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Veröffentlicht am 21.07.2018

In die Provinz verbannt

Die Frauen am Fluss
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so sieht Irene sich und ihr Schicksal, das sie sich aber durch eine Affäre mit einem verheirateten Mann - DEM einzigen Mann zum Verlieben bzw. Lieben aus ihrer Sicht - selbst eingebrockt hat. Nun lebt ...

so sieht Irene sich und ihr Schicksal, das sie sich aber durch eine Affäre mit einem verheirateten Mann - DEM einzigen Mann zum Verlieben bzw. Lieben aus ihrer Sicht - selbst eingebrockt hat. Nun lebt sie, die Städterin, die ein mondänes Leben gewöhnt war, in einem kleinen Dorf als Ehefrau des lokalen Landjunkers Alistair Hadleigh, den sie zwar nicht liebt, jedoch mehr und mehr zu schätzen lernt. Denn Alistair ist ein warmherziger Mann, der nicht nur sie, sondern auch seine Schützlinge ernst nimmt und - soweit möglich - Sorge für sie trägt.

Die anderen Bewohner - nicht zuletzt Alistairs bärbeißige Tante - befremden sie eher oder erschrecken sie sogar. Einzig mit dem fünfzehnjährigen Stallmädchen Pudding - als Tochter des Dorfarztes auch aus besserem Hause, aber dennoch tief mit dem Dorf und dem Leben dort verwurzelt - kommt sie ins Gespräch. Auch diese hat ihr Päckchen zu tragen, ist ihr Bruder, einst ihr strahlendes Idol mit besten Zukunftsaussichten, sowohl körperlich als auch seelisch gebrochen aus dem Ersten Weltkrieg zurückgekehrt - ein Umstand, der die gesamte Familie ins Wanken gebracht hat.

Doch auch zwischen den beiden Frauen gibt es Barrieren, bis ein furchtbares Ereignis die beiden zusammenschweißt, zu einem Team werden lässt.

Katherine Webb schreibt entspannt - manche würden sagen: langatmig, dabei atmosphärisch und eloquent. Abgesehen von einigen kleineren Abwegen sitzt aus meiner Sicht aber jedes Wort. Der Leser kann tief in die englische Landschaft, in das Wesen der Charaktere - und vor allem in das Jahr 1922 eintauchen, in dem die Handlung spielt. Ein wunderbarer, wenn auch oft schmerzhafter Einblick in das ländliche Leben in England in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Einmal mehr hat die Autorin hervorragend recherchiert und ihre Eindrücke aufs Stimmungsvollste wiedergegeben. Freunde rasanter Entwicklungen und einander jagender Spannungsmomente werden dieser Roman allerdings mit Sicherheit als unbefriedigend empfinden.

Aber für Liebhaber - und vor allem Liebhaberinnen, denn dies ist im positivsten Sinne ein Frauenbuch - anspruchsvoller historischer Romane, für die - was dieses Genre anbelangt - Stimmung vor Spannung steht, ist dies ein gefundenes Fressen!

Veröffentlicht am 17.07.2018

Einfach weiterleben

Der Sprengmeister
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und auch weiter arbeiten: das tut Oskar Johansson, der als junger Sprengmeister einen schweren Unfall hat und - so könnte man meinen - alles verliert: eine Hand, ein Auge und auch seine Braut. Doch so ...

und auch weiter arbeiten: das tut Oskar Johansson, der als junger Sprengmeister einen schweren Unfall hat und - so könnte man meinen - alles verliert: eine Hand, ein Auge und auch seine Braut. Doch so ist es nicht - er berappelt sich und bleibt bis zu seiner Pensionierung Sprengmeister, findet eine andere Frau und zieht mit ihr drei Kinder groß, die es besser haben sollen als die Eltern. Und er hat eine Meinung: zur Gesellschaft, zur Politik in Schweden. Mit dieser hält er nie hinter dem Berg - ein wahrlich tapferer Mann!

Mit diesem Roman setzt Mankell dem schwedischen Arbeiter des 20. Jahrhunderts ein Denkmal. Hinsichtlich der Bedeutsamkeit in gesellschaftlicher Hinsicht ist es aus meiner Sicht durchaus mit "Segen der Erde" des norwegischen Autors und Nobelpreisträgers Knut Hamsun zu vergleichen. Auch hier bekommt der einfache Mann eine Stimme, sozusagen eine literarische - und zwar eine gewichtige!

Oskar Johansson, der in seinem Leben so viel erlebt und vor allem so viel erlitten hat, lässt sich nicht beugen, nein, er ist mit seinem persönlichen Leben sogar zufrieden, obwohl er schon seit jungen Jahren durch den Arbeitsunfall schwerbehindert war. Nicht zufrieden jedoch ist er mit den gesellschaftspolitischen Entwicklungen seiner Zeit in Schweden - da hätte aus seiner Sicht mehr rausgeholt werden können für die Arbeiterschaft, auch seine eigene Partei, die Sozialisten, haben ihn zeitweise enttäuscht.

Ein Mann, der nie aufgab, der auch nie seinen Lebenswillen und seinen Humor verlor, obwohl er selbst so vieles verloren hatte: Ein lesens- und lohnenswerter Roman, der das Zeug zu einem Klassiker hat!

Veröffentlicht am 15.07.2018

All is quiet on New Year's day

Neujahr
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singen U2 und das empfindet auch Henning, der sich am ersten Morgen des neuen Jahres per Fahrrad auf die Socken gemacht hat, um einen Gipfel zu erklimmen. Das ist ihm möglich, weil er mit seiner Familie ...

singen U2 und das empfindet auch Henning, der sich am ersten Morgen des neuen Jahres per Fahrrad auf die Socken gemacht hat, um einen Gipfel zu erklimmen. Das ist ihm möglich, weil er mit seiner Familie - Frau Theresa und zwei kleinen Kindern - die Feiertage auf Lanzarote verbringt, verbringen darf, muss man ja eigentlich sagen. Denn so etwas ist definitiv ein Luxus, den sich nicht jeder leisten kann, auch wenn die Familie den Urlaub eher bescheiden angeht.

Aber warum geht es Henning schlecht? Eigentlich läuft doch alles gut, seine Frau und er leben gleichberechtigt zusammen und nicht nur nebeinander her, und beruflich läuft es auch nicht so schlecht. Aber woher kommen diese Angst- und Panikattacken, unter denen er gerade in den letzten Jahren, seit er selbst Vater ist, leidet. Irgendwie ist ihm alles zuviel - das kann doch eigentlich gar nicht, so alt und "verbraucht" ist er doch noch gar nicht?

Dieser Tag, dieser einsame Ausflug am Neujahrsmorgen wird eine Auflösung bringen, zumindest die Ursache für diese Beklemmung aufdecken. Sie hat mit seiner eigenen Kindheit zu tun und er wird an einen Ort zurückkehren, der bei ihm damals etwas ausgelöst hat.

Weit hergeholt? Ja und nein. Dass es Zufälle gibt, steht außer Frage und dass unser Unterbewusstsein uns an Orte zurückführt, an denen wir schon mal waren und Schlüsselerlebnisse hatten, ohne uns daran zu erinnern, sowieso.

Schlimmes verdrängen - ein wichtiges Thema. Die Umsetzung der Autorin dazu hat mich nicht so fasziniert wie "Unterleuten" oder "Leere Herzen", doch Juli Zeh ist schon aufgrund ihrer Eloquenz und ihrer Auseinandersetzung mit immer neuen Themen stets lesenswert. Auf gewisse Art wirkt sie als Wegweisende - mich zumindest hat sie schon des öfteren auf neue Gedanken und wichtige Aspekte aufmerksam machen können!

Ein eher kleiner Roman der so abwechslungsreichen Autorin, der mich sensibilisiert hat für den Blick in die eigene Vergangenheit. Und der zeigt, dass man selbst sich das größte Rätsel sein kann!

Veröffentlicht am 13.07.2018

Wunden aus der Vergangenheit

Sommernachtstod
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Der vorliegende Fall ist überaus schmerzhaft - und zwar für ein gesamtes Dorf! Psychologin Vera hat ein einem sehr persönlichen Ereignis aus der Vergangenheit zu knabbern: Sie war noch ein Kind, ...

Der vorliegende Fall ist überaus schmerzhaft - und zwar für ein gesamtes Dorf! Psychologin Vera hat ein einem sehr persönlichen Ereignis aus der Vergangenheit zu knabbern: Sie war noch ein Kind, als ihr kleiner Bruder Billy - damals erst vier - verschwand und nie wieder auftauchte.

Weder sie noch ihr älterer Bruder haben dieses Erlebnis je verwunden, zumal sich ihre Mutter - vormals eine umschwärmte Schönheit - bald nach dem traurigen Ereignis das Leben nahm. Doch sie verarbeiten es unterschiedlich: während Vera allein geblieben ist und das heimatliche Dorf meidet, ist Mattias, der Polizist geworden ist, inzwischen mit seiner Jugendliebe verheiratet und besucht seinen Vater, der noch immer im ehemaligen Elternhaus lebt, regelmäßig.

Vera leitet eine Trauergruppe, in der der junge Isak auftaucht, der einen Fall erläutert, der sein Leben geprägt hat: in seiner frühen Kindheit ist sein bester Freund verschwunden. Vera ist sich sicher, dass er Billy betrauert. Billy, dessen Leiche nie gefunden wurde. Es könnte passen, denn Billy wäre jetzt im entsprechenden Alter. Und Isak erinnert Vera sehr an Billy...

Nach langen Jahren kehrt sie zurück ins Dorf, bereit, in die Vergangenheit einzutauchen. Und ihren alten Dämonen zu begegnen.

Ein Krimi, zu dem man nur greifen sollte, wenn man bereit ist, sich tiefer Trauer und großen Verlusten zu stellen. Ein Fall, in dem es durchaus auch spannend zugeht, der aber auf der anderen Seite nicht gerade wenige Längen aufweist.

Was mich fasziniert hat, war ein ungewöhnlicher Ansatz: dieser skandinavische Krimi lässt sich aus meiner Sicht mit keinem anderen bisher dagewesenen vergleichen und hat mich in mancher Beziehung - nicht zuletzt auch bei der Auflösung - durchaus überrascht. Probieren Sie selbst, ob Sie mit dem Autor Anders de la Motte, der früher übrigens selbst Polizist war, etwas anfangen können!

Veröffentlicht am 08.07.2018

Wie aus Irrwegen Wege werden

Das Meisterwerk
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Roman ist ein cooler Typ und ein toller Künstler, der einen Erfolg nach dem anderen feiert. Doch kaum jemand weiß, dass sich hinter diesem charismatischen, wenn auch mehr als zurückhaltenden Typ ein Sprayer ...

Roman ist ein cooler Typ und ein toller Künstler, der einen Erfolg nach dem anderen feiert. Doch kaum jemand weiß, dass sich hinter diesem charismatischen, wenn auch mehr als zurückhaltenden Typ ein Sprayer verbirgt, ein gebranntes Kind, das mehr als einmal mit dem Gesetz in Konflikt kam. Gott bedeutet ihm, der als Kind völlig auf sich gestellt war, nichts.

Auf der anderen Seite ist Grace, die durch den Glauben die Kraft schöpft, ihr schweres Leben zu meistern: auch sie ist ein gebranntes Kind, eines, das auch als Erwachsene um ihr Glück betrogen wurde, eine, die allein dasteht und die nun ihr Leben meistern muss. Aber im Gegensatz zu Roman ist sie nicht alleine, denn Gott begleitet sie auf Schritt und Tritt. Und dazu ist sie eingebettet in einen Kreis warmherziger Freundinnen, die vielleicht nicht immer das Richtige tun, aber immer das Beste für Grace wollen. Sie weiß also, was Vertrauen ist, kennt aber auch die andere Seite. Leider nur zu gut, denn auch jetzt, als erwachsene Frau, steht sie am Rande der Existenz, braucht einen Job, um sich und ihren kleinen Sohn Samuel durchzubringen.

So trifft sie auf Roman, dessen Assistentin sie wird. Obwohl Roman ein mehr als schwieriger Typ ist, wirft sie im Gegensatz zu ihren Vorgängerin das Handtuch nicht bereits nach ein paar Tagen hin. Nein, sie stellt sich Roman und sieht sich bald in der Position, eigene Bedingungen zu stellen. Aber trotzdem driften sie mehr und mehr auseinander, obwohl sich Roman bald zu Grace hingezogen fühlt. Doch obwohl auch sie eine gewisse Anziehungskraft spürt, steht für sie der Weg, den ihr Gott zeigt, an erster Stelle.

Doch auch Roman hat eine Begegnung mit Gott. Kann er einen Weg zu ihm finden, der nachhaltig ist. Können auch für Roman aus Irrwegen Wege werden?

Ein Buch, in dem der christliche Glaube an erster Stelle steht - die Kraft Gottes, die Stärke, die jeder von uns durch sein Vertrauen in Gott und in Jesus schöpfen kann, begleitet den Leser hier auf Schritt und tritt. Auch wenn ich sehr gern christliche Romane lese, ist mir diese sehr offensive Art der Bekenntnis zu Gott etwas zu viel, zumal sie stark in die missionarische Richtung geht. Ich ziehe den eher zurückgenommenen, subtileren Stil vor, in dem bspw. Elisabeth Büchle oder auch Titus Müller den christlichen Glauben in ihren Romanen transportieren.

Doch das ist meine individuelle sich und dennoch ist dies für mich ein eindringlicher und lesenswerter Roman, der lange nachhallen wird!