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Veröffentlicht am 15.09.2016

Modepiraterie in den 30ern – ein opulenter Schmöker

Die Kleiderdiebin
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Mit der jungen Alix Gower, englischstämmiges Mädchen in Paris, habe ich die Welt der Mode in den 1930er Jahren entdeckt und mich gut unterhalten. Die Geschichte von Alix, die als Näherin in einem Haute ...

Mit der jungen Alix Gower, englischstämmiges Mädchen in Paris, habe ich die Welt der Mode in den 1930er Jahren entdeckt und mich gut unterhalten. Die Geschichte von Alix, die als Näherin in einem Haute Couture-Haus Anstellung findet und in die Modepiraterie zwischen den Weltkriegen „hineinrutscht“, ist fesselnd erzählt und hält den Leser trotz einiger kleiner Längen bei der Stange (also in diesem Fall bei der Seite).

Erstaunt hat mich, dass neben dem aufkommenden Nationalsozialismus auch der spanische Bürgerkrieg eine Nebenrolle spielt und die Geschichte dadurch noch mehr Dramatik gewinnt. Diese historischen Entwicklungen werden jedoch nicht überstrapaziert und fügen sich dadurch gut in die Story ein. Diese Balance finde ich gelungen.

Der Roman spielt fast ausschließlich in Paris, in Rückblenden kommt auch dem Elsass eine Rolle zu und an einigen Stellen sind Spanien und die USA im Fokus.

Positiv kann man außerdem hervorheben, dass der Anhang zum Buch sehr liebevoll gestaltet ist – neben dem obligatorischen Dank der Autorin gibt es „Alix‘ Skizzenbuch“ mit Anekdoten über die Mode und ihre Schöpfer(innen), ein Rezept für französische Zwiebelsuppe sowie zusätzliche Kapitel zu den wahren und erfundenen Personen und Schauplätzen des Buches und zur Mode und Weiblichkeit in den 30er Jahren. Sehr aufschlussreich! Das tröstet letztlich darüber hinweg, dass man den Inhalt des Romans durchaus ein wenig hätte straffen können.

Zu empfehlen ist das Buch aber auf jeden Fall, am besten als Urlaubs- oder Entspannungslektüre.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Sympathische Geschichte, entspannte Sommerlektüre

Ein Sommer in Galway
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Schauplatz: County Galway (Irland)

Serie: nein

Die Geschichte von Fiona, die in einem kleinen Städtchen an der Küste von Galway strandet, ist rundum sympathisch. Fiona nimmt auf gut Glück einen Übergangsjob ...

Schauplatz: County Galway (Irland)

Serie: nein

Die Geschichte von Fiona, die in einem kleinen Städtchen an der Küste von Galway strandet, ist rundum sympathisch. Fiona nimmt auf gut Glück einen Übergangsjob auf der Farm von Sean an – und erschrickt tierisch als diese sich als Austernfarm herausstellt. Denn Fiona hat durch ein einschneidendes Erlebnis in der Vergangenheit schreckliche Angst vor Wasser. Trotz diverser Rückschläge kämpft sie sich durch und entdeckt nach und nach ihre Verbundenheit zum Leben an der Küste und zu ihrem Arbeitgeber Sean.

Natürlich gibt es diverse Schwierigkeiten, angefangen bei Seans Geschäftspartnerin, über den undurchsichtigen Dan und mysteriöse Austerndiebe bis hin zu den zwei störrischen Eseln Freddie und Mercury.

Ich habe das Buch als leichte Sommerlektüre genossen und bin nicht enttäuscht worden. Klar, Jo Thomas erfindet das Rad nicht neu und einige Entwicklungen sind auch etwas vorhersehbar. Aber die Sympathie, mit der die Story erzählt wird und die lebendige Beschreibung des Lebens in einer Kleinstadt an der Küste Irlands lassen das Buch nicht im Sumpf der Durchschnittlichkeit versinken.

Ich würde es nicht gerade als Kleinod bezeichnen, aber als „nett“. Und das meine ich im besten Sinne. Deshalb kann ich es als entspannte Urlaubs- oder Wochenendlektüre empfehlen.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Wer ist er wirklich, dieser Mann mit den markanten Ohren?

Charles – Mit dem Herzen eines Königs
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Mal ehrlich – einen gestandenen Mann in seinen 60ern als „Prinz“ bezeichnen zu müssen, ist ja sich schon irgendwie komisch. Noch komischer allerdings ist der Gedanke, ihn irgendwann als „King Charles“ ...

Mal ehrlich – einen gestandenen Mann in seinen 60ern als „Prinz“ bezeichnen zu müssen, ist ja sich schon irgendwie komisch. Noch komischer allerdings ist der Gedanke, ihn irgendwann als „King Charles“ bezeichnen zu müssen. Es will einem nicht so recht über die Lippen kommen und der „Prinz“ klebt an ihm wie Honig. Ist das nun gut oder schlecht?

Diese Biografie zeichnet ein sehr detailliertes und differenziertes Bild des allseits bekannten und doch irgendwie unbekannten Thronfolgers. Besonderes Augenmerk wird in vielen Kapiteln auf seine Wohltätigkeitsarbeit gelegt – was zugegebenermaßen weit weniger interessant zu lesen ist als die (mehr oder weniger) privaten Dinge und ja, ein paar Seiten habe ich überblättert, wenn es zu sehr ins Detail ging. Dennoch muss man zugeben, dass diese Aussagen wichtig sind, denn an mir selbst habe ich beim Lesen gemerkt, wie wenig ich über das Leben und Streben des Prince of Wales weiß. Dabei ist sehr vieles nicht nur erwähnens- sondern lobenswert und man muss Respekt haben vor dem Pensum, das Charles – und mittlerweile auch seine Frau Camilla – bewältigen.

Auch wenn der Prinz wohl ab und zu mit seinen – mitunter etwas unvorsichtigen – Äußerungen polarisiert, zeigt das Buch auch, wie viele Gedanken sich der Prinz über die Welt macht. Und er denkt nicht nur bis morgen, nicht bis übermorgen, sondern weit in die Zukunft hinein. Nicht die schlechteste Eigenschaft eines künftigen Königs, das muss man schon sagen…

Für mich persönlich hat das Buch dazu geführt, ein neues Bild von Charles zu bekommen. Auch wenn es sich nicht um eine autorisierte Biografie handelt, meine ich doch, dass die Autorin mit viel Zeitaufwand und Akribie Zeitzeugnisse ausgewertet, Interviews geführt und Dokumente geprüft hat. Ich glaube schon, dass man diesem Buch, das ein sehr positives Bild von Charles vermittelt, glauben kann. Ich sehe ihn zumindest jetzt mit anderen Augen.

Ein interessantes, vielschichtiges Porträt des „Königs im Wartestand“, dem viele das Königsein nicht wirklich zutrauen und sich noch nicht mal sicher sind, ob er es möchte. Nach dieser Lektüre halte ich es aber mit den Worten der Autorin im Anhang: „In Wahrheit aber möchte Charles König werden. Nur ist das, wie ich herausfand, noch das bescheidenste seiner Ziele.“

Veröffentlicht am 15.09.2016

Süßer Roman im doppelten Sinne – leider etwas vorhersehbar

Die Honigtöchter
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Honig ist das allgegenwärtige Thema dieses leichten Sommerromans, in dem die junge, unständige Imkerin Angelica auf Sardinien zu ihren Wurzeln zurückfindet und sesshaft wird. Eingebettet in die flirrende ...

Honig ist das allgegenwärtige Thema dieses leichten Sommerromans, in dem die junge, unständige Imkerin Angelica auf Sardinien zu ihren Wurzeln zurückfindet und sesshaft wird. Eingebettet in die flirrende Sommerhitze des wunderschönen Sardiniens entspinnt sich eine gefühlsreiche Geschichte rund um das Erbe eines alten sardischen Cottages.

Das große Plus dieses Romans: man wird sofort hineingezogen in die Landschaft, hört förmlich die Bienen um sich herum schwirren und riecht das Aroma der Kräuter, die sie zum Nektarsammeln ansteuern. Da Sardinien als Setting für einen Roman nicht so häufig vorkommt, wirkt der Roman frisch und unverbraucht.

Leider ist die Story an sich recht vorhersehbar, gerade was die Schwierigkeiten der Erbschaft und die Pläne zur Umwandlung des Gebietes in ein Feriendorf angeht. Ca. nach einem Drittel des Buches konnte ich mir denken, welche Schwierigkeiten noch auf Angelica zukommen werden – und genau das ist dann auch eingetreten. Für den Plot kann ich daher nicht mehr als 3 Sterne vergeben.

Aber die liebevolle Aufmachung (man sieht es schon am Cover) gibt noch zusätzliche Pünktchen. Denn passend zur Geschichte um die junge Imkerin beginnt jedes Kapitel mit der Kurzbeschreibung einer bestimmten Honigsorte und ihrer Verwendungsmöglichkeiten. Diese Idee fand ich charmant und habe dabei sogar noch einiges gelernt.

Fazit: ein Buch für Fernweh-Träume und Sommergefühle für all diejenigen, denen die Sympathie der Erzählung wichtiger ist als ein ausgefallener Plot.

PS: Von der tatsächlich aus Sardinien stammenden (und auch dort lebenden) Autorin gibt es bereits den Roman „Die Rosenfrauen“. Bestimmt werde ich den auch in nächster Zeit zur Hand nehmen, denn die Erzählweise von Cristina Caboni hat mich überzeugt.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Das Buch über zweite Chancen…

Die Liebe ist ein schlechter Verlierer
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Viel Wirbel wurde bei der Veröffentlichung um dieses Buch gemacht und ich wollte wissen, ob es diesen Hype auch wert ist. Grundsätzlich: Ja. Mit ein paar Einschränkungen.

Katie Marsh erzählt die Geschichte ...

Viel Wirbel wurde bei der Veröffentlichung um dieses Buch gemacht und ich wollte wissen, ob es diesen Hype auch wert ist. Grundsätzlich: Ja. Mit ein paar Einschränkungen.

Katie Marsh erzählt die Geschichte von Tom und Hannah – er ein ständig Überstunden machender Anwalt in einer großen Londoner Kanzlei, sie die unzufriedene junge Ehefrau, die sich fragt: kann das schon alles in unserer Beziehung gewesen sein? Die Antwort erhält Hannah erst, als Tom eines Nachts mit nur 32 Jahren einen Schlaganfall erleidet und zunächst halbseitig gelähmt ist.

Nun müssen beide kämpfen – Hannah steckt plötzlich in der Rolle der treusorgenden Ehefrau, obwohl sie gerade den schweren Entschluss gefasst hatte, sich von Tom zu trennen. Und Tom stößt plötzlich an seine körperlichen Grenzen und muss hart arbeiten, um mit kleinen Schritten ins Leben zurückzufinden. Das schweißt das fremdelnde Paar wieder zusammen und die Liebe erlebt eine neue Blüte.

Zum Glück erzählt die Autorin halbwegs unsentimental von den schwierigen Monaten nach Toms Schlaganfall. Ich fand die Erzählweise mitunter schon grenzwertig nah an der Rührseligkeit, aber gerade die Szenen, in denen Tom in der Öffentlichkeit mit seiner neuen Situation umgehen muss, waren gut „aus dem Leben gegriffen“. Das liegt wahrscheinlich daran, dass Katie Marsh selbst mit Schlaganfallpatienten arbeitet und daher weiß, wovon sie spricht. Das waren für mich die Highlights des Buches, während die Schilderung der wiederauflebenden Beziehung zwischen Hannah und Tom mir ein wenig zu gefühlsbetont war.

Das Buch eröffnet aber einen guten Blick auf die (Beziehungs-)Welt nach einem Schicksalsschlag und gibt Impulse, nicht nur die offensichtlichen negativen Seiten zu sehen, sondern auch die Möglichkeit für zweite Chancen… und das hat die Autorin wirklich ziemlich gut hinbekommen.