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Veröffentlicht am 31.05.2018

Liebe zu Gott und zum Ehepartner

Susannah Spurgeon
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Charles Spurgeon ist vielen Christen bekannt. Er lebte im 19. Jahrhundert, und war ein sehr beliebter Prediger und Autor. Wer war aber die Frau an seiner Seite, Susannah Spurgeon? Davon erzählt dieses ...

Charles Spurgeon ist vielen Christen bekannt. Er lebte im 19. Jahrhundert, und war ein sehr beliebter Prediger und Autor. Wer war aber die Frau an seiner Seite, Susannah Spurgeon? Davon erzählt dieses Buch, das schon zwei Jahre nach ihrem Tod geschrieben wurde, im Jahr 1905.

Susanne Spurgeon lebte von 1832-1903. Sie besuchte in ihrer Jugend mit ihrer Familie eine Kirche, und in einem Gottesdienst erlebte sie eine persönliche Hinwendung zum Glauben. Aber dieses Erlebnis ging bald im Alltag unter. Eines Tages predigte der 19jährige Charles Spurgeon zum ersten Mal in ihrer Kirche. Susannah war an diesem Abend nicht besonders beeindruckt von ihm, aber je öfters sie ihm zuhörte, desto mehr erwachte in ihr der Wunsch von ganzem Herzen für ihren Glauben zu leben.

Charles und Susanne lernten sich besser kennen, und schließlich wurde sie seine Frau. Die Ehejahre waren von einer tiefen Liebe der Partner zueinander geprägt. Sie litten beide unter schmerzhafte Krankheiten, die ihre Möglichkeiten stark einschränkten. Trotzdem setzten sie sich mit ganzer Kraft für ihren Glauben ein. Susannahs großes Anliegen war die Beschaffung von Büchern für Prediger. Da Pfarrer damals kaum genug verdienten, um ihre Familien zu versorgen, gab es für sie keine Möglichkeit sich mit guter, geistlicher Literatur weiterzubilden. Trotz großer Schmerzen, arbeitete Susannah bis an ihr Lebensende für dieses Werk. Sie nahm Spenden an, las Anfragen der Prediger, und besorgte und verschickte dann die gewünschte Literatur. Über die Bücherarbeit wird ausführlich berichtet, das ist vielleicht heute nicht so interessant wie damals, als das Buch geschrieben wurde.

In diesem kurzen Buch werden die wichtigsten Ereignisse aus einem reichen Leben beschrieben. Fußnoten ergänzen an manchen Stellen den Text mit Informationen, die heute nicht so geläufig sind. Dazu enthält das Buch einige Zitate und Briefauszüge von Charles und Susannah Spurgeon. Was beim Lesen besonders auffällt, ist die große Liebe der Beiden zueinander. Sie mussten aus Krankheitsgründen oft getrennt sein, und darum schrieben sie sich sehnsuchtsvolle Briefe. Susannah unterstützte ihren Mann von Herzen gerne. Schon früh lernte sie ihre eigenen Wünsche zurückzustecken, um den Dienst ihres Mannes zu unterstützen.

Besonders schön ist es von ihrem hoffnungsvollen Tod zu lesen. Nach langer Krankheit nahm ihre Kraft ab. Schließlich starb sie mit einem strahlenden Gesicht, weil sie Jesus in seiner Herrlichkeit sah.

Dieses ermutigende Buch, das mehr als hundert Jahre überdauert hat, zeigt worauf es im Leben wirklich ankommt. Man sieht am Beispiel dieses Paars, dass ein erfülltes Leben nicht abhängig ist von Besitz oder Gesundheit. Obwohl beide unter Krankheit litten, und sie nicht vermögend waren, da sie gerne teilten, war ihr Leben reich, erfüllt und gesegnet.

Veröffentlicht am 27.05.2018

Unsinn der Apartheid

Farbenblind
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Mit seinem Humor wurde Trevor Noah zuerst in seiner Heimat Südafrika bekannt. Jetzt ist er ein Schauspieler und weltweit bekannter Moderator. In diesem lesenswerten Buch berichtet er über seine außergewöhnliche ...

Mit seinem Humor wurde Trevor Noah zuerst in seiner Heimat Südafrika bekannt. Jetzt ist er ein Schauspieler und weltweit bekannter Moderator. In diesem lesenswerten Buch berichtet er über seine außergewöhnliche Kindheit und Jugend.

Seine selbstbewusste Mutter will ein Kind von einem weißen Mann haben, auch wenn das damals gegen das Gesetz verstieß. Sexuelle Beziehungen zwischen schwarzen und weißen Menschen waren verboten. Wenn solche Paar erwischt wurden, wurde zumindest der schwarze Partner bestraft, und das Kind konnte in ein Heim kommen.

Trevor Noah ist also selbst ein Verbrechen, als er im Jahren 1984 in Südafrika geboren wird. Er hat nur wenig Kontakt mit seinem Schweizer Vater. In den ersten Jahren seiner Kindheit wird er meistens im Haus versteckt, bis sich die Gesetze lockeren. Trotz einigen Auseinandersetzungen, ist seine Mutter, mit ihrem starken Glauben, die wichtigste Stütze in seinem Leben. Diese selbstbewusste Frau behandelt ihn zumeist wie einen erwachsenen Gegenüber. Sie vermittelt ihm viele wichtige Werte, nicht zuletzt auch wie ein Mann eine Frau behandeln sollte.

Als Mischlingskind leidet Trevor Noah darunter, dass er sich keins der anderen Gruppen zugehörig fühlt. Er ist weder schwarz noch weiß, aber er ist auch nicht ein „Farbiger“, wie die Einwanderer aus Indien und anderen Ländern genannt werden. Er muss mühsam seine Identität suchen, und fühlt sich schließlich bei den schwarzen Mitschülern am wohlsten. Er hat eine Sprachbegabung, und erkennt wie wichtig es im zwischenmenschlichen Umgang ist, die Sprache des anderen zu kennen.

In diesem Buch erzählt er viele lustige und auch ernste Anekdoten aus seiner Kindheit. Es geht um Armut, Gewalt, Liebe, den Glauben, und immer wieder über Apartheid. Zwischen den erzählerischen Kapiteln findet sich jeweils eine kurze Erklärung, passend zum Thema. So erfährt der Leser nicht nur warum Apartheid keinen Sinn macht, sondern erfährt auch insgesamt viel Interessantes über das Land Südafrika.

Gutgeschrieben, interessant und immer wieder lustig, macht es Spaß dieses herzerwärmende Buch zu lesen. Besonders zu empfehlen für Südafrika-Liebhaber, um das Völkergemisch in diesem Land besser zu verstehen.

Veröffentlicht am 17.05.2018

Ich habe einen Traum…

Und wenn Gott schwarz wäre ...
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März 2016 verlässt Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende seine katholische Gemeinde im bayrischen Zorneding. Als schwarzer Pfarrer, der sich zudem nicht scheut seine Meinung zu sagen wenn es um Ungerechtigkeit ...

März 2016 verlässt Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende seine katholische Gemeinde im bayrischen Zorneding. Als schwarzer Pfarrer, der sich zudem nicht scheut seine Meinung zu sagen wenn es um Ungerechtigkeit und Fremdenhass geht, hat er sich Feinde gemacht. Obwohl der Großteil seiner Gemeinde hinter ihm steht, führen hasserfüllte Briefe und Morddrohungen dazu, dass er zurücktritt.

Enttäuscht fragt er sich inwieweit die Institution Kirche einer solchen Unbarmherzigkeit Raum gibt. In diesem Buch setzt er sich mit der Frage auseinander, wie Kirche heute aussehen sollte.

Was genau in Zorneding vorgefallen ist, wird im ersten Kapitel des Buchs ausführlich berichtet. Danach ergreift Pfarrer Olivier das Wort. „Was wäre wenn…“, so beginnen die nächsten sechs Kapitel, die seinen Traum von einer demütigen, barmherzigen und offenen Kirche beschreiben. Pfarrer Olivier erzählt jeweils am Anfang eines Kapitels, passend zum Thema, Erlebnisse aus seiner Kindheit in Kongo. Dann beschreibt er die Kirche seiner Träume, und begründet diesen Traum mit dem Vorbild Jesu. Er schreibt von einer Kirche, in der alle Menschen gleich sind, die arm ist, liebevoll und barmherzig; eine Kirche, in der Priester heiraten dürfen und auch Frauen als Priester ordiniert werden. Im letzten Kapitel fasst er seinen Traum zusammen. Es entsteht das Bild einer fröhlichen, liebevollen und warmherzigen Kirche.

Pfarrer Olivier greift wichtige Themen auf, und in vielen Bereichen wäre eine Veränderung, wie er sie beschreibt, sicher dringend notwendig. Manchmal schießt er jedoch vielleicht über das Ziel hinaus. Er überlegt, dass Gott mehr weibliche Eigenschaften hat und fragt daher, „Was wäre wenn Gott eine Frau wäre?“ Und da der Mensch zum Bilde Gottes geschaffen wurde, und Evolutionisten sagen die Menschen waren am Anfang alle schwarz, kommt er zu dem Schluss, „Gott ist eine Frau, Gott ist schwarz.“ (Seite 166) Danach schreibt er jedoch, dass Gott bunt ist, wie ein Chamäleon, und unvorstellbar. Gerade, weil Gott unvorstellbar ist, ist wohl jeder Versuch ihn nach unseren menschlichen Kategorien zu definieren zum Scheitern verurteilt.

Ein Pfarrer, der auch nach traurigen Erfahrungen an seinem Traum von Kirche festhält.

Veröffentlicht am 17.05.2018

Mit Gott dankbar ans Ziel

Freihändig
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Nick Vujicic wurde 1982 ohne Arme und Beine geboren. Trotz seiner Behinderung versuchte er schon als Kind alle Hürden und Hindernisse zu überwinden. Mit Hilfe seiner Stirn und einem kleinen Fuß am Rumpf, ...

Nick Vujicic wurde 1982 ohne Arme und Beine geboren. Trotz seiner Behinderung versuchte er schon als Kind alle Hürden und Hindernisse zu überwinden. Mit Hilfe seiner Stirn und einem kleinen Fuß am Rumpf, lernte er sich fortzubewegen, aufzusetzen und vieles mehr. Trotzdem zweifelte er oft an Gott, und fragte sich wieso er nicht mit einem vollständigen Körper geboren werden konnte. Als Kind wollte er sich selbst umbringen, aber der Gedanke an seine Eltern hielt ihn davon ab.

Durch den Glauben an Gott konnte er schließlich das Positive an seinem außergewöhnlichen Lebensweg sehen. Inzwischen ist er glücklich verheiratet, Vater von vier Kindern, und auf der ganzen Welt als Motivationstrainer unterwegs.

In diesem Buch geht Nick Vujicic auf wichtige Lebensthemen ein. Es sind Themen und Fragen, die immer wieder im Gespräch mit seinen Zuhörern auftauchen. In jedem der zehn Kapitel geht es um ein anderes Thema. Der Autorbeschreibt gegenwärtige Trends, greift Statistiken auf, berichtet von den Erfahrungen vieler Menschen, denen er begegnet ist, und gibt bei jedem Thema eine positive, motivierende Antwort. Die einzelnen Kapitel erinnern an Vorträge zu den jeweiligen Themen.

Diese Themen sind:
1. Lebenssinn
2. Krisen
3. Liebe und Partnerschaft
4. Beruf und Lebensbestimmung
5. Beeinträchtigungen, Krankheit und Leid
6. Selbstzerstörerisches Verhalten und Selbstmord
7. Mobbing und Einsatz für Benachteiligte
8. Loslassen und Hingabe
9. Gutes tun und einen Beitrag leisten
10. Lebensbilanz

Mit Humor und vielen Beispielen ist der Schreibstil dieses Buchs sehr ansprechend und gut lesbar. Vor allem jüngere Leser werden von den beschriebenen Erfahrungen profitieren. Seine Krankheit und Beeinträchtigungen erwähnt er eher am Rande. Er berichtet von Menschen, die nach einer Begegnung mit ihm oder nach seinen Vorträgen neuen Lebensmut schöpfen, und an manchen Stellen scheint es vielleicht ein bisschen zu sehr um ihn und um seine Organisation zu gehen. Auf der anderen Seite erzählt er auch sehr offen und ehrlich über die dunklen Zeiten in seinem Leben, über Krisen, Zweifel und Scheitern. Besonders schön zu lesen ist seine Liebesgeschichte - wie er die Liebe seines Lebens gefunden hat.

Ein motivierendes Buch, gefüllt mit einer ganzen Menge Lebenserfahrung und vielen guten und motivierenden Ratschlägen!

Veröffentlicht am 03.05.2018

Mein schönes, vernarbtes „Ich“

Ich bin so frei
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Nach ihrem ersten Buch, „Im Käfig der Angst“, in dem Ille Ochs von dem sexuellen Missbrauch in ihrer Kindheit erzählt, wagt sie in diesem Buch, zusammen mit ihrem Leser, den Weg heraus aus dem Käfig, oder ...

Nach ihrem ersten Buch, „Im Käfig der Angst“, in dem Ille Ochs von dem sexuellen Missbrauch in ihrer Kindheit erzählt, wagt sie in diesem Buch, zusammen mit ihrem Leser, den Weg heraus aus dem Käfig, oder aus dem Stall. Das Buch beginnt nämlich mit der Beschreibung eines Pferdes, das nur zögernd aus seinem Stall tritt, schließlich aber ausgelassen über die Wiese tobt. Das ist ein Bild für unser Leben. Wie ungern verlassen wir unseren vertrauten Stall oder Käfig, auch wenn wir uns nach der Freiheit sehnen, die draußen auf uns wartet.

Ille Ochs zeigt anhand von vielen Beispielen, was uns alles gefangen halten kann. Das kann die Angst sein andere zu enttäuschen, das Gefühl sich selbst verleugnen zu müssen, es können aber auch prägende Sätze unserer Kindheit oder unsere falsch verstandenen Glaubensüberzeugungen sein.

Der Weg zur Freiheit, so schreibt so, beginnt mit dem Kennenlernen und Annehmen des Inneren Kindes. Mit überzeugenden Beispielen zeigt sie, dass zur Freiheit auch gehört sich den anderen zuzumuten. Wir müssen nicht nur unsere perfekte Seite zeigen. Gerade unsere Schwächen können eine Ermutigung für andere sein. Das Buch schließt mit Gedanken über Spiritualität. Wer sich selbst gefunden hat, kann sich nach Gott ausstrecken und von ihm inspiriert werden.

„In diesem Buch geht es um Lebendig-Sein, Ganz-Werden, um ein gestärktes, echtes, authentisches Ich.“ So fasst Ille Ochs das Anliegen ihres Buchs zusammen. Neben vielen Beispielen aus ihrer Beratungspraxis und der Tanztherapie, finden sich immer wieder Fragen, damit der Leser das Gelesene vertiefen und auf sein eigenes Leben übertragen kann. Der Glaube der Autorin steht im Mittelpunkt ihres Lebens, das ist deutlich zu spüren. Aber weil sie selbst schlechte Erfahrungen mit einem übergestülpten Glauben gemacht hat, ist es ihr sehr wichtig jedem den Freiraum zu geben Spiritualität auf seine eigene Weise zu (er)leben.

„Abgeschminkt, vernarbt und wunderschön“ – der Untertitel ist eine gute Zusammenfassung dieses Buchs. Narben bleiben nach traumatischen Erlebnissen zurück, aber sie werden zu einem Teil der Identität und Schönheit einer jeden Frau. Dieser Ratgeber ersetzt sicher keine Therapie, kann aber ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Heilung sein.