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Veröffentlicht am 04.09.2018

Ich bin verliebt in diese Geschichte

Das Gold der Krähen
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Achtung: Band 2 einer Dilogie – Spoiler zum Inhalt des ersten Bandes vorhanden!

Nachdem es dem Meisterdieb Kaz Brekker und seinen Krähen der absolute Supercoup gelungen ist, sind sie zurück in Ketterdam. ...

Achtung: Band 2 einer Dilogie – Spoiler zum Inhalt des ersten Bandes vorhanden!

Nachdem es dem Meisterdieb Kaz Brekker und seinen Krähen der absolute Supercoup gelungen ist, sind sie zurück in Ketterdam. Doch Van Eck, mit dem Brekker eine riesige Belohnung vereinbart hatte, hält sich nicht an die Verabredung, stattdessen beginnt er einen Verrat und nimmt Inej, das Phantom gefangen und auch die anderen Krähen entkommen nur knapp. Allerdings hat Van Eck seine Rechnung ohne Kaz Brekker gemacht, denn dieser ist alles andere als eingeschüchtert und versucht alles, um Inej zu befreien. Wird es ihm und den Krähen gelingen, Inej aus den Händen Van Ecks zu retten?
Meine Meinung
Bereits mit ihrem ersten Band “Das Lied der Krähen” hatte die Autorin Leigh Bardugo eins meiner Highlights aus dem letzten Jahr geschrieben und mit dem zweiten Band der Dilogie, den ich heiß ersehnte, ist es ihr gelungen, noch einmal eine Schippe drauf zu legen.
Schon das Cover und der farbige Buchschnitt passen nicht nur optisch perfekt zum ersten Band, sondern erwecken Aufmerksamkeit auf diese wunderbare Geschichte.
Auch wenn es bereits ein Jahr her ist, dass ich Band 1 gelesen habe, war ich erstaunlich schnell wieder mitten in der Geschichte rund um Kaz Brekker und den Krähen. Doch um sich in diesem Buch zurechtzufinden, sollte man auf jeden Fall den ersten Band kennen, da die Geschichte auf den ersten Band aufbaut.
Leigh Bardugo hat einfach einen absolut tollen Schreibstil, denn sie erweckt nicht nur ihre Charaktere, sondern auch die gesamte Welt um diese herum mit ihren Worten zum Leben. Durch diesen lebendigen Stil fesselt sie regelrecht an ihre Geschichte und ich konnte so tief darin versinken, dass ich alles um mich herum vergaß.
Spannend ist es ebenfalls gleich zu Beginn, denn man verfolgt hier zum einen Kaz und seinen Plan, Inej zu befreien, zum anderen kann man aber auch die Gegenseite beobachten und mit Inej mitzittern und hoffen. Aber auch sonst warten in dieser Fantasygeschichte wieder einige Überraschungen und Gefahren, die nicht vorhersehbar waren. Ich fand es zum Ende schon schade, dass es sich “nur” um eine Dilogie handelte, da ich am liebsten noch mehr Abenteuer mit den Krähen erlebt hätte.
Das Worldbuilding ist absolut gelungen, die Stadt Ketterdam lebendig und vorstellbar mit all seinen Orten, wie z. B. das Barrel, das ich mir mit all seinen Bewohnern, die es durchaus in sich haben, vor mir sehen und das Leben darin beinahe schon hören konnte. Aber auch sonst beschreibt Bardugo alles detailliert ohne dabei langweilig oder ausschweifend zu wirken und genau das hat mich hier, aber auch in Band 1, schon sehr beeindruckt.
Wie schon in Band 1 wird die Geschichte durch den dritte Person Erzähler wiedergegeben und auch dieses Mal dürfen wir aus wechselnden Perspektiven den Krähen zuschauen. Ich hatte schon im ersten Band das Gefühl, die Personen gut kennengelernt zu haben, doch auch dieses wird hier noch einmal mehr intensiviert. Man erfährt von Gefühlen und Gedanken, von Wünschen und Hoffnungen und auch von den Beziehungen untereinander.
Mein liebster Charakter ist Kaz Brekker, dessen Genialität sich auch dieses Mal wieder herauskristallisiert. Er ist düster und wirkt unnahbar, ganz der Meisterdieb, als der er auch den Ruf hat und doch steckt noch so unheimlich viel in Kaz, was mich berühren konnte. Aber nicht nur Kaz bekommt noch einmal mehr Tiefgang, sondern auch alle anderen Charaktere erhalten noch mehr Tiefe und Lebendigkeit. Sie sind eine gerissene Diebesbande, sie haben Fehler und Ecken und Kanten und doch sind sie, jeder auf seine Art, loyal, mutig und stark. Kaz ist zwar mein persönlicher Liebling, doch auch alle anderen gehören einfach dazu und ich habe hier gehofft, gezittert, gelacht, gebangt und geweint.
Mein Fazit
Auch wenn meine Rezension beinahe schon wie ein Loblied oder ein Liebeslied klingt, so ist es aber auch genau das, was Leigh Bardugo mit ihrer Story erschaffen hat. Ich bin begeistert von dieser Geschichte, von der rauen Welt, in der es zu überleben gilt, von den Charakteren, die mich beeindrucken und berühren konnten und auch von der Spannung und den Wendungen. Band 1 war letztes Jahr mein Highlight, aber Band 2 ist definitiv eins meiner Herzensbücher geworden. Unbedingt lesen!

Veröffentlicht am 01.09.2018

Absolut aufwühlend

Du wolltest es doch
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Die achtzehnjährige Emma ist eines der Mädchen, die von vielen anderen beneidet werden, denn sie ist hübsch, beliebt und steht immer und überall, vor allem auch bei den Jungs im Mittelpunkt. Emma genießt ...

Die achtzehnjährige Emma ist eines der Mädchen, die von vielen anderen beneidet werden, denn sie ist hübsch, beliebt und steht immer und überall, vor allem auch bei den Jungs im Mittelpunkt. Emma genießt diese Aufmerksamkeit und ist nahezu süchtig nach Komplimenten, selbst von Jungs, die bereits eine Freundin haben. Als sie auf einer Party ein wenig über die Stränge schlägt und am nächsten Morgen völlig zerschlagen und derrangiert vor ihrer Haustür von ihrer Mutter gefunden wird, weiß sie zunächst nicht, was los ist. Filmriss, aber einen kompletten Filmriss, denn ab einen bestimmten Moment sind alle Erinnerungen der vergangenen Nacht weg. Erst als sie am Montag zur Schule kommt, kommt ihr der Verdacht, dass etwas ganz gewaltig schief gelaufen ist. Dann entdeckt auch Emma die Facebookseite und die Fotos der Partynacht, auf der sie und mehrere ihrer sogenannten Freunde zu sehen ist. Doch das, was auf den Fotos ist, wollte Emma nicht, nicht so. Aber niemand hat Mitleid mit Emma, denn sie ist es doch selbst Schuld, oder?
Meine Meinung
Puh, ich weiß gar nicht genau, wie und womit ich hier anfangen soll, denn das Buch ist hart, knallhart und Louise O’Neill hat hier auch ganz schön provoziert mit ihren Worten, aber ich glaube, dass sie durchaus auch ihr Ziel erreicht hat, denn es wird diskutiert über das Thema, das Thema Vergewaltigung. Selten habe ich im Vorfeld so viele Meinungen zu einem Buch gelesen, wie zu diesem und auch wenn ich es zunächst gar nicht so sehr auf dem Schirm hatte, wurde ich durch all die anderen Meinungen immer neugieriger und wollte mir schließlich selbst ein Bild machen.
Zu Beginn komme ich erst einmal zum Schreibstil, der vielleicht nicht jedermanns Sache ist, doch der mich hier ganz besonders fesseln konnte. Durch die Worte und die Ich-Perspektive aus der Sicht Emmas war ich hier ganz nah am Geschehen und konnte mit fremden Augen sehen, was geschehen ist und wie wenig man selbst schafft, so etwas zu verarbeiten. Ich fand es doch schon sehr authentisch rübergebracht und habe ein sehr deutliches Bild von Emma erhalten, sowohl bevor sie vergewaltigt wurde als auch danach. Louise O’Neill schildert klar, fast schon nüchtern und direkt, was Sache ist. Emmas Gedanken, oftmals in Klammern dargestellt, was manch einer als störend empfinden könnte, wurden für mich dadurch noch einmal eindringlicher. Diese Wiederholungen die durch Emmas Kopf schießen, fand ich glaubhaft und sehr eindringlich und man sieht, wie die Welt sich plötzlich nicht nur für Emma verändert.
Emma wird hier deutlich vorgestellt, wie sie vor der Vergewaltigung ist. Sie ist nicht unbedingt eine Sympathieträgerin und doch stellt die Autorin damit auch etwas klar: das, was Emma geschehen ist, darf niemanden geschehen, egal wem, egal wer, egal wie sie sich gibt, niemand darf etwas gegen den Willen des anderen tun. Ob sie durch ihre Kleidung provoziert und reitzt oder für manch einen eine direkte Einladung dadurch geben kann, ohne Einwilligung ist es ein Nein.
Ich mochte Emma auch nicht unbedingt, denn immer wieder ist in Emmas Gedanken eines für sie wichtig: sie selbst. Auch wenn sie nach aussen hin sich großzügig gibt und freundlich, ist sie immer auf eines aus: fishing for compliments. Doch mal ganz ehrlich, zeigt dies wirklich nur wie egoistisch Emma ist? Oder ist da tief in ihrem inneren vielleicht auch die unsichere Emma, die zu Hause doch eher im Schatten des großen Bruders steht. Das sie schön ist, hilft ihr nach aussen hin und sie sucht nahezu überall und bei jedem die Bestätigung, doch ist sie dadurch wirklich diese egoistische Person? Emma hat mich ganz schön nachdenklich gemacht und das durchweg. Ich habe versucht, mich in ihre Lage zu versetzen und ich hätte sie gerne verteidigt, da dies wohl niemand wirklich tun möchte.
Alles in allem macht Louise O’Neill mit ihrer Geschichte hier ganz deutlich klar, dass es bei diesem Thema auch heute noch absolut ungerecht zugeht. Hier werden die Opfer- und Täterrollen wieder einmal vertauscht. O’Neill zeigt, wie es sein könnte, wie sehr das Opfer leidet, wie sehr aber auch ihre Familie leidet. Ob ich das Verhalten der Familie billige oder nicht, ist eine andere Sache, ich möchte es inhaltlich auch nicht noch mehr vertiefen, da ich durch meine Meinung schon mehr spoiler, als ich wollte. Alles in allem ist hier so gut wie niemand, dessen Verhalten ich wirklich unterstützt hätte, Conor und auch Emmas Bruder vielleicht, aber wo sind die Freundinnen, die Eltern, ganz besonders die Mutter. Durch all diese Verhalten der anderen, das Mobbing, das Ausgrenzen, die Worte: du wolltest es doch, du hast das herausgefordert, zeigt O’Neill, warum auch heute noch kaum Anzeigen von Opfern erstattet werden.
Mein Fazit
Ich glaube, ich habe zu viel und doch zu wenig in meine Rezension eingebracht, meine Gedanken schlagen nach wie vor Salto, wenn ich über das Gelesene wieder nachdenke. Ich habe Emmas Geschichte erst einmal sacken lassen müssen und finde nach wie vor nicht die richtigen Worte für meine Gedanken. Ich persönlich fand die Worte der Autorin genau richtig gewählt, sie ist schonungslos und direkt und ich hoffe, dass sie mit diesem Buch noch einige Leser erreichen wird.

Veröffentlicht am 29.08.2018

Pageturner

Eiskalte Freundschaft - Ich werde nie vergessen
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“Maria Weston möchte mit dir befreundet sein”, so lautet die Nachricht, die Louise völlig aus dem Konzept bringt. Denn die Freundschaftsanfrage auf Facebook kommt nicht von irgendeiner Bekannten, sondern ...

“Maria Weston möchte mit dir befreundet sein”, so lautet die Nachricht, die Louise völlig aus dem Konzept bringt. Denn die Freundschaftsanfrage auf Facebook kommt nicht von irgendeiner Bekannten, sondern von einem Mädchen, das vor über 25 Jahren spurlos verschwand. Es war der Abend der Schulabschlussfeier und jeder glaubte, dass Maria sich selbst umgebracht hätte. Allerdings weiß Louise mehr über das Geschehen damals, als sie je irgendeinem anvertraut hat. Doch scheinbar weiß es doch noch jemand anderes. Wer verbirgt sich hinter dem Profil? Und was genau weiß derjenige? Oder lebt Maria etwa wirklich noch?
Meine Meinung

Das Cover wirkt sehr unscheinbarund hier war es tatsächlich eher der Titel, der mich zu diesem Thriller greifen ließ. Zum Glück, denn ich habe dieses Buch in kürzester Zeit verschlungen, so spannend war dieser.
Laura Marshall schafft es, mich von der ersten Seite an, an ihre Geschichte zu fesseln. Sie schreibt spannend und mitreißend und man begibt sich teilweise auf eine Zeitreise, bei der man schon fast das Gefühl hatte, seine eigenen Teenagerjahre mitzuerleben. Ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen und habe es bis tief in die Nacht hinein gelesen, um zu erfahren, was wirklich geschehen ist.
Die Tempo wird hier durch viele Plottwists, Cliffhangern an Kapitelenden und den Rückblenden in die Vergangenheit aufrecht gehalten. Die Autorin arbeitet hier mit dem Thema Mobbing und Louise hat in ihrer Teenagerzeit etwas getan, auf das sie heute alles andere als Stolz ist. Durch die Rückblicke auf die vergangenen Tage hatte man immer wieder Bilder vor Augen, wie es zur eigenen Schulzeit war und das machte die Geschichte absolut lebendig. Hier passiert einfach auch ständig etwas, so dass keinerlei Länge oder gar Langeweile aufkam. Auch gab es hier eine ganze Menge Gelegenheiten, selbst Thesen aufzustellen, wer dahinter stecken könnte, aber ich wurde immer wieder in die Irre geleitet. Tempo, Wendungen, Überraschungen und eine gut durchdachte, spannende Story – Herz, was willst du mehr bei einem Thriller?!
Aus der Sicht der Protagonistin Louise wird der Thriller in der Ich-Form erzählt. Genau das macht es auch aus, dass man hier ganz dicht am Geschehen bleibt, der Adrenalinspiegel ständig steigt und sich direkt in die Protagonistin versetzen kann. Ich habe hier beinahe am eigenen Leib erfahren, wie sie sich fühlt und mit welchen Ängsten sie umgehen muss. Allerdings habe ich einen kleinen Zweifel gehabt, nämlich ob sie für die damalige Tat heute wirklich noch hätte belangt werden können. Aber das ist wirklich schon ein Jammern auf ganz hohem Niveau, denn ansonsten habe ich die Geschichte verschlungen.
Louise ist mir sehr sympathisch, eine bodenständige Frau und Mutter eines vierjährigen Jungen. Allein dadurch konnte ich mich durchaus mit ihr identifizieren. Aber auch sonst fühlte ich mit ihr mit, z. B. in der Schulzeit. Denn wer kennt sie nicht, die Schulschönheiten, die bei allen beliebt sind und wenn man mit diesen nicht gut Freund ist, hat man es alles andere als leicht. Mit genau diesen muss sich auch Louise während ihrer Schulzeit auseinandersetzen und um “beliebt” zu sein, macht sie Dinge, die sie eigentlich nicht tun würde, wären da nicht die anderen. Heute bereut sie diese Handlung und doch kann sie sie auch nicht vergessen und hat große Schuldgefühle. Genau diese Schuldgefühle machen sie wiederum zu einem sehr leichten Opfer.
Doch nicht nur Protagonistin Louise ist hier klar gezeichnet, sondern auch alle Nebencharaktere konnten mich überzeugen. Sei es die neue Schülerin Maria, die Dank Gerüchten zum Mobbingopfer wird, sei es der Exmann Sam, den Louise schon aus der Schulzeit kennt oder der kleine Sohn Henry. Ich habe von jedem Einzelnen ein klares Bild vor Augen und fand sie facettenreich dargestellt und authentisch.
Mein Fazit

Ein Debütthriller mit einem Thema, das wohl leider immer aktuell zu sein scheint. Mit viel Tempo, tollen Twists und Cliffhanger rast man geradezu durch das Buch und ich war so in dieser Geschichte versunken, dass ich alles um mich rum vergessen hatte. Glaubwürdig, authentische Charaktere und eine lebendige Handlung sorgen für absolut spannende und unterhaltsame Lesestunden. Nach diesem Debüt bin ich unheimlich gespannt auf weitere Bücher der Autorin. Absolute Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 25.08.2018

Adrenalin pur

D.I. Helen Grace: Blinder Hass
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Achtung, Teil 7 einer Reihe - leichte inhaltliche Spoiler zum Vorgänger.

Nachdem sich Helen Graces Unschuld heraus gestellt hat und sie nach drei Monate im Gefängnis entlassen wurde, ist sie zurück auf ...

Achtung, Teil 7 einer Reihe - leichte inhaltliche Spoiler zum Vorgänger.

Nachdem sich Helen Graces Unschuld heraus gestellt hat und sie nach drei Monate im Gefängnis entlassen wurde, ist sie zurück auf ihrem alten Posten. Doch diese Zeit ist nicht spurlos an ihr vorbei gegangen und sie ist ihren Kollegen, allen voran DS Sanderson, gegenüber sehr misstrauisch. Doch dann wird sie auf dem Weg zur Arbeit beinahe Zeugin eines skrupellosen Überfalls, bei dem eine junge Frau getötet wurde. Kaum sind die Ermittlungen zu diesem Fall auf Touren, kommt es schon zu dem nächsten Überfall auf einen Apotheker. Schnell ist klar, die Fälle hängen zusammen und es sieht nach einem regelrechten Rachefeldzug aus. Nun heißt es doch für Grace und ihr Team zusammenzuhalten, denn sie müssen herausfinden, was die Täter antreibt und ob und wo sie wieder zuschlagen werden.
Meine Meinung
Ein sehr düsteres Cover ziert den neuen Thriller des Autors Matthew J. Arlidge und allein dieser Name reicht schon aus, um mich auf das Buch neugierig zu machen.
Dieses Mal war ich besonders gespannt darauf, wie es weitergehen wird mit D.I. Helen Grace, denn die Erfahrungen aus dem vorherigen Band mussten ja auch verarbeitet werden, aber dazu später mehr.
Hier gelingt wieder einmal der Einstieg besonders leicht, denn man befindet sich umgehend im Geschehen und ist sofort bei der Sache. Wie immer schreibt Arlidge sehr direkt und temporeich und dadurch wird man auch gleich an die Seiten des Thrillers gefesselt.
Die sehr kurzen Kapitel und die ständig wechselnden Perspektiven sorgen für ganz viel Tempo. Es kommt zu unvorhersehbaren Wendungen und Überraschungen und das macht das Geschehen lebendig und glaubwürdig. Die Handlung spiegelt nur einen einzigen Tag wieder und das macht diesen grausigen Amoklauf noch klarer und eindringlicher. Dadurch, dass der Leser auch immer wieder kurz Opfer oder andere Personen des Geschehens kennenlernt, wird es noch erschreckender, denn die Opfer sind Menschen wie du und ich. Alles in allem erhält der Leser hier nur wenige Momente, in denen er zum Luft holen kommt und das Adrenalin sinkt. Dadurch wird der Thriller wieder einmal zu einem wahren Pageturner, der erst zur Ruhe kommen lässt, wenn man am Ende ankommt.
Der Fall ist sehr grausam und doch auch recht nah an der Realität. Man kann sich durchaus vorstellen, dass es so oder so ähnlich passieren kann. Oft genug haben reale Ereignisse gezeigt, dass Arlidge hier nicht weit von der Realität bleibt. Stattdessen macht er, wie oben erwähnt, klar, dass es jeden treffen kann und er erläutert durchaus auch, wie es dazu kommen kann.
Wie auch sonst ist D.I. Helen Grace die Protagonistin, doch man spürt ihr dieses Mal deutlich an, dass die vorausgegangenen Ereignisse Spuren bei ihr hinterlassen haben. Die sonst so toughe und loyale D.I. hat hier häufiger mit Momente der Vergangenheit, die in ihrem Kopf herumspuken, zu kämpfen. Das machte sie mir aber noch ein Spur menschlicher und glaubwürdiger. Auch DS Sanderson leidet hier deutlich an ihren früher getroffenen Entscheidungen. Auch Reporterin Emilia Garanita, bei der ich mir bis heute nicht sicher bin, ob ich sie überhaupt mag, muss sich dank falscher Entscheidungen neu behaupten. Tatsächlich lernt man in diesem Band sogar ein wenig eine andere Seite von ihr kennen.
Gefallen haben mir hier auch wieder die Einblicke, die der Leser von den Tätern erhält. Diese mögen auf den ersten Blick recht stereotypisch sein, wirken dadurch aber auch wieder glaubhaft.
Mein Fazit
Wer die vorherigen Thriller aus der Feder des Autors Matthew J. Arlidge mochte, wird auch hier wieder seine wahre Freude beim Lesen haben. Spannend, voller Tempo und Adrenalin, zum Mitfiebern und Nachdenken, zeigt dieser Thriller einmal mehr, wie gut dieser Autor schreiben kann. Ich hatte wieder ein paar spannende Lesestunden, in denen ich das Buch nicht aus der Hand legen wollte. Wie immer: Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 25.08.2018

Von der ersten Seite an fesselnd

Der Schatten
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Nach der Trennung von ihrem Lebensgefährten zieht die Journalistin Norah von Berlin nach Wien. Hier will sie unter ihrem alten Leben einen Schlussstrich ziehen und die Vergangenheit hinter sich lassen. ...

Nach der Trennung von ihrem Lebensgefährten zieht die Journalistin Norah von Berlin nach Wien. Hier will sie unter ihrem alten Leben einen Schlussstrich ziehen und die Vergangenheit hinter sich lassen. Doch schon am ersten Tag auf dem Weg zu ihrer neuen Arbeit, macht sie eine seltsame Begegnung. Eine alte Bettlerin macht ihr eine Prophezeigung, die ihr nicht mehr aus dem Kopf geht. Am elften Februar wird sie gegen 22.00 Uhr im Wiener Prater einen Mann namens Arthur Grimm töten. Norah ist aufgewühlt und die Worte gehen ihr nicht mehr aus dem Kopf. Sie macht sich auf die Suche nach der alten Frau und auch nach Arthur Grimm und je mehr sie herausfindet, desto mehr scheint das alles mit einer Sache aus Norahs Vergangenheit zu hängen.
Meine Meinung
Ein schlichtes Cover, das trotzdem es weiß ist, auch ein wenig düster und unheimlich wirkt. Es wäre mir vielleicht nicht gleich aufgefallen, aber da ich bereits die vorherigen Werke der Autorin mochte, wäre spätestens der Name auf dem Cover ein Grund für mich, zu dem Buch zu greifen.
Der Einstieg in diesen Thriller gelingt sehr gut, man ist gleich mitten im Geschehen und erfährt auch schon ein wenig über die Protagonistin. Melanie Raabes Schreibstil ist absolut gelungen, denn sie schafft es eine Atmosphäre mit ihren Worten aufzubauen, bei der man das Gefühl hat, gleich mittendrin im Geschehen zu sein. Man spürt hier die gesamten Emotionen der Protagonistin und fühlt mit ihr die Hoffnung auf einen Neubeginn, die einsetzende Verwirrung, dann Beklemmung bis hin zu Angst. Ich war wieder von der ersten bis zur letzten Seite dieses Buches gefesselt und konnte es einfach nicht aus der Hand legen.
Durch diese dichte Atmosphäre wird auch die Spannung hoch gehalten, zwar ist es zu Beginn noch ruhig, doch das ändert sich sehr schnell, denn spätestens ab dem Moment der Prophezeiung will man einfach nur wissen, was da nun hintersteckt. Immer wieder gibt es neue Wendungen und Überraschungen für den Leser und man weiß am Ende nicht mehr, was wahr ist und was nicht. Man ist hier beinahe wie die Protagonistin im Taumel zwischen Realität und Verwirrung und das hat mich absolut in Atem gehalten.
Zu der Story an sich möchte ich eigentlich gar nicht so viel verraten, denn man stößt hier immer wieder auf neue Überraschungen, die die Spannung steigern. Durch den Erzähler in dritter Person bleibt man zwar ein wenig der Beobachter, aber durch die geschickt eingesetzte Sprache kann man hier absolut nachempfinden, wie sich Norah fühlt.
Norah ist eine genau gezeichnete Protagonistin, von der man ein sehr ausgefeiltes Bild erhält. Sie scheint stark und mutig und sie setzt sich für andere, insbesondere für Frauen, ein. Doch so nach und nach spürt man, dass auch sie etwas mit sich trägt, etwas aus ihrer eigenen Vergangenheit, was sie bis heute nicht losgelassen hat. Trotzdem ist sie eine bewundernswerte Frau mit dem Herz am rechten Fleck, auch wenn sie manchmal aus dem Bauch heraus reagiert. Neben Norah gibt es noch ein paar wenige Nebencharaktere, die aber deutlich blasser bleiben als die Protagonistin. Trotzdem bekommen sie soviel Leben eingehaucht, dass man ein klares Bild von ihnen erhält, wie z. B. ihren Freunden Max und Paul.
Mein Fazit
Absolut atmosphärisch und spannend erzählt, so dass ich hier ganz dicht an der Protagonistin Norah blieb und ihre Gefühle beinahe schon live miterleben konnte. Eine Story, die mit vielen Überraschungen und Wendungen daher kommt und mit deren Ende ich gar nicht gerechnet hätte. Melanie Raabe konnte mich wieder einmal mit ihrem Thriller in Atem halten und begeistern. Wer Bücher mit viel Spannung mag, sollte unbedingt zu den Büchern der Autorin Melanie Raabe greifen. Mich hat dieses Buch von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt.