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Veröffentlicht am 08.10.2016

KEIN Thriller - aber Krimi mit Psychothrill und ein Highlight 2016 für mich!!

Nebelschrei
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Vorausschicken möchte ich meiner Rezension, dass es sich bei "Nebelschrei" von Sam Baker (Original: The Woman Who Ran), erschienen im Diana-Verlag (TB, 2016) NICHT um einen Thriller handelt meiner Meinung ...

Vorausschicken möchte ich meiner Rezension, dass es sich bei "Nebelschrei" von Sam Baker (Original: The Woman Who Ran), erschienen im Diana-Verlag (TB, 2016) NICHT um einen Thriller handelt meiner Meinung nach, jedoch um einen der besten Kriminalromane (mit Psychothriller-Elementen), den ich 2016 gelesen habe!

Inhalt/Buchbeschreibung:

Nach außen ist Helen eine starke Frau. Keiner ahnt, dass ihr die Erinnerungen an die Hölle, die sie erlebt hat, täglich den Atem rauben. Und dass sie nur knapp dem Tod entronnen ist. Das verfallene Anwesen in einer abgelegenen Gegend in Nordengland scheint das perfekte Versteck zu sein. Doch die Dorfbewohner kommen Helen näher, als ihr lieb ist. Denn niemand darf wissen, wo sie ist - und vor allem nicht der Mensch, dem sie am meisten vertraut hat....(Quelle: Buchrückentext)

Meine Meinung:


Alles, wirklich alles an diesem Kriminalroman ist für mich stimmig: In Teil 1 (von 3 Teilen) schafft es die Autorin, den Leser gleich zu Beginn nahe an die Protagonisten heranzuführen und durch eine sehr gute, detaillierte und tiefgründige Figurenführung dies immer weiter zu vertiefen: Helen Graham setzt sich nach einem Wohnungsbrand im Apartment von ihr und Art Huntingdon, ihrem Ehemann, in ein sehr abgelegenes elisabethanisches Haus in den Dales (Yorkshire), Nordengland, ab, um im selbstgewählten Versteck die Ereignisse zu überdenken und innerlich zur Ruhe zu kommen. Sie war viele Jahre Fotografin in Kriegsgebieten (Afghanistan, Irak, Syrien zählten dazu), erfolgreich und mit großer Leidenschaft und Können im Job; ihr Mann machte ebenfalls 'Karriere' als Kriegsberichterstatter, bis sein Stern mehr und mehr zu sinken beginnt.....
Nach dem Brand geht die Polizei davon aus, dass Art Huntingdon in seiner Wohnung den Tod fand. War es wirklich sein Leichnam?

Helen, die oft unter Migräne leidet und durch schreckliche Kriegseindrücke traumatisiert ist, lernt im kleinen Dorf, von dem sie sich weitgehend in ihrem Haus "Wildfell" fernhält, um unerkannt zu bleiben, Gil kennen: Gilbert Markham, 61, geschieden, seines Zeichens ebenfalls ein erfolgreicher Journalist im Ruhestand, in den er sich ganz und gar nicht einzufinden vermag...

Sowohl Helen, die gerne in den sehr atmosphärisch beschriebenen wundervollen Dales bis zum Scar (Berg) läuft, um Klarheit zurückzugewinnen, was sich wirklich in Paris ereignete, als auch Gil sind gerne in der Natur unterwegs und lernen sich nach und nach kennen. Er besucht Helen unter dem Vorwand, Lebensmittel mitzubringen (das Zentrum des Dorfklatschs ist Ms. Millward, die Ladenbesitzerin) und gewinnt mehr und mehr Helens Vertrauen. In durchwachten Nächten erzählt sie Gil endlich aus ihrem Leben und der professionelle Journalist ermittelt die aktuellen Hintergründe: Kann er glauben, was sie ihm erzählt?

Beide Protagonisten sind sehr sympathisch, der Handlungsverlauf ist mit einer grandiosen subtilen Spannung (von Beginn bis Ende) unterlegt und auch eine Prise Humor ist zu finden: So musste ich über die Selbstgespräche und inneren 'Dispute' von Gil oftmals sehr schmunzeln ;)
Besonders beeindruckt hat mich auch die Darstellung von Art:

(.....)"er war der Typ, der die Angst roch - sich zum Licht hingezogen fühlte, um es auszulöschen" (Zitat S. 155)

Nach außen charmant, nett und liebenswert, trägt er auch ein anderes Gesicht, das mit analytischer Schärfe harte Konturen annimmt, die sich dem Leser mehr und mehr erschließen....

"Diejenigen, die nie auch nur angeklagt werden, deren Gewalt und Grausamkeit im Verborgenen blüht, die sind am Gefährlichsten"
(Zitat S. 423)

Fazit:

Der mit subtiler Spannung angereicherte, stimmige Kriminalroman konnte mich vollends überzeugen und erhält die volle Punktzahl aus folgenden Gründen:
Ausser der Krimihandlung beinhaltet er auch ein Stück (düstere) Zeitgeschichte und einen Einblick in die (lebensgefährliche) Arbeit von Kriegsberichterstattern, Reportern und Fotografen, die in Syrien, im Irak, in Afghanistan und weiteren gefährlichen Regionen in der Welt unter extremem Erfolgs-, aber auch psychischem Druck stehen, die diese Menschen - auf die eine oder andere Art - zu bewältigen haben: Posthum setzt die Autorin Marie Colvin (gest. 02/2012 in Syrien) und damit den Reportern ohne Grenzen, die nicht selten ihr Leben verlieren, ein literarisches Denkmal.
Empfehlens- und sehr lesenswert für Krimi- und ThrillerleserInnen, die subtile Spannung, flüssige und fundierte Unterhaltung, eine stimmige Handlung und feine Figurenentwicklungen mögen: Ein wirklich toller Krimi vor traumhafter Kulisse: Den Yorkshire-Dales (mit einem Hinweis auf "Wildfell" und Anne Bronte's Roman "Die Herrin von Wildfell Hall", die Sam Baker bei der Wahl des Ortes inspirierte...) Ein Highlight dieses Genres 2016 für mich, daher 5 *, 5 Leseratten und 100° auf der "Krimi-Couch" von mir!
Ich hoffe, von Sam Baker noch mehr lesen zu können!!!

Veröffentlicht am 15.09.2016

Toller und spannender Norwegen-Krimi mit historischem Kontext (WWII)

Totensommer
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"Totensommer" von Trude Teige, einer Autorin, die zuvor Journalistin war und zu den erfolgreichsten Krimiautoren Norwegens gehört, erschien im Aufbau-Verlag (TB) 2016. Das Cover ist bemerkenswert schön ...

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"Totensommer" von Trude Teige, einer Autorin, die zuvor Journalistin war und zu den erfolgreichsten Krimiautoren Norwegens gehört, erschien im Aufbau-Verlag (TB) 2016. Das Cover ist bemerkenswert schön für einen Kriminalroman und passt wirklich sehr gut zu dessen Inhalt und auch der Stimmung des Romans:

"Kasja Coren ist eigentlich TV-Journalistin, aber sie hat sich an die Küste von More zurückgezogen, um ein Buch zu schreiben. Dann jedoch wird ein Deutscher ermordet, der seit vielen Jahren seinen Urlaub im Ort verbrachte und immer bei der alten Jenny wohnte. Die Trauer der alten Frau scheint weit über die übliche Betroffenheit hinauszugehen. Kasja beginnt zu recherchieren - und sie stößt auf eine unglaubliche Geschichte, die nicht nur mit den Geschehnissen unter deutscher Besatzung, sondern auch mit ihrer eigenen Vergangenheit verknüpft scheint." (Quelle: Buchrückentext)

Meine Meinung:


Es handelt sich hier um einen toll geschriebenen und sehr spannenden Kriminalroman, der in dem kleinen norwegischen Dorf Losvika spielt, direkt am Meer gelegen. Kajsa, die Journalistin, möchte in ihrem Urlaub Informationen zu einem Buch zusammentragen, das sie über die Situation der Frauen in diesem Ort während des 2. Weltkrieges gerne veröffentlichen möchte: Die Frauen des Dorfes und auch deren Nachkommen, die sich allesamt zeitlebens kennen und teils miteinander verwandt sind, sind nicht alle begeistert von diesem Vorhaben und Kajsa merkt bald, dass viele Lügen, Geheimnisse, Intrigen und schreckliche Geschehnisse unter der glatten und sauberen Oberfläche 'brodeln', als sich ein Mord ereignet...

Kajsa, geschieden mit zwei Kindern, ist seit einiger Zeit mit Karsten befreundet, der sich des Mordfalles in Losvika annehmen soll: Beide geraten in einen Strudel von Machenschaften und ungelösten Rätseln, die sie in Lebensgefahr bringen. Der Krimi hat mich durch seine historischen Bezüge persönlich sehr angesprochen und mir detailliert die Zeit der Besatzung durch die Deutschen in Norwegen vor Augen geführt; der hohe Spannungsbogen konnte von der ersten Seite bis zur letzten gehalten werden. Die Autorin schreibt klar, flüssig und dennoch stilistisch anspruchsvoll, gestaltet sowohl die Recherchearbeit von Kajsa sehr interessant (aufgrund ihres Berufes sehr authentisch) und auch die Ermittlungsarbeit im Team von Karsten ist für Krimi-Liebhaber recht brillant umgesetzt. Die Charaktere sind gut ausgearbeitet, durchdacht und die Handlung nachvollziehbar erzählt. Der Krimi präsentiert viele Verdächtige, die allesamt ein Motiv haben könnten, alte Feindschaften auch innerhalb einer Familie, die aus der Zeit des 2. Weltkriegs stammen und folgt Spuren, die in die Vergangenheit führen - bis ins Jahr 1942, wo deutsche Soldaten in Norwegen stationiert waren und die Bevölkerung Norwegens sich in Widerständler und auch Mitläufer und Nazi-Befürworter spalteten... Aus diesem gefährlichen 'Gemisch' schöpft der Krimi bis zur Aufklärung Details, die lange Zeit unter Verschluss gehalten wurden. Familiengeheimnisse, alte Verletzungen, Zurückweisungen und Ablehnung spielen hier eine bedeutende Rolle, die Trude Teige sehr gekonnt und auch mit psychologischem Feingefühl in die Krimihandlung einbaut und die ganz realistisch bis in die nachfolgenden Generationen einwirken können.

Fazit:


Ein spannender, sehr gut geschriebener Kriminalroman mit historischem Bezug in die deutsch-norwegische Geschichte, die in Rückblicken auf der Zeitebene ab 1940 im zweiten Erzählstrang sehr realistisch dargestellt werden, der viele Verdächtige aufweist, nicht vorhersehbare Wendungen und mit einem stimmigen Plot endet.
Ich würde sehr gerne weitere Krimis von Trude Teige lesen und vergebe 5 Krimisterne und 96° auf der 'Krimi-Couch'.

Veröffentlicht am 19.04.2026

Von wegen 'nur vorübergehend' :) warmherziger, lesenswerter Roman!

Eine Maus namens Merlin
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Helen Cartwright (83) ist vor drei Jahren vom anderen Ende der Welt zurück in ihre Heimat gezogen. Sie erwartet nicht mehr viel von ihrem Leben, denn ein Tag gleicht dem nächsten wie ein Ei dem anderen. ...

Helen Cartwright (83) ist vor drei Jahren vom anderen Ende der Welt zurück in ihre Heimat gezogen. Sie erwartet nicht mehr viel von ihrem Leben, denn ein Tag gleicht dem nächsten wie ein Ei dem anderen. Auch lebt sie sehr isoliert und ohne jeglichen Kontakt; in ihrem neuen Zuhause gab es noch nie Besuch. Allerdings hat Helen eine (gute) Eigenschaft: Sie ist neugierig (geblieben) und schaut, was ihre Nachbarn so entsorgen: Eines Tages entdeckt sie ein altes Aquarium und Spielzeug, das sie an ihren Sohn David erinnert (auch wenn man Fotos zerrissen und mit der Vergangenheit abgeschlossen hat, holen einen die Erinnerungen immer wieder ein).

Sie hört abends Geräusche, weniger die eines Einbrechers als die von einem kleinen, ängstlichen Wesen, das an der Tür stünde und um Einlass bäte - es ist der Tag, an dem sich ihr Leben (positiv) ändern sollte...

Wie sich herausstellt, handelt es sich um eine Maus bzw. einen Mäuserich, der mit den alten Sachen ins Haus kam. Da Helen ein gutes Herz hat (obwohl sie als Erstes in einem Eisenwarengeschäft, das Cecil führt, den man später noch im Roman kennenlernt, nach Mäusefallen fragt), gibt sie der Maus, die in ihrer Spüle "Unterschlupf" findet, später in einer Pastetenschachtel und noch viel später in einem Pantoffel mit Schottenmuster, ein paar Haferflocken und einen Limodeckel voller Wasser. So sieht dann auch das erste Zusammentreffen der beiden aus, als "Merlin", wie sie den Mäuserich nennt, auf den Hinterpfoten stehend (und kein bisschen ängstlich wirkend, ;) an einer Haferflocke knabbert...

Helen nimmt aus der Bibliothek ein Buch über Mäuse mit (mit dessen Inhalt auch der Leser einiges an interessanten Fakten über Mäuse lernt) und "Merlin", der wie durch Zauberhand in ihr Leben trat, hat es richtig gut bei Helen: Es gibt tolles Mäusefutter, morgens Radio- und abends TV-Sendungen, die Helen ihm erklärt. Bis eines Tages der kleine Kerl unter Atemnot leidet. Doch Helen, einst eine bekannte Kardiologin, wendet sich berufserfahren an Dr. Jamal, der sich des kleinen Patienten ebenfalls annimmt. Die Tierarzthelferin, die "zu nichts nutze" war, bringt sogar per Motorradkurier persönlich Medikamente für Merlin aus Oxford und Cecil (der sympathische und hilfsbereits Eisenwarenhändler) baut ein Sauerstoffzelt für Merlin. Zusammen schaffen sie es, dass die Maus sich erholt. Bis Dr. Jamal, Cecil, die Bibliothekarin und deren Sohn bei Helen auftauchen und im Garten gemeinsam verweilen, um die Genesung Merlins standesgemäß zu feiern. Leider muss Helen später jemand die Botschaft überbringen, dass Merlin bei dieser Zusammenkunft verschwunden ist - und Helen's Welt demzufolge zusammenfällt: Werden sich die beiden wiedersehen?

Der Stil von Van Booy ist sehr eingängig, humorvoll, leicht und flüssig zu lesen. Die Geschichte sehr berührend und schön, da sich das Leben einer recht einsamen alten Dame durch die Gesellschaft einer kleinen Maus auf wundersame und positive Weise veränderte! Die Themen sind Einsamkeit im Alter, Freundschaft und Zuneigung zu einem kleinen Wesen, das doch zu Großem führen kann und das Leben von Helen bereichert hat, mit Sinn erfüllte.

Die Botschaft besteht darin, dass neue Aufgaben und Verantwortung das Dasein auch in sehr hohem Lebensalter (aus)füllen können und neuen Lebensmut und Freude bringen können; das Romanende wartet dann noch mit einer besonders schönen Pointe auf: Mir hat dieser Roman sehr gut gefallen, weshalb ich ihn gerne weiterempfehle, im Besonderen SeniorInnen und deren Angehörige, die mit dem Leben bereits abgeschlossen haben: Eine zweite Chance kann es in jedem Leben geben, wenn man es zulässt! 4,5 *

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Veröffentlicht am 28.02.2026

Undurchsichtiger Fall bei Eiseskälte und im nordischen Nebel...

Lügennebel
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Auch ich bin, wie viele andere hier, seit Beginn der Hanna-Ahlander-Reihe Fan dieser Serie - und mag den Schreibstil von Viveca Sten, der sich durch hohe Spannung (die bis zuletzt gehalten wird!) und kurzen ...

Auch ich bin, wie viele andere hier, seit Beginn der Hanna-Ahlander-Reihe Fan dieser Serie - und mag den Schreibstil von Viveca Sten, der sich durch hohe Spannung (die bis zuletzt gehalten wird!) und kurzen Kapiteln widerspiegelt.

Der 4. Fall für Hanna Ahlander und ihren sympathischen Teamermittler Daniel Lindskog ist von Beginn an nebulös: Während Hanna sich anlässlich ihres Geburtstags in Kurzurlaub befindet, erhält sie die Info ihres Kollegen Daniel, dass eine junge Frau tot im Schnee eines Grundstücks gefunden wurde und man nicht wisse, ob es sich hier um einen Unglücksfall oder um ein Verbrechen handele.

Kurzerhand unterbricht Hanna ihren luxuriösen Aufenthalt mit ihrem derzeitigen Lebensgefährten Henry, der sich einiges einfallen ließ, um sie zu überraschen und kehrt in den Ermittlerkreis zurück: Es handelt sich um eine Gruppe junger Studenten, die im Haus von Willes Eltern, ihrerseits sehr vermögend, in Are einige Tage Urlaub machen wollen, Skifahren und feiern. Während Olivia, Wille, Emil, Amir und Pontus im selben Studiengang sind, ist Fanny eine Jurastudentin, die mit Olivia eng befreundet ist. Am ersten Abend feiern alle in der prächtigen Villa unweit der Skipiste, die sie auch am nächsten Tag befahren wollen, als der Abend mit viel Alkohol, Drogen und Spielen aus dem Ruder läuft: Am nächsten Morgen wird Fanny im Schnee aufgefunden, die Ermittlungen setzen wenig später an....

Die Aussagen der einzelnen Jugendlichen der Studentengruppe sind spärlich, Hanna und Daniel wissen zunächst nicht, was wirklich dazu führte, dass Fanny tot unweit des Hauses aufgefunden wurde. Der Hausmeister, der durch einen Code jederzeit Zugang zu den von ihm betreuten Häusern hat und Nachbarn werden befragt, doch die beiden versierten Ermittler tappen im Dunkeln bzw. stehen im Neben:

Wer lügt sie bei den Vernehmungen an und wer lässt Wichtiges aus? Diese Fragen stellen sich Daniel und Hanna bei so mancher Vernehmung (und mit ihnen der Leser); auch die klirrende Kälte bei -15°C lässt einen beim Lesen dieses hochspannenden und dramatischen Krimis erschauern; die Autorin versteht es hervorragend, viel Atmosphäre zu der ohnehin spannenden Entwicklung des Kriminalromans einzuflechten. Besonders gefallen haben mir (Abfahrtsski gehört für mich zu den schönsten Sportarten, ich hätte viel früher damit anfangen sollen und öfter Ski fahren sollen, als ich dies getan habe ;) die Beschreibungen der Pisten, die sich die Studenten vorgenommen haben: Hier kommt die ebenfalls etwas gruselig anmutende Gruppendynamik sehr klar zum Vorschein!

Ebenfalls eingeflochten sind Gedanken und Gefühle der unglaublich gut harmonierenden und aufeinander eingespielten Ermittler Hanna und Daniel, die sich in jedem Band weiterentwickeln; auch der Kollege Anton ist ein großer Sympathieträger, der hier einen gewaltigen Schritt nach vorne geht und auch beweisen will, dass er in die Abteilung Schwerkriminalität gehört (was ihm fast zum Verhängnis hätte werden können). Einen kleinen Kritikpunkt habe ich: Der äußerst noble (auch sympathisch rüberkommende) Henry passte für mich nicht unbedingt zu Hanna - die sich von Geld und Besitz im Grunde nicht blenden lässt. Ob diese Verbindung lange Bestand haben wird? Hier hält uns Viveca Sten weiter hin und man wünscht sich, dass zwei zusammenfinden mögen, die sich optimal ergänzen und längst Gefühle füreinander hegen ;) Ich hoffe auf einen baldigen Nachfolger dieses sehr lesenswerten schwedischen Krimis, auf den ich mich schon jetzt freue! Von mir 4,5 * und eine absolute Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 21.01.2026

Packend und berührend erzählte Zeitgeschichte

Lebensbande
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Lebensbande" der bekannten Bestseller-Autorin Mechtild Borrmann, die in all' ihren Romanen um (teils unerzählte) zeitgeschichtliche Themen auf unterhaltsame, authentische und sehr berührende Weise behandelt ...



Lebensbande" der bekannten Bestseller-Autorin Mechtild Borrmann, die in all' ihren Romanen um (teils unerzählte) zeitgeschichtliche Themen auf unterhaltsame, authentische und sehr berührende Weise behandelt und diese zum Kernthema hat, legt hier einen weiteren sehr lesenswerten Roman vor. Erschienen ist "Lebensbande" im Knaur-Droemer Verlag (2025, 281 Seiten, HC, gebunden).

Dies ist nicht mein erster Roman der Autorin (und wird auch nicht der letzte sein), da mir schon "Feldpost" und besonders "Der Geiger" sehr gut gefallen haben, war ich auf "Lebensbande" sehr gespannt. Meine Vorfreude wurde auch diesmal nicht enttäuscht!

"Lene, Nora und Lieselotte - drei Frauen, deren Schicksalsfäden vom Zweiten Weltkrieg bis zum Mauerfall miteinander verbunden sind. Obwohl sie sich in einer Zeit der Angst und des Terrors als Fremde begegnen, werden sie zu Freundinnen, die einander Halt geben und große Risiken auf sich nehmen. Krankenschwester Nora tut alles, um Lene zu helfen, das Leben ihres kleinen Sohnes zu retten, der von den Nazis als "Reichsausschusskind" bezeichnet wird. 1942 lernt Nora Lieselotte kennen und wird mit ihr zusammen in einen russischen Gulag verschleppt - als eine der vielen Arbeitskräfte, die Stalin als Teil der Reparationsleistungen zugesichert worden waren. Als Adenauer sechs Jahre später beginnt, die deutschen Kriegsgefangenen zurückzukaufen, treffen die Frauen eine dramatische Entscheidung."

(Quelle: Buchrückentext des Verlags)

Der Roman basiert auf wahren Begebenheiten von ZeitzeugInnen, was ihn umso interessanter macht, wenn auch authentische Anteile und Fiktion miteinander literarisch verwoben sind. Der Inhalt ist im Buchrückentext bereits sehr gut widergespiegelt (daher mag ich diese oft lieber als Klappentexte) und es geht um verschiedene Themen vor und während des 2. Weltkrieges sowohl am Niederrhein, unweit der holländischen Grenze, wo Lene ihren Joop beim Tanzen kennenlernt und sich unsterblich in den jungen Holländer verliebt (was in der Familie Gertens, die einen Hof besitzt, gar nicht gut geheißen wird), als auch in Ratingen, wo Lene fortan die Stelle eines Hausmädchens besetzen soll, um Joop zu vergessen und wo sie Franz heiratet, mit dem sie bald Leo bekommt und später Zwillinge wie auch in Danzig, wohin es Lieselotte als Sekretärin verschlägt. Lotte ist lange Zeit vollkommen überzeugt vom Nationalsozialismus wie auch vom Sieg, was sich sehr spät dann doch ändern sollte und wo auch Nora als Krankenschwester arbeitet, nachdem sie wegen Widerworte in der Heil- und Pflegeanstalt Bonn einem Arzt gegenüber versetzt wird. Doch ihr Anliegen ist es, den kleinen Leo aus den erschütternden Mühlen der Kinder-Euthanasie (damals natürlich völlig anders, im fürsorglichen Sinne gemeinten Sprachgebrauchs von den Nazis benannt). Das Schicksal dieser drei mutigen Frauen wird im Verlaufe des Krieges und des Romans mehr und mehr miteinander verflochten und man fühlt als LeserIn die große Solidarität und Freundschaft, die zwischen ihnen herrscht und Schlimmeres zu verhindern imstande ist.

Hat man es anfangs mit einer "unbekannten" Figur zu tun, so verflechten sich auch hier die Themen und Inhalte recht schnell, denn als ein Neffe seinen Besuch in Kühlungsborn ankündigt (1993 spielt der zweite Erzählstrang des Romans), beginnt die Figur, in Kühlungsborn an der Ostsee wohnend, ihre Lebenserinnerungen in zwei Heften aufzuschreiben und möchte damit endlich die Wahrheit sagen, die sie lange ganz weit hinten in ihrem Kopf verdrängte... Da sie seither von Träumen heimgesucht wird, wird das Schreiben zu einer Notwendigkeit für sie und sie "entdeckte die heilende Kraft des Schreibens. Hatte Ordnung in ihr zerstückeltes Leben gebracht, die Teile miteinander verbunden". (Zitat)

Ausser der Euthanasie in der Nazizeit sind auch noch viele weitere Themen im Roman zu finden, die jedoch dann eher 'angerissen' sind (die Abwanderung vieler junger Menschen aus den neuen Bundesländern in den vermeintlich "Goldenen Westen" z.B.; auch die Tatsache, dass es auch nach 1945 noch viele überzeugte Nazis gab, die teils dieselben Ämter wieder innehatten, die sie vor 1933 besetzten. Doch hauptsächlich geht es um die Schicksale von Nora, Lieselotte und Lene, die vieles auf sich nahmen, um sich gegenseitig zu helfen - bzw. auch Kindern wie Leo, die schnell die Diagnose "schwachsinnig" bekamen und meist einen furchtbaren Leidensweg vor sich hatten, die Familien unterdes hilflos zusehen mussten (Waldniel kannte ich nicht, aber Hadamar und auch hier in meinem Bundesland gibt es eine psychiatrische Anstalt, die damals viele Insassen nach Hessen verbrachten, auch hierüber gibt es authentische Berichte von Zeitzeugen).

Der Autorin gelingt es, spannend und sehr unterhaltsam historische Themen literarisch zu verpacken und ihren LeserInnen die betreffenden LeserInnen nahezubringen. Mich haben sie mitunter auch zu weiteren Recherchen aufgefordert (Waldniel, Wokuta, Gulag etc.) und ich empfehle ihn daher sehr gerne an historisch interessierte LeserInnen weiter! 4,5* und 93° auf der Histo-Couch von mir.

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