Profilbild von smartie11

smartie11

Lesejury Star
offline

smartie11 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit smartie11 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.09.2018

Eine kleine literarische Perle – gekonnt erzählt und in Szene gesetzt

Königskinder
0

„Dann wird es still in der Nacht, und dann endlich geschieht es, weil die Musik die Barrikaden seiner Seele geschleift hat, dass Jakob niedersinkt und erstmals seit dem Abschied von Marie seinen Tränen ...

„Dann wird es still in der Nacht, und dann endlich geschieht es, weil die Musik die Barrikaden seiner Seele geschleift hat, dass Jakob niedersinkt und erstmals seit dem Abschied von Marie seinen Tränen freien Lauf lässt.“ (S. 117)

Meine Meinung:
Auf einem Alpenpass, mitten im Schneegestöber, bleiben Max und Tina mit ihrem Auto liegen. Eine lange, einsame, kalte und dunkle Nacht im Auto steht ihnen beiden bevor und Max beginnt, Tina die Geschichte von Jakob Boschung und Marie-Francoise Magnin zu erzählen, die sich in diesem abgelegenen Teil der Alpen vor mehr als 200 Jahren genau so zugetragen haben soll…

Alex Capus versteht es wirklich, Geschichten zu erzählen! Seine Idee, eine Geschichte in einer Geschichte zu verpacken, ist zwar nicht neu, gefällt mir aber sehr gut und ist sehr gelungen umgesetzt. Seine Protagonisten mochte ich von Anfang. In der Gegenwart haben wir das Ehepaar Max und Tina, die sich in den großen Fragen des Lebens schon immer einig waren, bei den kleinen Dingen des Alltags aber meist in Diskussionen und kleine Streitereien verfallen. Ganz herrlich alltäglich ist beispielsweise ihre Disput darüber, wann man die Scheibenwischer anzustellen hat (und wann eben nicht). Doch auch wenn die beiden sich immer wieder kabbeln, merkt man doch im Verlauf der Geschichte, wie nah sie sich sind und wie liebevoll sie auch nach den vielen gemeinsamen Jahren noch immer miteinander umgehen können. Da sind diese kleinen Gesten, Berührungen und die Gabe, sich auch ohne Worte zu verstehen. Wunderbar.

In der Vergangenheit dreht sich diese Geschichte um den einsamen Kuhhirten Jakob, der schon früh seine ganze Familie verloren hat, und die selbstbewusste Marie-Francoise Magnin, die Tochter des reichsten Bauern im Tal. Capus erzählt die Geschichte ihres Lebens und verwebt sehr gekonnt historische Fakten und Persönlichkeiten mit seiner fiktiven Story und gibt dem Schicksal von Jakob und Marie somit einen realen Rahmen. Der Leser erfährt etwas von den Kinderschuhen der Luftfahrt, als die Gebrüder Mongolfier ihren ersten Ballon steigen lassen , von den erheblichen Umweltbelastungen durch den Ausbruch des Vulkans Laki oder auch von den dramatischen Vorwehen der französischen Revolution. Dabei zeichnet er Bilder der damaligen Zeit, die nichts mit der so weit verbreiteten verklärten Romantik zu tun haben. Das Schloss Versailles ist zu dieser Zeit eben nicht das strahlende Märchenschloss, sondern ein von Ruß geschwärztes, stellenweise verkommenes Bauwerk, umgeben von verwilderten Parkanlagen und bewohnt von einem Adel, der schon längst die Verbindung zur Realität verloren hat – und alle Sitten und den Anstand noch dazu.

Es ist eher eine Geschichte der leisen Töne, die Capus hier durch Max erzählt und ich mag Max´ Art zu erzählen und Tinas´ Art, mal kritisch, mal sehr interessiert nachzufragen. Das sorgt für Abwechslung und Unterhaltung. Capus verfügt dabei über einen unglaublich eingängigen, leichten und poetischen Schreibstil und einen ganz wunderbaren, meist unaufdringlichen Humor („Ich werde froh sein, wenn du eingeschlafen bist, dann kann ich besser erzählen.“ - S. 36). Darüber hinaus würzt Capus seine Geschichte immer wieder mit Worten, die mir neu sind und die ganz hervorragend zu dieser Geschichte passen und ihr einen eigenen Charakter verleihen, wie etwa „vergandete Äcker“, die „mesmerisierte Marie“ oder auch eine „neoalemannische Alpenhelvetik“ (S. 156).

Nur mit dem Ende der Geschichte war ich zuerst ein wenig unzufrieden, kam es für meinen Geschmack doch viel zu schnell, ja fast schon überstürzt daher. Man hätte beinahe das Gefühl haben können, Capus hätte die Lust am Schreiben verloren und seine Geschichte möglichst fix beenden wollen. Je länger ich aber darüber nachgedacht habe, desto besser hat das Ende der Geschichte um Jakob und Marie zum Ende der Geschichte von Max und Tina gepasst – denn ein ganz besonderer Zauber war verflogen.

Alles in allem aber ein Buch, das mich ganz wunderbar unterhalten hat!

FAZIT:
Ein ganz wunderbar erzähltes Kleinod der modernen Literatur.

Veröffentlicht am 22.08.2018

Ein Buch zum Augen öffnen und Nachdenken – eine klare Leseempfehlung für alle, die mit Kindern zu tun haben

Die Weisheit der Kinder
0

„Dieses Buch soll deshalb ein Kinder-Versteher-Buch sein.“ (S. 10)

Meine Meinung:
Erziehungsratgeber gibt es ja inzwischen wie Sand am Meer. Autor Udo Baer, Vorsitzender der „Stiftung Würde“ und Gründer ...

„Dieses Buch soll deshalb ein Kinder-Versteher-Buch sein.“ (S. 10)

Meine Meinung:
Erziehungsratgeber gibt es ja inzwischen wie Sand am Meer. Autor Udo Baer, Vorsitzender der „Stiftung Würde“ und Gründer der „Zukunftswerkstatt therapie kreativ“, hat sich mit seinen vorangegangenen Büchern in Sachen „Gefühle“ und „Würde“ einen Namen auf dem Sachbuchmarkt gemacht. Umso gespannter war ich auf „Die Weisheit der Kinder“. Bereits im Vorwort findet Udo Baer für meinen Geschmack überzeugende Worte: „Das, was wir Erwachsene als kindliches Lernen bezeichnen, ist ein immerwährendes Bemühen um Verstehen und Verständnis. (…) Umso wichtiger ist es, dass auch wir Erwachsene uns darum bemühen sollten, Kinder zu verstehen“ (S. 9). Gerade dieser letzte Satz ist für mein Empfinden ungeheuer wichtig und gibt schon einen guten Ausblick, in welche Richtung dieses Buch geht.

Das Buch ist aufgeteilt in drei Segmente. Im ersten Teil, „Kinder verstehen“ (S. 13 – 138), skizziert der Autor in 39 kurzen und kurzweiligen Kapiteln die unterschiedlichsten Verhaltensweisen und –muster, die Kinder so an den Tag legen können. Jeder, der regelmäßig mit Kindern zu tun hat (sei es privat und / oder beruflich) wird hier sicherlich Einiges wiedererkennen (so wie ich auch). Es geht beispielsweise um die scheinbar grenzenlose kindliche Neugier, um das unterschiedliche „Zeiterleben“ zwischen Kindern und Erwachsenen, Besserwisserei oder auch das Einnässen. Jedes dieser Themen beginnt der Autor mit Fallbeispielen („Kinderszenen“), erklärt die Hintergründe („Verstehen“) und den tieferen Sinn, der dahinter stecken kann („Leid, Sinn, Weisheit“). Selbstverständlich sind dies keine „Universallösungen“, sondern mögliche Erklärungsansätze – aber sicherlich sind Baers Tipps es wert, ausprobiert zu werden! Der Kernaspekt ist dabei, den Leser dazu anzuregen, darüber nachzudenken, was das Kind wohl mit seinem Verhalten spiegeln will (ob nun bewusst oder unbewusst). Das kann manchmal überraschend einfach sein, manchmal aber auch sehr komplex.

Es schließt sich ein Teil mit „14 Empfehlungen für Eltern und andere Erwachsene“ (S. 141 – 161) an, sozusagen die „Kernessenz“ aus den vorangegangenen 39 kurzen Kapiteln. Vieles hiervon erscheint sicherlich auf den ersten Blick als selbstverständlich – ist es im Alltag nur leider nicht immer. Umso wichtiger ist es, dass der Autor dies den Lesern noch mal prägnant vor Augen führt. Das Buch schließt mit dem Kapitel „Welche Geschenke Kinder brauchen“ (S. 162 – 173). Selbstverständlich geht es hier nicht um materielle Geschenke, sondern darum, wie wir mit unseren Kindern umgehen, ihnen begegnen sollten.

Ich kann gar nicht beurteilen, ob Udo Baer in diesem Buch viele neue Erkenntnisse präsentiert. Das ist für meinen Geschmack aber auch eher zweitrangig, denn das Wichtigste überhaupt schafft er mit seinem Buch (bei mir) auf jeden Fall: Mich zum Nachdenken und zur Selbstreflektion anzuregen. Denn an vielen Stellen bietet er auch Fragen / Hinweise zum konkreten Reflektieren des eigenen Verhaltens bzw. der eigenen Erfahrungen an.

Besonders gut gefallen haben mir die vielen prägnanten und einprägsamen Sätze gefallen, die sich quer durch das ganze Buch verteilt finden. Hier ein paar Beispiele:
„Wer still ist, kann innerlich voller Lärm sein.“ (S. 17)
„Aber es gibt kein »zu viel« kindlicher Neugier.“ (S. 22)
„Gegen Druck hilft Drücken.“ (S. 84)
„Wenn Erwachsene offen und neugierig dem Spielen der Kinder zusehen, erhaschen sie einen Blick in die tiefsten Seelen der Kinder.“ (S. 103)
„Kinder haben also oft keine Worte, uns Erwachsenen das mitzuteilen, was sie bewegt.“ (S. 142)

Meine Empfehlung: Nehmen Sie sich nur einen Nachmittag (oder Abend / oder Vormittag) Zeit, und lesen Sie dieses Buch! Selbst wenn man nur ein paar der Kernthesen verinnerlicht, hat man schon den ersten Schritt in Richtung zu mehr Verständnis geschafft!


FAZIT:
Ein Buch zum Augen öffnen und Nachdenken – und bestens investierte rd. vier Lesestunden für ein besseres Miteinander mit den Kindern!

Veröffentlicht am 22.08.2018

Ein moderner Top-Thriller & der bislang beste Band der „Orphan-Reihe“!

Rache der Orphans
0

Meine Meinung:
„Die Rache der Orphans“ ist nach „Orphan X“ (1) und „Projekt Orphan“ (2) der dritte Band des US-amerikanischen Bestseller-Autors Gregg Hurwitz über Evan Smoak, den „Nowhere Man“. Aufgrund ...

Meine Meinung:
„Die Rache der Orphans“ ist nach „Orphan X“ (1) und „Projekt Orphan“ (2) der dritte Band des US-amerikanischen Bestseller-Autors Gregg Hurwitz über Evan Smoak, den „Nowhere Man“. Aufgrund der vielen Verwebungen mit den Vorgängerbänden ist es m.E. sehr empfehlenswert, zunächst die (ebenfalls sehr guten!) ersten beiden Teile zu lesen.

Inhaltlich knüpft dieser Band eher an Band 1 als an Band 2 an – und diesmal wird es für den Einzelkämpfer Evan sehr, sehr persönlich. Die Geschichte entwickelt sich nach einem dramatischen Beginn rasant und voller Action & Spannung. Wie bei einem klugen Schachspiel nimmt Hurwitz dabei bekannte Figuren aus dem Spiel und bringt Neue wieder hinein. Das sorgt nicht nur bei Evan, sondern auch bei mir als Leser für Überraschung und stellenweise Gefühlschaos. Denn lange Strecken zweifelt man an den wahren Absichten mancher Charaktere, ist nahezu paranoid. Und selbstverständlich hält der Autor im Verlauf der Story mehr als eine faustdicke Überraschung für seinen Protagonisten und seine Leser bereit. Kombiniert mit einem sehr hohen Spannungslevel, jeder Menge Action und zahlreichen technischen wie strategischen Finessen ergibt sich so ein absoluter Page-Turner, den man gar nicht mehr aus der Hand legen mag. Ein moderner Top-Thriller in Reinkultur!

Wie gewohnt sind die Charaktere eine weitere große Stärke dieser Reihe. Allen voran natürlich der Protagonist Evan Smoak alias „Orphan X“ oder auch „The Nowhere Man“. Er ist ein Held, wie ich ihn mag: Gradlinig, zuverlässig, bestens ausgebildet, extrem schlagkräftig, hoch gefährlich und doch mit einer großen Portion Herz. Ein Minimalist, dessen einzige Leidenschaft sehr teure Vodkas sind. In seiner Art eine moderne Version von Robin Hood, Zorro & Co., der seine gesamten Mittel und sein ganzes Können zum Wohle von in Not geratenen Personen einsetzt („Finde jemand, der mich braucht. Gib ihm meine Nummer.“). Aber auch die weiteren Charaktere sind dem Autor für meinen Geschmack sehr gut gelungen, sei es die zunächst undurchsichtige Joey, die mit ihren Talenten immer wieder zu überraschen und durch kodderig-freche und messerscharfe Sprüche zu unterhalten weiß oder auch der altbekannte Van Sciver, in seinem gesamten Wesen ein perfektes „Gegenstück“ zu Evan Smoak.

Der Schreibstil des Autors passt sehr gut sowohl zur Story als auch zu seinem Protagonisten: Sehr flüssig, präzise und eher nüchtern als blumig. Doch punktuell blitzt auch immer wieder ein oftmals rabenschwarzer Humor oder ein markiger Spruch auf („Das ist meine Superkraft. – Was? – Unterschätzt werden.“ - S. 180), was mir persönlich sehr gut gefallen hat.

FAZIT:
Knallharte Action, extreme Spannung und immer neue Überraschungen – Ein wahrer Page-Turner und einer der besten Thriller 2018!

Veröffentlicht am 14.08.2018

Spannende und sehr atmosphärische High Fantasy – nicht nur für jüngere Leser!

Die Prophezeiung des magischen Steins
0

„Auf dunklen Pfaden irrte ich.
In weiter Ferne zeigte sich,
wie ein Versprechen lockte mich
ein Traum.

So bleiern taub und erdenschwer
Stand ich im fernen Ungefähr.
Es zog mit macht mich zu sich her
Ein ...

„Auf dunklen Pfaden irrte ich.
In weiter Ferne zeigte sich,
wie ein Versprechen lockte mich
ein Traum.

So bleiern taub und erdenschwer
Stand ich im fernen Ungefähr.
Es zog mit macht mich zu sich her
Ein Traum.

Die Schwinge hebt sich, Wind erwacht,
das Silberlaub erzittert sacht,
die Wahrheit wird ans Licht gebracht.
Ein Traum.“ (S. 208)

Meine Meinung:
Dass Stephan M. Rother (u. A.) überzeugende und wortgewaltige High Fantasy für Erwachsene schreiben kann, hat er zuletzt mit den „Königsblut-Chroniken“ eindrucksvoll bewiesen. Nun hat er mit „Die Prophezeiung des magischen Steins“ auch einen High Fantasy Roman für jüngere Leser vorgelegt.

Jahrhunderte nach den letzten Kriegen gegen den dunklen Herrscher Montezuma lebt das Königreich von Güldenthal in Wohlstand und Frieden. Doch letzterer wird immer mehr zu einem Trugschluss, denn hoch im Norden formiert sich eine neue Gefahr, die mitunter tödlicher sein könnte als der legendäre Montezuma selbst. Ausgerechnet den Barden-Lehrling Dafydd wählt das Schicksal aus, um sich auf eine abenteuerliche und höchst gefährliche Mission zu begeben…

Ich habe wunderbar schnell und problemlos in die Geschichte hineingefunden und mich sogleich mit den beiden Hauptcharakteren Dafydd und Prinzessin Livia angefreundet. Die Handlung nimmt sehr schnell an Fahrt auf und die kleine Reisegruppe der so ungleichen Gefährten beginnt ihr Abenteuer, das sie bis an die Grenzen des großen Reiches und darüber hinaus führen wird. Zunächst erzählt der Autor dieses Abenteuer aus der Sicht Dafydds, später kommen zwei weitere Handlungsstränge hinzu, was die Spannung und auch das Tempo auf angemessen hohem Niveau halten.

Man merkt diesem Buch an, dass Stephan M. Rother mit diesem Roman die High Fantasy auch jüngeren Lesern näher bringen möchte. Das Motiv, das er für seine Geschichte ausgesucht hat, ist ein ganz klassisches High Fantasy-Motiv: Eine Mission mit langer und gefahrenvoller Reise, die er spannend und immer wieder überraschend in Szene zu setzen weiß und damit seine Leser bis zu den letzten Seiten in seinen Bann zieht. Zu Beginn hat sein Setting dabei noch eher den Charakter eines klassischen Märchens, doch im Verlauf der Geschichte werden die einzelnen Schauplätze immer phantastischer und atmosphärischer. Sei es Erad´Or, das sagenumworbene Reich des alten Elben-Volkes, oder auch die unwirtliche Eisfestung Montezumas.

Die Charaktere, denen wir auf dieser Reise begegnen, sind höchst unterschiedlich und in größten Teilen wirklich durch und durch sympathisch. Allen voran natürlich Dafydd, der junge (Anti-)Held wider Willen, sowie seine ganz und gar nicht Prinzessin-like Freundin und Thronfolgerin Livia, die sowohl für Jungs als auch für Mädels eine passende Identifikationsfigur bieten. Während der Barde Palatin für die Fantasy-typische Tiefe sorgt, bringen der kleine, ewig hungrige „Knuddel“-Gnom Memphistopheles („Memphy“) und die Zauberin Morgat mit ihren trockenen Sprüchen ("Und ich habe ziemlich lange keinen dermaßen unaufgeräumen Kopf mehr gesehen" - S. 68) gekonnt Spaß und Schwung in die Geschichte, ohne es ins Lächerliche abdriften zu lassen. Sehr geschickt gemacht!

Auch der Schreibstil passt perfekt zu einem rundum gelungenen High Fantasy Werk für jüngere Leser. Er lässt sich flüssig und doch abwechslungsreich lesen und transportiert stets die richtige Atmosphäre. Der sehr wortgewaltigen und blumigen Schreibstil, den ich von Stephan M. Rothers „Königsblut-Chroniken“ kenne und schätze, blitzt hier stellenweise durch die Worte des Zwerges Fhargolf auf.

Alles in allem ein absolut „rundes“ Werk, um jüngeren Lesern das Genre „High Fantasy“ schmackhaft zu machen, aber auch für Erwachsene wie mich ein kleiner Lese-Leckerbissen.

FAZIT:
Ein rundum gelungenes High Fantasy Werk, nicht nur für jüngere Leser ab ca. 12 Jahren, sondern auch für Erwachsene.

Veröffentlicht am 30.07.2018

Weil einfach einfach einfach ist – eine Anregung zum Nach- und Überdenken eigener Probleme

Die Kunst, einfache Lösungen zu finden
0

„Die Bühne unserer wiederkehrenden Probleme ist ganz Offensichtlich die Gegenwart.“ (S. 35)

Meine Meinung:
Sachbuchautor Christian Ankowitsch dürfte vielen Lesern wohl schon von seinen früheren Bestsellern ...

„Die Bühne unserer wiederkehrenden Probleme ist ganz Offensichtlich die Gegenwart.“ (S. 35)

Meine Meinung:
Sachbuchautor Christian Ankowitsch dürfte vielen Lesern wohl schon von seinen früheren Bestsellern ein Begriff sein (u.a. „Mach's falsch, und du machst es richtig“, „Warum Einstein niemals Socken trug“ oder auch „Dr. Ankowitschs Kleines Universal-Handbuch“). Nun legt er mit „Die Kunst einfache Lösungen zu finden“ nach. Schon im Vorwort stellt er klar, dass man sich von diesem Buch keine „Schritt für Schritt-Anleitung“ zur Lösung ganz konkret definierter Probleme erhoffen soll (nach dem Muster „7 Schritte zum Glück“). Auch weist er darauf hin, dass es im Leben Probleme geben kann, die in die Hände von Fachleuten gehören – und nicht von Sachbuchautoren. Dieser Ansatz gefällt mir schon mal außerordentlich gut.

Zunächst startet das Buch mit einem schon fast leidenschaftlichen Plädoyer für „einfache Lösungen“, denn auch komplexe Probleme lassen sich manchmal mit ganz einfachen Mitteln lösen. Dabei verweist er auf die Komplexität des Lebens an sich: „Weil alles mit allem zusammenhängt, braucht es keine großen Strategien. Vielmehr stören schon die beiläufigsten Interventionen die komplexesten Gebilde.“ (S. 58).

Im Folgenden präsentiert Christian Ankowitsch eine Art Werkzeugkiste mit vielen Anregungen und Ideen, wie man mit Problemen umgehen kann. Einer seiner Lösungsansätze ist es zum Beispiel, einfach mal etwas anders zu machen, um die eingespielte Problem-Routine („Problempingpong“ oder auch „Spiel ohne Ende“ nach Paul Watzlawick) zu unterbrechen und damit neue (An-)Sichten zu schaffen. Ein weiterer Ansatz ist die „Kunst der Ignoranz“, nach der man „kleine“ Probleme einfach vergessen soll. Denn wie schon der Komponist Johann Strauss wusste: „glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist“ (S. 89 / aus: „Die Fledermaus“). Oder wie Psychologe Steve de Shazer rät: „Aufschreiben, lesen und verbrennen“ (S. 93).

Sehr interessant fand ich den Abschnitt zum Thema „Frames“ (Rahmen), denn Rahmen beeinflussen unser Denken und Handeln und sind dabei oftmals von außen aufoktroyiert (S. 103 ff.). Aber mitunter kann man diese Rahmen auch selbst ändern („Reframing“) – und schon ist wieder alles im Lot. Manchmal kommt es halt „nur“ auf die Sichtweise an!

Die vielen plastischen und manchmal verblüffend einfachen Fallbeispiele, die der Autor präsentiert, machen dieses Buch sehr unterhaltsam und die zugrunde liegende Theorie sehr plausibel und greifbar. Beispiele gefällig? Gerne: „Nehmen sie kleine Teller, denn sie machen schneller satt“ (S. 119) oder auch „Schlafen sie genug“ (S. 198), denn das sei nicht nur der Gesundheit, sondern auch der Karriere förderlich. Damit die ganzen Beispiele nicht wie hohle Behauptungen anmuten, unterlegt Ankowitsch seine Ausführungen mit Zitaten von Fachleuten und aus Studien. Für die Leser, die gerne punktuell weiter in die Tiefe vordringen wollen gibt es eine Fülle von Fußnoten mit weiteren Erläuterungen und Quellenverweisen.

Last but not least weist Ankowitsch darauf hin, dass Probleme nicht prinzipiell schlecht sind (S. 243). Hört sich erstmal paradox an, wird aber logisch erklärt, denn „Probleme zu lösen kann uns erst recht Probleme machen“ (S. 260).

FAZIT:
Ein unterhaltsam zu lesendes und fundiert anmutendes Buch, das zum Nach- und Umdenken anregt.