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Veröffentlicht am 23.08.2018

Ein Monumentalwerk

Manhattan Beach
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Eddie Kerrigan arbeitet in Manhattan für die „Gewerkschaft“, trägt Grüße und Briefe aus, oft begleitet von seiner Tochter Anna. Einer der Männer, Dexter Styles, bleibt ihr besonders in Erinnerung.
Dass ...

Eddie Kerrigan arbeitet in Manhattan für die „Gewerkschaft“, trägt Grüße und Briefe aus, oft begleitet von seiner Tochter Anna. Einer der Männer, Dexter Styles, bleibt ihr besonders in Erinnerung.
Dass die „Gewerkschaft“ in Wahrheit die Mafia ist, begreift Anna erst Jahre später, als ihr Vater schon lange verschwunden (tot?) ist und sie Dexter als Besitzer eines Nachtclubs wiedererkennt. Natürlich fragt sie ihn nach Eddie und ebenso natürlich bekommt sie keine richtige Antwort.
Inzwischen schreiben wir das Jahr 1942, der 2. Weltkrieg ist im Gange und Frauen können plötzlich fast alles werden. Aber auch Taucher in den Docks der Kriegsmarine? Anna kämpft hart dafür. Nicht nur, weil der Job gut bezahlt wird und sie ihre Mutter und die pflegebedürftige Schwester unterstützt, sondern weil sie es wirklich will.

Ich bin ehrlich, dieses Buch hat mich zeitweise etwas erschlagen. Ausgehende vom Klappentext und der Leseprobe hatte ich etwas ganz anders erwartet – Annas Geschichte und die Suche nach ihrem Vater.
Aber alles beginnt viel früher. Mit Eddies Leben als Laufbursche im Restaurant seines Vaters, wie er seine Frau fand, eine Familie gründete, groß herauskam und beim Börsencrash alles verlor. Auch Dexter hat sich vom Handlanger zum Boss hochgearbeitet, die Tochter eines reichen Bankiers geheiratet und dient als Mittler zwischen beiden Welten (Legalität und Illegalität) – das haben er und Eddie gemeinsam.
Annas Kampf gegen Vorgesetzte und Vorurteile darum, Tauchen zu dürfen, ist nur ein winziger Teil des Buches. Eigentlich geht es ums große Ganze. Den Krieg, das Lebensgefühl, Einzelschicksale.

Trotzdem habe ich mir Anna als Hauptperson ausgesucht, weil sie mich am meisten beeindruckt, ihr Schicksal mich gefesselt hat. Sie will mehr aus ihrem Leben machen. Nicht nur einen Mann finden der sie aushält oder heiratet, wie es sich die anderen Mädchen in der Werft wünschen. Nicht nur Sekretärin sein. Und Anderssein macht einsam. Sie ahnte, wie leicht sie in eine Ritze der verdunkelten Stadt gleiten und darin verschwinden konnte.“ (S. 228)

Vor allem in der zweiten Hälfte gab es Passagen, die mir leider zu weitschweifig und langatmig waren, seitenlange Rückblenden und Gespräche zum Beispiel. Hier hat die Autorin m.E. zu viel von dem reingepackt, was sie bei ihren Nachforschungen entdeckt hat und manchmal ist weniger dann doch mehr.

In meinem Leseexemplar steht vorab ein wirklich interessantes Interview mit der Autorin. Ich hoffe, dass es auch in den „normalen“ Büchern abgedruckt ist, da sie viel über ihre Intension und Recherche erzählt.

Fazit: Obwohl ich eigentlich etwas anderes erwartet hatte und mich das Buch nicht durchgehende fesseln konnte, hat mich Annas Leben tief beeindruckt. Ein komplexes, umfassend recherchiertes Werk über Manhattan in den 30er und 40er Jahren.

Veröffentlicht am 16.08.2018

Der Teufel geht um

Aberglaube und Geschäfte
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Seit dem letzten Fall (Der Mädchenreigen), den Konrad von Velden für Herzog Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel lösen konnte, sind zwei Jahre vergangen. Laura, eines der Mädchen, das er damals retten ...

Seit dem letzten Fall (Der Mädchenreigen), den Konrad von Velden für Herzog Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel lösen konnte, sind zwei Jahre vergangen. Laura, eines der Mädchen, das er damals retten konnte, lebt inzwischen bei Konrads Mutter Agnes, die wiederum gerade Pastor Wegener heiratet.
Laura ist erwachsen geworden und macht Konrad Avancen, der ist allerdings anderweitig liiert.
Als innerhalb kurzer Zeit die Leichen einer jungen Frau, eines Babys und eines Jungen in Wolfenbüttel und Goslar auftauchen, wird Konrad mit den Ermittlungen dazu betraut.
Herzog Julius quälen allerdings noch andere Probleme. Ein wichtiges Kolloquium zur Einigung von lutherischen Theologen und Fürsten steht bevor und einer der Teilnehmer, Pastor Hilarius, scheint es absichtlich zu boykottieren. Also wird Wegener losgeschickt, um Hilarius zur Ordnung zu rufen.
Im Laufe der Ermittlungen stellt sich heraus, dass alles irgendwie zusammenhängt. Aber wer steckt dahinter und warum?

Ich weiß, meine Einleitung klingt etwas verworren und genau so las sich leider auch das Buch. Konrads „Affäre“ kreuzt mehrfach seine Ermittlungen und auch Laura will unbedingt wieder mitmischen. Er bekommt die beiden Frauen kaum gehändelt und wird dadurch abgelenkt. Außerdem hilft ihm seine weitläufige Familie und gerät dadurch selbst in Lebensgefahr.

Die ersten beiden Bände um Konrad von Velden habe ich verschlungen, aber diesmal viel es mir schwer, in die Handlung zu finden. Susanne Gantert geht seht ausführlich auf die politischen und wirtschaftlichen Hintergründe ein. Die sind zwar für die Handlung wichtig, haben meinen Lesefluss aber gestört. Vielleicht hätte man das anders lösen können. Erst nach der Hälfte kam langsam Fahrt auf. Allerdings wechselten gegen Ende die Handlungsstränge und -orte sehr oft, so dass die Spannung zum Teil wieder verloren ging.
Außerdem stand relativ früh fest, wer hinter allem steckt. Die Frage war nur, ob Konrad und seine Mitstreiter den Täter rechtzeitig entdecken und fassen können.
Auch fehlte mir ein Personenregister wie bei den Vorgängerbänden, das hätte ich dieses Mal gut gebrauchen können.

Trotzdem war der Fall an sich spannend und wieder sehr gut recherchiert, nur die „Verpackung“ stimmte für mich nicht.
Für Neueinsteiger wird auf die Vorgängerbände eingegangen, damit man die Zusammenhänge und Verwandtschaftsverhältnisse versteht. Ergänzt wird das Buch durch eine historische Karte, ein Kapitel über die historischen Hintergründe und das Glossar.

Ein bisschen schwärmen möchte ich vom Cover. Die Kombination aus der historische Ansicht von Wolfenbüttel, einem alten Gemälde und dem farbenfrohen Rand (einer historischen Buchmalerei?) ist wunderschön harmonisch und wiederholt sich auch auf den Coverinnenseiten und dem Lesezeichen. Dadurch wirkt es besonders hochwertig.

Veröffentlicht am 02.07.2018

(Genuss-)Urlaub in Schottland

Die kleine Sommerküche am Meer
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Flora ist vor Jahren nach dem Tod ihrer Mutter vom elterlichen Hof auf der schottischen Insel Mure regelrecht nach London geflohen, um nicht wie sie als Bäuerin zu enden. Seitdem arbeitet sie als Anwaltsgehilfin ...

Flora ist vor Jahren nach dem Tod ihrer Mutter vom elterlichen Hof auf der schottischen Insel Mure regelrecht nach London geflohen, um nicht wie sie als Bäuerin zu enden. Seitdem arbeitet sie als Anwaltsgehilfin für eine große Kanzlei und ist in ihren Chef Joel verliebt – nur leider nimmt dieser sie erst wahr, als er jemanden braucht, um einen wichtigen Mandanten auf Mure zu vertreten.
Schon lange macht Flora ihren Job nur noch aus Pflichtgefühl. London gefällt ihr ebenfalls nicht mehr. Es ist groß, laut und stickig. Aber auf die Insel will sie auch nicht zurück: „„Manchmal kam sich Flora vor wie ein Boot, das von den Wellen hin und her geschleudert wurde, und sie war sich nicht sicher, wo es mal landen würde und warum.“ (S. 301)
Flora ist über ihre Rückkehr nicht begeistert und auch ihrem Vater, ihren 3 Brüdern und den anderen Bewohnern scheint sie relativ egal zu sein. Zudem ist ihr Mandant Colton Rogers auf der Insel unbeliebt. Wie soll sie die Zeit nur überstehen? Zum Glück lebt ihre beste Freundin Lorna auch auf Mure und bald lernt sie den Reiseleiter Charlie kennen ...

Der Hof der Familie ist vernachlässigt und erwirtschaftet nicht mehr genug. Flora packt mit an und erinnert sich, dass es früher auch schöne Seiten / Zeiten gab. Als sie das Rezeptbuch ihrer Mutter entdeckt und die Gerichte nachkocht, findet sie ihre innere Mitte wieder und die Familie wieder zusammen. „Familien sind nicht einfach.“ (S. 137)

Flora ist eine unglaublich sympathische, feenhafte Person, die im Laufe der Handlung über sich hinauswächst und immer sympathischer wird. Einzig ihre Fixierung auf ihren Chef Joel habe ich nicht nachvollziehen können.
Der wird als typischer Bad-Boy dargestellt, nach außen hart, nach innen zart – mit schwieriger Kindheit und Sinnkrise. Das war mir einfach zu stereotyp und zu viel Drama.
Auch Floras Brüder, die für so einige Turbulenzen und Überraschungen sorgten, sowie die anderen Inselbewohner mochte ich sehr. Der Zusammenhalt unter ihnen und die Ruhe, welche die Insel ausstrahlt, wird toll beschrieben.

„Die kleine Sommerküche am Meer“ ist ein richtig schöner Sommerroman, der mit einer amüsanten Story, herrlichen Schilderungen der Insel Mure und Floras Gerichten Lust auf (Genuss-)Urlaub in Schottland macht.

Veröffentlicht am 20.06.2018

Spannender Auftakt der Krimi-Reihe um Kate Shakleton

Mord nach Strich und Faden
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England in den 1920ern: Kate Shakleton hat sich einen Ruf als Privatdetektivin erarbeitet, seit sie im Krieg verschollene Männer sucht (und findet).
Tabitha, eine entfernte Freundin, engagiert sie, um ...

England in den 1920ern: Kate Shakleton hat sich einen Ruf als Privatdetektivin erarbeitet, seit sie im Krieg verschollene Männer sucht (und findet).
Tabitha, eine entfernte Freundin, engagiert sie, um ihren vor über 6 Jahren verschwundenen Vater Joshua Braithwaite, einen Textilfabrikanten, zu finden. Sie heiratet bald und möchte von ihm zum Altar geführt werden.
Schon bei ihren ersten Recherchen stößt Kate auf Wiedersprüche. Angeblich hat Braithwaite Selbstmord begangen, aber die Leiche wurde nie gefunden. Andere Gerüchte besagen, dass er ein Weiberheld war und sich im Krieg eine goldene Nase verdient hat – er hätte sich mit einer seiner Geliebten abgesetzt. Die Umstände seines Verschwindens sind sehr mysteriös. Dann erwähnt seine Frau / Witwe Evelyn (?) auch noch einen Abschiedsbrief, den außer ihr niemand gesehen und den sie leider verloren hat ...

Der Fall ist sehr verzwickt und man kann bis zum Schluss miträtseln. Ist Braithwaite verschwunden oder tot? Wenn ja, wer ist der Mörder? Warum lässt Tabitha ausgerechnet jetzt nach ihrem Vater suchen? Warum haben Tabithas Mutter Evelyn und deren Cousin Neville Stoddard ihren Mann bzw. Geschäftspartner bisher nicht für tot erklären lassen, sondern führen die Weberei zusammen weiter? Und was hat es mit den neuerlichen Todesfällen auf sich, die während der Ermittlungen passieren?

„Mord nach Strich und Faden“ ist der Auftakt der Krimi-Reihe um Kate Shakleton. Kate hadert mit ihrem Schicksal, weil ihr Mann seit dem 1. WK als vermisst gilt, aber sie genießt auch die Freiheiten, die sie als Witwe hat. Sie ist eine gute Ermittlerin, da sie neugierig, furchtlos und intelligent ist, sehr gut zuhören kann und die richtigen Fragen stellt. Außerdem ist sie sehr modern, fährt Auto und beschäftigt sich mit Fotografie.
Ihr Vater hat ihr den ehemaligen Polizisten Jim Skyes als Gehilfen vermittelt. Jim ist der Mann fürs Grobe und hört sich da um, wo eine Dame zu auffällig oder gefährdet wäre. Während mir Kate ans Herz gewachsen ist, kann ich Jim Skyes noch nicht richtig einschätzen – er ist ein guter Ermittler und scheint loyal, aber sonst ... Mal sehen, wie es bei den nächsten Fällen weitergeht.
Mit Tabitha und ihrer Mutter Evelyn bin ich nicht warm geworden. Tabitha ist in meinen Augen ein unsicheres, verwöhntes Töchterchen, auch wenn sie schon 30 ist. Ihre Intension, ausgerechnet den so viel jüngeren (und nicht besonders schlauen) Hector zu heiraten, habe ich nicht wirklich verstanden. Evelyn hingegen wirkt immer sehr kontrolliert und eiskalt. Einen Mord würde ich beiden zutrauen.

Der Kriminalfall an sich ist sehr spannend und sorgt für einige Überraschungen. Interessant fand ich auch, dass die Kapitelüberschriften alle auf die Tuchherstellung verweisen. Aber ich muss auch einige Kleinigkeiten bemängeln. Ein Buch soll zwar atmosphärisch sein, aber hier waren es mir manchmal zu viele Details und Beschreibungen. Ab dem zweiten Drittel zieht sich die Geschichte. Zudem hatte ich Probleme, die Protagonisten zuzuordnen – sie wurden abwechselnd mit Vor- oder Nachnamen oder ihren Funktionen bezeichnet, das war verwirrend. Dazu kommen die in meinen Augen unnötige Wiederholungen und Zusammenfassungen, wenn Kate und Jim Skyes ihre Ermittlungsergebnisse besprechen.
Trotz dieser Unzulänglichkeiten hat mir das Ermitteln mit Kate viel Spaß gemacht und ich bin schon gespannt auf ihre weiteren Fälle.

Sehrt spannend, aber manchmal zu ausführlich und mit Wiederholungen. Ich bin gespannt auf die nächsten Fälle.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Atmosphäre
  • Figuren
  • Geschichte
  • Lesespaß
Veröffentlicht am 17.06.2018

Unfall oder Mord?

Elsässer Verfehlungen
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„Elsässer Verfehlungen“ ist bereits der 4. Teil einer Reihe um Major Jules Gabin, den Leiter der Gendarmerie in der elsässischen Kleinstadt Rebenheim. Ich kenne die vorangegangenen Bände nicht und hatte ...

„Elsässer Verfehlungen“ ist bereits der 4. Teil einer Reihe um Major Jules Gabin, den Leiter der Gendarmerie in der elsässischen Kleinstadt Rebenheim. Ich kenne die vorangegangenen Bände nicht und hatte kein Problem, die Figuren oder deren Handlungsweise zu verstehen.

Bei Klettern mit seinen beiden Freunden Claude und Joey in der „Blutgrotte“ stürzt der erfahrene Kletterer Richard ab. Die Freunde sind fassungslos, weil sie ihn aus den Augen verloren hatten. Doch schnell stellt sich heraus, dass die von Richard zur Absicherung verwendeten Karabiner minderwertig waren. War es ein Unfall oder Mord?
Verdächtige und Motive gäbe es genug. Da ist zum einen Richards Frau – die Ehe scheint wohl doch nicht so bilderbuchmäßig gewesen zu sein – und zum anderen ein obskurer Druidenorden, mit dem Richard im Clinch lag. Oder war es ein Konkurrent um den Flammkuchen-Wettbewerb? Für dessen Gewinn würden die ansässigen Wirte (fast) alles tun ...

„Elsässer Verfehlungen“ ist ein echter Kriminal-Roman. Oft hat der erzählerische Strang den Kriminalfall überschattet. Jules Privatleben nimmt ziemlich viel Raum ein. Sowohl seine Ex-Freundin als auch seine aktuelle Freundin (die gleichzeitig seine Chefin ist) haben ein Hühnchen mit ihm zu rupfen. Die Handlung verläuft sehr gemütlich, immer wieder werden die tolle Landschaft, das Essen und der Wein beschrieben. Auch war mir die Sprache an einigen Stellen zu gestelzt, dafür hat mich das Ende dann echt überrascht und mit dem Buch versöhnt.

Fazit: Gemütlicher Urlaubskrimi nicht nur für Elsass- und Flammkuchen-Fans.