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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.08.2018

Ein hochprozentiger Krimi - slainté!

Whisky mit Mord
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Die erfolgreiche Fotojournalistin Abigail Logan erbt von ihrem Onkel Ben, der sie nach dem Unfalltod ihrer Eltern als Kind, wie eine eigene Tochter aufgezogen hat, eine Whisky-Destillerie in Balfour, Schottland. ...

Die erfolgreiche Fotojournalistin Abigail Logan erbt von ihrem Onkel Ben, der sie nach dem Unfalltod ihrer Eltern als Kind, wie eine eigene Tochter aufgezogen hat, eine Whisky-Destillerie in Balfour, Schottland. Noch bevor sie ihr Erbe in Besitz nehmen kann, erhält sie Drohbriefe. Kaum angekommen, kommt es zu Sabotageakten in der Destillerie. Jedermann ist verdächtig: Die eingeschworene Whiskybrenner-Clique duldet keine Frauen in ihren Reihen. Und dann gibt es auch schon den ersten Toten. Duff Morgan, ein Helfer der Destillerie, wird im Gärbottich liegend aufgefunden. Und, er wird nicht der letzte Tote sein.

Will einer der Kaufinteressenten den Kaufpreis von „Abbey Glen“ drücken? Je mehr sie über die Brennerei und die Menschen erfährt, desto klarer wird, was sie tun wird.

Abi vertraut außer ihrem Kollegen und Whisky-Kenner Patrick niemandem. Abi hat eine recht interessante Eigenschaft: Sie kann mit drei Eigenschaftswörtern, die ihr in den Sinn kommen, wenn sie die Person das erste Mal sieht, charakterisieren. Doch diesmal lässt sie diese Gabe beinahe im Stich.

Meine Meinung:

Da ich selbst gerne Whisky trinke, habe ich mich hier gut unterhalten gefühlt. Mir kommt auch nur ein Single Malt ins Glas! So ganz nebenbei wird der Leser in die Kunst des Whisky-Brennens eingeführt. Besonders gut hat mir Nell Ferguson gefallen. Eine alte Dame, die viele Geschichten rund ums Whisky-Brennen weiß. Unter anderem auch einiges übers Schwarzbrennen in der Kriegszeit, in der die Männer an der Front und die Frauen auf sich alleine gestellt waren.

Dass der Name „Abbey Glen“ nichts mit einer Abtei (abbey) sondern ihr, Abigail, zu Ehren benannt ist, habe ich recht schnell herausgefunden. Dem Täter bin ich erst ein wenig später auf die Spur gekommen. Ich hatte, aufgrund der vielen Verdächtigen und falschen Fährten, jemanden anders auf dem Radar.

Die Charaktere sind recht gut beschrieben. Die, Fremden gegenüber, sehr reserviert agierenden Schotten brillieren durch manche kauzigen Aussagen. Eine interessante Figur ist auch Hunter, der ein ungewöhnliches Exemplar der Schotten ist: Hunter ist recht redselig und versorgt Abi mit allerlei Informationen.

Sowohl Wheaten Terrier Liam als auch der bezaubernden Landschaft kommt eine tragende Rolle zu. Das Lokalkolorit lässt Urlaubsfeeling aufkommen. Man bäckt Scones und Abi liebt die Schokolade aus Floss Robinsons Laden.

Das kleine Manko, dass manchmal die Hilfsverben „haben und „sein“ zu häufig eingesetzt werden, ist vermutlich der Übersetzung geschuldet.

Fazit:

Ein schwungvoller Krimi, der den Lesern die Whisky-Herstellung einfach näherbringt. Slainté!

Veröffentlicht am 08.08.2018

Ein fesselnder Krimi aus der Nachkriegszeit

Vergessene Seelen
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Frank Goldammer entführt uns in seinem dritten Fall für Max Heller in das Jahr 1948, genauer gesagt in den brütend heißen Sommer Dresdens. Er wirkt, ob der Temperaturen, der Mangelernährung und der vielen ...

Frank Goldammer entführt uns in seinem dritten Fall für Max Heller in das Jahr 1948, genauer gesagt in den brütend heißen Sommer Dresdens. Er wirkt, ob der Temperaturen, der Mangelernährung und der vielen kleineren und größeren Gaunereien, denen die Polizei nachgehen muss, die aber häufig ergebnislos enden, erschöpft. Dazu kommen noch seine persönlichen Dämonen, von denen er beinahe jede Nacht geplagt wird. Einziger Lichtblick ist die Anwesenheit von Annie, jenem kleinen Mädchen, das er im Vorgängerband „Tausend Teufel“ bei den „Heidenkindern“ aufgelesen hat und das nun als Pflegekind bei ihm und seiner Frau Karin lebt.
Gerüchte über eine Währungsreform in der Trizone machen die Runde und Sohn Erwin, der im Westen Deutschlands geblieben ist, schickt Lebensmittelpakete in denen Münzen der Reichsmark versteckt sind. In dieser aufgeheizten Stimmung muss sich Heller mit einem augenscheinlichen Arbeitsunfall bei der Bahn, einem in einem Schacht Ertrunkenen und einem toten Kind herumschlagen. Bei allen drei Toten ist Fremdverschulden nicht ganz auszuschließen.
Seine Ermittlungen führen ihn in die Schule des toten Jungen, in der mehr Fragen offen bleiben als beantwortet werden. Auch die Eltern des Kindes reagieren äußerst seltsam. Der als gewalttätig bekannte Vater gerät ins Visier von Heller, zumal nicht nur das tote Kind Misshandlungsspuren aufweist.

Während Max Heller akribisch versucht gegen die Mauern des Schweigens anzukämpfen, eröffnet sich eine neue Front: Klaus, sein und Karins zweiter Sohn, scheint in der russischen Kriegsgefangenschaft einer Umerziehung ausgesetzt gewesen zu sein und hat den Terror des Nazi-Regimes gegen das Unrecht des Kommunismus getauscht. In seiner Funktion als Mitglied einer politischen Polizei, kreuzt er immer wieder die Wege seines Vaters und torpediert dessen Ermittlungen.

Max Heller selbst hat es Zeit seines Lebens vermeiden können, irgendeiner Partei beizutreten, auch wenn ihm das den einen oder anderen Vorteil brächte. Den neuen Machthabern steht er genauso kritisch gegenüber wie den alten. Immer wieder stößt er auf Nazis, die ihr Gedankengut weiterpflegen. „Viele glaubten den Berichten über die Gräuel der Nazis nicht und hielten das für Russenpropaganda. Dabei waren sie bereit gewesen, der Nazipropaganda bis in den Untergang zu folgen.“

Meine Meinung:

Autor Frank Goldammer ist es wieder gelungen, ein authentisches Abbild der damaligen Zeit zu erschaffen. Die Leser können die angespannte Lage, die Gerüchte über die Währungsreform, die mangelhafte Versorgung mit Gütern des täglichen Lebens und die gefährliche politische Situation gut darstellen. Wie schon in der Nazi-Zeit blüht das Denunziantentum. Wieder werden Leute aufgrund von Gerüchten verhaftet und manche von ihnen verschwinden auf immer. Der Autor lässt uns an Max Hellers Gedanken hierzu teilhaben.

Die Ermittlungen gestalten sich als schwierig, was auch den Interventionen Klaus‘ zu verdanken ist. Doch max Heller geht unbeirrt seinen Weg. Sein Bauchgefühl bringt ihn allerdings wiederholt in gefährliche Situationen. Der Showdown ist äußerst fesselnd. Die überraschende Auflösung zeigt, dass grundsätzlich mit allem gerechnet werden muss.

Frank Goldammer legt großes Augenmerk auf die Charaktere seiner Figuren. Sie sind niemals nur gut oder nur böse. Selbst der so scheinbar integre Max Heller hat seine dunklen Seiten. Gut, die quälen ihn ja schon seit dem ersten Band („Der Angstmann“). Doch nun werden Teile davon offen gelegt. Ich bin schon auf die Weiterentwicklung der Protagonisten gespannt. Band vier („Der rote Rabe“) erscheint im Dezember und wird vermutlich den Riss, der wegen der unterschiedlichen Söhne durch die Familie geht, näher beleuchten. Ob Max und Karin in den Westen gehen werden? Noch ist ja die Möglichkeit.


Fazit:

Sprachlich wie dramaturgisch ist Frank Goldammer wieder ein fesselnder Krimi gelungen, der die damalige Zeit quasi in 3D wiederauferstehen lässt. Gerne gebe ich 5 Sterne und eine Leseempfehlung für die ganze Reihe.

Veröffentlicht am 07.08.2018

Ein Krimi mit Urlaubsfeeling

Der Kommissar und das Rätsel von Biscarrosse
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In seinem 8. Fall als externer Ermittler ist Philippe Lagarde persönlich betroffen, sind doch die Mordopfer sein ehemaliger Chef Bertrand Delcroix und seine Frau Madelaine heimtückisch ermordet worden. ...

In seinem 8. Fall als externer Ermittler ist Philippe Lagarde persönlich betroffen, sind doch die Mordopfer sein ehemaliger Chef Bertrand Delcroix und seine Frau Madelaine heimtückisch ermordet worden. Nachdem Delcroix Leiter einer Sonderheit war und über einige heikle Fälle Bescheid wusste, wird Lagarde vom Innenminister als Team-Leiter bestellt. Ähnlich wie in den vorhergehenden Kriminalfällen herrscht in dem Ermittlerteam ein gutes Zusammengehörigkeitsgefühl. Das hebt diese Krimi-Serie wohltuend von manch anderer Reihe ab, wo es häufig Kompetenzgerangel zwischen Gendarmerie und Kriminalpolizei gibt.
Als Lagarde den Rohentwurf von Bertrands Memoiren findet, wird zuerst einmal in diese Richtung ermittelt. Dann aber scheint die Fassade der heilen Familie ein wenig zu bröckeln. Bertrands Ex-Frau und deren Sohn, Madelaines Bruder und vor allem die, wegen jugendlicher Schizophrenie in einer Betreuungseinrichtung lebende, Tochter der Mordopfer kommen als Täter in Frage. Die Ermittler sind auf die Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen, die nach und nach eintreffen und leider, trotz vielversprechenden Anfangs ein wenig später in einer Sackgasse enden.
Meine Meinung:
Wie es seit einiger Zeit für Frankreich-Krimis üblich ist, wird neben der knochentrockenen Ermittlungsarbeit geschlemmt. Dem Leser läuft ob der kulinarischen Köstlichkeit oft das Wasser im Mund zusammen. Allerdings sind mir die detaillierten Beschreibungen der einzelnen Weine inkl. Jahrgang und Riede fast zu viel geworden. Wer kann sich das merken und vor allem, die teuren Weine leisten?
Die Charaktere sind sehr gut herausgearbeitet. Lagarde beweist Führungskompetenz und kann auch mit einem ihm unbekannten Team gute Arbeit leisten. Er wirkt trotz seiner offensichtlichen Bekanntheit nicht arrogant (Das erledigt der Pathologe mit dem klingenden Namen Fouché.).
Fazit:
Ein fesselnder Normandie-Krimi, der Urlaubsfeeling aufkommen lässt. Gerne gebe ich 5 Sterne.

Veröffentlicht am 05.08.2018

Wie ein örtliches Ereignis eine globale Krise auslöste

Tambora und das Jahr ohne Sommer
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Gleich vorweg, wer sich ein Buch über Vulkane im Allgemeinen und den Tambora sowie dessen Ausbruch im Detail erwartet, ist hier nicht richtig.

Wolfgang Behringer untersucht die globalen Zusammenhänge ...

Gleich vorweg, wer sich ein Buch über Vulkane im Allgemeinen und den Tambora sowie dessen Ausbruch im Detail erwartet, ist hier nicht richtig.

Wolfgang Behringer untersucht die globalen Zusammenhänge zwischen dem Ausbruch des Vulkans und der anschließenden Klimaveränderung. In sieben Kapiteln (inkl. Einleitung und Epilog) versucht der Autor die Auswirkungen darzustellen.
Während es einige Publikationen über die Folgen des Ausbruchs des Krakataus gibt, ist der des Tamboras am 10. April 1815 nahezu unbemerkt.

Woran das liegen mag? An der fehlenden Kommunikation? Vom Ausbruch des Krakatau 1883 wird alle Welt durch Telegrafen recht bald wissen. Soweit ist man 1815 noch nicht. Vermutlich auch daran, dass Europa nach rund 20 Jahren der Napoleonischen Kriege ausgeblutet (im wahrsten Sinne des Wortes) darnieder liegt und wenig Interesse an Katastrophen hat, die in Indonesien stattfinden. Dennoch sind in den darauffolgenden Jahren Europa und Amerika sowohl direkt als auch indirekt betroffen.

Das Jahr 1816 geht als „Jahr ohne Sommer“ in die Geschichte ein. Die Aschewolke und die Schwefeldioxid-Emissionen verfinstern die Sonne und sorgen für eine Mini-Eiszeit. Die darauffolgenden Missernten und Nahrungsmittelknappheit lassen Millionen Menschen verhungern bzw. an Seuchen sterben. Denn vielerorts betriebene Spekulationen lassen die Preise für Getreide ins astronomische steigen. In vielen europäischen Ländern versagen die Regierungen. Es kommt zu Hungerrevolten und Pogromen an Juden, die man für die Krise verantwortlich macht.
Abertausende Menschen verlassen die Hungergebiete Europas und hoffen in Amerika Wohlstand und einen neuen Anfang zu finden, nicht wissend, dass auch hier das Klima gestört ist.

Der Autor hat einige beeindruckende Auswanderungsstatistiken ausfindig gemacht. Man sieht, dass sich einige deutsche Familie auch in die Ukraine aufmachten, um dort einen Neustart zu wagen. Das wird dann Jahrzehnte später wieder Auswirkungen haben.

Soziales Denken ist nicht Sache der Herrscher. Das ist zu jener Zeit Aufgabe von privaten und/oder kirchlichen Organisationen. Wohlhabende Bürger spenden Geld oder kaufen Nahrungsmittel, die sie an die Notleidenden abgeben.
Die Jahre nach der Katastrophe sind auch eine Zeit der Erfindungen und der kulturellen Blüte. So schreibt Mary Shelley im Angesicht des trüben Wetters 1818 ihren „Frankenstein“. William S. Turner malt seine unnachahmlichen Bilder. Die Vulkanologie und die Meteorologie werden eigenständige Wissenschaften. Es werden Dampfschiffe und Straßen gebaut, die Draisine wird belächelt und Flüsse werden begradigt. Warum dieses? Auf Grund des Endes der kleinen Eiszeit schmelzen die vorher stark gewachsenen Gletscher wieder ab und verursachen weiträumige Überschwemmungen. Um das Wasser schneller abzuleiten, wird u.a. der Rhein wird begradigt und schiffbar gemacht. Seine Sumpfgebiete werden trockengelegt. Dabei wird nicht nur Fläche für die Landwirtschaft gewonnen, sondern gleichzeitig die Malaria ausgerottet. Ein toller Fortschritt, oder? Inzwischen weiß man, dass die Begradigung von Flüssen doch keine so gute Idee war und baut wieder zurück.

Der Autor wirft einen Blick nach Amerika und nach Asien, die beides, wenn auch unterschiedlich von der Klimakatastrophe betroffen waren.

Abschließend möchte ich aus Gillen D’Arcy-Woods Buch „Vulkanwinter“ zitieren:
„Der Fall Tambora steht für die sensible Abhängigkeit des Menschen und seiner Gesellschaft vom Klima.“

Dem ist wohl wenig hinzuzufügen.

Fazit:

Ein sehr interessantes Buch, das sich mit den globalen Auswirkungen einer örtlichen Katastrophe beschäftigt. Dafür gebe ich gerne 5 Sterne.

Veröffentlicht am 05.08.2018

Komplexe Vorgänge im Gehirn gut dargestellt

Brainwashed
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Das vorliegende Buch ist das Ergebnis von zahlreichen Recherchen zu einem anderen Buch des Autors („Die bittere Wahrheit über Zucker“).

Robert H. Lustig, Kinderarzt und auf die Behandlung fettleibiger ...

Das vorliegende Buch ist das Ergebnis von zahlreichen Recherchen zu einem anderen Buch des Autors („Die bittere Wahrheit über Zucker“).

Robert H. Lustig, Kinderarzt und auf die Behandlung fettleibiger Kinder spezialisiert, erklärt auch für Nicht-Mediziner verständlich wie unser Streben nach Glück häufig in Abhängigkeit, Sucht und Depressionen führt. Er versucht das Zusammenspiel von Dopamin und Serotonin im Gehirn darzustellen. Die beiden Stoffe sollten ausgewogen vorhanden sein, um Glück zu empfinden. Je nachdem welcher der beiden Botenstoffe gerade im Überfluss vorhanden ist, gleiten wir Menschen in eine Depression oder ein Suchtverhalten.

Wie diese biochemischen Prozesse von großen Nahrungs- und Genussmittelherstellen bewusst für Produktplatzierung benutzt werden, werden hier aufschlussreich behandelt.
Wie wir uns dagegen wehren können? Patentrezept gibt es dafür keines, aber ein paar mögliche Lösungsansätze.
Ich möchte das mit einem Zitat aus Alexandra Bleyers Buch „Propaganda als Machtinstrument“ untermauern: "Propaganda wirkt nur, solange sie nicht als solche erkannt wird".
Wenn wir um die Mechanismen des Zusammenspiels der Botenstoffe wissen, können wir uns leichter den Angriffen der Konzerne entgegenstellen.
Fazit:
Ein Buch, das uns die komplexen Vorgänge im Gehirn vernünftig und amüsant erklärt. Gerne gebe ich 5 Sterne.