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Veröffentlicht am 03.03.2019

Eine muslimische Familie in den USA

Worauf wir hoffen
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Die junge Laila aus Pakistan heiratet auf Wunsch ihrer Eltern Rafik, der in die USA ausgewandert ist. Dort leben sie, bekommen drei Kinder, zwei Töchter und einen Sohn, und haben mehr oder weniger ähnliche ...

Die junge Laila aus Pakistan heiratet auf Wunsch ihrer Eltern Rafik, der in die USA ausgewandert ist. Dort leben sie, bekommen drei Kinder, zwei Töchter und einen Sohn, und haben mehr oder weniger ähnliche Freuden und Sorgen wie andere Eltern auch. Beide sind gläubige Muslime und sie erziehen ihre Kinder in diesem Sinne. Doch insbesondere Amar, der Jüngste, lehnt sich dagegen auf und stellt sämtliche Werte und Überzeugungen seiner Eltern in Frage. Sein Vater, bereits von vornherein streng und autoritär, reagiert auf seine Respektlosigkeiten noch rigoroser, sodass die Zusammenstöße immer heftiger werden.
Gegliedert ist das Buch in vier Teile, wobei zwei von der Hochzeit der ältesten Tochter berichten, der letzte wie eine Art Brief des Vaters an seinen Sohn wirkt und der zweite die Vergangenheit der Familie beschreibt. Besonders mit diesem Teil hatte ich so meine Schwierigkeiten: Die einzelnen Abschnitte, die chronologisch nicht aufeinander aufbauen, umfassen stets nur wenige Seiten über ein Geschehnis mit jeweils einer anderen Hauptfigur. Ein Beispiel: Es beginnt mit einem Ausflug zum Vierten Juli, als die älteste Tochter Hadia sieben Jahre ist. Danach folgt eine Szene aus der Zeit, als Laila noch unverheiratet in Pakistan lebt. Weiter geht es mit Hadia, ca. 11 Jahre, die sich in der Schule um ihren Bruder kümmert und sich an etwas erinnert, das ungefähr zwei Jahre zurückliegt. Und es folgt ein Fest, bei dem Amar um die 16 Jahre alt ist. Durch diese bruchstückhafte Erzählweise blieben mir die Personen fremd und die Spannung, wie es mit den Mitgliedern dieser Familie weitergeht, ließ immer mehr nach.
Die Autorin hat einen zarten, stellenweise fast schon poetischen Stil und schreibt Sätze, die immer wieder zum Nachdenken und Auswendiglernen anregen. 'Wie kann man wissen, welche Momente einen Menschen prägen?' oder 'Was bedeutet Scham? Dass man sein Gesicht nicht zeigen kann. Dass man davor Angst hat.'
Auch wenn dieses Buch stark von der Religion dieser Familie geprägt ist (man sollte auf viele islamische Ausdrücke und Gebräuche vorbereitet sein), ist diese Geschichte dennoch auch in jeder anderen Konstellation denkbar, in der Werte und Tradition aus Gewohnheit übernommen und gelebt werden. Wäre die Lektüre nicht so ein ständiges Hin und Her gewesen und hätte es zudem noch ein Glossar mit Erklärungen der islamischen und pakistanischen Begrifflichkeiten gegeben, hätte mich dieses Buch vermutlich ziemlich begeistert. So jedoch bleibt es bei einem 'Ganz ok'.

Veröffentlicht am 10.11.2018

Mehr Grusel und Spannung bitte ;-)

Mörderische Renovierung
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Klappentext wie auch Umschlaggestaltung klingen vielversprechend: "Südstaaten-Gothic trifft auf europäischen Hip", dazu ein schwarzweißes Cover mit einem düsteren Gebäude, über dem ein mysteriöses Auge ...

Klappentext wie auch Umschlaggestaltung klingen vielversprechend: "Südstaaten-Gothic trifft auf europäischen Hip", dazu ein schwarzweißes Cover mit einem düsteren Gebäude, über dem ein mysteriöses Auge wacht. So startete ich mit einer gewissen Erwartungshaltung und wurde erst mal nicht enttäuscht. Der junger Student A. aus Großbritannien erbt von einem sehr entfernten, unbekannten Verwandten aus den USA eine Menge Geld und ein riesiges Gebäude: Axton House. Mit einer jugendlichen stummen Punk-Freundin, Niamh, reist er dorthin, um künftig dort zu leben und das Geheimnis um die Geister aufzuklären, die dort spuken sollen.
Es ist zwar eine chronologisch aufgebaut erzählte Geschichte, doch die Art und Weise unterscheidet sich sehr von anderen Büchern. Verschiedenste Formen von Berichten werden aneinandergereiht, die das Geschehen auf sehr unterschiedliche Weise darstellen: As Tagebucheinträge und Briefe an seine Tante; die Dialoge zwischen Niamh und A., die Niamh alle mitschreibt; Aufzeichnungen diverser Kameras, die an unterschiedlichen Standorten installiert sind; Mitschnitte einer Art Tonbandgerät und noch etliches Anderes. So wechselt ständig die Perspektive, ohne dass jedoch Wichtiges versäumt wird; stattdessen ist es häufig spannungssteigernd, wenn beispielsweise eine Kamera plötzlich nur noch einen kleinen Bildausschnitt zeigt.
Doch das hilft leider Alles nichts, denn die ersten 300 Seiten gestalten sich vergleichsweise zäh. Ja, es gruselt ein bisschen, Rätsel müssen gelöst werden (die für sich genommen wirklich interessant sind), aber für mich zeigte sich nirgendwo ein roter Faden, wo das Ganze denn hinführen sollte. Mit dem Auftauchen eines vermissten Freundes des Erblassers ändert sich das deutlich (leider sind dann bereits fast 3/4 des Buches gelesen) und es wird wirklich mysthisch, verwirrend und spannend, bis es am Ende leider in eine völlig andere Richtung wechselt.
Was das sollte, ist mir noch immer nicht klar, denn dieser Schluss passt so überhaupt nicht zu der ganzen Art dieser Geschichte. Auf mich wirkte er wie ein Fremdkörper und ich habe die letzten Seiten (die, die in den USA spielen) zweimal gelesen. Vielleicht mit der Hoffnung, dass ich etwas übersehen hätte - was leider nicht der Fall war.
Schade, denn der Autor kann wirklich witzig und unterhaltend schreiben. Und auch die Idee mit den aneinandergereihten Dokumenten hat seinen Reiz. So fehlt nur noch ein richtiger Plot, der die Spannung hält und nicht in einem zusammenhanglosen Massaker endet. Vielleicht ja beim nächsten Buch.

Veröffentlicht am 20.07.2018

Starker Beginn, schwaches Ende

Der Sommer der Pinguine
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Fantastisch und märchenhaft beginnt dieses kleine Büchlein, dessen äußere und innere Bebilderung etwas an Sempé erinnert. Die mittelalte Mrs. Robington, Geographielehrerin im öffentlichen Dienst des Vereinigten ...

Fantastisch und märchenhaft beginnt dieses kleine Büchlein, dessen äußere und innere Bebilderung etwas an Sempé erinnert. Die mittelalte Mrs. Robington, Geographielehrerin im öffentlichen Dienst des Vereinigten Königreiches, stellt bei ihrem Besuch in London überrascht fest, dass Pinguine unbemerkt die britische Bevölkerung bereichern. Der Pinguin-Buchhändler Basil Snow offenbart ihr, wenn auch etwas widerstrebend, sein Geheimnis und bittet sie, darüber zu schweigen. Wer weiß, ob ihm und seinesgleichen sonst weiterhin ein ruhiges Dasein beschert sein wird. Mit ihrem nunmehr geschärften Blick entdeckt Mrs. Robington zu ihrer Freude auf ihrem weiteren Ausflug durch die Hauptstadt immer mehr Artverwandte von Basil Snow. Als sie kurz darauf erkennen muss, dass das Geheimnis der Pinguine in Gefahr ist, aufgedeckt zu werden, fasst sie einen Plan.
Bezaubernd und liebenswert mit einer anmutig altmodischen Sprache ist das erste Drittel des gerade einmal knapp 140 Seiten umfassenden Büchleins. Auch die schwarzweiß Illustrationen von Isabel Pin passen (meist) gut dazu - überaus entzückend beispielsweise das Bild von Basil Snow in seiner Buchhandlung. Doch leider hält der Rest der Geschichte nicht, was der Anfang erhoffen lässt. Es wird eine Reihe von weiteren Handlungssträngen aufgebaut, die für den Fortgang des Ganzen völlig unerheblich sind und einfach so im Sande verlaufen. Dazu kommen Geschehnisse, die derart unlogisch und nicht nachvollziehbar sind, dass ich beim Lesen nur noch den Kopf schüttelte. Ebenfalls betrüblich fand ich die Wesensveränderung der zu Beginn so zauberhaften Mrs. Robington, die unverständlicherweise plötzlich eine solch arrogante und hochnäsige Haltung an den Tag legt, dass mir fast die Lust am Weiterlesen verging. Und dass die titelgebenden Pinguine praktisch bloß noch am Rande auftauchen, so dass sie letztendlich nur noch den Hintergrund für die Aktivitäten der Geographielehrerin darstellen, ist ebenfalls enttäuschend.
Schade schade, es hätte eine so schöne Geschichte werden können.

Veröffentlicht am 10.06.2018

Ein schwafelnder Roman über einen schwafelnden Professor

Kraft
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Kraft, eigentlich erfolgreicher Professor in Tübingen, braucht dringend Geld. Seine zweite Ehe steht kurz vorm endgültigen Scheitern, vier Kinder und zwei (Ex)-Ehefrauen müssen versorgt werden. Und die ...

Kraft, eigentlich erfolgreicher Professor in Tübingen, braucht dringend Geld. Seine zweite Ehe steht kurz vorm endgültigen Scheitern, vier Kinder und zwei (Ex)-Ehefrauen müssen versorgt werden. Und die teure Wohnung ist auch noch nicht abbezahlt. So nimmt er sich in den USA bei seinem ehemals besten Freund Ivan zwei Wochen Auszeit, um sich auf eine Preisfrage vorzubereiten, die als Gewinn eine Million Dollar bietet. Doch eine mögliche Antwort fällt ihm deutlich schwerer als er es sich vorgestellt hat.
Während sich Kraft in der Gegenwart mühsam mit der Beantwortung der Frage 'Why whatever is, is right und why we still can improve ist?' abmüht, wird parallel dazu sein Leben geschildert, das sich hauptsächlich an 'seinen' Frauen ausrichtete. Kraft ist ein Schwafler sondergleichen, was sich in seinem Berufsleben bislang eher positiv auswirkte, in seinem Privatleben hingegen verheerend. Obwohl in Wissenschaftskreisen seine Person hochgeschätzt wurde und wird, bleiben im Rückblick (so erschien es mir nach der Beendigung des Romans) in erster Linie für sein Leben seine Beziehungen bestimmend, die durchweg nicht glücklich endeten - seine Schwafelei hatte vermutlich keinen kleinen Anteil daran.
Der gesamte Roman ist in einem solch schwafelnden Tonfall geschrieben, wobei er durchaus mit einer Menge Ironie versehen ist wie in diesem Textauszug, als Kraft den Stanfordcampus durchquert, während dort ein Attentäter unterwegs sein soll:
"Andererseits, so rechnet er (Kraft) sich aus, wird er, wenn alles gut geht, den Schuss gar nicht mehr hören. Kraft versteht zwar nichts von Ballistik, aber er ist sich doch sicher, dass die Kugel schneller sein wird als der Schall ... Überlegungen dieser Art anstellend, gelangt er zum Shopping Center, um etwas enttäuscht festzustellen, dass dort reger Betrieb herrscht und der Alarm für diese Gegend nicht gilt … Allerdings so muss er zugeben, wäre es für seine Biographie kein besonders würdiger Schlusspunkt, zwischen Victorias Secret und einem Dunkin' Donut zu verbluten, zumindest wesentlich unpassender als der Tod auf einem Universitätscampus."
Doch irgendwann nutzt sich dieser Tonfall ab und die endlos langen Schachtelsätze (teilweise deutlich länger als eine Seite) wirkten trotz aller Ironie und Spott nur noch ermüdend. Schade, denn dem Autor gelingt es ohne jede Gehässigkeit zu zeigen, dass nicht hinter jedem erfolgreichen Start-up und Jungmillionär auch ein großer Geist steckt. Selbst in Silicon Valley findet sich jede Menge hohles Geschwätz und Geschwafel.

Veröffentlicht am 14.02.2018

Tolle Sprache mit einer eher lauen Geschichte

Apollokalypse
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Eines ist auf jeden Fall sicher: Gerhard Falkner ist ein Sprachkünstler. Egal, wo man das Buch aufschlägt, auf fast jeder Seite findet man Sätze oder Beschreibungen, die es wert wären, im Gedächtnis zu ...

Eines ist auf jeden Fall sicher: Gerhard Falkner ist ein Sprachkünstler. Egal, wo man das Buch aufschlägt, auf fast jeder Seite findet man Sätze oder Beschreibungen, die es wert wären, im Gedächtnis zu bleiben (leider sind es einfach zu viele). Zum Beispiel: 'Freundschaft ist ein autochthones Relikt. Geht zurück auf ein Bündnis von Dorfbewohnern. Sie wird von der Mobilität zusammen mit allen anderen hemmenden Werten gerade in großem Umfang entsorgt.' Oder 'Seine überspannten Nerven, das leicht aus dem Ruder geratene Feuern seiner rund hundert Milliarden Neuronen mit ihren bis zu tausend Spikes pro Sekunde, spiegelten exakt die nervösen Energien und die schizoaktiven Schübe einer Stadt (Berlin) wider, die zwischen Wiedervereinigungstaumel, historischer Verstörung, symbolischer Demütigung und Hauptstadtrausch einen genauso durchgedrehten Moment erlebte wie er selbst.' Doch ob der Autor auch ein guter Geschichtenerzähler ist? Hm, tja, ich finde da gibt es Bessere, deutlich Bessere.
Denn die Geschichte um Georg Autenrieths Leben und das seiner FreundInnen in den 80er und 90ern ist zwar schön schräg und durchgeknallt, aber manchmal doch so sehr, dass ich nicht mehr recht wusste, was jetzt eigentlich Sache ist. Georg, die Hauptfigur, hat einen Doppelgänger oder auch nicht, ist in irgendeiner Form kriminell - oder auch nicht. Und scheint selbst nicht so richtig zu wissen, was jetzt ist oder nicht. Besser folgen kann man dem Leben seiner verschiedenen FreundInnen, die aus unterschiedlichen Milieus stammen. Es gibt eine gewisse chronologische Reihenfolge, die jedoch wiederholt unterbrochen wird von Rückblenden, Erinnerungen, Träumen, Phantasien usw. So entsteht immer wieder der Eindruck, es handle sich eher um ein Sammelsurium von Geschichten, als um den Lebensbericht des Georg Autenrieth.
Dennoch werde ich mir den Autor merken und mir auch sein zweites Buch anschauen. Denn seine Sprache ist faszinierend, hat Witz und fordert zum Mitdenken auf. Nicht das Schlechteste, was man von einem Schriftsteller sagen kann. Und wenn er dann irgendwann auch noch eine gute Geschichte erzählet ...