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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.09.2018

Nummer 25

Nummer 25
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Der erfolgreiche, aber kontaktscheue Autor Andreas Zordan lebt zurückgezogen in einem ehemaligen Forsthaus. Die Fans lieben seine Thriller, in denen Zordan die Opfer auf ungewöhnliche Weise sterben lässt. ...

Der erfolgreiche, aber kontaktscheue Autor Andreas Zordan lebt zurückgezogen in einem ehemaligen Forsthaus. Die Fans lieben seine Thriller, in denen Zordan die Opfer auf ungewöhnliche Weise sterben lässt. Laut eigener Angabe könne er nur deswegen so gut über Psychopathen schreiben, weil er selbst einer sei. Eines Tages findet er in seinem Garten die Leiche einer jungen Frau. Zordan lässt den Körper verschwinden, denn „Nummer 25“ droht, ein weiteres Mädchen umzubringen, wenn er zur Polizei geht. Greta Weiß soll den Autor für ihre Zeitschrift interviewen und gerät mitten in die Auseinandersetzung zwischen Zordan und „Nummer 25“.

Was für eine gelungene Geschichte! Von Beginn an fesselt dieses Buch den Leser und lässt ihn nicht mehr los. Gemeinsam mit Greta entdeckt man, dass Zordan gerne damit spielt, sich nach außen als Psychopathen darzustellen. Dies gelingt ihm auch sehr gut.

Der Charakter des Andreas Zordan ist für den Leser genauso ein Rätsel wie für Greta. Beide Hauptfiguren sind gut ausgearbeitet, und auch „Nummer 25“ kommt beim Leser an. Die Spannung steigert sich von Seite zu Seite. Sehr gute Wendungen, Einblicke in die Tätergedanken und Ausschnitte aus Zordans Thrillern sorgen dafür, dass das Buch viel zu schnell ausgelesen ist.

Hinter dem Pseudonym „Frank Kodiak“ verbirgt sich Andreas Winkelmann. Durch seinen guten Schreibstil ist das Lesen dieser sehr guten Geschichte ein Vergnügen. „Nummer 25“ hat mich überrascht, und das ist nicht einfach. Es ist ein genialer Roman mit tollem Kopfkino.

Veröffentlicht am 08.09.2018

Kind, versprich mir, dass du dich erschießt

Kind, versprich mir, dass du dich erschießt
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Nach dem zweiten Weltkrieg nahmen sich 1945 tausende Menschen das Leben. Eltern töteten ihre Kinder, Kinder ihre Eltern, bevor sie sich selbst umbrachten. Ganze Familien löschten sich auf diese Art selbst ...

Nach dem zweiten Weltkrieg nahmen sich 1945 tausende Menschen das Leben. Eltern töteten ihre Kinder, Kinder ihre Eltern, bevor sie sich selbst umbrachten. Ganze Familien löschten sich auf diese Art selbst aus. Aber warum taten sie das? Stellten sie sich ihre Zukunft so düster vor, dass ein Weiterleben nicht vorstellbar war? Historiker Florian Huber zeigt einen Einblick in das Denken und Fühlen der damaligen deutschen Bevölkerung.

Das Buch ist in vier Teile gegliedert. Zu Beginn wird der Leser langsam an die Geschehnisse des Jahres 1945 in dem Ort Demmin herangeführt, danach auch an verschiedene Orte in ganz Deutschland. Immer wieder stellt sich die Frage, warum die Menschen sich nach Ende des Dritten Reiches das Leben nahmen.

Einen Einblick in das damalige Zeitgeschehen gibt es im dritten Teil. Dieser beschäftigt sich mit der Zeit zwischen beiden Weltkriegen und wie es den Menschen erging. Beim Lesen dieses Teiles kommt ein wenig Hintergrundwissen, welches eine Ahnung davon liefert, was die Menschen erlebten und ihr Denken beeinflusste. Ihre Ängste und die Wut über den verlorenen Krieg trieben sie in die Arme von Personen, die ihnen von einer neuen besseren Welt erzählten. Viel zu gerne glaubte die große Masse ihnen, dass das Leben in Deutschland wieder gut werden würde. Tatsächlich wurde es dies für die meisten auch. Kann ein Mensch, der dem Volk soviel Gutes tut, ein schlechter Mensch sein?

Der vierte Teil erläutert den Umgang bzw. Nichtumgang der Bevölkerung im neuen Deutschland mit ihrer Vergangenheit im Dritten Reich. Plötzlich waren die Deutschen die Opfer des Krieges, und die Alliierten die Befreier des armen deutschen Volkes. Das Grauen wurde von anderen Menschen verübt, und die Selbstmorde wurden totgeschwiegen.

„Kind, versprich mir, dass du dich erschießt“ bietet einen Einblick in das Denken und Fühlen der damaligen Zeit. Das Buch wird von denen erzählt, die sie erlebten. Es basiert auf Tagebüchern, Briefen, Berichten und Erinnerungen. Die Texte sind gut zu lesen und erreichen den Leser emotional, denn die Gedanken und Gefühle der Menschen zwischen den Weltkriegen sind keineswegs nur Geschichte.

Das Buch fordert seinen Leser heraus, über die Vergangenheit nachzudenken. Die Jahre 1933 bis 1945 können sich immer wieder, überall und in ähnlicher Form wiederholen und Menschen ihre Zukunft nehmen. Insbesondere der dritte Teil zeigt auf, wie einfach und schnell sich Menschen verführen lassen.

Oft musste ich eine Lesepause einlegen, um das Gelesene sich setzen zu lassen. Das Buch ist definitiv keine leichte Kost. Der Fokus auf die Selbstmorde und wie es überhaupt so weit kommen konnte ist eine andere Sichtweise auf diese Zeit. In vielen anderen Büchern taucht dieser Abschnitt der deutschen Geschichte entweder gar nicht oder nur als Randnotiz auf.

Veröffentlicht am 01.07.2018

Helix – Sie werden uns ersetzen

HELIX - Sie werden uns ersetzen
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Der US-Außenminister ist zu einem Staatsbesuch in Deutschland. Als er während einer Rede leblos zu Boden geht, ahnt noch niemand, dass die Welt, wie man sie kennt, sich verändern wird. Zeitgleich ist ein ...

Der US-Außenminister ist zu einem Staatsbesuch in Deutschland. Als er während einer Rede leblos zu Boden geht, ahnt noch niemand, dass die Welt, wie man sie kennt, sich verändern wird. Zeitgleich ist ein Paar in einer Kinderwunschklinik. Der Arzt erzählt ihnen von einem privaten Forschungsprogramm, welches besonders begabte Kinder verspricht. In den Ländern Brasilien, Tansania und Indien werden besondere Pflanzen und Tiere entdeckt. Mitarbeiter eines Chemiekonzerns wittern bereits das große Geld.

Was all diese Ereignisse verbindet, wird dem Leser bald klar, und diese Antwort wirft noch mehr Fragen auf. Autor Marc Elsberg ist mit diesem Roman nah an der Realität und bringt den Leser an vielen Stellen zum Nachdenken.

Was darf der Mensch, und welche Konsequenzen haben solche Veränderungen? „Helix – Sie werden uns ersetzen“ ist ein spannendes Buch. Ohne durch viele Fachbegriffe das Lesen zu erschweren, versteht der Leser schnell, wovon gerade die Rede ist.

Die Hauptfiguren sind gut ausgearbeitet. Als Leser fühlt man mit den Charakteren in den jeweiligen Situationen. Das Buch liest sich schnell, wozu auch der gute Schreibstil beiträgt. Der Roman führt in eine Welt, über die der Leser nachdenken sollte. Vielleicht wird die Realität diese Geschichte eines Tages einholen, oder hat es sogar schon. Auch nach dem Lesen bleibt man mit den Gedanken noch in dem Roman.

Weitere Rezensionen unter www.nicole-plath.de

Veröffentlicht am 17.06.2018

Die Mitternachtsrose

Die Mitternachtsrose
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Die Schauspielerin Rebecca Bradley hat eine Rolle in einem Film erhalten, dessen Geschichte in den 1920er-Jahren spielt. Drehort ist ein altes Herrenhaus im englischen Dartmoor. Die dortige Abgeschiedenheit ...

Die Schauspielerin Rebecca Bradley hat eine Rolle in einem Film erhalten, dessen Geschichte in den 1920er-Jahren spielt. Drehort ist ein altes Herrenhaus im englischen Dartmoor. Die dortige Abgeschiedenheit tut ihr gut, da die Medien Rebecca nach ihrer angeblichen Verlobung nicht mehr in Ruhe lassen. Überraschenderweise ähnelt Rebecca in ihren Kostümen Lady Violet, der Großmutter des Hausherrn. Dann taucht der Inder Ari Malik auf. Dieser wandert auf den Spuren seiner Urgroßmutter, und es beginnt für beide eine Reise in eine dunkle Vergangenheit.

Die Geschichte besteht aus drei Erzählsträngen. Rebecca, Ari und der Brief seiner Urgroßmutter fügen sich zu einer Geschichte, die den Leser nicht kalt lässt. Die Zeit anfangs des 20. Jahrhunderts wird mit all ihren strengen Konventionen in England und Indien dargestellt.

Aris Urgroßmutter lebte noch zu einer Zeit, in der in Indien noch größtenteils die alten Regeln eingehalten wurden. Dank einer guten Beschreibung von Gebäuden und Menschen hat man das Gefühl, diese mit eigenen Augen zu sehen.

Die Geschichte übt einen Sog aus, dem der Leser kaum entkommen kann. Der gute Schreibstil rundet das Buch ab. Es ist ein Roman, der noch nachhallt, wenn das Buch zur Seite gelegt wird. Interessante Wendungen machen das Geschehen nicht so vorhersehbar, wie zu Beginn gedacht.

„Die Mitternachtsrose“ ist ein wundervolles, ergreifendes Buch. Die Figuren und Geschehnisse erwachen förmlich zum Leben und sorgen für ein wunderbares Kopfkino.

Weitere Rezensionen unter www.nicole-plath.de

Veröffentlicht am 17.06.2018

MIRROR

Mirror
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Mirror ist der neue Trend auf dem Markt. MIRROR soll mit seinem gesamten Zubehör dem Nutzer ein Freund sein, der alles weiß und dadurch Empfehlungen zu Entscheidungen geben kann. Dabei sammelt das System ...

Mirror ist der neue Trend auf dem Markt. MIRROR soll mit seinem gesamten Zubehör dem Nutzer ein Freund sein, der alles weiß und dadurch Empfehlungen zu Entscheidungen geben kann. Dabei sammelt das System Daten über seinen Träger und vergleicht diese im MirrorNet mit denen anderer Benutzer. Ziel des System ist es, seinen Verwender glücklich zu machen. Immer mehr Menschen kaufen Mirror und ahnen nicht, welche Folgen es hat.

In verschiedenen Erzählsträngen lernt der Leser die Entwickler und unterschiedlichen Nutzer von Mirror kennen. Nach und nach zeigt sich, dass ein so komplexes Netzwerk nicht nur Vorteile für seine Anwender bietet.

In „Mirror“ stellt sich die Frage, wie sehr der Mensch die von ihm erschaffene Technik noch beherrschen kann, und welche Konsequenzen dies für alle hat. Karl Olsberg hat keinen Sciencefiction-Roman geschrieben, was es vor wenigen Jahren noch gewesen wäre. Es ist das Heute oder vielleicht auch schon das Gestern, in dem die Geschichte angesiedelt ist.

Das Buch ist definitiv ein Thriller, wie ich ihn erwarte. Es zeigt, wie leicht der einzelne Mensch beeinflussbar ist und wie leichtfertig er mit neuer Technik umgeht, ohne diese groß zu hinterfragen. Laut Hersteller gibt „Mirror“ nur Empfehlungen aus, und es ist dem einzelnen Nutzer selbst überlassen, wie er damit umgeht. Doch die Menschen lassen sich das Denken nur zu gerne von dem System abnehmen.

Diese Geschichte zeigt, wie weit wir heute schon sind. Der Autor schreibt in seinem Nachwort, dass die meisten Dinge, die „Mirror“ ausmachen, bereits heute Realität sind. Viele Algorithmen bestimmen schon heute, was ein Nutzer zu hören und sehen bekommt.

Der Roman liest sich schnell und kommt ohne komplizierte Fachbegriffe oder großes technisches Hintergrundwissen aus. Von der ersten Minute bis zum Schluss ist die Spannung vorhanden. Gut ausgearbeitete Figuren lassen die Möglichkeiten, wie die Menschen mit dieser Technologie umgehen, in verschiedenen Sichtweisen entstehen.

Das Buch lässt mich mit einer Gänsehaut zurück, denn wie viele Menschen kennen wir, die nicht mehr ohne ihr Smartphone oder sonstige Annehmlichkeiten der heutigen Zeit überlebensfähig sind. Ein leerer Akku ist ein Weltuntergang, erst recht, wenn es keine Möglichkeit zum Aufladen gibt.

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