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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.07.2018

Hat mich nicht vollends überzeugt

Kluntjemord
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Autorin Eleonore „Elli“ Vogel gibt ihren ohnehin schlecht bezahlten Job auf, um in Aurich an einem weiteren Roman zu schreiben. Um ihre Unkosten zu decken, arbeitet sie im „Marlowe“ als Kellnerin. Als ...

Autorin Eleonore „Elli“ Vogel gibt ihren ohnehin schlecht bezahlten Job auf, um in Aurich an einem weiteren Roman zu schreiben. Um ihre Unkosten zu decken, arbeitet sie im „Marlowe“ als Kellnerin. Als ihre Kollegin Lisa ums Leben kommt, glaubt sie nicht an die Unfallstheorie. Sie beginnt zu recherchieren. Karl, ein befreundeter Obdachloser scheint ihren Verdacht zu teilen, doch bevor sie ihre Infos austauschen können, verschwindet Karl spurlos.
Auf der Suche nach Karl, den alle „Professor“ nennen, entdeckt sie seine kriminelle Vergangenheit. In der Folge tappt Elli von einem Fettnäpfchen ins andere, gerät mehrmals in Gefahr, und kommt letztendlich einen Drogenring auf die Spur.

Meine Meinung:

„Kluntjemord“ ist das Debüt von Martina Aden. Die Idee gefällt mir an sich sehr gut. Doch bei der Umsetzung sind ein paar Anfängerfehler passiert.
Martina Aden verpackt sehr viele Nebenhandlungen in den Krimi, die die Handlung nicht wirklich weiterbringen. Die Szene mit den Kindern im Kontaktzentrum hat mit dem eigentlichen Handlungsstrang nichts zu tun. Einzelne Personen tauchen auf und flugs wieder ab. Aus der, Ellis diffamierenden, Reporterin ließe sich einiges herausholen. Immerhin lebt sie jetzt mit Ellis Ex zusammen. Die sexistische Sprüche Tims und Ellis klischeehafte Replik, finde ich auch entbehrlich, gießt ja mit dieser Meldung nur zusätzliches Öl ins Feuer. Das passt zu einem Teenager, nicht zu einer Frau um die dreißig.

Stellenweise gleitet die Geschichte in Klamauk ab. Außerdem wird für meinen Geschmack viel zu viel Alkohol getrunken. Ellis wacht in fast jedem Kapitel mit einem Kater auf. Die im Titel erwähnten Kluntjes kommen dagegen nur selten vor.

Mit ihren 31 Jahren benimmt sich Elli häufig wie ein naiver Teenager und tappt prompt in die ihr gestellte Falle(n). Elli hat ein etwas ungeschicktes Händchen in Bezug auf Männer. Endlich dem notorischen Fremdgänger und Ungustl Jörg entkommen, kann sie sich vor Verehrern kaum retten. Tim, der übergriffige Bemerkungen macht, Sebastian, dem Besitzer der Disco „Cobra“ und Phil, dem Ermittler.

Die polizeiliche Ermittlungsarbeit scheint mir ein wenig zu einfach dargestellt.

Karls Kater O’Malley ist für mich der heimliche Star des Krimis.

Das Buch ist in der Ich-Form aus Sicht von Elli geschrieben. Der Schreibstil ist leicht und locker, wenn auch stellenweise flapsig. Ein bisschen hat mir das Lokalkolorit mit plattdeutsch sprechenden Einheimische gefehlt.

Fazit:

Ein leichter Sommerkrimi, der locker an einem Nachmittag gelesen werden kann. Mich persönlich hat er nicht überzeugt.

Veröffentlicht am 17.07.2018

Das Leben in Österreichs Justizanstalten

Der Häfen-Report
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Derzeit sind etwa 9.000 Menschen in Österreichs Gefängnissen inhaftiert, davon sind rund 550 Frauen, manche davon mit ihren Säuglingen.

Grund genug für die Journalisten Monika Krisper einen Blick hinter ...

Derzeit sind etwa 9.000 Menschen in Österreichs Gefängnissen inhaftiert, davon sind rund 550 Frauen, manche davon mit ihren Säuglingen.

Grund genug für die Journalisten Monika Krisper einen Blick hinter die Kulissen, äh, ins Gesperre zu machen. Stellvertretend für die Justizanstalten (JA) wie die Gefängnisse eigentlich heißen, hat sie sich intensiv mit der JA Graz-Karlau beschäftigt. Hier sitzen die „schweren Jungs“.

In zwölf Kapitel versucht sie uns den Gefängnisalltag aus den unterschiedlichen Blickwinkeln zu beschreiben. So kommen Insassen, Justizwachebeamte, Staatsanwälte und Rechtanwälte zu Wort.

Der überwiegende Teil des Buches ist sachlich geschrieben. Wir erfahren welche Gefängnisse es gibt, wie sich der Strafvollzug in den letzten Jahrzehnten geändert hat und welche Möglichkeiten für die Insassen bestehen, einen Beruf zu erlernen und resozialisiert zu werden. Interessant ist das Bemühen eines Anstaltsleiters, dass „seine“ Außenstelle Maria Lankowitz nicht geschlossen wird, wie es ein Papier des Justizministers vorgesehen hat.

Dass es auch im gut bewachten Gefängnis Graz-Karlau zu einer Geiselnahme kommen konnte, zählt wohl zu den spektakulären Vorfällen, die zum Glück nur äußerst selten vorkommen.

Wenn es dann um die Insassen geht, gleitet das Buch leider ein wenig in den Boulevard ab. Das hätte meiner Ansicht nach nicht unbedingt sein müssen. Hier kommt ein bisschen die Faszination des „wohligen Schauderns“ und der Voyeurismus durch: Wie lebt ein ehemaliger Fußballpräsident in Graz-Karlau? Wird der auf Grund seiner Bekanntheit bevorzugt behandelt? Er darf selbst über seine Haftzeit berichten und tut dies seinem Stil entsprechend.

Es gäbe noch einiges mehr über den Alltag in Österreichs Justizanstalten zu berichten. Was ich hier vermisst habe: Wie z. B. der Alltag von Frauen, die ihre Babys während ihrer Haftzeit bekommen. Kindergarten im Häfen? Ja, das gibt es. In der JA Schwarzau gibt es die Mutter-Kind-Abteilung. Bis zum dritten Geburtstag dürfen die Kinder bei ihren inhaftierten Müttern bleiben.

Fazit:

Möge uns der Anblick einer Vollzugsanstalt von innen erspart bleiben.

Veröffentlicht am 09.07.2018

November-Depression in Venedig

Heimliche Versuchung
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In dem nunmehr 27. Fall für Guido Brunetti bekommt er es zu Beginn mit den diffusen Ängsten einer Mutter zu tun, die glaubt, dass in der teuren Privatschule Albertini ihrer Kinder gedealt wird und der ...

In dem nunmehr 27. Fall für Guido Brunetti bekommt er es zu Beginn mit den diffusen Ängsten einer Mutter zu tun, die glaubt, dass in der teuren Privatschule Albertini ihrer Kinder gedealt wird und der Sohn Drogen nimmt. Allerdings hält sie sich sehr bedeckt und ergeht sich lediglich in Andeutungen. Für Brunetti sind das viel zu wenige Anhaltspunkte und tatsächlich Ermittlungen anzustellen. Überhaupt scheinen sich nun im November die Gangster auf den Winterschlaf vorzubereiten, nichts ist los in Venedig. Nur die Touristenströme scheinen nicht zu versiegen. Sogar Vize-Questore Patta ist milde gestimmt. Erst als Brunetti das vorerst unbekannte Opfer eines möglichen Überfalls als Tullio Gasparini, den Mann ebem jener besorgten Mutter identifiziert, geht er den Gerüchten um den Drogenhandel im Albertini nach. Trotz der tatkräftigen Mithilfe von Signorina Elettra, die wieder virtuos und illegal in allen möglichen fremden Datenbanken herumschnüffelt, kommen Brunetti und sein Team nicht wirklich zügig weiter. Vielmehr enden ihre Verdachtsmomente in einer Sackgasse.

Meine Meinung:

Als Brunetti-Fan der ersten Stunde beobachte ich die Entwicklung der Figuren seit längerer Zeit mit leichter Sorge. In welche Richtung streben sie? Patta wirkt diesmal milde und Tenente Scarpa intrigant wie immer. Signorina Elettra stattet Pattas Büro mit einer Wanze aus, um auch von dort bestens informiert zu sein. Diese Genese betrachte ich mit Argwohn. Was ist hier Elettras Motiv? Schon eher kann ich die Anleitung zur Selbstjustiz verstehen, in der sie eine Freundin vor Schaden bewahrt. Dennoch, was reitet Elettra, die bisher fast untadelig auf der Seite der Gerechtigkeit (nicht immer des Rechts) stehende Sekretärin Pattas? Vianello tritt zu Gunsten von Claudia Griffone ein wenig in den Hintergrund. Doch gerade seine erfrischenden Dialoge mit Brunetti, wenn es um vegetarisches Essen oder die Umweltzerstörung geht, fehlen mir diesmal ein bisschen.

Wie immer streifen wir mit Brunetti durch „sein“ Venedig und beklagen den Verfall der Lagunenstadt und den Einfall der Heerscharen von Touristen. Dass Brunetti ein Fan der (alt)griechischen Mythologie ist, ist bekannt. Diesmal spielen seine philosophischen Betrachtungen eine dominante Rolle und versprühen den Charme einer November-Depression.
Auffallend ist, dass es diesmal einige lose Enden gibt. Nicht alle aufgeworfenen Fragen werden im Laufe der Geschichte weiterverfolgt bzw. schlüssig beantwortet. Das eine oder andere wirkt sogar konstruiert oder zumindest doch recht zufällig. Was ist nun z.B. mit Drogenproblemen im Albertini?

Grundsätzlich mag ich gemächliche Krimi, die mit Kritik am herrschenden System nicht sparen. Doch diesmal scheint die Luft ein wenig draußen zu sein. Das leichte, spielerische Element scheint Donna Leon abhanden gekommen zu sein. Ob das vielleicht daran liegt, dass wir alle mit Guido Brunetti alt geworden sind? Oder liegt es an den Übersetzungen von Werner Schmitz? Oder ist Brunetti inzwischen eine Art Bürde für die Autorin geworden? Immerhin schreibt sie ja jährlich (manchmal auch zwei) einen neuen Krimi und das seit mehr als 25 Jahren.

Fazit:

Leider nicht der beste Brunetti. Vom venezianisches Flair und Esprit ist diesmal wenig zu spüren. Ich kann daher nur 3 Sterne vergeben.

Veröffentlicht am 08.07.2018

Undercover-Aktion

In tödlicher Gesellschaft
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In ihrem dritten Falle müssen Alex und Kathleen „undercover“ ermitteln.
Graf Felix von Keitenburg ist spurlos verschwunden – liegt hier eine Entführung vor oder hat sich der Mann eine Auszeit genommen?

Alex ...

In ihrem dritten Falle müssen Alex und Kathleen „undercover“ ermitteln.
Graf Felix von Keitenburg ist spurlos verschwunden – liegt hier eine Entführung vor oder hat sich der Mann eine Auszeit genommen?

Alex und Kathleen werden, um mehr über das mysteriöse Verschwinden des Grafen herauszufinden, als Verwandte aus Uruguay in die adeligen Kreise eingeschleust. Dass das nicht ganz reibungslos abläuft, ist wohl vorprogrammiert. Zwar entpuppt sich Kathleen als geübte Reiterin und macht auf dem Pferd eine gute Figur, doch Alex ist damit heillos überfordert.
Je tiefer sie in das Familienleben der Keitenburgs eindringen, desto mehr Ungereimtheiten treten zu Tage.

Meine Meinung:

Die Stimmung in der Dienststelle ist nach wie vor gespannt, weil Kollege Lukas Meister seinen Launen ungebührlich breiten Raum bietet und der Chef nicht einschreitet.

Dieser Krimi gefällt mir besser als sein Vorgänger (Haremsblut). Ein paar Dinge sind mir jedoch aufgefallen, die ich anmerken muss:

Alex‘ Freundin Susa ist seit dem Marokko-Abenteuer, das im Sommer spielt schwanger. Dieser Krimi hier ist im Winter angesiedelt. Susa leidet noch immer unter Schwangerschaftserbrechen, dabei müsste sie ja schon mindestens Ende 6. Monat oder weiter sein. Das erscheint mir etwas unüblich. Warum geht sie nicht zum Arzt? Ich kenne jetzt das Mutterschutzgesetz in Deutschland nicht, aber bei uns in Ö werden Grundschullehrerinnen häufig in vorzeitigen Mutterschutzgeschickt, weil die Gefahr besteht, sich in der Volksschule mit Kinderkrankheiten wie Masern, Mumps, Röteln oder Windpocken anzustecken, und damit das Baby zu gefährden, recht hoch ist.

Die österreichische Gendarmerie (S. 144) gibt es seit 2005 nicht mehr (siehe dazu: https://austria-forum.org/af/AustriaWiki/ZusammenlegungvonPolizeiundGendarmerie)

Die Auftritte in der Familie Keitenburg erscheinen ein wenig gekünstelt. Hin und wieder haftet den Mitwirkenden der Touch von Slapstick an. Ich kenne einige Angehörige (hoch)adeliger Häuser, die einem ganz normalen Beruf wie Land- und Forstwirt, Architekt, Banker, Rechtsanwalt, Arzt, Universitätsprofessor, Fernsehmoderator oder Buchautor nachgehen.

Die Idee Alex und Kathleen als Verwandte aus Uruguay auszugeben finde ich witzig, birgt der geborgte Lebenslauf doch auch Potential für Verwicklungen. Gerade in Südamerika ist der Polosport sehr populär. Und da kann der männliche Spross nicht reiten?

Der eigentliche Kriminalfall tritt leider zu Gunsten der Milieu-Studie zurück. Da hätte ich mir ein wenig mehr Ermittlungsarbeit gewünscht. Die Auflösung kommt dann letztlich irgendwie zu schnell.
Die „Nebenfronten“ wie Susa, Frau Wolf und Kathleens Sohn Mathis sind diesmal nicht ganz so präsent. Trotzdem ist mir Frau Wolfs Erkrankung ein bisschen zu viel gewesen. Alex hat ja mit dem komplizierten Fall und seiner schwangeren Freundin, die noch dazu 600km weit von ihm entfernt wohnt, alle Hände voll zu tun.

Fazit:

Dieser 3. Fall hat mir besser als „Haremsblut“ gefallen, hat aber trotzdem noch Luft nach oben. Gerne gebe ich 3 Punkte.

Veröffentlicht am 28.06.2018

Wie aus Karl Marx ein Kommunist wurde

Karl Marx in Paris
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Autor Jan Gerber widmet sich in diesem Buch Karl Marx, genauer gesagt, den 1843-1845, die Marx mit seiner Frau Jenny in Paris verbracht hat und die lt. Marx-Biograf Isaiah Berlin prägend für sein weiteres ...

Autor Jan Gerber widmet sich in diesem Buch Karl Marx, genauer gesagt, den 1843-1845, die Marx mit seiner Frau Jenny in Paris verbracht hat und die lt. Marx-Biograf Isaiah Berlin prägend für sein weiteres Schaffen waren.

Ausgehend von den Jahren in Paris, beschäftigt sich Jan Gerber sowohl ausgiebig mit der Vergangenheit als auch mit der Gegenwart. Er zeichnet ein interessantes historisches Bild von Preußen im Biedermeier. Die Angst vor sozialen Unruhen lässt die Zensur und Polizei hart durchgreifen. Daher gehen engagierte Leute wie Marx ins Ausland, weil sie hoffen, vor allem in Paris Gleichgesinnte (Deutsche) zu finden. Doch leider sind die Exilanten mit sich selbst und dem Verdienen ihres Lebensunterhaltes beschäftigt. Wir begegnen interessanten Persönlichkeiten, wie Heinrich Heine oder Friedrich Engels mit dem Marx in engem Briefkontakt steht. Man philosophiert über die Anhänger Hegels.

Jan Gerber versucht zu analysieren, wie aus Marx, der ursprünglich kein Kommunist war, ein solcher wurde.

Der Aufbau des Buches ist gut gelungen. Mitunter wird einiges Fachwissen vorausgesetzt und die Schachtelsätze erfordern einiges an Zeit und Konzentration. Der Autor ist promovierter Politikwissenschaftler und habilitierter Historiker. Er lehrt an der Universität Leipzig.

Ich habe einiges Neues erfahren und werde zum besseren Verständnis die Marx-Biografie von Isaiah Berlin lesen, denn ganz hat mich das Buch nicht überzeugen können. 3 Sterne