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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.10.2018

Knallhart

Mexikoring
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Autos brennen in Hamburg fast jede Nacht. Aber in dieser Nacht sitzt noch jemand in seinem Auto, als dieses am Mexikoring in Flammen aufgeht. Er wird zwar schnell von der herbeigerufenen Feuerwehr aus ...


Autos brennen in Hamburg fast jede Nacht. Aber in dieser Nacht sitzt noch jemand in seinem Auto, als dieses am Mexikoring in Flammen aufgeht. Er wird zwar schnell von der herbeigerufenen Feuerwehr aus brennenden Auto gerettet, doch er stirbt kurze Zeit später im Krankenhaus. Bei dem Opfer handelt es sich um Nouri Saroukhan, dem verlorene Sohn eines mächtigen kurdisch-libanesischen Clans aus Bremen. Er wurde von seiner Familie verstoßen, da er sich nicht in ihre Welt der Gewalt und Kriminalität einordnen wollte. Bald ist klar, dass es sich um Mord handelt. Die knallharte und unkonventionelle Staatsanwältin Chastity Riley übernimmt die Ermittlungen und taucht tief ein in die Welt der Mhallamiye – Clans, dessen weit verzweigte kriminelle Strukturen sich über ganz Deutschland erstrecken.
Besonders charakteristisch ist Simone Buchholz Sprache. Die kurzen, knappen Sätzen, aber auch abrupte Wechsel in der Handlung stellen eine Herausforderung für den Leser dar, heben sich aber dadurch auch deutlich vom Durchschnitt ab. Kurze Kapitel mit unkonventionellen Überschriften treiben die Handlung dynamisch voran und halten die Spannung hoch. Dazu kommen interessante Figuren wie die knallharte Staatsanwältin Chastity Riley selbst, die überaus engagiert, aber auch vom Leben gebeutelt ist. Ihre Sicht der Dinge ist messerscharf, dennoch lässig und überaus originell. Die Dialoge sind knapp, schnoddrig, witzig, deuten aber auch tragische Ereignisse in der Vergangenheit an.
,,Mexikoring“ ist bereits der achte Fall um die Staatsanwältin Chastity Riley, den man aber sehr gut ohne Vorkenntnisse lesen kann. Allerdings wird man die Vorgängerbände nach dieser Lektüre vermutlich unbedingt lesen wollen!

Veröffentlicht am 17.10.2018

Bedrohlicher Schatten

Der Schatten
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Gerade hat die Journalistin Norah Richter ihr altes Leben und ihre Beziehung in Berlin hinter sich gelassen und fängt in Wien neu an. Um der Einsamkeit zu entfliehen, stürzt sie sich sofort in die Arbeit.

Doch ...


Gerade hat die Journalistin Norah Richter ihr altes Leben und ihre Beziehung in Berlin hinter sich gelassen und fängt in Wien neu an. Um der Einsamkeit zu entfliehen, stürzt sie sich sofort in die Arbeit.

Doch dann sagt ihr eine alte Bettlerin, der sie mitten auf der Straße begegnet, voraus, dass sie am 11. Februar einen Mann Namens Arthur Grimm ermorden wird, und zwar aus freien Stücken. Norah ist verständlicherweise verstört. Zwar kennt sie keinen Mann namens Arthur Grimm. Allerdings ist der 11. Februar ein schmerzhaftes Datum für sie. Am 11. Februar vor vielen Jahren hat sich ihre beste Freundin Valerie umgebracht und Norah hat dies noch nicht verarbeitet.
Zufällig begegnet Norah nun immer öfter dem Namen Arthur Grimm und sie beginnt, Recherchen über diesen Mann anzustellen und nach ihm zu suchen. Was verbindet Grimm mit dem 11. Februar? Hat er womöglich mit Valeries Tod zu tun?
Während Norah sich in ihre Recherchen stürzt und sich völlig von ihren neuen Kollegen abkapselt, geschehen merkwürdige Dinge. Sie findet ihr Handy nicht mehr, plötzlich taucht es aber wieder auf. Aus ihrer Wohnung verschwinden Sachen. Ihre besten Freunde belügen sie oder wollen plötzlich keinen Kontakt mehr mit ihr. Es scheint, als wäre Norahs Leben von etwas Mysteriösem überschattet und bedroht. Dazu passend wird die kalte, melancholische Atmosphäre Wiens im Winter sehr anschaulich beschrieben.
Als man schon meint, dass Norah, wie so häufig in Thrillern üblich, sich alles nur einbildet oder durch Verdrängung sich ihre eigene Wirklichkeit zurechtschneidert, wird man eines Besseren belehrt.
Interessante Charaktere, überraschende Wendungen, und vor allem die präzise Sprache der Autorin haben mich überzeugt. ,,Der Schatten" ist ein Psychothriller, der mit wenig Blut und ohne grausige Details auskommt, dafür umso mehr mit subtil aufgebauter Spannung punkten kann.

Veröffentlicht am 11.10.2018

Faustus = Der Glückliche?

Der Spielmann (Faustus-Serie 1)
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1486: Johann Georg ist ein aufgeweckter und besonderer Junge. Seine Mutter nennt ihn ,,Faustus“, den Glücklichen, da bei seiner Geburt die Sterne in einer besonderen Konstellation standen. Doch nach dem ...


1486: Johann Georg ist ein aufgeweckter und besonderer Junge. Seine Mutter nennt ihn ,,Faustus“, den Glücklichen, da bei seiner Geburt die Sterne in einer besonderen Konstellation standen. Doch nach dem Tod der Mutter ist Johanns Leben alles andere als glücklich. Die Brüder hänseln ihn wegen seiner Andersartigkeit, vom Vater wird er abgelehnt. Als dann auch noch die Liebe zu seiner Jugendfreundin Margarethe unglücklich endet, schließt sich Johann Georg dem Magier Tonio del Moravia an. Dieser zieht als fahrender Gaukler und Magier durch die Lande, verkauft Heiltränke und sagt den Leuten ihre Zukunft vorher. Faustus ist fasziniert von Tonio del Moravia, von ihm lernt er nicht nur Zaubertricks, Handlesen und das Erstellen von Horoskopen, sondern wird durch ihn auch selbständiger und erwachsener. Allerdings fürchtet er auch seinen Meister und dessen Raben und Krähen, die ihn immer begleiten. Mehr und mehr beschleicht Faustus der Verdacht, dass del Moravia mit dunklen Mächten in Verbindung steht und eine tödliche Gefahr für ihn darstellt. Faustus flieht und schließt sich einem Gauklertrupp an, mit dem er durch Italien bis nach Venedig zieht. Doch auch dort kann er del Moravias Einfluss nicht entfliehen.
Plötzsch gestaltet seine Figuren facettenreich, das Geschehen wird sehr anschaulich und farbenfroh erzählt, sodass man als Leser mitfiebern und mitleiden kann. Phantastisches und Gruseliges wird mit historischen Fakten verknüpft und zu einer großen Abenteuergeschichte verwoben. Wie schon Goethe ließ auch Oliver Plötzsch sich von der Geschichte des Dr. Faustus inspirieren. Und wer Goethes ,,Faust“ kennt, wird so manche Figur und so manches Zitat im ,,Spielmann“ wiedererkennen, die Plötzsch aber kreativ nutzt und in neue Zusammenhänge stellt.
Der fast 800 Seiten starke Roman ist ein wahrer Schmöker. Wer historische Romane und Abenteuer mag, kommt hier voll auf seine Kosten.

Veröffentlicht am 17.06.2018

Überraschende Wendungen

Sommernachtstod
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Als der vierjährige Billy Nilsson aus dem elterlichen Garten spurlos verschwindet und auch die Polizei trotz mehrtägiger Suche keine Spur von ihm findet, zerbricht die Familie an dem Verlust. Die Mutter ...

Als der vierjährige Billy Nilsson aus dem elterlichen Garten spurlos verschwindet und auch die Polizei trotz mehrtägiger Suche keine Spur von ihm findet, zerbricht die Familie an dem Verlust. Die Mutter nimmt sich später das Leben, die älteren Geschwister Vera und Mattias haben nur noch wenig Kontakt. Vera ist inzwischen Therapeutin und kehrt nach Jahren in den kleinen schwedischen Ort zurück. Ein Patient hat ihr eine merkwürdige Geschichte erzählt und sie vermutet, dass Billy vielleicht noch lebt. Doch im Dorf stößt sie auf hartnäckiges Schweigen, selbst ihr Vater und ihr Bruder Mattias, die immer noch im Ort leben, wollen nichts von dieser Sache wissen. Je mehr Vera in der Vergangenheit stöbert, desto mehr merkwürdige Dinge passieren und ihr Leben ist in Gefahr.
Der Krimi baut zunächst langsam Spannung auf. Man lernt Vera, die sich inzwischen Veronica nennt, bei ihrem Job als Therapeutin kennen und merkt, dass sie nach einem Zusammenbruch erst allmählich wieder auf die Beine kommt. Dazu muss sie sich auch bei ihrem Kollegen beweisen und sein Vertrauen erkämpfen, was ihr aber nur schwer gelingt. So hat man auch als Leser bald den Eindruck, dass mit Vera etwas nicht stimmt und man ihrer Sichtweise nicht unbedingt vertrauen darf. Die Spannung steigt, als Vera in ihr Heimatdorf zurückkehrt und sich zeigt, dass kaum jemand das ist, wofür er sich ausgibt.
Ein teils gruseliges Lesevergnügen mit einigen überraschenden Wendungen.

Veröffentlicht am 12.06.2018

Russisch Roulette

In den Fängen des Löwen
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Der schwedische Kommissar Zack Herry ist jung, attraktiv, mutig und ein brillanter Ermittler. Doch er ist auch exzessiv, drogen- und adrenalinsüchtig. Getrieben von seiner Vergangenheit und von den Kindheitserinnerungen, ...

Der schwedische Kommissar Zack Herry ist jung, attraktiv, mutig und ein brillanter Ermittler. Doch er ist auch exzessiv, drogen- und adrenalinsüchtig. Getrieben von seiner Vergangenheit und von den Kindheitserinnerungen, die ihn immer wieder einholen, die er aber für sich noch nicht einmal annähernd geklärt hat, findet er bei niemandem und nirgends Ruhe. Nachts treibt er sich in Clubs oder zwielichtigen Lokalitäten herum, da er sowieso keinen Schlaf findet. Sein einziger Freund ist Abdula, ein Drogendealer, der ihn auch gelegentlich mit Stoff versorgt. Seine Kollegin Deniz kann Zack nicht täuschen, doch sie deckt ihn - noch. Denn im Unterschied zum Vorgängerband ,,Die Fährte des Wolfes“ steht Zack nicht mehr am Rande des Abgrundes, sondern scheint schon im fliegenden Fall zu sein. Dadurch begeht er Fehler und lässt seine Kollegin in einem wichtigen Moment im Stich.
In diesem 2. Band wird die Leiche eines Jungen auf einem Schornstein gefunden. Offenbar wurde er zu Tode gefoltert, sein Körper weist zahlreiche Schnitte auf, wie von Tierkrallen. Doch keine Vermisstenanzeige passt zu Alter und Aussehen des Jungen. Bald ergeben sich jedoch Hinweise, dass der Junge aus einem Asylbewerberheim stammt.
Als ein weiterer Junge entführt wird, arbeiten Zack und seine Kollegen gegen die Zeit, um das Leben dieses Jungen retten zu können.
Auch dieser 2. Band ist hochspannend, intelligent konstruiert, mit interessanten, facettenreichen Figuren. Zack Herrys Handlungen gehen häufig an die Grenze des Nachvollziehbaren. So spielt er z.B. Russisch Roulette mit, um einen Hinweis auf das Versteck des entführten Jungen zu bekommen, wohl aber auch, um den Reiz des Risikos willen. Damit ist er eine extreme, polarisierende Figur, nicht nur für seine Kollegen, sondern wohl auch für die Leserschaft.
Das Ende deutet eine Fortsetzung an, auf die man sehr gespannt darf.