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Gisel

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.08.2018

Pssst, nicht weitersagen...

Guten Morgen, Genosse Elefant
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Der zwölfjährige Juri lebt allein mit seinem Vater, der als Tierarzt die Tiere im Moskauer Zoo betreut. Da wird dieser überraschend zu einem „Elefanten“ gerufen, der sich als großes Tier in der Partei ...

Der zwölfjährige Juri lebt allein mit seinem Vater, der als Tierarzt die Tiere im Moskauer Zoo betreut. Da wird dieser überraschend zu einem „Elefanten“ gerufen, der sich als großes Tier in der Partei erweist. Der Vater soll Juri als Vorkoster des großen Stählernen dalassen. Juri ist nach einem Unfall äußerlich unversehrt, aber jeder sieht in ihm einen einfältigen Idioten. Und als solcher darf er auch eine ganz unglaubliche Geschichte darüber erzählen, wie er die Zeit verbracht hat auf Stalins Datscha und dabei die größten Geheimnisse erfahren hat von allen dort Anwesenden.

Um Stalin und sein Gefolge gibt es einige Legenden, vor allem um die letzten Tage der Macht und um seinen Tod. Ist es wirklich Stalin, der aufgebahrt daliegt in seinem Mausoleum? Juri weiß es, wie so vieles andere, war er doch hautnah dabei. Durch den Plauderton von Juris Erzählung wirkt alles seltsam komisch über diese turbulenten Tage in der Datscha, im Zentrum der Macht. Und bietet reichlich Stoff für Satire.

Indem der Autor Christopher Wilson seinen Protagonisten Juri als „anders“ erklärt, hat er die Möglichkeit ergriffen, Wahrheiten subtil aussprechen zu lassen, wie es ein Narr nicht besser könnte. Ironie und Sarkasmus können so nicht beleidigen, dafür aber umso mehr andeuten und Verschleiertes aufdecken. Das beherrscht Juri wie kein anderer, es ist eine Wonne, seinen Worten zu folgen. Denn nichts ist wahr und alles ist anders, wenn ihm jemand zu nahe kommen würde. Also pssst, nicht weitererzählen…

Für diese gelungene Satire mit seinem erfrischend naiv-wissenden Protagonisten vergebe ich gerne eine Leseempfehlung und starke vier von fünf Sternen.

Veröffentlicht am 18.08.2018

Die Vergangenheit ruht nicht

Der Alphabetmörder (Ein Grall-und-Wyler-Thriller 1)
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Jan Grall und Rabea Wyler sind als Fallanalytiker zu einem spektakulären Fall gerufen: In Jans Heimatort hat ein Täter bereits mehrere Morde begangen, jeder Tote hatte ein Tattoo mit einem Buchstaben des ...

Jan Grall und Rabea Wyler sind als Fallanalytiker zu einem spektakulären Fall gerufen: In Jans Heimatort hat ein Täter bereits mehrere Morde begangen, jeder Tote hatte ein Tattoo mit einem Buchstaben des Alphabets auf der Haut. Als auf Jans Hotelzimmer ein Z gemalt wird, ist ihm klar, dass dieser Fall etwas mit ihm selbst zu tun hat und dass er sich seiner Vergangenheit stellen muss. Wird er zusammen mit den Kriminalern vor Ort den Täter aufhalten können?

Brutal sind die Morde in diesem Buch, rasant ist der Mörder, der den Ermittlern kaum Zeit lässt um zu erkennen, wie alles zusammenhängt. So kommt schnell ein Gefühl der Eile, der Bedrängnis auf, und der Spannungsbogen wird stetig nach oben getrieben. Die Protagonisten sind gut ausgefeilt, man kann sich sehr gut in sie hineinversetzen, trotz aller Eigenheiten, die jeder von ihnen mitbringt. Schon bald ahnt der Leser, dass Jan ein großes Geheimnis aus seiner Jugend umtreibt und dass dieser Fall eng damit verbunden ist. So wird nach und nach Jans Vergangenheit aufgedeckt, bis zum Schluss die Zusammenhänge klar werden. Dabei legt der Autor manche falsche Fährte, so dass der Leser gefordert ist beim Mitraten. Die Auflösung ist äußerst verblüffend, ich habe sehr lange nicht ahnen können, in welche Richtung die Geschichte gehen wird.

Dieses Buch hat mich schnell fesseln können und ich habe bis zum Schluss mitgefiebert, wie der Fall gelöst werden kann. Dafür gebe ich gern vier von fünf Sternen und empfehle das Buch gerne weiter. Eine Weiterführung dieser Reihe finde ich äußerst spannend.

Veröffentlicht am 08.08.2018

Auf der Suche nach dem Glück

Die Glücksreisenden
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Inge Boysens Feier zu ihrem 80. Geburtstag steht an, den sie gleichzeitig mit ihrer achtzehnjährigen Enkelin Inka feiern möchte. Aber auch Besuch hat sich angekündigt: Der Komet Fortune soll zeitgleich ...

Inge Boysens Feier zu ihrem 80. Geburtstag steht an, den sie gleichzeitig mit ihrer achtzehnjährigen Enkelin Inka feiern möchte. Aber auch Besuch hat sich angekündigt: Der Komet Fortune soll zeitgleich mit dem Fest auf die Erde herabfallen, möglicherweise sogar auf die Insel und mitten auf Haus Tide. Ein Fest sondergleichen scheint sich anzubahnen…

Mit diesem Buch knüpft die Autorin an den Erfolg ihres Buches „Wintergäste“ an, sie spinnt die Geschichte der Familie Boysen weiter. Nun bereiten sich alle Familienmitglieder auf das Fest vor und suchen nach ihrem ganz besonderen Glück, das gar nicht so einfach zu finden scheint. Bald brodelt es wieder in Haus Tide, wenn drei Generationen und viele unterschiedliche Erwartungen aufeinandertreffen. Manche Frage, die bereits im ersten Buch über die Familie angeschnitten wurde, ist immer noch aktuell, andere, neue sind hinzugekommen. Das beinhaltet viele Emotionen sowie manch spannende, aber auch lustige Situation. Mit viel Wortwitz und einer sehr poetischen Sprache lässt die Autorin eine Familiengeschichte entstehen, die ganz viele Facetten ihrer Protagonisten darstellt. Diesmal gibt es auch keinen Cliffhanger am Schluss, der mich beim Vorgänger dieser Erzählung enorm gestört hatte. Dafür einige Wiederholungen, wenn die Geschichte aus verschiedenen Sichtweisen zusammengesponnen wird; da hätte man vielleicht manches straffen können. Sehr schnell aber ist man als Leser in Haus Tide genauso heimisch wie seine ständigen Bewohner und seine Besucher! Und das sogar, wenn man die „Wintergäste“ nicht gelesen hat.

Alles in allem eine wunderbare Geschichte, die mir einige spannende Lesestunden geschenkt hat. Deshalb vergebe ich sehr gerne vier von fünf Sternen und empfehle das Buch unbedingt weiter.

Veröffentlicht am 07.08.2018

Über die Freundschaft

Die Frechen Krabben (Band 1)
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Milli, Lilli, Emma und Lotte sind Freundinnen. Bisher haben sie sich immer auf dem unbenutzten Nachbargrundstück getroffen, doch das ist plötzlich verkauft worden. Zu allem Ärger wohnen dort nun die Zwillinge ...

Milli, Lilli, Emma und Lotte sind Freundinnen. Bisher haben sie sich immer auf dem unbenutzten Nachbargrundstück getroffen, doch das ist plötzlich verkauft worden. Zu allem Ärger wohnen dort nun die Zwillinge Paul und Ben, die können die Mädchen gar nicht leiden. Doch zum Glück können die vier Mädchen sich im Paradies treffen, einem Garten, der einer Kundin von Lillis und Millis Mutter gehört. Dort beginnen die Mädchen mit ihrer Arbeit für das Schulprojekt. Wer wird dabei gewinnen, die Frechen Krabben oder die Jungs?

Eine typische Mädchenclique ist das also, und die Mädchen finden, es ist Zeit, sich einen Namen zu geben. Zunächst sieht es so aus, als wollten sie mit den Jungs gar nichts zu tun haben. Doch auch hier bahnt sich eine Lösung an, und zum Schluss gibt es für alle ein Happy End. Die Mädchen dürfen in diesem Buch Mädchen bleiben, die Jungs dürfen Jungs bleiben, nur den Streit lernen sie beizulegen. Das Ende kam dann ein bisschen schnell, dennoch zeigt das Buch eine Möglichkeit an, wie Grundschulkinder einen aussichtslos erscheinenden Streit beilegen können.

Das Buch lässt sich für etwas geübtere Erstleserinnen gut selbst lesen, die Schrift ist nicht zu klein, und die Illustrationen lockern den Text gut auf. Aber auch zum Vorlesen ist die Geschichte gut geeignet, zeigt sie doch die typischen Fragen von Kindern im Grundschulalter. Vor allem das Thema Freundschaft kommt in diesem Buch groß raus.

Veröffentlicht am 05.08.2018

Spannender zweiter Teil

Totenhaus
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Bestatterin Blum genießt den langersehnten Urlaub mit ihren beiden Kindern, da entdeckt sie in einer Zeitschrift ein Bild von einer Ausstellung, das ihre Pläne über den Haufen wirft. Sie bricht den Urlaub ...

Bestatterin Blum genießt den langersehnten Urlaub mit ihren beiden Kindern, da entdeckt sie in einer Zeitschrift ein Bild von einer Ausstellung, das ihre Pläne über den Haufen wirft. Sie bricht den Urlaub ab, um herauszufinden, wer die Frau auf dem Foto ist. Währenddessen stößt die Polizei bei einer Exhumierung auf dem Innsbrucker Friedhof auf Blums großes Geheimnis. Blum bleibt auf der Flucht und findet überraschend Hilfe, doch es scheint, als hätte sie nicht nur Glück dabei… Wird ihr Traum von einem glücklichen Leben mit ihren Kindern überhaupt noch machbar sein?

Nach dem ersten Band „Totenfrau“ kommt mit diesem Buch die Fortsetzung zur Geschichte der Bestatterin Brünhilde Blum. Sehr schnell kommt der Leser in den Lesefluss, die kurzen Kapitel lesen sich schnell und gut weg. Blum wirkt oft gehetzt, schließlich wird ihr Leben gerade wieder völlig auf den Kopf gestellt. Das lässt die Erzählung immer wieder abgehackt erscheinen, als wäre der Leser selbst auf der Flucht. Obwohl ich Blums Verhalten nicht immer nachvollziehen konnte, sind auch diesmal die Sympathien sehr schnell wieder bei ihr. Der Autor Bernhard Aichner spart nicht mit überraschenden Wendungen, immer wieder ist Blum (und mit ihr der Leser) völlig orientierungslos und muss sich in übereilte Handlungen stürzen. Dadurch wird die Spannung konstant hochgehalten, man will wissen, wie es weitergeht.

Insgesamt ist die Atmosphäre in diesem Buch sehr düster gehalten, die Protagonistin wirkt eher getrieben von den Ereignissen. Damit wirkt dieser Band nicht ganz so überzeugend wie der erste Teil, spannend aber ist er allemal.