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Veröffentlicht am 19.08.2018

Interessantes Gedankenexperiment: Frauen als das starke Geschlecht

Die Gabe
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Kurzmeinung:
Ein sehr interessantes Gedankenexperiment. Wie sähe die Welt aus, wenn die Frauen das starke Geschlecht wären? Das Buch ist spannend und lässt sich trotz des Umfanges schnell weglesen. Die ...

Kurzmeinung:
Ein sehr interessantes Gedankenexperiment. Wie sähe die Welt aus, wenn die Frauen das starke Geschlecht wären? Das Buch ist spannend und lässt sich trotz des Umfanges schnell weglesen. Die verschiedenen Perspektiven machen die Geschichte sehr interessant. Allerdings hätte man aus diesem vielversprechenden Ansatz meiner Meinung nach mehr machen können. Da wurde einiges an Potential verschenkt.


Meine Meinung:
Was mich an diesem Buch besonders gereizt hat, ist das Szenario. Frauen, die plötzlich durch "die Gabe" den Männern körperlich überlegen sind und so zum starken Geschlecht werden. Diese "Gabe" wird dabei sehr realistisch und wissenschaftlich beschrieben und die Entwicklung ist nachvollziehbar und in diesem Rahmen durchaus glaubhaft, wenn man sich darauf einlässt. Die Auswirkungen auf die Gesellschaft sind sehr interessant und vielschichtig und in den verschiedenen Kulturen auch sehr verschieden. In Saudi Arabien zum Beispiel, wo Frauen bisher stark unterdrückt wurden, findet ein kompletter Machtumschwung statt. In den USA sind die Auswirkungen nicht ganz so krass, aber Konsequenzen sind dennoch sichtbar. Jungs werden von Mädchen getrennt, um für die Sicherheit der Jungen zu sorgen. Mädchen lernen in Trainingslagern, ihre Gabe zu beherrschen. Die Politik reagiert auf die neue Weltordnung mit Aktionismus und schnellen Plänen. Verspricht eine Sicherheit, die sie nicht garantieren kann.
Auch auf die Religion hat die Gabe eine Auswirkung. Eine der Protagonistinnen, Allie, hat Eingebungen von einer Stimme und dieser Stimme folgend, gründet sie eine neue Religion und wird zu deren Führerin. Diesen Aspekt fand ich auch spannend, wie in solchen Zeiten des Umschwungs die Menschen Halt und Sinn in einer neuen Religion suchen.

In diesem Buch kommen viele Stimmen zu Wort, viele Ideen werden beleuchtet. Neben der Religionsführerin Allie, später "Mother Eve" genannt, gibt es die Politikerin Margot, die selbst auch die Gabe hat, dies aber zu verstecken versucht, damit sie im Amt bleiben darf. Außerdem ihre Tochter Jocelyn, die Schwierigkeiten hat, ihre Gabe zu kontrollieren.

Dann gibt es Roxy, die Tochter eines Gangsters, die ein großes Talent für den Einsatz der Gabe im Kampf hat und mit Hilfe derer versucht, das Untergrundimperium des Vaters zu übernehmen.

Als einzige männliche Perspektive gibt es den afrikanischen Reporter Tunde, der zufällig einen der ersten Berichte über den Ausbruch der Gabe dreht und so zu einem der wichtigsten Berichterstatter zu dem Thema wird.

Trotz der vielen verschiedenen Perspektiven ist es nicht schwer, beim Lesen den Überblick zu behalten. Im Gegenteil, ich fand es sehr spannend, die Geschichte aus Sicht so verschiedener Charaktere zu verfolgen. Die Charaktere kommen aus verschiedenen Ländern, haben verschiedene Hintergründe, Positionen und Funktionen. So erhält man ein vielschichtiges Bild von der Geschichte.
Keiner der Protagonist_innen war mir so richtig sympathisch, aber das hat irgendwie auch zu der ganzen Stimmung des Buches gepasst.

Neben den 5 Erzählperspektiven gibt es auch immer wieder Einschübe aus fiktiven "wissenschaftlichen Berichten", Abbildungen von Artefakten aus der Zeit, Zitaten aus historischen Schriften. Das ist mal was Anderes und hat mir sehr gut gefallen.

Was mir auch gefällt: Alderman tut nicht so, als wäre die Welt eine bessere, wenn wir Frauen an der Macht wären. Es wird nicht idealisiert, sondern einfach eine interessante Alternative zu unserer Weltordnung geschaffen.
Die Geschichte und das Szenario regen zum Nachdenken an. Warum ist unsere Gesellschaft so aufgebaut, wie sie es ist? Erst durch das Umdrehen des Machtverhältnisses wird klar, wie viele Bereiche mit Macht und den Geschlechtsunterschieden zu tun haben. Auf welche Bereiche sich so eine Machtverschiebung auswirken würde. Das fand ich mit am interessantesten an dieser Geschichte und hat für mich den Reiz des Buches ausgemacht.

Allerdings finde ich, man hätte da durchaus noch mehr rausholen können; manche Szenerien noch konsequenter zu Ende denken können. Auch der Übergang von der bekannten männerdominierten Weltordnung hin zum Matriarchat ging mir zu schnell. Die Veränderungen werden eher Überblicksartig geschildert, dabei ist es gerade dieser Aspekt, der mir besonders reizvoll erscheint. Da hätte ich mir ein langsameres Herantasten gewünscht und auch den Blickwinkel aus den einzelnen Perspektiven, gerade in den Anfängen!


Fazit:
Eine interessante, feministische Lektüre mit verschiedenen Protagonisten und Protagonistinnen und viel Handlung. Es wird ein interessantes Szenario entworfen und durchaus glaubwürdig dargestellt. Das Buch lässt sich trotz des Umfangs sehr schnell und leicht lesen und regt durchaus auch zum Nachdenken an. Allerdings hat die Geschichte auch ihre Schwächen und verschenkt einiges an Potential.

Veröffentlicht am 15.08.2018

Drei Frauen, drei Schicksale, eine Geschichte

Der Zopf
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Kurzmeinung:
Drei Frauen auf drei Kontinenten und drei sehr unterschiedliche Leben. Ein Buch voller Frauenpower, dass von interessanten und bewegenden Schicksalen erzählt und mich trotzdem irgendwie nicht ...

Kurzmeinung:
Drei Frauen auf drei Kontinenten und drei sehr unterschiedliche Leben. Ein Buch voller Frauenpower, dass von interessanten und bewegenden Schicksalen erzählt und mich trotzdem irgendwie nicht erreichen konnte.



Meine Meinung:
Drei Fauen auf drei Kontinenten. Eigentlich haben sie nichts miteinander zu tun. Dennoch werden ihre Geschichten nach und nach miteinander verflochten. Wie die drei Stränge eines Zopfs.

Es gibt Smita, eine Dali -eine Unberührbare, die in Indien dafür kämpft, dass ihre Tochter Bildung bekommt und es einmal besser hat, als sie selbst.
Dann gibt es Giulia in Sizilien, die versucht, die Perrückenfabrik ihrer Familie vor dem Bankrott zu retten.
Und die erfolgreiche Anwältin Sarah aus Montreal. Sie hat es geschafft, die gläserne Decke zu durchbrechen und ist Partnerin in einer angesehenen Kanzlei. Ständig muss sie sich beweisen und gegen männliche Kollegen durchsetzen. Um das zu erreichen, hat sie für sich eine strikte Trennung von Arbeit und Privatleben etabliert. Doch bald muss sie nicht nur ihre drei Kinder vor ihren Arbeitgebern verbergen, sondern auch eine schlimme Krankheit. Doch sie ist fest entschlossen, sich davon nicht in die Knie zwingen zu lassen.

Eigentlich eine sehr schöne Geschichte mit viel Potential. Trotzdem -so richtig erreichen konnte mich die Geschichte nicht. Die Schilderungen waren mit stellenweise zu knapp und zu oberflächlich.
Wirklich berührt haben mich Smitas Abschnitte. Es ist wirklich unvorstellbar, was die Frauen in Indien erleiden müssen. Und erst recht, wenn sie einer niedrigen Kaste angehören. Eine Frau ist dort nichts wert. Um einen Mann zu bestrafen, wird seine Frau oder Schwester vergewaltigt. Öffentliche Vergewaltigungen sind eine rechtlich anerkannte Strafe für bestimmte Vergehen von Frauen. Einfach absolut schrecklich und barbarisch und für mich unvorstellbar.
Auch Sarahs Abschnitte haben interessante Seiten. Sie hat mit ganz anderen Problemen zu kämpfen. Natürlich ist die Stellung der Frau in Kanada nicht mit der in Indien zu vergleichen. Dennoch gibt es auch für Sarah Schwierigkeiten. Als Frau muss sie in ihrem Beruf immer doppelt so viel Leisten, um sich gegen ihre männlichen Kollegen durchzusetzen. Sie beschreibt sehr anschaulich das Dilemma, dass sie hat, wenn sie für ihre berufliche Ambitionen lange Arbeitstage in Kauf nehmen muss und dafür wenig Zeit für ihre Kinder hat. Wie es sie zerreißt. Und das für ihre beiden Exmänner das nicht mal eine Frage war, sondern die Care Aufgaben ganz automatisch der Mutter zugefallen sind, obwohl beide Elternteile im selben Job arbeiten. Das alles sind Themen, an denen ich persönlich natürlich viel näher dran bin. Trotzdem (oder vielleicht auch gerade deswegen) war Sarah die Figur, die mich am wütendsten gemacht hat und mit deren Entscheidungen ich die größten Probleme hatte. Ich konnte ihre Haltung oft nicht nachvollziehen und das hat mich beim Lesen manchmal echt fuchsteufelswild gemacht.
Also auf dieser Ebene hat das Buch schon etwas in mir ausgelöst, gleichzeitig sind mir die Charaktere aber auch sehr fremd geblieben.

Oh, vollkommen verliebt bin ich aber übrigens in das wunderschöne Cover. Wie genial ist das bitte? Dafür gibt es definitiv ein paar dicke Pluspunkte! <3


Fazit:
Der Zopf von Laetitia Colombani wurde von vielen ja ganz überschwänglich gelobt. Ich kann mich dieser Begeisterung nicht so ganz anschließen.
Ich mochte es sehr, dass hier drei Frauen und ihr Schicksal im Mittelpunkt stehen. Und das (ausnahmsweise mal) ohne, dass sich ihr Handeln und ihre Gedanken um einen Mann drehen. Ein Buch voller Frauenpower. Das finde ich echt super.
Die Geschichten sind auch echt ganz nett und teilweise auch erschütternd. Sollten sie zumindest sein. Aber irgendwie hat das Buch nicht so richtig was in mir ausgelöst. Ich wurde nicht so richtig warm damit und konnte mich auch vielleicht nicht so sehr darauf einlassen. Am Ende hat mir auf jeden Fall das gewisse Etwas gefehlt.

Veröffentlicht am 03.07.2018

Hat Stärken und Schwächen

Mercy Seat
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Kurzmeinung:
Ein sehr großes Thema: Rassismus, ein Todesurteil aufgrund der Hautfarbe, ein Junge, der seine letzten Tage vor seiner Hinrichtung schildert. Leider konnte das Buch bei mir persönlich nicht ...

Kurzmeinung:
Ein sehr großes Thema: Rassismus, ein Todesurteil aufgrund der Hautfarbe, ein Junge, der seine letzten Tage vor seiner Hinrichtung schildert. Leider konnte das Buch bei mir persönlich nicht das halten, was ich mir von der Geschichte versprochen habe. Wegen des wichtigen Themas und den starken Abschnitten über den Verurteilten ist es aber trotzdem lesenswert.


Meine Meinung:
Ein Buch mit einem unglaublich wichtigem Thema, mit sehr viel Potential. Ich wünschte, ich hätte es mehr mögen können. Aber irgendwie hat es mich nicht so richtig berühren können.
Wills Abschnitte sind mir echt unter die Haut gegangen, aber davon gab es so wenig. Und die anderen Abschnitte haben mir einfach zu oft gewechselt. Ingesamt wird die Geschichte aus Sicht von 9 verschiedenen Personen erzählt. Und das sind mit einfach zu viele Perspektiven, zu viele Wechsel, als das ich da mit jemandem wirklich hätte mitfühlen können. Dadurch sind für mich die Gefühle und Motive der einzelnen Personen manchmal auch zu sehr an der Oberfläche geblieben.

Dieses Buch befasst sich wirklich mit krassen Themen. Todesstrafe. Rassismus. Ein Junge, der aufgrund seiner Hautfarbe sterben muss. Man bekommt Einblicke in seine Gedanken, wie er seine letzten Tage au Erden erlebt. Das ging mir wie gesagt wirklich unter die Haut. Aber man lernt auch viele andere Charaktere kennen. Den Pfarrer, der nicht weiß, wie er dem Jungen und seinen Eltern helfen kann, welchen Rat er geben soll und wie er Trost spenden kann. Die Wutbürger, die nichts haben, außer ihrem Hass. Den Vater, der seinen Sohn im Krieg verloren hat und nicht weiß, wie er es seiner Frau sagen soll. Alles sehr ergreifende Schicksale und bedrückende Ereignisse. Durch die vielen und schnellen Perspektivwechsel ist mir aber trotzdem keine der Personen so wirklich nahe gekommen und die Stimmung kam nicht so richtig bei mir an. Vielleicht war das aber auch ganz gut so. Vielleicht hätte ich die Lektüre anders auch gar nicht ertragen, gerade weil es um so unglaublich bewegende Themen geht.

Sehr gut transportiert hat das Buch aber die (auch teils gespaltene) Stimmung in der Gesellschaft zu der Zeit, und auch die Tatsache, dass trotz so gravierender Ereignisse und diesem schlimmen Schicksal von Will, jeder sein eigenes Päckchen zu tragen hat.


Fazit:
Ein Buch, das mich irgendwie gespalten zurücklässt. Ich habe mich im Vorfeld ein bisschen vor der Lektüre gefürchtet, weil ich Angst vor diesem bewegenden Thema hatte. Angst, dass es mich zu sehr mitnimmt. Dann auch noch vor dem Hintergrund, dass es sich um eine wahre Geschichte handelt. Doch dann ist quasi das Gegenteil passiert: Das Buch konnte mich nur in seltenen Momenten wirklich berühren. Vielleicht war es ganz gut so, weil man so dieses schwierige Thema leichter ertragen konnte. Dennoch: dieses Thema darf wehtun, finde ich. Es darf (und sollte vielleicht sogar) bewegend, aufrütteln und erschüttern.
Durch die vielen Perspektivwechsel und die an der Oberfläche bleibenden Schilderungen wurde da meiner Meinung nach Potential verschenkt.
Dennoch lohnt sich die Lektüre, um sich ein Bild von der gesellschaftlichen Stimmung in den Südstaaten der 1940er zu machen. Um sich mit dem Thema Rassismus und dieser grenzenlosen Ungerechtigkeit zu konfrontieren.

Veröffentlicht am 19.02.2018

Geschichtliche und technische Fakten verpackt in eine spannende Story.

Die letzten Tage der Nacht
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Kurzmeinung:
Geschichtliche und technische Fakten verpackt in eine bestens unterhaltende Story. Moore entführt uns ins Amerika des 19. Jahrhunderts, mitten in den elektrischen Krieg. Ein Buch voller Technik, ...

Kurzmeinung:
Geschichtliche und technische Fakten verpackt in eine bestens unterhaltende Story. Moore entführt uns ins Amerika des 19. Jahrhunderts, mitten in den elektrischen Krieg. Ein Buch voller Technik, Wissenschaft und Recht, voller Ego und Ehrgeiz, aber auch über Liebe und Loyalität.


Meine Meinung:
Bei "Die letzten Tage der Nacht" handelt es sich um ein gutes Buch -keine Frage. Moore verbindet geschichtliche und technische Fakten mit einer spannenden Geschichte. Eine Vielzahl verschiedener und jeweils ganz eigener Charaktere teilen sich den interessanten Schauplatz. New York im 19. Jahrhundert. Und auch die Themenvielfalt ist beachtlich. Moore erzählt von Ehrgeiz und dem großen Ego großer Männer. Er erzählt von technischem Fortschritt und Erfindergeist, von großen Visionen ebenso, wie von juristischen Feinheiten. Es werden bahnbrechende Ideen reduziert auf eine Klausel im Vertrag.

Der Ton der Erzählung war dabei aber immer auch ein bisschen komisch und hat der Geschichte etwas Leichtes gegeben.

Interessant fand ich auch die Betrachtung der Motive, die die Männer im Zentrum der Geschichte zu ihren Taten getrieben haben. Für den einen war es Macht und Geld, für den anderen Ego und Arroganz, oder der Versuch, eine Frau zu beeindrucken. Und für wieder einen anderen stand einfach der Durst nach Wissen und der Drang, Neues zu entdecken im Vordergrund. Das wurde sehr schön und differenziert dargestellt, allerdings auf eher subtile Weise. Das hat mir gut gefallen.
Ich habe einiges aus diesem Roman lernen können, über die Anfänge der Elektrizität und Generatoren, genauso wie über Patentrecht und juristische Fallen in Verträgen.

Und auch der emotionale Bereich wurde bedient, wie ich fand aber eher halbherzig. Da gab es zwar die Liebesgeschichte zwischen Paul Cravath und XXX, aber die hätte man eigentlich auch weglassen können. Ich hatte eher das Gefühl, die wurde da mit eingebaut, um eben auch das Thema Liebe abzudecken, aber so richtig gut in den Erzählfluss hat es nicht reingepasst. Für mich hatten diese Abschnitte immer eher etwas von einem unnötigen Nebenschauplatz.

Und das bringt mich auch zu meinem größten Kritikpunkt an diesem Buch. Es ist spannend und unterhaltsam geschrieben. Es behandelt interessante Themen, ist lehrreich, bietet einen tollen Handlungsschauplatz. Aber dennoch hat mir etwas gefehlt, weshalb mich die Geschichte nicht vollkommen überzeugt hat. Und das ist die Tiefe. Ich habe das Buch gerne gelesen, aber dann habe ich es zugeklappt und es ist nichts geblieben. Es hat nichts in mir nachgehallt, es hat mich nach dem Lesen nicht weiter beschäftigt.
Vielleicht kann das gar nicht jedes Buch und vielleicht wollte das dieses Buch auch gar nicht. Aber mir ist es einfach negativ aufgefallen, das irgendwie nicht so richtig etwas "bei mir angekommen" ist.

Fazit:
Ein nettes Buch mit einem interessanten Thema. Es hat mich gut unterhalten und ich habe sogar einiges über den Stromkrieg und die technische Entwicklung dahinter lernen können. Dennoch hat mir irgendwie etwas gefehlt und das Buch konnte mich nicht so richtig erreichen und berühren.
Für eine leichte Lektüre zwischendurch ist es aber sehr geeignet.

Veröffentlicht am 07.02.2018

Wichtiges Thema, aber nicht immer gut umgesetzt

Kleine große Schritte
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Kurzmeinung:
Obwohl ich sonst ein großer Picoult Fan bin, kann ich mich dieses Mal der Begeisterung nicht 100%ig anschließen. Zwar ist das Thema sehr wichtig und die Intention sehr gut, die Umsetzung allerdings ...

Kurzmeinung:
Obwohl ich sonst ein großer Picoult Fan bin, kann ich mich dieses Mal der Begeisterung nicht 100%ig anschließen. Zwar ist das Thema sehr wichtig und die Intention sehr gut, die Umsetzung allerdings fand ich nicht so gelungen.


Meine Meinung:
"Kleine große Schritte" behandelt ein sehr wichtiges Thema –Rassismus– und ich bin froh, dass es geschrieben wurde und viel gelesen wird. Dennoch bin ich nicht so richtig warm mit der Geschichte geworden und ich habe einige Kritikpunkte.
Zum einen würde ich mir gerade zu diesem Thema lieber mehr "own voice" Bücher wünschen. Obwohl Picoult im Nachwort ganz gut beschreibt, dass sie sich der Problematik bewusst ist und was ihre Gründe waren, dieses Buch dennoch zu schreiben:


"Ich schreibe für meine eigene Gemeinschaft –Weiße–, die kein Problem haben, einen Neonazi als Rassisten auszumachen –den eigenen Rassismus aber nicht erkennen." S. 583

Außerdem ist die Übersetzung an mancher Stelle nicht gut gelungen. Zum Beispiel wird in dem Buch sehr oft das Wort "Farbige" verwendet, welches eine Fremdbezeichnung aus der Kolonialzeit ist. Also wird ein rassistisches Wort in einem Anti-Rassismus-Roman verwendet. Da muss man sich schon echt wundern, wie dass dem Verlag passieren konnte. Ich hoffe, dass wird in zukünftigen Ausgaben noch geändert.

Aber auch die gesamte Geschichte hat mir nicht so gut gefallen. Für mich wirkten viele Szenen sehr konstruiert und man konnte genau erkennen, warum diese Handlung gerade nötig ist, um uns einen bestimmtem Aspekt von Rassismus zu erklären. Dadurch wirkte der Roman für mich aber oft unauthentisch und die Personen kamen mir nicht sehr nahe. Da war für mich zu viel erhobener Zeigefinger dabei.
Manchmal fiel es mir aber auch schwer, die Geschichte zu akzeptieren, weil manche Situationen für mich so unvorstellbar waren, dass ich sofort eine gewisse Reaktanz gespürt habe. Ein bisschen "Kann das wirklich so sein, oder ist das nicht etwas übertrieben?" Und genau deswegen finde ich dieses Buch eben trotz meiner Kritikpunkte so wichtig. Denn es hat mich dazu gezwungen, mir immer wieder bewusst zu machen, dass es zwar nicht meine Lebensrealität ist, aber die von vielen anderen Menschen auf der Welt. Und dass auch Ignoranz schon ein Privileg ist.


Fazit:
Insgesamt ist es ein Buch, das man gut lesen kann und gerade für Picoult Zielgruppe (privilegierte, weiße Leser_innen) bestimmt sehr viel Lehrreiches und Denkanstöße enthält. Ich hatte mir aber mehr von dem Roman erhofft und war daher und wegen der angesprochenen Kritikpunkte etwas enttäuscht.


Fun Fact:
Zu dem Buch gibt es auch ein kleines Prequel, "Das Mädchen mit den roten Schuhen", das nur als eBook erschienen ist. Darin wird die Kindheit der Protagonistin Ruth beschrieben wird. Ich finde es eine gute Idee und eine sinnvolle Ergänzung zu der Geschichte.

Den Roman "Kleine große Schritte" gibt es auch als Hörbuch. Von diesem möchte ich euch aber ausdrücklich abraten. Ich habe ein bisschen hineingehört, und immer mal wieder mit dem Roman verglichen. Die Hörbuch- Geschichte ist so stark gekürzt, dass wirklich viele wichtige Szenen fehlen. Der Rest wirkt wie zusammengestückelt und hat für mich auch teilweise nur wenig Sinn ergeben, weil eben wichtige Handlungsstücke weggelassen wurden.