kasten doch mit vielen Klischees gearbeitet hat. Das habe ich natürlich auch wahrgenommen, habe es aber nicht kritisch gesehen, da das Gesamtpaket für mich passte. Nun finde ich aber, dass man „Save you“ dies gar nicht vorwerfen kann, da die typischerweise zu erwarteten Handlungen durch unheimlich viel Gefühl, für das sich Mona richtig viel Zeit gelassen hat, ersetzt wurden. Es gibt so viele großartige Szenen, die mit einer wundervollen, anrührenden Sprache perfekt auf den Punkt gebracht wurden und die laden sogar richtig ein, noch ganz oft gelesen zu werden. Insgesamt ist das Tempo der Erzählung sehr gemächlich, aber wenn dann eben solch intensive Momente das Ergebnis sind, dann fühle ich mich auch gar nicht gestört in die Lektüre.

Etwas problematisch bleibt weiterhin der Aspekt mit den Perspektiven. Mona hat sich sogar entschieden, noch zwei weitere Perspektiven hinzuzunehmen, was natürlich durchaus gewagt ist, da sie schon mit zwei Perspektiven nicht perfekt umgehen konnte. Die zwei Perspektiven, die hinzugenommen werden, lohnen sich in jedem Fall, da beide Frauen eine Geschichte zu erzählen haben. Aber durch die vier Perspektiven wird noch offensichtlicher, dass die Gewichtung der Perspektiven nicht gelingen will. Mal ist Lydia dominant, dann verschwindet sie für zahlreiche Kapitel, wo Ember dann mehr eine Stimme erhält. Das wirkt leider nicht konstant, dafür wurde aber meine Befürchtung widerlegt, dass Ruby und James vielleicht etwas zu kurz kommen könnten, aber das war gar nicht der Fall, denn diese beiden haben genau den Raum bekommen, den sie auch brauchten.

Etwas schwer tue ich mich dann mit dem Ende. Damit meine ich nicht nur den erneuten fiesen Cliffhanger, sondern schon auch ein Stück davor mit. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, dass es plötzlich einen Break gab, wo die Luft raus war und wo dann überstürzt noch viel Drama inszeniert werden musste, obwohl das für die wenigen verbliebenen Seiten einfach zu viel war. Somit haben wir am Ende von Band 2 so viele offene Dramen, dass ich mir gar nicht sicher bin, ob man die im Abschlussband zufriedenstellend auflösen kann.

Fazit: „Save You“ hat mich vor allem im ersten Drittel und im Mittelteil richtig umhauen können, weil mit so viel Gefühl gearbeitet wurde, dass ich stellenweise dahin geschmolzen bin. Zudem wurde auf ein etwas gemächlicheres Erzähltempo gesetzt, das aber perfekt auf die Situation zugeschnitten war. Weiterhin muss ich Abstriche bei den Perspektiven machen, da diese nun vor allem bei den Nebenfiguren in der Gewichtung nicht schlüssig genutzt werden. Auch das Ende ist dann etwas überhastet erzählt und an wenigen Stellen sogar ärgerlich. Dennoch ist meine Vorfreude auf den Abschlussband nicht getrübt und ich würde für Fans auch definitiv eine Leseempfehlung aussprechen, da die Schwächen das Lesevergnügen nicht nachhaltig beeinträchtigen konnten.

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Veröffentlicht am 26.05.2018

Erneut ein Spektakel

Das Herz des Verräters
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Band 1 der „Chronik der Verbliebenen“ „Der Kuss der Lüge“ war ein unerwartetes Highlight für mich, da diese langsam beginnende Geschichte am Ende eine Urgewalt entfaltet hat, an die ich heute noch mit ...

Band 1 der „Chronik der Verbliebenen“ „Der Kuss der Lüge“ war ein unerwartetes Highlight für mich, da diese langsam beginnende Geschichte am Ende eine Urgewalt entfaltet hat, an die ich heute noch mit Gänsehaut zurückdenke. Daher kann ich auch gar nicht verstehen, warum „Das Herz des Verräters“ so lange auf meinem SUB ausharren musste, denn bei so einem genialen Auftakt, kann der zweite Band doch gar nicht so abflauen, oder?
Beginnen möchte ich mit einem Thema, das mich in Reihen, wo die einzelnen Bände aufeinander aufbauen, sehr oft beschäftigt. In solchen Fällen bin ich gerne ein Fan davon, dass auf geschickte erzählerische Art und Weise noch einmal das zentrale Geschehen des Vorgängers aufgegriffen wird. Nun habe ich es selbst verschuldet, dass so ein langer Zeitraum zwischen „Der Kuss der Lüge“ und „Das Herz des Verräters“ lag, denn ich habe mich unheimlich schwergetan wieder in das Geschehen zu finden. Denn es wird wirklich nichts, aber so gar nichts noch einmal eingesponnen. Natürlich kann man sich nach und nach wieder einiges zusammenspinnen, weil die Handlung ja nahtlos fortsetzt, aber schwierig ist es dennoch. Aber das soll jetzt kein Aspekt sein, der negativ in die Wertung einfließt, aber ich bin doch immer wieder überrascht, wenn in diese Hinsicht so gar nichts unternommen wird.
Der grundsätzliche Stil der Geschichte wird beibehalten. Hauptsächlich berichtet Lia, Kaden und Rafe erhalten immer mal wieder kurze Kapitel zwischendurch. Dabei ist mir mehrfach aufgefallen, dass ich nicht immer ganz so zufrieden bin, wann mal Rafe, wann mal Kaden das Wort erhält. Klar, manchmal nutzt die Autorin das zum zusätzlichen Spannungsaufbau, manchmal wird dieser aber auch total schmerzhaft ausgebremst. An Lias Perspektive erfreue ich mich nach wie vor am meisten, denn sie ist so eine starke und bewundernswerte Persönlichkeit, dass ich unheimlich gerne neue Geschichten mit ihr erlebe. Man muss auch wirklich sagen, dass Lia ständig für eine neue Überraschung gut ist, das macht das Leseerlebnis mit ihr so mitreißend!
Von der Handlung her muss ich sagen, dass ich das Buch etwas schwächer als den Vorgänger einschätzen würde. Ich habe verstanden, dass viel Zeit eingeräumt wurde, um Venda aufzubauen, zu erklären und einen Zwiespalt im Leser hervorzurufen, weil dieses feindliche Land gar nicht so feindlich ist. Es gab immer wieder gelungene Überraschungen, spannende und einnehmende Szenen, das ist nicht zu leugnen. Aber im Groben habe ich doch das Gefühl, dass mir viel von Venda entgangen ist, weswegen ich nicht so an das Geschehen gebunden war, wie im ersten Teil.
Absolute Weltklasse war dann aber wieder das Ende. Ich konnte das Buch gar nicht mehr beiseite legen, haben an allen Handlungen wie eine Verhungernde gehangen, da man wirklich zu keinem Zeitpunkt vermuten konnte, wie dieser Band enden wird. Daher kann ich nur sagen, dass Ende wunderbar gelungen ist und wieder einmal unterstrichen hat, dass Lia eine weibliche Figur für die Ewigkeit ist. Zum Anbeten! Zudem ist dies die erste Reihe, wo eine Dreiecksgeschichte geboten wird, wo man sich so recht nicht entscheiden kann. Ich bin eigentlich immer schnell felsenfest auf einer Seite, aber hier wäge ich ständig Vor- und Nachteile ab, auch das eine tolle Leistung der Autorin!
Fazit: „Das Herz des Verräters“ ist wieder der Auftakt zu der „Chronik der Verbliebenen“ ein echtes Lesevergnügen. Vor allem das Ende ist es wieder mal doppelt und dreifach wert. Dennoch würde ich den zweiten Band etwas schlechter einschätzen. Zum einen hat mir die Perspektivenwahl nicht immer gefallen und zum anderen hatte das Geschehen doch seine Längen und Hänger. Aber das ist wirklich Klagen auf hohem Niveau, da ich jeden Moment genießen konnte!

Veröffentlicht am 15.05.2018

Am Ende doch mindestens eine Wendung zu viel

The Wife Between Us
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Für „The Wife Between Us“ habe ich mich vor allem wegen des Covers begeistern lassen. Es ist in meiner Lieblingsfarbe gehalten! Das ist zwar sehr oberflächlich, aber immerhin so ein Eyecatcher, dass ich ...

Für „The Wife Between Us“ habe ich mich vor allem wegen des Covers begeistern lassen. Es ist in meiner Lieblingsfarbe gehalten! Das ist zwar sehr oberflächlich, aber immerhin so ein Eyecatcher, dass ich mir auch den Klappentext und später eine Leseprobe durchgelesen habe. Eher abschreckend ist inzwischen ja die Werbemaßnahme, wenn Bücher als Nachfolger von „Gone Girl“ oder „Girl On the Train“ angekündigt werden und man mit hohen Erwartungen an die Lektüre geht und dann bitter enttäuscht wird. Ich habe mich aber wegen der ersten Argumente nicht einschüchtern lassen und habe schnell gemerkt, dass „The Wife Between Us“ wirklich sehr gut in eine Reihe mit den genannten Autoren passt, denn es ist wirklich kaum etwas so, wie es zunächst scheint.

Neben der Tatsache, dass kaum ein Buch wirklich die Raffinesse eines „Gone Girl“ erreicht, ist ein weiteres Problem, wenn man feststellt, dass es doch wie Gone Girl ist, dass man eben ständig mit Irreführungen und Wendungen rechnet. Das ist mir beim Lesen wirklich sehr aufgefallen, da ich nach dem ersten Teil wusste, ja, das hier ist eine gute Unterhaltung, aber was kannst du wirklich glauben? „Gone Girl“ war ja damals das erste Buch in dieser Richtung, dass die konstruierte Welt noch einmal komplett über den Haufen geworfen hat, daher war das damals ein riesiges WTF?! Daher war ich bei „The Wife Between Us“ auf alles vorbereitet. Auch wenn ich niemandem getraut habe und nicht alles Gesagte für bare Münze genommen habe, bin ich doch immer wieder überrascht worden, weil die Tricks und Wendungen einfach unheimlich gut konstruiert sind. Es ergeben sich keine logischen Fehler und daher muss man wirklich hochachtungsvoll sagen: ja, die Tarnung ist perfekt! Am Ende gibt es sogar noch einmal eine Überraschung, aber die war mir dann wirklich zu viel. Vorher habe ich laut Beifall geklatscht, doch dieser eine Aspekt hat gezeigt, dass das Autorinnenduo zu viel wollte und nicht bemerkt hat, dass es bis daher von der psychologischen Raffinesse her perfekt war und dann über das Ziel hinausgeschossen ist.

Neben der ganzen starken Handlung, die auch von einem raffinierten Stil profitiert, gehe ich normalerweise auch immer ausführlicher auf die Hauptfiguren ein. Das ist bei „The Wife Between Us“ fast nicht möglich, da bereits dort es mit den ersten Spoilern anfängt. Daher sage ich nur grob, dass ich mit den meisten Charakteren sehr glücklich war, weil sie sehr vielschichtig inszeniert wurden und es wirklich ein Auf und Ab an Gefühlen gab, das man aber stets wunderbar nachempfinden konnte. Etwas kritisch betrachte ich dagegen den männlichen Protagonisten Richard. Zwar wurde zu keiner Zeit aus seiner Perspektive berichtet, was sicher ein Nachteil ist, aber dennoch gibt es am Ende einen Erklärungsansatz, der war mir jedoch völlig unzureichend. Daher hätten die Autorinnen an dieser Stelle gerne übers Ziel hinausschießen können!

Fazit: „The Wife Between Us“ ist eine sehr spannende Unterhaltung, die in meinen Augen durchaus das Prädikat tragen darf, so zu sein wie z. B. „Gone Girl“. Natürlich hat man dann automatisch Erwartungshaltungen, aber ich muss sagen, dass ich trotzdem mehrfach sehr, sehr gut überrascht werden konnte und vor allem der psychologische Aspekt wurde stets sehr stark bedient. Zwei Schwächen gibt es zwar auch, aber ich fand „Gone Girl“ schon nicht perfekt, so dass ich daher sehr gerne eine Leseempfehlung für „The Wife Between Us“ ausspreche!

Veröffentlicht am 11.05.2018

Tiefgründiger Stil, aber zu viel Drama

Deine Worte in meiner Seele
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Ich habe Brittainey C. Cherry zuerst durch „Wie die Luft zum Atmen“ kennengelernt und später festgestellt, dass sie zuvor mit „Verliebt in Mr Daniels“ noch ein Buch im NA-Genre veröffentlich hatte. Durch ...

Ich habe Brittainey C. Cherry zuerst durch „Wie die Luft zum Atmen“ kennengelernt und später festgestellt, dass sie zuvor mit „Verliebt in Mr Daniels“ noch ein Buch im NA-Genre veröffentlich hatte. Durch eine nette Aktion von Lesejury bin ich nun an dieses Buch gekommen und bin ihm mit großer Vorfreude begegnet, da ich Cherry als Autorin kennengelernt habe, deren Sprache unheimlich emotional und tiefgehend ist und die sich in heftige Geschichten vorwagt und diese dennoch mit einer ungeheuren Sensibilität angeht.
All diese Eigenschaften, die ich gerade aufgezählt habe, zeigen sich auch sehr schnell bei „Verliebt in Mr Daniels“. Das hat zur Folge, dass das Setting der High School manchmal etwas daneben wirkt, weil die Themen und vor allem natürlich Daniel und Ashlyn so erwachsen wirken. Dafür gibt es abseits dieser beiden andere Figuren und Handlungen, die wesentlich besser passen und die mich auch gut unterhalten konnten, obwohl die Diskrepanz zu den Hauptfiguren doch groß war.
Daniel und Ashlyn als Paar und damit ihre Liebesgeschichte hat mich von Anfang an tief berühren können, da diese zu keinem Zeitpunkt plump oder rein auf Äußerlichkeiten beruhten, sondern weil es von Anfang an zwischen ihnen um echte und tiefe Gefühle ging und um ein Verständnis füreinander, das ganz tief von innen kommt. Dieser Eindruck wurde über die Sprache und die Songtexte zu Beginn jedes Kapitels immer wieder bestärkt, so dass ich immer etwas ins Schwelgen kam, wo meine Gedanken abdrifteten, weil ich es so schön empfand. Natürlich gibt es auch das typische Hin und Her, wo mal der eine, mal der andere aberwitzig agiert, aber im Gesamtrahmen hat mich das nie stören können, weil es eben so chic verpackt war.
Gestört hat mich aber definitiv etwas Anderes an der Geschichte. Sowohl Ashlyn als auch Daniel hatten ein gewaltiges Päckchen zu tragen, wo es über Tod, Drogen, Mord, Vernachlässigung ging. Das konnte ich noch akzeptieren, da es eben auch so wunderbar erklärte, warum Daniel und Ashlyn sich so intuitiv verstehen. Aber dass auch sämtliche Nebenfiguren so einen Ballast auferlegt bekommen musste, das war mir einfach zu viel. Ja, die Welt ist schrecklich und ungerecht, aber ich muss das nicht so übertrieben dargestellt bekommen, weil ich mich auch abseits all des Dramas mit Figuren identifizieren und mitfühlen kann. Da es die ganze Geschichte immer wieder neue Schicksalsschläge gab, habe ich irgendwann die Augen verdrehen müssen, was ich sehr schade fand, da das so eine geniale Geschichte gar nicht verdient hat.
Fazit: „Verliebt in Mr Daniels“ beweist mir, dass Cherry auch im NA-Genre sehr berührend zu erzählen weiß, obwohl ich mich nicht des Eindrucks erwehren kann, dass ihr Stil schon so erwachsen ist, dass er einfach besser zu älteren Figuren passt. Aber ihre tiefgründige Sprache und das emotionale Mitreißen funktioniert einwandfrei. Negativ möchte ich aber erwähnen, dass zu viele Schicksalsschläge aufgefahren wurde, so dass mir all diese negativen Einflüsse irgendwann zu viel wurden, aber das hat das Lesevergnügen zum Glück nur kaum beeinflusst.

Veröffentlicht am 29.04.2018

Ein Ticken Emotionalität zu wenig

Nichts ist gut. Ohne dich.
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„Nichts ist gut. Ohne dich“ von Lea Coplin hat meine Aufmerksamkeit erweckt, weil ich mich bei dem wunderschönen Cover an den dtv-Stil erinnert gefühlt habe, der auch bei meiner Lieblingsautorin aus diesem ...

„Nichts ist gut. Ohne dich“ von Lea Coplin hat meine Aufmerksamkeit erweckt, weil ich mich bei dem wunderschönen Cover an den dtv-Stil erinnert gefühlt habe, der auch bei meiner Lieblingsautorin aus diesem Verlag, Colleen Hoover, zu finden ist. Zudem gab es einen vielversprechenden Klappentext, der mich auf eine emotionale und mitreißende Liebesgeschichte hoffen ließ.
Beim Anfang dieses Buches war ich unheimlich überrascht, wie schnell sich der erste Eindruck von der weiblichen Protagonistin, Jana, gewandelt hat. In den ersten zwei Kapiteln aus ihrer Sicht habe ich Jana als empfindsam, schüchtern und tief verletzt erlebt. Die Grundaspekte der Empfindsamkeit und der tiefen seelischen Verletzung bleiben auch hinterher bestehen, aber als ich dann plötzlich eine abenteuerlustige, selbstbewusste, sture und bockige Jana kennenlernen durfte, hat mir der Mund vor Überraschung doch länger aufgestanden. Mit diesen Voraussetzungen war mir klar, dass es mit Jana etwas anstrengend werden könnte, da sie kaum rational denkt, sondern immer aus dem Bauch heraus entscheidet und damit in das ein oder andere Fettnäpfchen tritt oder auch mal ohne Rücksicht auf Verluste agiert. Dies mitzuverfolgen habe ich dahingehend als anstrengend empfunden, weil ich selbst so gar nicht so bin und ich somit die Verhaltensweisen oftmals gar nicht nachvollziehen kann. Dennoch habe ich die Lektüre als sehr spannende Reise mit Jana empfunden, die über die Liebe ihren Frieden mit sich selbst schließt und sich somit selbst erst richtig kennenlernt. Solche Entwicklungen begleite ich nämlich immer gerne.
Janas männlicher Gegenpart Leander hatte es nicht ganz so schwer bei mir, weil er mir mit seiner Empathie, seiner Treue, seinem Gerechtigkeitssinn und seiner Verletzlichkeit einfach auf Anhieb gefallen hat. Man hat ihm seinen altersbedingten Vorteil gegenüber Jana schon deutlich angemerkt, da er eben total rational denkend unterwegs war. Aber auch er hat sich selbst noch nicht gefunden und befindet sich eher in einem Schwebezustand, der durch den drohenden Tod seiner schwer kranken Mutter natürlich gut nachzuempfinden ist. Auch er befindet sich in diesem Buch auf einer Reise zu sich selbst, bei ihm kommt die Selbsterkenntnis aber nicht ganz so deutlich heraus, vielleicht auch weil der Fokus (der ansonsten sehr gerecht aufgeteilt ist) gegen Ende hin eher bei Jana liegt.
Da beide durch den gleichen Aspekt in ihrem Leben schwer geprägt wurden und sich beide dadurch noch nicht selbst gefunden haben, haben sich die beiden gut ergänzt und mit der Zeit eine echt gute Chemie entwickelt. Zu Beginn war diese Chemie noch etwas im Ungleichgewicht, weil Jana sich gegenüber Leander eher unnachgiebig verhalten hat und weil er eben eher die kleine Schwester in ihr sah. Als diese Chemie aber einmal da war, konnte man schon sehr gut mit den beiden mitfiebern. Die Kussszenen zwischen den beiden waren richtig elektrisierend, die Sexszene war dagegen so weit ausgespart, dass für mich ein wenig ein Bruch in ihrer Verbindung entstand, die zum Glück am Ende aber wieder da war.
Auch wenn Vergleiche zu anderen Autoren immer Nachteile mit sich bringen und der Vergleich zu Hoover ja auch von mir selbst kreiert ist, muss ich diesen einfach wagen. Denn er zeigt mir deutlich, dass dieses Buch dieses letzte bisschen an Emotionalität, das Hoover immer hervorzaubert, nicht herauskitzeln kann. Die Aufarbeitung des Verlustes von Tim und Leanders Schuldgefühle an seinem Tod und schließlich auch noch weitere Handlungsaspekte, die ich hier nicht spoilern möchte, werden ein Stück weit zu oberflächlich behandelt. Gerade Leanders Brief, der seine Involvierung in Tims Tod erklärt, den hätte ich selbst gerne mal gelesen. Ich hätte gerne Maries Probleme damit näher ergründet, ich hätte auch Janas Beziehung zu ihrer Mutter und ihrem toten Bruder transparenter gehabt. All das sind keine Must-Havs für diese Geschichte, weil „Nichts ist gut. Ohne dich“ auch ganz wunderbar ohne diese funktioniert, aber wenn sie da gewesen wären, hätte es die Erzählung echt perfekt machen können!
Fazit: „Nichts ist gut. Ohne dich“ ist ein zufriedenstellendes NA-Buch, das eine schöne Liebesgeschichte erzählt und vor allem den Protagonisten genug Raum gibt, um sich selbst zu entfalten. Die emotionale Ebene dagegen hätte ich mir noch stärker gewünscht, da ich mich mit gewissen Ergänzungen vermutlich noch besser mit Jana und Leander hätte identifizieren können.