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Gisel

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.08.2018

Urlaubslektüre

Tausche Kanu gegen Surfboard
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Mara freut sich auf den Urlaub mit ihrer Mutter, doch dann kommt alles ganz anders: Ihre Mutter muss überraschend auf eine Fortbildung, Mara wird auf eine Jugendfreizeit angemeldet. Doch so kurzfristig ...

Mara freut sich auf den Urlaub mit ihrer Mutter, doch dann kommt alles ganz anders: Ihre Mutter muss überraschend auf eine Fortbildung, Mara wird auf eine Jugendfreizeit angemeldet. Doch so kurzfristig ist alles schon ausgebucht, was sie sich gut vorstellen kann, und so landet sie bei einer Kanufreizeit. Und so bricht sie auf in ein Frischluft-Abenteuer, mit gemischten Gefühlen und keinerlei Erfahrung im Kanufahren.

Ganz viele Themen vereint dieser Roman, der Kinder und Jugendliche ab 10 Jahren anspricht: Outdoor-Erlebnisse, Freundschaft, erste Liebesbande, Teamfähigkeit, Zickenkrieg und Mut in die eigenen Fähigkeiten. In flüssigem Schreibstil erlebt der Leserin mit, wie Mara sich notgedrungen auf diese Freizeit einlassen muss, sich dann aber gut darauf einlassen kann und tatsächlich schöne Tage dort erlebt. Dass sich Mara so schnell in diese Planänderung hineinfindet, kommt mir zwar nicht ganz realistisch vor, und auch sonst habe ich immer wieder den pädagogischen Zeigefinger erahnen können. Dennoch denke ich, dass es Mädchen ab 10 Jahren gut anspricht und diese sich auch schnell mit der Protagonistin identifizieren können.

Eine spannende Urlaubslektüre für Mädchen, das ich trotz kleiner Mängel gerne weiter empfehle.

Veröffentlicht am 21.08.2018

Wünsche und Sehnsüchte und die Realität

Kampfsterne
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In einer Siedlung am Rande der Stadt, in den Achtzigerjahren in Deutschland. Hier wird das bürgerliche Leben gelebt, mit Ballett- und Musikunterricht bis hin zum Intelligenztest für die Kinder. Drei Paare ...

In einer Siedlung am Rande der Stadt, in den Achtzigerjahren in Deutschland. Hier wird das bürgerliche Leben gelebt, mit Ballett- und Musikunterricht bis hin zum Intelligenztest für die Kinder. Drei Paare wohnen hier mit ihren Kindern, ihr Leben ist miteinander verflochten. Wie geht es dabei den Eltern, wie geht es den Kindern? Welche Sorgen, welche Ängste, welche Freuden hegen sie?

In dieser Siedlung, die den Traum all der Paare darstellt, mit allem jetzigem Komfort und Wünschen an die Zukunft, suchen die Erwachsenen und die Kinder nach ihrem Glück. Es sollte doch so einfach sein, dies zu realisieren! Trotzdem fühlen sich alle unfrei, suchen nach einer anderen Möglichkeit, ihr Leben zu gestalten. Und inmitten all der Wünsche spürt der Leser all die Sehnsüchte, die sich nicht erfüllen wollten, das Unglück, das sich in dieses heimlich gewollte Glück hineinstiehlt. Die Verlogenheit der Eltern der Kinder gegenüber, die Verlogenheit nach außen gegenüber den anderen. Einfach zu lesen ist das nicht, denn je mehr der Leser in die Tiefe der Geschichte einsteigt, umso tiefer wird auch das Gefühl der Enttäuschung, das sich in dieser Siedlung breitmacht. Jeder der Familienmitglieder bringt abwechselnd seine eigene Sicht der Dinge ein, sowohl die Eltern als auch die Kinder. So entsteht ein Puzzle, aus dem sich der Leser eine ganz übergeordnete Sicht der Dinge anlesen kann. Manches davon ist etwas überspitzt und erzeugt so eine ganz eigene, düstere Atmosphäre über die Heile-Welt-Anschauung der Achtzigerjahre.

Dieses Buch erzeugt zunächst mal ein Nachdenken, man fragt sich: Ja, und jetzt? Spätestens dann laufen die eigenen Gedanken los, man ahnt, dass vieles davon so hätte sein können. Hat nicht jeder eine Leiche im Keller? Diese Familien haben sie allemal, trotz aller Ideale, mit denen sie mal neu gestartet sind in dieser ach so vorbildlichen Siedlung. Und nun kann jeder selbst überlegen, in welche Richtung die eigenen Gedanken spinnen dürfen… Dafür spreche ich gerne eine Leseempfehlung aus und vergebe vier von fünf Sternen.

Veröffentlicht am 18.08.2018

Pssst, nicht weitersagen...

Guten Morgen, Genosse Elefant
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Der zwölfjährige Juri lebt allein mit seinem Vater, der als Tierarzt die Tiere im Moskauer Zoo betreut. Da wird dieser überraschend zu einem „Elefanten“ gerufen, der sich als großes Tier in der Partei ...

Der zwölfjährige Juri lebt allein mit seinem Vater, der als Tierarzt die Tiere im Moskauer Zoo betreut. Da wird dieser überraschend zu einem „Elefanten“ gerufen, der sich als großes Tier in der Partei erweist. Der Vater soll Juri als Vorkoster des großen Stählernen dalassen. Juri ist nach einem Unfall äußerlich unversehrt, aber jeder sieht in ihm einen einfältigen Idioten. Und als solcher darf er auch eine ganz unglaubliche Geschichte darüber erzählen, wie er die Zeit verbracht hat auf Stalins Datscha und dabei die größten Geheimnisse erfahren hat von allen dort Anwesenden.

Um Stalin und sein Gefolge gibt es einige Legenden, vor allem um die letzten Tage der Macht und um seinen Tod. Ist es wirklich Stalin, der aufgebahrt daliegt in seinem Mausoleum? Juri weiß es, wie so vieles andere, war er doch hautnah dabei. Durch den Plauderton von Juris Erzählung wirkt alles seltsam komisch über diese turbulenten Tage in der Datscha, im Zentrum der Macht. Und bietet reichlich Stoff für Satire.

Indem der Autor Christopher Wilson seinen Protagonisten Juri als „anders“ erklärt, hat er die Möglichkeit ergriffen, Wahrheiten subtil aussprechen zu lassen, wie es ein Narr nicht besser könnte. Ironie und Sarkasmus können so nicht beleidigen, dafür aber umso mehr andeuten und Verschleiertes aufdecken. Das beherrscht Juri wie kein anderer, es ist eine Wonne, seinen Worten zu folgen. Denn nichts ist wahr und alles ist anders, wenn ihm jemand zu nahe kommen würde. Also pssst, nicht weitererzählen…

Für diese gelungene Satire mit seinem erfrischend naiv-wissenden Protagonisten vergebe ich gerne eine Leseempfehlung und starke vier von fünf Sternen.

Veröffentlicht am 18.08.2018

Die Vergangenheit ruht nicht

Der Alphabetmörder (Ein Grall-und-Wyler-Thriller 1)
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Jan Grall und Rabea Wyler sind als Fallanalytiker zu einem spektakulären Fall gerufen: In Jans Heimatort hat ein Täter bereits mehrere Morde begangen, jeder Tote hatte ein Tattoo mit einem Buchstaben des ...

Jan Grall und Rabea Wyler sind als Fallanalytiker zu einem spektakulären Fall gerufen: In Jans Heimatort hat ein Täter bereits mehrere Morde begangen, jeder Tote hatte ein Tattoo mit einem Buchstaben des Alphabets auf der Haut. Als auf Jans Hotelzimmer ein Z gemalt wird, ist ihm klar, dass dieser Fall etwas mit ihm selbst zu tun hat und dass er sich seiner Vergangenheit stellen muss. Wird er zusammen mit den Kriminalern vor Ort den Täter aufhalten können?

Brutal sind die Morde in diesem Buch, rasant ist der Mörder, der den Ermittlern kaum Zeit lässt um zu erkennen, wie alles zusammenhängt. So kommt schnell ein Gefühl der Eile, der Bedrängnis auf, und der Spannungsbogen wird stetig nach oben getrieben. Die Protagonisten sind gut ausgefeilt, man kann sich sehr gut in sie hineinversetzen, trotz aller Eigenheiten, die jeder von ihnen mitbringt. Schon bald ahnt der Leser, dass Jan ein großes Geheimnis aus seiner Jugend umtreibt und dass dieser Fall eng damit verbunden ist. So wird nach und nach Jans Vergangenheit aufgedeckt, bis zum Schluss die Zusammenhänge klar werden. Dabei legt der Autor manche falsche Fährte, so dass der Leser gefordert ist beim Mitraten. Die Auflösung ist äußerst verblüffend, ich habe sehr lange nicht ahnen können, in welche Richtung die Geschichte gehen wird.

Dieses Buch hat mich schnell fesseln können und ich habe bis zum Schluss mitgefiebert, wie der Fall gelöst werden kann. Dafür gebe ich gern vier von fünf Sternen und empfehle das Buch gerne weiter. Eine Weiterführung dieser Reihe finde ich äußerst spannend.

Veröffentlicht am 08.08.2018

Auf der Suche nach dem Glück

Die Glücksreisenden
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Inge Boysens Feier zu ihrem 80. Geburtstag steht an, den sie gleichzeitig mit ihrer achtzehnjährigen Enkelin Inka feiern möchte. Aber auch Besuch hat sich angekündigt: Der Komet Fortune soll zeitgleich ...

Inge Boysens Feier zu ihrem 80. Geburtstag steht an, den sie gleichzeitig mit ihrer achtzehnjährigen Enkelin Inka feiern möchte. Aber auch Besuch hat sich angekündigt: Der Komet Fortune soll zeitgleich mit dem Fest auf die Erde herabfallen, möglicherweise sogar auf die Insel und mitten auf Haus Tide. Ein Fest sondergleichen scheint sich anzubahnen…

Mit diesem Buch knüpft die Autorin an den Erfolg ihres Buches „Wintergäste“ an, sie spinnt die Geschichte der Familie Boysen weiter. Nun bereiten sich alle Familienmitglieder auf das Fest vor und suchen nach ihrem ganz besonderen Glück, das gar nicht so einfach zu finden scheint. Bald brodelt es wieder in Haus Tide, wenn drei Generationen und viele unterschiedliche Erwartungen aufeinandertreffen. Manche Frage, die bereits im ersten Buch über die Familie angeschnitten wurde, ist immer noch aktuell, andere, neue sind hinzugekommen. Das beinhaltet viele Emotionen sowie manch spannende, aber auch lustige Situation. Mit viel Wortwitz und einer sehr poetischen Sprache lässt die Autorin eine Familiengeschichte entstehen, die ganz viele Facetten ihrer Protagonisten darstellt. Diesmal gibt es auch keinen Cliffhanger am Schluss, der mich beim Vorgänger dieser Erzählung enorm gestört hatte. Dafür einige Wiederholungen, wenn die Geschichte aus verschiedenen Sichtweisen zusammengesponnen wird; da hätte man vielleicht manches straffen können. Sehr schnell aber ist man als Leser in Haus Tide genauso heimisch wie seine ständigen Bewohner und seine Besucher! Und das sogar, wenn man die „Wintergäste“ nicht gelesen hat.

Alles in allem eine wunderbare Geschichte, die mir einige spannende Lesestunden geschenkt hat. Deshalb vergebe ich sehr gerne vier von fünf Sternen und empfehle das Buch unbedingt weiter.