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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.08.2018

Intensiv

Die Farbe von Milch
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Die junge Mary schreibt einen entscheidenden Teil ihrer Lebensgeschichte auf, denn eigenhändiges Schreiben ist eine Besonderheit für sie. Im Jahre 1830 lebt sie mit ihrer Familie auf dem Bauernhof ihres ...

Die junge Mary schreibt einen entscheidenden Teil ihrer Lebensgeschichte auf, denn eigenhändiges Schreiben ist eine Besonderheit für sie. Im Jahre 1830 lebt sie mit ihrer Familie auf dem Bauernhof ihres Vaters und muss täglich schwer arbeiten. Der Umgangston ist rau und jede Art von Faulheit wird streng bestraft. Das ist Marys alltägliches Leben, bis die Frau des Dorfpfarrers krank wird und Mary sich um sie kümmern muss.Fort von ihrer Familie und in fremder Umgebung muss sie ihren Platz finden und macht einige Erfahrungen, die ihr Leben für immer verändern werden...

Der Titel sowie das Cover sind schlicht gehalten und verraten kaum etwas über den Inhalt, was das Buch interessanter und geheimnisvoller gestaltet und viel Freiraum für Spekulationen lässt. Die Bedeutung klärt sich im Laufe der Geschichte und passt, wie ich finde, gut zum Inhalt.

Besonders positiv hervorheben möchte ich den Schreibstil, der zwar einfach gehalten ist, mit wenigen Satzzeichen auskommt und keine typische Trennung von gesprochener und erzählter Sprache hat, dadurch allerdings eine eigenen Charme entwickelt. Auch einige Wiederholungen von einzelnen Wörtern bis zu ganzen Sätzen unterstreichen die Eindringlichkeit gewisser Aussagen und heben die Bedeutungsschwere hervor. Mary ist ein toller Charakter. Zwar genießt sie kaum Bildung, aber sie ist so erfrischend ehrlich und aufrichtig, dass ich sie sofort ins Herz geschlossen habe. Durch ihre offene Art manövriert sie sich oft in Schwierigkeiten, aber sie hat die Stärke sich damit zu arrangieren. Ich schätze ihre authentische Art und finde sie großartig. Neben Mary fand ich die Pfarrersfrau auch sympathisch, da sie durch Weisheit und einer gewissen Charakterstärke gefestigt und warmherzig erscheint und das tolle Wesen in Mary erkennt.

Die Handlung zieht sich gerade in der ersten Hälfte und war eher mäßig bis kaum spannend. Teilweise wiederholen sich die Handlungen und wirken dadurch langweilig. So richtig fesseln konnte mich die Geschichte erst ab der Hälfte des Buches und ganz besonders gegen Ende. Von den unerwarteten Ereignissen war ich total überrascht und schockiert. Das kommt so plötzlich und der Umgang Marys mit den Konsequenzen beweist mal wieder wie charakterstark und beständig so ist. Wow, einfach nur wow. Ein perfekter Abschluss, der mich vollkommen überzeugen und verblüffen konnte.

Ein intensiver Roman mit einer gewissen Schwere und einer Handlung, die nachhallen wird und so schnell nicht in Vergessenheit gerät. Absolut empfehlenswert, wenngleich die Ereignisse wenig Spannung aufkommen lassen.

Veröffentlicht am 29.07.2018

Was verbirgt sich hinter der Perfektion?

Die Perfekten
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Rain ist ein "Ghost" eine außerhalb des Systems Lebende, die offiziell nicht existiert und nicht existieren darf. Trotz aller mahnenden Worte ihrer Mutter, freundet sie sich mit dem Jungen Lark an und ...

Rain ist ein "Ghost" eine außerhalb des Systems Lebende, die offiziell nicht existiert und nicht existieren darf. Trotz aller mahnenden Worte ihrer Mutter, freundet sie sich mit dem Jungen Lark an und vertraut ihm einiges an. Kurz darauf findet eine Razzia in ihrem Zuhause statt, in der ihre Mutter gefangen genommen wird und hingerichtet werden soll. Mit viel Fantasie und beeindruckendem Mut stellt sie sich ihnen in den Weg und gerät dabei selbst in Gefangenschaft. Ihr wird ein Anwalt an die Seite gestellt, der alles versucht um ihr Leben zu retten. Dabei findet sie unglaubliches über sich und die Gesegneten heraus, die das Land regieren und als perfekt und vollkommen gelten. Doch die Ignoranz der Regenten fordert ihren Tribut und nicht nur von außen droht Gefahr, sondern auch aus dem Kreis der Vertrauten...

Man lernt die dystopische Welt mit all ihren Überwachungen, Regeln und strengen Kontrollen gut kennen und auch Rains Position wird authentisch und spannend geschildert. Durch die verschiedenen Perspektivwechsel, erzählt aus Larks und Rains Sicht, entsteht ein klares und umfassendes Bild der Gesellschaft und ihrer Werte. Dabei geraten die beiden ständig in moralische Dilemmata und müssen sich zwischen zwei Optionen entscheiden, die negative Konsequenzen nach sich ziehen. Dadurch verschwimmen die Grenzen zwischen "gut" und "böse", zwischen "richtig" und "falsch". was mir persönlich extrem gut gefallen hat, da so aufregende, unvorhersehbare und nervenaufreibende Handlungen und Geschehnisse entstehen, deren Konsequenzen nicht absehbar erscheinen. Die Offenbarung rund um Rains Herkunft war ein überraschender Schock für mich und kam total unerwartet. Die daraufhin entstehende Entwicklung von Rain wirkte auf mich zu naiv, zu angepasst und verräterisch, da sie sich einfach in ihre Schicksal fügt. Da hat mir die rebellische Seite gefehlt, was dem Ganzen ein bisschen die Grundlage entzogen hat. Durch die Aufständischen und unzufriedenen Bürger, gemischt mit den im Untergrund lebenden Rebellen, ergibt sich eine hoch explosive Mischung, die nicht nur Rain sondern auch der vom Schicksal gebeutelte Lark zu spüren bekommt und zwar gleichzeitig von zwei Seiten. Zwischendurch zieht sich die Geschichte etwas, was mich allerdings nicht getört hat. Dann geht es rasant weiter und der Krieg scheint nah zu sein. Der Verräter in der Mitte von Rains Gefolgschaft hat mich total überrumpelt und hat dem Ganzen die Krone aufgesetzt. Ich will unbedingt erfahren wie Lark und Rains sich in dieser vollkommen aus den Fugen geratenen Welt zurechtfinden und wie sie der auf sie zurasenden Katastrophe gegensteuern wollen.

Tiefgründige, nervenaufreibende Dystopie mit einer charakterlich schwankenden Protagonisten und einem unglaublichen Geheimnis, inmitten eines Kampfes zwischen Regierung und Rebellen.

Veröffentlicht am 29.07.2018

Ständiges Hin und Her

Dirty Love: Ich will dir gehören!
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Die aus einfachen Verhältnissen stammende Sabrina beginnt ihr Wirtschaftsstudium in Harvard, welches sie sich unter all den Reichen nur mit einem Stipendium leisten kann. Prompt verguckt sie sich in einen ...

Die aus einfachen Verhältnissen stammende Sabrina beginnt ihr Wirtschaftsstudium in Harvard, welches sie sich unter all den Reichen nur mit einem Stipendium leisten kann. Prompt verguckt sie sich in einen gut aussehenden Kommilitonen und schleicht sich auf eine Party um ihm näher zu kommen. Dabei gerät sie in eine bedrängende Situation und wird von dem geheimnisvollen Wirtschaftsassistenten Donovan gerettet, auf den sie eine Art Fixierung entwickelt. Kurz darauf schlägt das Schicksal zu und durch unglückliche Umstände verläuft Sabrinas weiterer Werdegang doch ganz anders als erwartet. Einige Jahre später trifft sie mehr oder weniger zufällig auf ihren ehemaligen Schwarm und Donovan, der in ihr immer noch dieses leidenschaftliche Verlangen auslöst. Doch begibt sie sich auf gefährliches Terrain...

Man lernt die erst 17-jährige kluge und naive Sabrina kennen, die sich erst noch in der Uni zurecht finden muss und dabei als Spielball der Reichen und Mächtigen genutzt wird. Donovan wirkt undurchschaubar und lässt einige verwirrende Bemerkungen fallen, die man nicht einordnen kann. Einerseits wirkt er sehr subtil in seinem Verhalten und zurückhaltend. Andererseits nutzt er Sabrinas Zweifel und ihre Naivität aus, auch wenn alles auf freiwilliger Basis stattfindet. Nach dem Zeitsprung wirkt Sabrina gefestigter und unabhängiger. Doch der Schein trügt, denn in ihr schlummern immer noch gewisse Wünsche, die Donovan betreffen und es kommt wie es kommen muss. Zwischen ihr und ihm entwickelt sich eine verkorkste Art von Beziehung. Einerseits will Donovan nichts Tieferes mit ihr eingehen, aber andererseits macht er gewisse Anmerkungen, verhält sich widersprüchlich und tut einiges, was nur einen Schluss zulässt. Es ist ein ewiges Hin und Her und Sabrina kommt dabei leider zu schaden, auch weil sie sich nicht von ihm zu lösen mag. Obwohl Donovan sehr dominant, macht-versessen und manipulativ erscheint, konnte ich Sympathie für ihn aufbringen, die allerdings bis zum Ende hin abnahm, sodass ich ihn zumindest noch okay fand. Das Ende ist ziemlich offen gehalten und scheint wieder einen Spalt zwischen beiden entstehen zu lassen, was allerdings nichts bedeuten muss, denn Sabrinas unheimliche wie eindeutige Entdeckung wendet das Blatt noch. Insgesamt zwar ein ziemliches Hin und Her, dennoch konnte ich der Geschichte was abgewinnen und fand sie insgesamt unterhaltsam, sexy und undurchschaubar

Veröffentlicht am 21.07.2018

Geniales Debüt!

Der Alphabetmörder (Ein Grall-und-Wyler-Thriller 1)
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Alles beginnt mit der Mordserie, bei denen den Opfern Buchstaben des Alphabets auf den Körper tätowiert werden. Ab und zu liegen den Opfern kleine Zettelchen mit Zitaten bei, die aus bekannten und berühmten ...

Alles beginnt mit der Mordserie, bei denen den Opfern Buchstaben des Alphabets auf den Körper tätowiert werden. Ab und zu liegen den Opfern kleine Zettelchen mit Zitaten bei, die aus bekannten und berühmten Werken stammen.Um diese auffälligen und ungewöhnlichen Morde zu stoppen werden Jan Grall und Rabea Wyler vom LKA hinzugezogen. Schnell wird klar, dass Literatur bzw. Sprache/Buchstaben eine elementare Rolle bezüglich der Intention des Täters spielen.Aus diesem Grund werden Parallelen zwischen den Opfer und dem Täter gesucht mit Hinblick auf den Literaturbetrieb. Bei der Suche wird Jan auf unangenehme Weise mit seiner Vergangenheit konfrontiert...

Die Geschichte wird aus den beiden Perspektiven der Ermittler erzählt und aus der Sicht eines Opfer, nämlich der Frau mit dem Buchstaben G, was mir sehr gut gefallen hat, da es die Komplexität der Ereignisse erhöht und authentischer gestaltet. Dadurch entstehen auch kleine Cliffhanger zwischen den Kapiteln, die Spannung aufkommen lassen und den Leser grübelnd zurücklassen, sodass man nicht mehr aufhören möchte zu lesen um so schnell wie möglich zu erfahren was es mit gewissen Informationen auf sich hat. Die beiden Ermittler waren mir sympathisch und kamen authentisch und ehrlich rüber. Spannend wurde es insbesondere bei Jan, dessen Vergangenheit einen dunklen Schatten über sich trägt. Die Ermittlungen konnten mich total überzeugend und begeistern, da sie nicht zu vorhersehbar waren, wenngleich einige Zusammenhänge schnell klar wurden. Besonders das Ende hat es in sich und konnte mit einer überraschenden Wendung aufwarten und mich total von sich überzeugen. Eine klare Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 19.07.2018

Tolle Familiensaga!

Die Jahre der Leichtigkeit
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Diese fünfteilige Familiensaga handelt von einer Familie, deren Geschichte über zwei Jahrzehnte erzählt wird, dabei drei Generationen erfasst und von vier Geschwistern handelt, die für eine Menge Furore ...

Diese fünfteilige Familiensaga handelt von einer Familie, deren Geschichte über zwei Jahrzehnte erzählt wird, dabei drei Generationen erfasst und von vier Geschwistern handelt, die für eine Menge Furore sorgen werden. Auf ihrem Anwesen in Sussex trifft sich die gesamte Familie ein Mal im Jahr um ihren Urlaub zu verbringen, dabei geschehen einige spannende und interessante Ereignisse. Im ersten Band der Reihe werden die Geschehnisse aus dem Jahre 1937 geschildert, die ungefähr ein Jahr andauern. In den folgenden Bänden werden demnach die anderen Jahre beschrieben.

Der Schreibstil lässt sich flüssig lesen ohne dass man sich unangenehm daran aufhängt oder stößt. Durch die Thematik wird diese Unbeschwertheit etwas durchbrochen, da durchaus ernstere Themen angesprochen und behandelt werden. Am undurchsichtigsten fand ich die Vielzahl an Protagonisten, die auftauchen und das Folgen der Geschichte erschweren. Um dies zu vereinfachen kann man sich allerdings den Stammbaum am Anfang des Buches anschauen um so die Beziehungen besser durchschauen zu können. Dennoch waren die Charaktere gut ausgearbeitet und jeder hatte seine eigene, ganz individuelle Geschichte, die ihn von den anderen unterscheidet und dadurch authentisch erscheinen lässt. Insgesamt eine vielschichtige, interessante Familiengeschichte die durchaus Lust auf mehr macht.