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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.07.2019

Ganz ok - aber mehr auch nicht

Silent Victim
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Emma hat eine furchtbare Kindheit und Jugend hinter sich. Ihre unglückliche Mutter misshandelte sie und verschwand von einem Tag auf den anderen. Ihre etwas ältere Halbschwester verließ ebenfalls kurz ...

Emma hat eine furchtbare Kindheit und Jugend hinter sich. Ihre unglückliche Mutter misshandelte sie und verschwand von einem Tag auf den anderen. Ihre etwas ältere Halbschwester verließ ebenfalls kurz darauf das Haus, sodass Emma bei ihrem Vater aufwuchs, der häufig abwesend war. Doch nun ist sie glücklich, hat einen liebevollen Ehemann und einen süßen kleinen Sohn. Doch niemand weiß, dass sie ein entsetzliches Geheimnis bewahrt: Sie hat einen Menschen getötet. Als Emma die Leiche nach vier Jahren endgültig beseitigen will, muss sie entsetzt feststellen, dass diese verschwunden ist. Jemand scheint ihr Geheimnis zu kennen.
Das Buch beginnt vielversprechend mit einem Prolog, in dem Emma im Jahre 2013 versucht, einen Toten zu begraben. Die Stimmung ist angsterfüllt und auch als die Geschichte vier Jahre später wieder einsetzt, bleibt eine unterschwellige Spannung. Doch leider dauert diese nur während des ersten Drittels an. Als mehr oder weniger klar wird, was mit dem Toten geschah, war für mich die Luft raus. Zwar wollte ich schon noch wissen, was sich tatsächlich weshalb und warum ereignet hat, aber dieses unterschwellige Unheimliche war dahin.
Erzählt wird abwechselnd aus den Perspektiven Emmas und ihres Mannes sowie aus dem Jahre 2002, sodass man nach und nach erfährt, was sich tatsächlich damals Alles abspielte. Es ist nicht allzu schwierig dem Ganzen zu folgen, obwohl die Autorin es offensichtlich darauf anlegt, ein gehörig Maß an Verwirrung zu stiften. Bedauerlicherweise hat Verwirrung nun nichts mit Spannung zu tun, sodass ich zwar wissen wollte, wie Alles zusammenhängt, allerdings ohne allzu sehr von der Geschichte gefesselt zu sein.
So bleibt es bei einem mittelmäßigem Krimi, den man lesen kann, aber sicherlich nicht muss.

Veröffentlicht am 11.05.2019

Klasse Beginn und schwaches Ende - schade drum

Mengele Zoo
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30 Jahre ist es bereits her, dass dieses Buch das erste Mal in Norwegen veröffentlicht wurde. Aber das Thema ist so aktuell, als ob es gerade erst geschrieben worden wäre.
Erzählt wird die Geschichte des ...

30 Jahre ist es bereits her, dass dieses Buch das erste Mal in Norwegen veröffentlicht wurde. Aber das Thema ist so aktuell, als ob es gerade erst geschrieben worden wäre.
Erzählt wird die Geschichte des kleinen Mino, der in einem kleinen Dorf im Regenwald aufwächst, irgendwo auf dem südamerikanischen Kontinent. Doch die Zeiten beginnen sich zu ändern: Rodungen des Regenwaldes rücken immer näher an das Dorf heran; bewirtschaftete Grundstücke werden kurzerhand enteignet und an Ölgesellschaften verkauft. Wer sich nicht fügt, wird unter Druck gesetzt und schlimmstenfalls getötet. Auch Minos Dorf trifft es, alle werden massakriert, er ist der einzige Überlebende. Der Zauberer Isidoro nimmt sich seiner an und gemeinsam ziehen sie zwei Jahre von Stadt zu Stadt, währenddessen Mino die Zauberkunst erlernt. Doch ihr Zusammensein findet ein jähes Ende, als Isidoro von betrunkenen Amerikanern ermordet wird. Mino, der 14jährige Junge, flieht, nicht ohne Rache zu nehmen und versucht, sich ein neues Leben aufzubauen. Doch er kommt nicht zur Ruhe und als er Freunde findet, die sein Denken teilen, verwirklichen sie einen Plan, der unvorstellbar ist: Sie wollen den Regenwald, wenn nicht die ganze Welt retten.
Die ersten zwei Drittel sind wirklich spannend und es ist unfassbar und verschlägt einem die Sprache, wenn man erfährt, welche Leiden und Qualen Mino wie auch große Teile der Bevölkerung ertragen müssen: Armut, willkürliche Bestrafungen, grundlose Gewalt die nicht geahndet wird, Folter - es grenzt an einen Horrortrip. Keine Frage, die Entscheidung Minos und seiner Freunde, ebenfalls mit Gewalt zu reagieren, ist verständlich und nachvollziehbar. Selbst für die Lesenden vermute ich, löst dieses Handeln, das teilweise Hunderte Tote verursacht, nur bedingt Ablehnung oder Abscheu aus. Ein interessantes Szenario, das eine richtig tolle Geschichte mit großem Nachklang hätte werden können.
Ist es aber bedauerlicherweise nicht, denn im letzten Drittel bedient sich dieser Roman nur noch der plattesten Klischees und Verallgemeinerungen. Immer wieder aufs Neue wird deutlich gemacht, wie mies die USA, Kanada, Europa und Teile Asiens sind und dass die Besten der Menschen die Ureinwohner sind, die die Natur noch zu schätzen wissen. Beispielsweise als Mino in den USA ist: „Hunderte von Städten, eine trostloser und langweiliger als die andere. In Chicago boten sich ihm die Überreste einer unsichtbaren Reihe verarmter Latinos dar. Er roch den Gestank mumifizierter Gangster, sah diese Gespenster überall herumlaufen, -stehen, -liegen, -sitzen.“ Oder Europa: „Er hatte die Geschichte dieses Kontinents studiert. Sie war schmerzhaft und grausam. Von der Antike und den alten Griechen bis in die heutige Zeit hinein zog sich eine breite Blutspur, für jeden sichtbar, der Augen hatte. Dazu war es gekommen, weil die Menschen versucht hatten zu sein, was sie nicht waren. Europa war für immer zerstört. Von hier aus hatte sich die Pest auf andere Kontinente verbreitet.“ Um es klarzustellen: Ich bestreite nicht im Geringsten, dass wir zu großen Teilen auf Kosten der Bevölkerungen der südlichen Welthalbkugel und deren Lebensräume leben. Aber derart Alles über einen Kamm zu scheren und schlicht Alles zu verteufeln, was aus der sogenannten 1. Welt kommt, ist schlicht geistlos.
Schade, das hätte ein richtig klasse Buch werden können mit vielen Anregungen zum Weiterdenken.

Veröffentlicht am 03.03.2019

Eine muslimische Familie in den USA

Worauf wir hoffen
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Die junge Laila aus Pakistan heiratet auf Wunsch ihrer Eltern Rafik, der in die USA ausgewandert ist. Dort leben sie, bekommen drei Kinder, zwei Töchter und einen Sohn, und haben mehr oder weniger ähnliche ...

Die junge Laila aus Pakistan heiratet auf Wunsch ihrer Eltern Rafik, der in die USA ausgewandert ist. Dort leben sie, bekommen drei Kinder, zwei Töchter und einen Sohn, und haben mehr oder weniger ähnliche Freuden und Sorgen wie andere Eltern auch. Beide sind gläubige Muslime und sie erziehen ihre Kinder in diesem Sinne. Doch insbesondere Amar, der Jüngste, lehnt sich dagegen auf und stellt sämtliche Werte und Überzeugungen seiner Eltern in Frage. Sein Vater, bereits von vornherein streng und autoritär, reagiert auf seine Respektlosigkeiten noch rigoroser, sodass die Zusammenstöße immer heftiger werden.
Gegliedert ist das Buch in vier Teile, wobei zwei von der Hochzeit der ältesten Tochter berichten, der letzte wie eine Art Brief des Vaters an seinen Sohn wirkt und der zweite die Vergangenheit der Familie beschreibt. Besonders mit diesem Teil hatte ich so meine Schwierigkeiten: Die einzelnen Abschnitte, die chronologisch nicht aufeinander aufbauen, umfassen stets nur wenige Seiten über ein Geschehnis mit jeweils einer anderen Hauptfigur. Ein Beispiel: Es beginnt mit einem Ausflug zum Vierten Juli, als die älteste Tochter Hadia sieben Jahre ist. Danach folgt eine Szene aus der Zeit, als Laila noch unverheiratet in Pakistan lebt. Weiter geht es mit Hadia, ca. 11 Jahre, die sich in der Schule um ihren Bruder kümmert und sich an etwas erinnert, das ungefähr zwei Jahre zurückliegt. Und es folgt ein Fest, bei dem Amar um die 16 Jahre alt ist. Durch diese bruchstückhafte Erzählweise blieben mir die Personen fremd und die Spannung, wie es mit den Mitgliedern dieser Familie weitergeht, ließ immer mehr nach.
Die Autorin hat einen zarten, stellenweise fast schon poetischen Stil und schreibt Sätze, die immer wieder zum Nachdenken und Auswendiglernen anregen. 'Wie kann man wissen, welche Momente einen Menschen prägen?' oder 'Was bedeutet Scham? Dass man sein Gesicht nicht zeigen kann. Dass man davor Angst hat.'
Auch wenn dieses Buch stark von der Religion dieser Familie geprägt ist (man sollte auf viele islamische Ausdrücke und Gebräuche vorbereitet sein), ist diese Geschichte dennoch auch in jeder anderen Konstellation denkbar, in der Werte und Tradition aus Gewohnheit übernommen und gelebt werden. Wäre die Lektüre nicht so ein ständiges Hin und Her gewesen und hätte es zudem noch ein Glossar mit Erklärungen der islamischen und pakistanischen Begrifflichkeiten gegeben, hätte mich dieses Buch vermutlich ziemlich begeistert. So jedoch bleibt es bei einem 'Ganz ok'.

Veröffentlicht am 10.11.2018

Mehr Grusel und Spannung bitte ;-)

Mörderische Renovierung
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Klappentext wie auch Umschlaggestaltung klingen vielversprechend: "Südstaaten-Gothic trifft auf europäischen Hip", dazu ein schwarzweißes Cover mit einem düsteren Gebäude, über dem ein mysteriöses Auge ...

Klappentext wie auch Umschlaggestaltung klingen vielversprechend: "Südstaaten-Gothic trifft auf europäischen Hip", dazu ein schwarzweißes Cover mit einem düsteren Gebäude, über dem ein mysteriöses Auge wacht. So startete ich mit einer gewissen Erwartungshaltung und wurde erst mal nicht enttäuscht. Der junger Student A. aus Großbritannien erbt von einem sehr entfernten, unbekannten Verwandten aus den USA eine Menge Geld und ein riesiges Gebäude: Axton House. Mit einer jugendlichen stummen Punk-Freundin, Niamh, reist er dorthin, um künftig dort zu leben und das Geheimnis um die Geister aufzuklären, die dort spuken sollen.
Es ist zwar eine chronologisch aufgebaut erzählte Geschichte, doch die Art und Weise unterscheidet sich sehr von anderen Büchern. Verschiedenste Formen von Berichten werden aneinandergereiht, die das Geschehen auf sehr unterschiedliche Weise darstellen: As Tagebucheinträge und Briefe an seine Tante; die Dialoge zwischen Niamh und A., die Niamh alle mitschreibt; Aufzeichnungen diverser Kameras, die an unterschiedlichen Standorten installiert sind; Mitschnitte einer Art Tonbandgerät und noch etliches Anderes. So wechselt ständig die Perspektive, ohne dass jedoch Wichtiges versäumt wird; stattdessen ist es häufig spannungssteigernd, wenn beispielsweise eine Kamera plötzlich nur noch einen kleinen Bildausschnitt zeigt.
Doch das hilft leider Alles nichts, denn die ersten 300 Seiten gestalten sich vergleichsweise zäh. Ja, es gruselt ein bisschen, Rätsel müssen gelöst werden (die für sich genommen wirklich interessant sind), aber für mich zeigte sich nirgendwo ein roter Faden, wo das Ganze denn hinführen sollte. Mit dem Auftauchen eines vermissten Freundes des Erblassers ändert sich das deutlich (leider sind dann bereits fast 3/4 des Buches gelesen) und es wird wirklich mysthisch, verwirrend und spannend, bis es am Ende leider in eine völlig andere Richtung wechselt.
Was das sollte, ist mir noch immer nicht klar, denn dieser Schluss passt so überhaupt nicht zu der ganzen Art dieser Geschichte. Auf mich wirkte er wie ein Fremdkörper und ich habe die letzten Seiten (die, die in den USA spielen) zweimal gelesen. Vielleicht mit der Hoffnung, dass ich etwas übersehen hätte - was leider nicht der Fall war.
Schade, denn der Autor kann wirklich witzig und unterhaltend schreiben. Und auch die Idee mit den aneinandergereihten Dokumenten hat seinen Reiz. So fehlt nur noch ein richtiger Plot, der die Spannung hält und nicht in einem zusammenhanglosen Massaker endet. Vielleicht ja beim nächsten Buch.

Veröffentlicht am 20.07.2018

Starker Beginn, schwaches Ende

Der Sommer der Pinguine
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Fantastisch und märchenhaft beginnt dieses kleine Büchlein, dessen äußere und innere Bebilderung etwas an Sempé erinnert. Die mittelalte Mrs. Robington, Geographielehrerin im öffentlichen Dienst des Vereinigten ...

Fantastisch und märchenhaft beginnt dieses kleine Büchlein, dessen äußere und innere Bebilderung etwas an Sempé erinnert. Die mittelalte Mrs. Robington, Geographielehrerin im öffentlichen Dienst des Vereinigten Königreiches, stellt bei ihrem Besuch in London überrascht fest, dass Pinguine unbemerkt die britische Bevölkerung bereichern. Der Pinguin-Buchhändler Basil Snow offenbart ihr, wenn auch etwas widerstrebend, sein Geheimnis und bittet sie, darüber zu schweigen. Wer weiß, ob ihm und seinesgleichen sonst weiterhin ein ruhiges Dasein beschert sein wird. Mit ihrem nunmehr geschärften Blick entdeckt Mrs. Robington zu ihrer Freude auf ihrem weiteren Ausflug durch die Hauptstadt immer mehr Artverwandte von Basil Snow. Als sie kurz darauf erkennen muss, dass das Geheimnis der Pinguine in Gefahr ist, aufgedeckt zu werden, fasst sie einen Plan.
Bezaubernd und liebenswert mit einer anmutig altmodischen Sprache ist das erste Drittel des gerade einmal knapp 140 Seiten umfassenden Büchleins. Auch die schwarzweiß Illustrationen von Isabel Pin passen (meist) gut dazu - überaus entzückend beispielsweise das Bild von Basil Snow in seiner Buchhandlung. Doch leider hält der Rest der Geschichte nicht, was der Anfang erhoffen lässt. Es wird eine Reihe von weiteren Handlungssträngen aufgebaut, die für den Fortgang des Ganzen völlig unerheblich sind und einfach so im Sande verlaufen. Dazu kommen Geschehnisse, die derart unlogisch und nicht nachvollziehbar sind, dass ich beim Lesen nur noch den Kopf schüttelte. Ebenfalls betrüblich fand ich die Wesensveränderung der zu Beginn so zauberhaften Mrs. Robington, die unverständlicherweise plötzlich eine solch arrogante und hochnäsige Haltung an den Tag legt, dass mir fast die Lust am Weiterlesen verging. Und dass die titelgebenden Pinguine praktisch bloß noch am Rande auftauchen, so dass sie letztendlich nur noch den Hintergrund für die Aktivitäten der Geographielehrerin darstellen, ist ebenfalls enttäuschend.
Schade schade, es hätte eine so schöne Geschichte werden können.