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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.09.2018

Im Grenzgebiet von Südkorea

Ein Winter in Sokcho
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Elisa Shua Dusapins Roman „Ein Winter in Sokcho“ ist ein einzigartiges Werk. Es wurde von Andreas Jandl übersetzt.
Sokcho ist ein kleiner Küstenort in Südkorea, kurz vor der Grenze nach Nordkorea.

Die ...

Elisa Shua Dusapins Roman „Ein Winter in Sokcho“ ist ein einzigartiges Werk. Es wurde von Andreas Jandl übersetzt.
Sokcho ist ein kleiner Küstenort in Südkorea, kurz vor der Grenze nach Nordkorea.

Die Protagonistin und Erzählerin ist eine junge Angestellte in einer Pension. Sie hat eine koreanische Mutter und einen französischen Vater. Das hat sie mit der Autorin gemein. Die Geschichte spielt im Winter. Ein neuer Bast ist ein französischer Comiczeichner. Er sucht die Stille in Sokcho.
Die Protagonistin beobachtet den Zeichner bei der Arbeit.
Die Dialoge zwischen ihnen sind interessant. Sie sind beide etwas einzigartig. Auch die Mutter der Protagonistin ist ein Unikum.

Die Autorin zeigt uns das beschauliche Küstenstädtchen mit ihren Bewohnern, viele sind Fischer. Es ist eines der Orte, aus denen die jungen Leute wegziehen.

Ein Buch in dem mehr drin steckt als man denkt, es lohnt sich, es zu lesen.
Es ist gute Literatur.

Veröffentlicht am 07.09.2018

Ernst und bewegend

Loyalitäten
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Die französische Autorin Delphine de Vigan ist eine meiner Lieblingsschriftstellerin. Sie greift Probleme Jugendlicher und Kinder auf. Die Übersetzerin ihrer Romane ist Doris Heinemann.

Ihr neuer Roman ...

Die französische Autorin Delphine de Vigan ist eine meiner Lieblingsschriftstellerin. Sie greift Probleme Jugendlicher und Kinder auf. Die Übersetzerin ihrer Romane ist Doris Heinemann.

Ihr neuer Roman Loyalitäten beschreibt ein bedrückendes Thema. Es geht um den 12jährigen Theo, ein Scheidungskind, dessen Eltern ihn nicht unterstützen. Es ist erschütternd mit welchen Problemen der Junge konfrontiert wird.
Die Lehrerin Helene bemerkt eine Veränderung, schafft es aber nicht bei den Kollegen Unterstützung zu bekommen, wird sogar gestoppt.
Theos Freund Mathis macht sich um ihn Gedanken, will ihn auch nicht verraten und alles weiß auch er nicht.
Der Roman wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt. So bekommen wir das Dilemma direkt mit. Am liebsten würde ich eingreifen.

Delphine de Vigan versteht es mit Sensibilität diese Geschichte an uns Leser zu leiten. Ich bin beeindruckt.
Mit seinen 180 Seiten ist der Roman kurz, aber er hat es in sich. Ein Roman der lange im Gedächtnis bleibt.

Veröffentlicht am 02.09.2018

Vögel hautnah

Das Vogelhaus
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Die niederländische Autorin Eva Meijer hat für „Das Vogelhaus“ den Leserpreis des BNG-Literaturpreises gewonnen. Sie schreibt über das Leben der Vogelkundlerin Len Howard, die von 1894 bis 1973 in England ...

Die niederländische Autorin Eva Meijer hat für „Das Vogelhaus“ den Leserpreis des BNG-Literaturpreises gewonnen. Sie schreibt über das Leben der Vogelkundlerin Len Howard, die von 1894 bis 1973 in England lebte.

Schon als Kind beobachtet Len die Vögel. Sie stammt aus einer musischen Familie, sie spielt Geige. Ihr Vater ist Dichter. Len geht nach London und spielt in einem Orchester. Bei der Musik ist sie glücklich, aber in der übrigen Zeit ist es ihr zu laut und die Gespräche ihrer Kollegen stoßen sie ab.
Sie findet in einem kleinen Ort ein Haus mit Garten und kauft es. Jetzt lebt sie mit den Vögeln, sie beobachtet deren verschiedenen Charaktere und schreibt Abhandlungen, die sie an Zeitungen verkauft.

Beim Lesen, wie Len sich mit den Vögeln befasst und wie sie zutraulich werden, sehe ich sie genau vor mir.

Eva Meijer versteht es diese Eindrücke ruhig und sensibel an uns Leser weiter zu geben. Es ist schön, das durch diesen Roman, die fast vergessene Len Howard wieder entdeckt wurde. Ein leises Buch, das doch interessant ist.


Veröffentlicht am 30.08.2018

Spannend

Wie hoch die Wasser steigen
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Anja Kampmanns Debütroman „Wie hoch die Wasser steigen“beschreibt die Ruhelosigkeit eines Mannes, der auf einer Ölplattform arbeitet.

Der Pole Waclac Groszak ist 52 Jahre alt, als sein Freund und Kollege ...

Anja Kampmanns Debütroman „Wie hoch die Wasser steigen“beschreibt die Ruhelosigkeit eines Mannes, der auf einer Ölplattform arbeitet.

Der Pole Waclac Groszak ist 52 Jahre alt, als sein Freund und Kollege Mathyas bei einem Sturm von der Ölplattform verschwindet. Der war Waclac ein wichtiger Anker.
Waclac ist durch den Verlust arbeitsunfähig. Er macht sich mit Mathyas Seesack auf den Weg um ihn dessen Schwester zu bringen.
Anja Kampmann lässt uns an Waclacs Zerrissenheit und seinen Emotionen teilnehmen. Auf seiner Reise erfahren wir von den schonungslosen Arbeitsbedingungen der Wanderarbeiter. Die Entwurzelung und Entfremdung der Familie, ist der Preis dieser Arbeit.

Der Autorin ist es gut gelungen, die Gedanken und Sehnsüchte des Mannes in sensibler Sprache an uns Leser weiter zu geben.

Dieser Roman ist auf der Longlist des Deutschen Buchpreises. Ich drücke ihm und der Autorin die Daumen.

Veröffentlicht am 18.08.2018

Was für ein Leben

Das rote Adressbuch
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Sofia Lundberg, arbeitet in Stockholm als Journalistin.
Der Roman Das rote Adressbuch ist ihr Debütroman, das von Kerstin Schöps übersetzt wurde.

Doris ist 96 Jahre alt. Sie lebt allein und einsam, nur ...

Sofia Lundberg, arbeitet in Stockholm als Journalistin.
Der Roman Das rote Adressbuch ist ihr Debütroman, das von Kerstin Schöps übersetzt wurde.

Doris ist 96 Jahre alt. Sie lebt allein und einsam, nur der Pflegedienst besucht sie täglich. Sie hat nur noch eine Verwandte, die Großnichte Jenny in San Francisco. Für sie, will sie Namen aufarbeiten, hinter fast jedem steht ein Wort, tot. Sie sollen nicht vergessen werden. So reist sie zurück in die Vergangenheit.
Von ihrem Vater bekam sie das rote Adressbuch zum Geburtstag. Der Vater starb als sie 10 Jahre alt war. Schnell war ihre Kindheit vorbei. Erst wird sie Hausmädchen in Stockholm, dann geht es nach Paris und sie wird Mannequin bei Chanel. Der Krieg und die Liebe führt sie nach New York. Zurück kommt sie über London, zurück nach Stockholm.

Der Roman zeigt ein ganzes bewegtes Frauenleben. Sofia Lundberg gibt der Geschichte einen liebevollen Hintergrund. Ich kann alles gut nachvollziehen.
Es hat ungemeinen Spaß gemacht Das rote Adressbuch zu lesen. Es lies sich flott, ein echtes Lesevergnügen.